Eberhard Straub

Albert Ballin

Der Reeder des Kaisers
Cover: Albert Ballin
Siedler Verlag, Berlin 2001
ISBN 9783886806775
Gebunden, 272 Seiten, 20,40 EUR

Klappentext

Als am 20. Juni 1914 das größte Schiff der Welt in Hamburg im Beisein des Kaisers auf den Namen "Bismarck" getauft wird, hat die Geschichte der Hapag ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Die 1847 als Hamburg-Amerika-Packet-Aktiengesellschaft gegründete Reederei hat - national wie international - alle Konkurrenten hinter sich gelassen, ein kometenhafter Aufstieg, der sich einem Mann verdankt: Albert Ballin. Autor Straub entfaltet mit der Biografie Ballins zugleich die Unternehmensgeschichte der Hapag. Er erzählt von verzweifelten Auswanderern und vornehmen Touristen, von hamburgischen Patriziern wie Carl Laeisz, Konkurrenten wie Adolph Woermann und den Godeffroys, von internationaler Verflechtung und nationalen Animositäten. Es ist eine Erfolgsgeschichte, wie sie erst das Kaiserreich hervorbringen konnte. Als es zusammenbricht, sieht auch Ballin keine Zukunft mehr. Am 8. November 1918 nimmt er eine Überdosis Beruhigungsmittel.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.07.2001

Ulla Fölsing bietet in ihrer Rezension eine Kurz-Biografie Ballins, in der sie vor allem auf seinen Aufstieg bei der Hapag und seine Bedeutung im Kaiserreich eingeht. Was das Buch Straubs betrifft, so bedauert sie, dass die Figur Ballins hier "etwas blass" bleibe, allerdings weist sie auf die Aussage des Autors hin, dass die Quellenlage in dieser Hinsicht recht dünn gewesen sei. Dafür sieht Fölsing die geschäftlichen Aktivitäten Ballins recht gut und "umfassend" dargestellt - wenngleich sie einige Fehler in der Biografie entdeckt hat. Großes Lob äußert sie über die Aufmachung des Buchs: Die Fotografien, Grafiken und Seekarten machen es ihrer Ansicht nach "zu einer hübschen Hamburgensie".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.07.2001

Volker Ullrich ist von diesem Band enttäuscht, besonders weil er die Ballin-Biografie von Susanne Wiborg schon kennt, die ihm ausgesprochen gut gefallen hat. Straub jedoch sei es nicht gelungen, einen "angemessenen Zugang" zu Ballin zu finden, und so schwanke diese Biografie zwischen "Hagiografie und Abwertung". Merkwürdig findet Ullrich auch, dass Straub Ballins jüdische Herkunft als bedeutungslos für dessen Lebenslauf bewertet und ihn in die Nähe wilhelminischer Imperialisten rückt, ohne beispielsweise dessen Bemühungen zu würdigen, einen Kriegseintritt Englands zu verhindern. Darüber hinaus hat der Rezensent zahlreiche Fehler in diesem Buch ausgemacht, etwa bei dem Kürzel 'Hapag', das er hier falsch interpretiert sieht. Auch die Sprache gefällt Ullrich nicht. Sie erscheint ihm "überladen, verquast, mit Modernismen und Allerweltsweisheiten gespickt", wofür der Rezensent auch zahlreiche Beispiele anführt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.05.2001

Klaus Wiborg findet an dieser Biografie Ballins, der bis 1918 Generaldirektors der Reederei Hapag war, kein gutes Haar. Seine Kritik beginnt damit, dass ein Ballin-Biograf zumindest hätte herauszufinden müssen, wofür die Abkürzung Hapag steht, und endet bei dem Vorwurf allzu vieler sachlicher Fehler und Übergehung wichtiger historischer Fakten in dem Buch. Besonders das Bemühen des Autors, Ballins unerhörten wirtschaftlichen Erfolg mit "Glück" zu begründen, findet der Rezensent absolut verfehlt. Hier "verhaspelt" sich der Autor. Sprachliche Missgriffe wie beispielsweise "Humanware" für Auswanderer, helfen auch nicht gerade, das Urteil des Rezensenten positiv zu beeinflussen, und so bleibt es durch und durch vernichtend.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.02.2001

Rezensent Johannes Willms zeichnet in seiner Besprechung vor allem die Geschichte vom rasanten Aufstieg des Alfred Ballin nach, der aus den grauen Zonen des jüdischen Kleinbürgertums über die von seinem Vater gegründete Agentur für Auswanderer nach Amerika bis schließlich an die Spitze der Hapag kletterte. Diese baute er bis zum Jahre 1898 in "atemberaubendem Tempo" zur führenden Reederei in der Welt aus. Straub verknüpfe diese Geschichte mit einer lebendigen Schilderung der deutschen Gesellschaft Ende des 19. Jahrhunderts, die durchaus ähnlich "parvenühafte Züge" hatte wie der in Jütland geborene Ballin. Gelegentlich findet er den "Detailreichtum" technischer Ausführungen etwas ermüdend, aber alles in allem lobt Willms die schwungvolle Erzählweise, bei der gelegentlich die Metaphern "aus der Kurve" getragen werden.
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