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Elemir Bourges

Götterdämmerung

Roman
Cover: Götterdämmerung
Manesse Verlag, Zürich 2013
ISBN 9783717522621
Gebunden, 480 Seiten, 24,95 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Alexandra Beilharz. Mit einem Nachwort von Albert Gier. Ein märchenhaft reicher Fürst, der sich auch Jahre nach der bürgerlichen Emanzipation noch geriert wie ein absolutistischer Potentat: Dieser Anachronismus inspirierte Élémir Bourges vor fast 130 Jahren zu einem der raffiniertesten Werke des Fin de Siècle. In seinem Roman spiegelte er alle Spielarten der "Décadence" Prunksucht, Künstlichkeit, Inzest. Und gewährte Richard Wagner einen prominenten Auftritt in der Weltliteratur. Der deutsche Herzog Karl von Este lauscht gerade seinem von Wagner dirigierten Geburtstagskonzert, da fallen die Preußen in seine Residenz ein. Überstürzt muss er das verschwenderische Fest abbrechen und ins Pariser Exil fliehen. Schon in der Kutsche, verleiht der Herzog Wagner einen Orden. Ihr Gespräch endet mit einem Eklat: Dass der letzte Teil des Nibelungenzyklus "Götterdämmerung" heißen soll, empfindet der Herzog als Provokation. Doch Wagners Replik erweist sich als verhängnisvolles Omen, denn in Paris erlebt das Fürstenhaus seinen moralischen Niedergang. Élémir Bourges versteht es, im Pomp seiner Erzählwelten zu schwelgen und im nächsten Moment deren Abgründe aufzuzeigen. Er bewunderte Wagners Musik und ließ sich bei seinem Roman von den opulenten Klängen des Komponisten anregen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.07.2013

Élémir Bourges' "Götterdämmerung" erschien das erste mal 1884, ein Jahr nach Richard Wagners Tod, und wurde nun zum ersten Mal ins Deutsche übersetzt, berichtet Stephan Speicher, der unsicher ist, ob das Buch den späten Aufwand wirklich wert war. Bourges erzählt die Geschichte des Herzogs von Blankenburg, der ein begeisterter Wagner-Hörer ist. Die Handlung hangelt sich an Aufführungen von dessen Opern entlang, die meist das Stichwort für irgendein Ereignis liefern, den Einmarsch der preußischen Truppen etwa, fasst der Rezensent zusammen. Es gibt Intrigen, Giftmorde und Inzest zu bestaunen, alles in einer schweren Üppigkeit vorgetragen, die Gewichtigkeit heischen möchte, der Rezensent kann damit nichts anfangen. Anders als Wagner scheint Bourges keine Notiz von der Gedankenwelt seiner Epoche zu nehmen, er bleibt dem Prunk der höfischen Literatur verhaftet, erklärt Speicher.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.07.2013

Großes Kino hat Thomas Laux da gelesen. Allerdings bleibt seine Besprechung von Elemir Bourges Roman eher Kammerformat. Die Inhaltsangabe der Geschichte des Niedergangs einer herzoglichen Dynastie, Inzest-Thema inklusive, schildert Laux zwar ausgiebig, über Bourges Stil (detailliert, witzig) und den Aufbau des Textes erfahren wir jedoch wenig. Apparat und Übersetzung findet Laux informativ beziehungsweise sehr elegant.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 18.05.2013

Gemischte Gefühle hat die Neuausgabe von Élémir Bourges' erstmals 1884 erschienenem Roman "Götterdämmerung" bei Rezensent Tim Caspar Boehme ausgelöst. Der von Richard Wagner inspirierte Autor erzählt für ihn geradezu "rauschhaft" vom Niedergang eines deutschen Adelsgeschlechts. Er findet in dem Roman nicht nur zahlreiche Anspielungen auf das Werk Wagners, sondern auch zwei leibhaftige Auftritte des Komponisten. Besonders die Schilderungen des Luxus, in dem die Hauptfigur, der steinreiche Fürst Karl von Este, lebt, haben es Boehme angetan, ebenso die detaillierten Beschreibungen der seelischen Abgründe und menschlichen Defizite der handelnden Personen, die überwiegend gierig, niederträchtig, intrigant, sadistisch erscheinen. Im letzten Kapitel allerdings bereut der Rezensent die Lektüre des Werks fast, lässt der Autor doch hier seinem Antisemitismus freien Lauf.