Die Schleifung

Zerstörung und Wiederaufbau historischer Bauten in Deutschland und Polen
Cover: Die Schleifung
Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2005
ISBN 9783447050968
Kartoniert, 226 Seiten, 19,80 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Dieter Bingen und Hans-Martin Hinz. Zur Kultur- und Gesellschaftsgeschichte gehört die bewusste Zerstörung, die Überformung von Strukturen, Bauwerken und Objekten von symbolischer, politischer oder religiöser Bedeutung mit dem Ziel der Identitätsstörung. Der Umgang mit den zerstörten Gebäuden und Strukturen spiegelt die Absicht, neue Identitäten zu schaffen bzw. an frühere anzuknüpfen. Das Phänomen der Zerstörung symbolträchtiger Bauten und der Umgang mit ihnen sowie der sie umgebenden Strukturen ist in gleicher Weise von Sprach- und Begrifflosigkeit gekennzeichnet. So wie der Begriff Ikonoklasmus für den Bereich der Kunstobjekte genutzt wird, fragt sich, ob der Begriff Schleifung für den zerstörerischen Umgang mit historisch-politischen Baudenkmälern zutreffend wäre.
Anhand von Beispielen aus Deutschland und Polen hat diese Fragen ein Workshop im Deutschen Historischen Museum untersucht. Polen und Deutschland bieten sich nicht nur wegen der nachbarschaftlichen Nähe an, sondern insbesondere wegen der Vergleichbarkeit von Gemeinsamkeiten und Gegensätzen in der Zerstörung und im Umgang mit dem Zerstörten. Experten aus beiden Ländern stellen Beispiele des Abrisses und des Wiederaufbaus historischer Bauten und Ensembles heraus und diskutieren, ob sich aus Ähnlichkeiten der Entwicklungen definitorische Typisierungen beschreiben lassen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.12.2005

Warum wurde das Berliner Stadtschloss abgerissen? Keineswegs, behauptet in einem Essay Werner Durth, habe es sich um einen Akt der damnatio memoriae gehandelt. Man brauchte - ganz pragmatisch - einfach Platz für Massenaufmärsche im Zentrum der ostdeutschen Hauptstadt. Der Essay, in dem diese und andere städtebaulichen Thesen zu finden sind (etwa die, dass die Stadtplaner über die tabula rasa der Bombenverheerungen des Krieges froh gewesen seien, weil sie nun ihre Visionen verwirklichen konnten), ist Bestandteil des Sammelbandes "Die Schleifung. Zerstörung und Wiederaufbau historischer Bauten in Deutschland und Polen". Rezensent Stefan Laube hat die vierzehn Essays des Bandes - Ergebnis einer Tagung, die vom Deutschen Historischen Museum und vom Deutschen Polen-Institut veranstaltet wurde -, mit Vergnügen gelesen. Gerade die deutsch-polnische Doppelperspektive empfand er als erfrischend und belehrend, auch wenn kaum "abgeschlossene Forschungsergebnisse" vorgelegt werden, auch manche These "so neu nicht" ist. Wie ging man in Deutschland und Polen jeweils mit der städtebaulich fixierten Vergangenheit um? Warschau zum Beispiel präsentiert sich über seine Denkmäler dem Besucher ganz bewusst nicht als historischer Ort, sondern als "romantische Vision". Die Verfasser der Essays sind Historiker, Museologen, Denkmalpfleger und Kunsthistoriker, die "thematische Palette" reicht von Helgoland über Frankfurt am Main und Danzig bis zu Ground Zero. Monieren muss der Rezensent allerdings, dass die Herausgeber auf Abbildungen verzichtet haben.
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