Dirk Baecker

Studien zur nächsten Gesellschaft

Cover: Studien zur nächsten Gesellschaft
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2007
ISBN 9783518294567
Taschenbuch, 229 Seiten, 10,00 EUR

Klappentext

Die nächste Gesellschaft ist die Computergesellschaft. Sie wird sich von der Buchdruckgesellschaft der Moderne so dramatisch unterscheiden wie diese von der Schriftgesellschaft der Antike. Hatte es die Antike mit einem Überschuss an Symbolen zu tun und die Moderne mit einem Überschuss an Kritik, so wird sich die nächste Gesellschaft durch einen Überschuss an Kontrolle auszeichnen. Auf die Struktur eines Überschusses an Sinn, so hat Niklas Luhmann spekuliert, muss eine Kultur mit der selektiven Handhabung dieses Überschusses antworten, wenn die Gesellschaft die Einführung eines neuen Kommunikationsmediums überleben können soll. Die in diesem Band versammelten Studien arbeiten diese These aus und zeigen, wie die Soziologie mit relativ einfachen Ideen vielfach vernetzte und scheinbar opake Phänomene anschaulich werden lassen kann.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 19.01.2008

Die nächste Gesellschaft - den Ausdruck hat der Soziologe Dirk Baecker von Peter F. Drucker - ist eine, die die Moderne hinter sich lässt. Vielleicht leben wir schon in ihr, die Versuche, sie soziologisch zu beschreiben, sind aber noch tastend. Die nächste Gesellschaft, so Baecker, wird die von seinem Lehrer Niklas Luhmann beschriebene Form funktionaler Differenzierung hinter sich lassen, netzwerkartiger operieren und sich auf den Umgang mit Computern, die gesellschaftlich mitkommunizieren, einstellen - oder tut es bereits. Als neue Bearbeitungsform der nächstgesellschaftlichen Herausforderungen betrachtet Baecker das von Luhmann in die Diskussion gebrachte "Formenkalkül" des eigensinnigen Logikers George Spencer Brown. Wie genau das alles zugehen und begrifflich erfasst werden soll, stellt der Rezensent Harry Lehmann fest, vermag auch Dirk Baecker nicht zu sagen. Auch findet der Rezensent den gewaltigen spekulativen Wagemut des Autors, der sich in mehreren Durchgängen stets von Stammesgesellschaften bis in die Gegenwart begibt, durchaus riskant. Insgesamt aber, resümiert er mit viel Respekt, sei das ganze sehr lesenswert. Auf die Ausarbeitung einer netzwerktheoretisch überholten Systemtheorie - die womöglich gar die Basisunterscheidung von System und Umwelt hinter sich lassen muss - dürfe man sehr gespannt sein.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.12.2007

Sollte es sich bei dem Verfasser der Rezension, Christoph Möllers, um den bekannten Göttinger Staatsrechtler und häufigen FAZ-Autor handeln? Da die Redaktion der FAZ nie über die Autoren ihrer Rezensionen informiert, ist man auf Vermutungen angewiesen. Wie auch immer: Dirk Baeckers Essays zur "nächsten Gesellschaft" stoßen auf die Zustimmung des Rezensenten. Möllers schildert, wie sich Baecker mit Luhmanns Theorien im Handgepäck auf den Weg in die Zukunft macht, und findet, dass Baecker durchaus mit gewinnbringenden Spekulationen aufwarten kann. Den Computer betrachte Baecker, anders als noch Luhmann selbst, als eine dem Buchdruck vergleichbare Medienrevolution, die entsprechendes Gedankengut und neue gesellschaftliche Formierungen hervorbringen wird. Kommt es Baecker vor allem darauf an, dass sich die Zukunft nach Luhmanns stets neu und gleich appliziertem Begriffsinstrumentarium richtet? Manchmal scheint es dem Leser der Rezension, als wollte Möllers eine derartige Diagnose stellen. Dann aber konstatiert er auch eine derart überschießende Brillanz und Assoziationskraft des Buchautors, dass die Lektüre jenseits theoretischer Monotonie zu lohnen scheint.