Das Wunder von al-Andalus

Die schönsten Gedichte aus dem Maurischen Spanien
Cover: Das Wunder von al-Andalus
C. H. Beck Verlag, München 2005
ISBN 9783406529061
Gebunden, 350 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Arabischen und Hebräischen von Georg Bossong. Diese Anthologie erschließt eine im deutschen Sprachraum weitgehend unbekannte poetische Welt. Erstmals wird hier die arabische und hebräische sowie die frühromanische Lyrik des mittelalterlichen Hispanien als eine zusammengehörige Einheit vorgestellt. Die meisterhaft übersetzten Gedichte sprechen den heutigen Leser unmittelbar an - und zeugen nicht zuletzt von einem friedlichen Zusammenwirken der Religionen und Kulturen, für das al-Andalus trotz aller Konflikte ein historisch einmaliges Vorbild ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.12.2005

Eine "großartige Anthologie" sieht Stefan Weidner in diesem von Georg Bossong herausgegeben Band, der das poetische Erbe Andalusiens birgt. Er hebt hervor, dass der des Arabischen und Hebräischen mächtige Romanist nicht nur einen Überblick über die arabische Lyrik des Mittelalters gibt, sondern auch die hierzulande noch gänzlich unbekannte, aus dem kulturellen Gedächtnis Andalusiens so gut wie getilgte hebräische Lyrik ausführlich vorstellt. Bossongs reimlose, sich auf metrische Strenge beschränkenden Übersetzungen mit dem Blankvers als "Kern" haben Weidner vollauf überzeugt. Er bescheinigt ihnen Nüchternheit und Treue zum Original, und lobt sie als "souverän und stilsicher" und "oft elegant." Besonders gefallen hat ihm, dass der Band neben den vielen "schönen alten Gedichten" auch "faszinierende Dichterbiografien" bietet, die Bossong "mit Liebe und Sorgfalt" nacherzählt.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.07.2005

Der Rezensent Ludwig Ammann lässt seiner Begeisterung freien Lauf. Denn diese von Georg Bossong herausgegebene Anthologie der Lyrik aus dem maurischen Spanien hat ihn gleich in mehrerlei Hinsicht entzückt. Zum einen mache sie dem deutschsprachigen Publikum eine literarisch hoch bedeutsame und schöpferische Epoche zugänglich, die "das anakreontische Lob von Wein, Weib und Mann" kunstvoll und reich variiere. Zum anderen zeichne sie sich durch eine "souveräne Auswahl" und herausragende Erläuterungen aus. Doch es ist die Übersetzung, die den Rezensenten in jähe Verzückung geraten lässt. Bossong begehe keinen der klassischen Fehler, etwa das Reimschema oder schlimmer noch die Metren der Vorlage beibehalten zu wollen, und dem "Verfremdungseffekt überzogener Treue" anheimzufallen. Seine "rhythmisch streng durchgearbeitete" Verse, findet der Rezensent, sind in einem "zeitentrückten, erstaunlich ungekünstelten hohen Ton" gehalten, der von "größter poetischer Verfeinerung" gekennzeichnet ist und die Gedichte in einem überraschend modernen Licht erscheinen lässt. Und nicht zuletzt trage die Anthologie auch der jüdischen Lyrik Rechnung, die sich vom kulturellen Hoch der Maurenzeit inspirieren ließ. All das bewegt den Rezensenten zum begeisterten Fazit, dass der Leser es hier mit einem zukünftigen Klassiker zu tun hat.