Die (koloniale) Begegnung

Afrikanerinnen in Deutschland 1880-1945 - Deutsche in Afrika (1880-1918)
Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main 2003
ISBN 9783631391754
Broschiert, 322 Seiten, 49,90 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Marianne Bechhaus-Gerst und Reinhard Klein-Arendt. Der vorliegende Band umfasst 22 Beiträge von Teilnehmerinnen und Teilnehmern einer internationalen Konferenz, die im September 2001 in Bonn-Bad Godesberg stattfand. Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlicher Disziplinen, wie z.B. Afrikanistik, Geschichtswissenschaft, Ethnologie, Jura, Literatur- und Religionswissenschaft sowie Soziologie, diskutierten interdisziplinär über die vielfältigen Aspekte der Begegnung zwischen AfrikanerInnen und Deutschen in der kolonialen und postkolonialen Epoche bis 1945. Neu war vor allem, dass die Geschichte(n) der Begegnung von AfrikanerInnen und Deutschen in den ehemaligen deutschen Kolonien und in Deutschland selbst als unterschiedliche Aspekte einer gemeinsamen bzw. geteilten Geschichte angesehen wurden. Viele Beiträge in diesem Band machen deutlich, dass die bisher praktizierte Trennung dieser beiden Aspekte eine künstliche ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 02.02.2004

Alles in allem ist Andreas Eckert zufrieden mit diesem Sammelband, der über deutsche Kolonien in Afrika einerseits und Afrikaner in Deutschland andererseits berichtet. Zunächst findet der Rezensent es lobenswert, dass diese Aufsatzsammlung es nicht versäumt, das prinzipielle Machtgefälle und die "koloniale Gewalt" zu betonen, wie etwa der Genozid an den Herero, den Jan-Bart Gewald in seinem Beitrag beschreibt, deutlich macht. Doch während der deutsche Kolonialismus schon recht ausgiebig in der Literatur behandelt worden ist, wie der Rezensent Meint, gibt es über Afrikaner, die zwischen 1880 und 1945 in Deutschland lebten, kaum "grundlegende Untersuchungen". Deshalb preist Eckert es als besonderes "Verdienst" dieses Bandes, dass sich einige Aufsätze, wie beispielsweise der Beitrag von Peter Martin, der Geschichte von Afrikanern in Deutschland widmen. Dass die Herausgeber die einzelnen Aufsätze lediglich alphabetisch geordnet haben, findet er allerdings etwas schwach und er hätte sich auch eine Einleitung gewünscht, die noch einmal die Hauptaspekte der einzelnen Beiträge hervorhebt. So gehen "einige hoch interessante Texte" leider ein wenig unter, so Eckert bedauernd.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.01.2004

Jan Engelmann nimmt das von Marianne Bechhaus-Gerst und Reinhard Klein-Arendt herausgegebene Buch zum Anlass für psychopathologische Betrachtungen über den kolonialen und postkolonialen Rassismus. In Folge der Inszenierung eines Stückes von Jean-Marie Koltes ("Kampf des Negers und der Hunde") an der Volksbühne macht er sogar eine "neue Berliner Rassismusdebatte" aus und sieht eine Kontinuität des Denkens, die genealogisch bis zum "rassischen Suprematiedenken" Wilhelms II. und Generals Lothar von Trotha zurückgeht, wie der Rezensent mit Jan-Bart Gewald vermutet. Trotha war verantwortlich für das Massaker im Herero-Krieg 1904. So zeige der "fulminante" Beitrag von Ruth Mayer, dass schon immer die "Topik des Viralen" vorherrschend war: Engelmann zitiert die zur Kolonialzeit befürchtete "Infektion" des gesunden Volkskörpers durch Mischehen, einen Satz aus Koltes Stück, in dem es heiße, dass "die Bakterien des Negers (...) die schlimmsten" seien, und den heutigen, biopolitischen Diskurs über Afrika, der sich um Ebola und Aids drehe.
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