Dimitre Dinev

Ein Licht über dem Kopf

Erzählungen
Cover: Ein Licht über dem Kopf
Deuticke Verlag, Wien 2005
ISBN 9783552060005
Gebunden, 192 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

In den Erzählungen von Dimitre Dinev begegnen wir Menschen unterschiedlichster Herkunft. Einige Geschichten spielen in Bulgarien zur Zeit der kommunistischen Herrschaft, andere in Wien, freilich einem Wien der Einwanderer, der Unterprivilegierten, die jeden Tag aufs neue um ihre bloße Existenz zu kämpfen haben.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.11.2005

In Hans-Peter Kunischs Augen hält Dimitre Dinevs Erzählband "Ein Licht über dem Kopf" zwar nicht ganz, was sein Erstlingsroman versprochen hat. Aber trotzdem kann sich der rezensent zu dem Lob durchringen, dass hier erhebliches literarisches Potenzial liegt. Eigentlich gefällt ihm nur die etwas arg zerfaserte Geschichte "Die Handtasche" nicht, ansonsten hat der Rezensent viel Spannendes gefunden. Besonders beeindruckt ihn, wie Dinev seine Geschichten mit dem "Wunder des Happy Ends" enden lassen kann, ohne damit der illusionlos beschriebenen Wirklichkeit die Überzeugungskraft zu rauben.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 01.06.2005

Carmen Eller hat die Welt von Dimitre Dinevs "haarsträubenden Geschichten" nur ungern verlassen, denn darin, schreibt sie, "kann der Leser noch über das Schreckliche lachen und gerade dann Wehmut empfinden, wenn seine Figuren Momente des Glücks erleben". Sie handeln von Heimatlosen auf der Suche nach Heimat, von Einsamen auf der Suche nach Liebe, von Arbeitslosen auf der Suche nach Arbeit - kurzum, von "Schwindlern und Schmugglern, Flüchtlingen und Fensterputzern, Passfälschern und Pferdedieben". Osteuropäer im Westen, wie der Autor einer ist. Die Rezensentin ist begeistert von der Fähigkeit des Chamisso- Preisträgers, den "Konflikt der Menschen mit der Macht" zu erfassen und dabei "zugleich zu schockieren und zu amüsieren". Seine Mittel sind sprachliche: Dinev weiß zu charakterisieren, zu ironisieren, zu kontrastieren, zu rhythmisieren.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.05.2005

Erfreut zeigt sich Rezensentin Barbara Villiger Heilig von diesem Band mit Erzählungen Dimitre Dinevs. Sie sieht in dem deutschschreibenden Bulgaren, der sich schon vor seiner Flucht aus der Heimat und während langer Jahre des Sich-Durchschlagens in der Wiener Emigration als Schriftsteller betätigte, einen "talentierten Phantasierer", dessen Prosa sich durch "rasante Leichtfüßigkeit" auszeichne. Dinevs Sprache passe sich mit "galoppierendem Rhythmus", "frechen Parallelführungen" und "überraschenden Metaphern" seinen "High-Speed-Storys" an. Villiger Heilig bescheinigt Dinev einen von "kaustischem Humor geprägten Realitätssinn", wobei sie hinzufügt: immer durchzieht die Realität ein Hauch von Surrealem." Dass der vorliegende Band auch bereits anderswo publizierte Geschichten versammelt, fände sie eigentlich in Ordnung. Nur handelt es sich gerade hier nicht um die besten Geschichten des Bandes. Während sie der Mythenparodie "Von Haien und Häuptern" wegen ihres Mangels an inneren Stimmigkeit kritisiert, findet sie die Erzählung "Wechselbäder" schlicht blendend. Daneben hebt sie "Lazarus" hervor, für sie eine der "stärksten Stücke" des Bandes.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 17.03.2005

"Niemand kann so schön von der Sonne erzählen": Dem Rezensenten Stefan Kister ist geradezu lyrisch zumute nach der Lektüre von Dimitre Dinevs Erzählband "Ein Licht über dem Kopf". Verantwortlich für soviel Begeisterung ist die besondere Art von Zuversicht, die aus den Zeilen des bulgarischen Autors spricht, die unerschütterliche Zuversicht seiner Figuren nämlich trotz der "ausweglosen Situation", in der sie sich allesamt befinden. Denn sie sind Immigranten, die den weiten Weg aus Bulgarien in das gelobte Land Österreich auf sich genommen haben, und die davon träumen dazuzugehören und sei es, indem sie in den Straßen von Wien als Müllmänner arbeiten. "Gauner, Krisengewinnler, Neuordnungsverlierer und auch normale Leute", ihnen allen, so der Rezensent, ist eine fast in Mythische gesteigerte Kraft zur Verwandlung zu eigen. Besonders eindrucksvoll komme dies in jener Erzählung zum Ausdruck, in dem eine aus Dichterhaut gegerbte Tasche von einem Besitzer zum nächsten wandere, bis sie einer verstummten Frau die Sprache wiederschenke.
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