Eingegrenzt - Ausgegrenzt

Bildende Kunst und Parteiherrschaft in der SED 1961-1989
Akademie Verlag, Berlin 2000
ISBN 9783050033488
Gebunden, 721 Seiten, 24,54 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Hannelore Offner und Klaus Schroeder. Anhand jetzt zugänglicher Akten zeigen die Beiträge des Bandes, wie SED und MfS den Künstlerverband und die Akademie der Künste ideologisch ausgerichtet und durchdrungen haben. Letztere fungierten nicht nur als offizielle Interessenvertretungen der Künstler, sondern waren fest eingebunden in die Kontrolle und Disziplinierung der Künstler über den Berufszugang und die Auftrags- und Fördervergabe. Erstmals wird für die Bildende Kunst beschrieben, wie auch hier das MfS als verlängerter Arm der SED in enger Abstimmung und Verflechtung mit dem Künstlerverband und anderen kulturellen Institutionen Maler, Grafiker und Bildhauer überwachte und die Rahmenbedingungen ihrer Arbeit bis hin zu "Zersetzungsmaßnahmen" zu lenken versuchte. Sie verweigerten unter anderem politisch unliebsamen Künstlern das Studium, relegierten sie von der Hochschule, steuerten die Verbandsaufnahmen, verhinderten Studienreisen, verboten Ausstellungen und schlossen Galerien. Ein umfangreiches Register bietet einen Überblick über die mehr als 1500 seit 1949 aus der DDR vertriebenen und ausgereisten Künstler und Kunstwissenschaftler.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.02.2001

In einer sehr umfangreichen und detaillierten Rezension setzt sich Eckhart Gillen mit diesem Band recht kritisch auseinander. Neben lobenden Erwähnungen - etwa von Hannes Schwengers Beitrag über "Die Akademie und den Künstlerverband der DDR" - nimmt Gillen besonders genau die Untersuchungen Hannelore Offners unter die Lupe. Offner kann nach der Feststellung des Rezensenten zwar "überzeugend nachweisen", wie eingespielt die Zusammenarbeit zwischen MfS und dem Verbandsapparat (VBK) funktionierte und legt, wie Gillen lobt, auch gut nachvollziehbar dar, dass es auch Verweigerungsmöglichkeiten bei der Mitarbeit für das MfS gab. Doch letztlich überwiegen bei Gillens Diagnose kritische Töne. Viele Aussagen Offners findet er wenig aussagekräftig, pauschal, nicht tiefgreifend genug. Gerne hätte er mehr erfahren über die Motive einzelner Personen bei der Mitarbeit für das MfS und welche Folgen das hatte. Bei Offners Interpretationen von Stasi-Akten werde darüber hinaus nicht immer deutlich, wo ein Informanten oder die Stasi spricht, weshalb bisweilen ein Konjunktiv angemessen gewesen wäre anstelle des Indikativs. Auch hätte sich Gillen Rückfragen bei den "Tätern" gewünscht, die Offner nicht angestellt hat. Besonders stark kritisiert er jedoch, dass Personen wie Jörg Makarius, der nachweislich von der Gauck-Behörde entlastet worden ist, hier als `IM Jörg` präsentiert und von Offner absichtliche ins "Zwielicht" gerückt wird. Ähnliches gilt, so Gillen, für Offners Äußerungen über die Galeristin Inga Kondeyne. Hier stelle die "zwangsläufig befangen Autorin offensichtlich die Tatsachen".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.01.2001

Der fatale Zusammenhang zwischen Literatur und Staatssicherheit ist in dem von Joachim Walthers herausgegebenen und längst als Standardwerk geltenden Buch "Sicherungsbereich Literatur" dargestellt. Den Beweis dafür, dass die bildenden Künstler in der DDR mit einer vergleichbaren beklemmenden restriktiven Situation konfrontiert waren, liefert das von Hannelore Offner und Klaus Schroeder herausgegebene Werk mit dem aussagekräftigen Titel "Eingegrenzt - Ausgegrenzt". Als "ein Buch, das es in sich hat", charakterisiert der Rezensent Udo Scheer diese Neuerscheinung, denn hier werde die Funktion der "Kunst als Waffe" genau analysiert. Scheer gibt einen Ausblick auf die Ergebnisse eines achtköpfigen Autorenteams, das unter der Schirmherrschaft des Forschungsbundes SED-Staat an der FU-Berlin tätig war und deren Ergebnisse, so Scheer, sich keinesfalls mit einem immer wieder zu beobachtenden verklärenden Rückblick auf die DDR vereinbaren lassen. Hier erfährt man, wie Öffentlichkeit unliebsamer Künstler verhindert und beruflicher Misserfolg organisiert wurde und welche Rolle beispielsweise der VBK dabei gespielt hat. Dass "Malerfunktionäre" wie Sitte als langjähriger Vorsitzender dieses Verbandes und Mitglied der Kulturkommission des ZK sowie Heisig als Rektor der Hochschule für Grafik und Buchkunst nun ins Zwielicht geraten, ist nach Scheer nur einer der vielen interessanten Aspekte dieser Studie.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.12.2000

In einer "umfangreichen, fundierten" Studie, so das Urteil des Rezensenten Franz Zelger, wird hier die Überwachung der Kunst und der Künstler in der DDR durch das Ministerium für Staatssicherheit geschildert. Das Fazit scheint eindeutig: es gab nur ausgesprochen wenige Nischen, in denen die ideologische Durchformung der DDR-Kunst nicht gelang. Rigide wurde von der Zulassung zum Studium bis zur Ermöglichung von Ausstellungen und Westreisen fast jeder Bereich der Betätigung kontrolliert. An Einzelbeispielen, den Fällen der Künstlerin Annemirl Bauer und des Malers Dieter Dressler, wird das "ausgeklügelte Spitzel- und Denunziantenwesen" demonstriert. Klar wird auch, dass aus dem Westen nur sehr begrenzt Hilfestellung für ausgegrenzte Künstler zu erwarten war, da die "guten Kontakte" in den Osten für westliche Galerien und Institutionen nicht gefährdet werden sollten. Der Rezensent lobt die "wissenschaftliche Genauigkeit", mit der die vorliegenden Akten und Zeitzeugeninterviews zu einer "kritischen Analyse" verdichtet werden.