Deutscher, Jude, Europäer im 20. Jahrhundert

Arnold Zweig und das Judemtum
Peter Lang Verlag, Bern 2004
ISBN 9783906767130
Paperback, 267 Seiten, 54,50 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Julia Bernhard und Joachim Schlör. Die Auseinandersetzung mit der Vielfalt jüdischer Erfahrung zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben von Arnold Zweig (Glogau 1887-Berlin 1968). Seine Kindheit und Jugend sind geprägt von jüdischer Religiosität sowie vom Willen zur Akkulturation. Für Zweig ist die zionistische Idee von grundlegender Bedeutung. Sein Verhältnis zu Deutschland, aus dem er 1933 vertrieben wurde und wohin er 1948 zurückkehrte, war geprägt von den Erfahrungen, die er während seines Aufenthalts in Haifa zur Zeit der Entstehung des Staates Israel machte.
Der vorliegende Band enthält die Beiträge des Arnold-Zweig-Symposiums vom Juni 1999 in Potsdam. Er vereint die Arbeiten von Literaturwissenschaftlern und Historikern zu einer gemeinsamen Anstrengung: das Werk Arnold Zweigs vor dem jeweiligen politischen und gesellschaftlichen Hintergrund mit Bezug auf die Stationen seines Lebens Glogau, Wilna, Berlin, Haifa, Berlin neu zu lesen und zu interpretieren. Dabei wird die jüdische Erfahrung nicht isoliert betrachtet, sondern entsprechend dem Motto Deutscher, Jude, Europäer im 20. Jahrhundert im Zusammenhang mit der deutschen und der europäischen Kulturgeschichte analysiert.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.04.2005

Arnold Zweig gehört - nach anfänglichen patriotischen Anwandlungen - zu den Kritikern des Ersten Weltkriegs, die ihre Fronterfahrungen literarisch verarbeitet haben. Doch anders als viele seiner Kollegen, hebt Andreas Kilcher hervor, habe Zweig auch die Ostfront zum Thema gemacht, wo er als Schreiber im Pressehauptquartier der Heeresleitung "Ober-Ost" in Litauen eingesetzt gewesen sei. Dort trafen die deutschen Besatzer nicht nur auf Polen, Letten, Esten, Weißrussen und Ukrainer, sondern vor allem auf eine Spezies, die bald, erklärt Kilcher, zum Gegenstand einer eigenen ethnografischen und belletristischen Literatur wurde: die Ostjuden. Westliche Intellektuelle verklärten sie "zum Urbild eines lebendigen Judentums", das es im Westen längst nicht mehr gab. An dieser Verklärung trug auch Zweig Schuld, verkündet Kilcher, indem dieser 1918 den Essay "Das ostjüdische Antlitz" schrieb. Die Geschichte dieses Essays und Zweigs Verhältnis zum Judentum wird in dem von Julia Bernhard und Joachim Schlör herausgegebenen Sammelband dokumentiert, unter anderem erfahre man dort auch manches über den Illustrator des Essays, Hermann Struck, so Kilcher, der Leiter des Referats für Jüdische Angelegenheiten in der Militärverwaltung Ober-Ost gewesen sei. Auf andere Beiträge in dem Band geht die Rezension nicht ein.
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