Deutscher Oktober 1923

Ein Revolutionsplan und sein Scheitern
Cover: Deutscher Oktober 1923
Aufbau Verlag, Berlin 2003
ISBN 9783351025571
Gebunden, 479 Seiten, 40,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Bernhard H. Bayerlein, Leonid G. Babicenko und Fridrich I. Firsov u. a. Aus dem Russischen von Tanja Timofeeva. Vorwort von Hermann Weber. In der Rückschau auf die Revolutionsgeschichte spielte der "deutsche Oktober" 1923 bisher kaum eine Rolle. Diese Dokumentation spiegelt den wohl letzten offenen Schlagabtausch zwischen Trotzki, Sinowjew, Bucharin, Tschitscherin und Stalin. Während Stalin zur Vorsicht riet, sah sich der Komintern-Vorsitzende Sinowjew bereits als Triumphator unter den Linden. Protokolle des Politbüros der KPR sowie der KPD-Zentrale und Briefe von Pieck, Brandler und Ruth Fischer bieten Stoff für eine Neubewertung der deutsch-russischen Beziehungen in der"Rapallo"- Periode. Radeks Berichte aus Dresden, Mitteldeutschland und Berlin sind ein Zeugnis der sozialen und politischen Verwerfungen in Deutschland, enthüllen die Zersetzung der KPD und die Machenschaften um die Nachfolge Lenins.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.07.2004

Sehr instruktiv findet Rezensent Jochen Staadt diese Dokumentensammlung von Bernhard B. Bayerlein, Leonid G. Babicenko, Friedrich I. Firsov und Aleksandr J. Vatlin zur von der KPD geplanten Deutschen Oktoberrevolution im November 1923. Darin enthalten sind auch die Protokolle jener Politbürositzung vom 4. Oktober 1923, auf der Stalin, Trotzki, Sinowjew und andere sich auf den 9. November als deutschen Revolutionstermin verständigten. Als "seltsam realitätsfern" bestaunt Staadt dieses Protokoll, was sich dann durch weitere Dokumente erkläre. Die KPD hat bei ihren Visiten in Moskau die Stärke und Kampfbereitschaft ihrer "proletarischen Hundertschaften" heillos übertrieben. Erst als die bereits nach Deutschland entsandten sowjetischen Militärberater - wie etwa der Deutschbalte Waldemar Rose - die wahre Lage erkannten, wurde die Revolution abgeblasen, wie Rezensent erzählt, der an dieser Sammlung rein gar nichts zu beanstanden hat.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.12.2003

Nichts auszusetzen hat Volker Ullrich an dieser Edition, die ein entscheidendes Manko der bisherigen Forschung über den Deutschen Oktober 1923 ausgleicht. Über die Ereignisse vor 80 Jahren sei zwar "viel geforscht und geschrieben" worden, aber erst jetzt hätten die Wissenschaftler Zugang zu den Geheimakten der KP Russlands gehabt. Die neuen Möglichkeiten wurden zur Zufriedenheit des Rezensenten ausgeschöpft, über hundert "der wichtigsten Dokumente" seien nun erstmals veröffentlicht. "Zweifelsfrei" würden die Quellen belegen, dass Anfang Oktober in Moskau ein konkreter Aktionsplan für die Machtergreifung der deutschen Kommunisten beschlossen, Geld für Waffen bereitgestellt und die Propaganda intensiviert wurde. Nebenbei werde die Thälmann-Legende geschmälert und die Bolschewisierung der russischen KP in der Folge der gescheiterten deutschen Revolution deutlich. Ullrich gratuliert dem Aufbau Verlag zu diesem zweiten Quellenwerk zur kommunistischen Bewegung in Deutschland.