Weiterleitung zu einzigem Ergebnis

Eberhard Rathgeb (Hg.)

Die engagierte Nation

Deutsche Debatten 1945-2005
Cover: Die engagierte Nation
Carl Hanser Verlag, München 2005
ISBN 9783446206311
Gebunden, 447 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Von Thomas Manns Aufarbeitung der deutschen Schuld zur Friedenspolitik Willy Brandts, von Karl Jaspers Protest gegen die Atombewaffnung zu Wolf Biermanns Verteidigung des Irakkriegs, von der Anerkennung der DDR bis zur "Wende" von 1989, von der Ökologie bis zur Genmanipulation. Debatten und Auseinandersetzungen, die sechs Jahrzehnte deutscher Politik hautnah erleben lassen - in ihrem aktuellen Kontext erklärt und kommentiert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.03.2006

Elke Nicolini bescheinigt Eberhard Rathgeb ein hohes Maß an "intellektueller Redlichkeit" und mit seinem Band über die großen Nachkriegsdebatten in Deutschland ein "kluges, erhellendes Geschichtsbuch" vorgelegt zu haben. Es versammelt wegweisende Texte - wie Elisabeth Selbers Rundfunkrede zur Gleichstellung von Mann und Frau von 1949, Theodor W. Adornos Schrift "Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit" von 1959, den Briefwechsel zwischen Hannah Arendt und Hans Magnus Enzensberger von 1964, Jürgen Habermas' Rede zur politischen Rolle der Studentenschaft von 1967 oder Sebsatian Haffners Plädoyer für die Anerkennung der DDR von 1970. Auch finden sich wichtige Texte zur Gentechnik, Demografie oder zur deutschen Beteiligung am Kosovo-Krieg. All diese Debattenbeiträge stelle Rathgeb in einen historischen und intellektuellen Kontext und zitiere andere Stimmen zum Thema. Was die Rezensentin dem Buch auch verdankt ist Rathgebs Hinweis darauf, dass in den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik Debatten viel existenzieller waren. Die Diskutanten warfen nicht nur Argumente in die Diskussion, sondern ihre Existenz, schreibt Nicolini. Sie lebten, wie sie dachten.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 29.12.2005

Eberhard Rathgebs Idee, 90 Debattenbeiträge der vergangenen 60 Jahre zusammenzustellen, findet Rudolf Walther recht "originell", und auch die Umsetzung findet im Großen und Ganzen seine Zustimmung. Bei den Autoren vermisst Walther aber einige Größen wie Peter Szondi oder Alexander Kluge und unterstellt Rathgeb einen Hang zu konservativen und rechtsliberalen Denkern. Jeder Autor wird mit einem Beitrag präsentiert, und nur in manchen Fällen hätte Walther sich einen anderes Stück ausgesucht. Unrecht widerfahre etwa Karl-Heinz Bohrer, der mit seinem "peinlichen Auftritt als Falklandkrieger" von 1982 vertreten sei. In den einleitenden Texten zu jedem Beitrag hat der Rezensent zwar einige Fehler entdeckt, die ihn aber nicht weiter stören. Insgesamt sind die Kommentare immer noch "solide", so Walther.