DBC Pierre

Bunny und Blair

Roman
Cover: Bunny und Blair
Aufbau Verlag, Berlin 2007
ISBN 9783351030964
Gebunden, 396 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Henning Ahrens. Im Alter von 33 Jahren werden die siamesischen Zwillinge Bunny und Blair voneinander getrennt. Bunny kränkelt nach der Operation vor sich hin, während Blair seine sexuelle Freiheit genießen will. Tausende Kilometer entfernt, in der Bürgerkriegsregion am Fuße des Kaukasus, erstickt Ludmila Iwanova ihren zudringlichen Großvater. Nun soll sie sich für den Unterhalt der Familie prostituieren. Ihr Foto landet auf der Website eines dubiosen Heiratsvermittlers, und so verliebt sich Blair in Ludmila. Seinen Bruder im Schlepptau, macht er sich auf den Weg gen Osten, um die Frau seiner Träume zu treffen. Es entspinnt sich ein aberwitziges und atemberaubendes Drama, in dem sich alles um die Macht der Triebe, die Überzeugungskraft von Kalaschnikows und ein sättigendes Englisches Frühstück dreht.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.10.2007

Ginge es nach Rezensent Uwe Pralle, so hätte sich DBC Pierre seinen neuen Roman lieber gleich gespart. "Flach und sogar noch unanschaulicher... als eine Landkarte groben Maßstabs" findet er Pierres Ausflug in den Kaukasus, der dem Leser nur die üblichen Klischees von Wodka, Waffen und Prostitution vorführe. Von fremden Ländern intelligent zu erzählen, sei ja eigentlich nicht unmöglich, betont er und verweist auf Graham Greene oder John Le Carre, bei denen Leser stets eine ganze Menge über ein Land erfahren. Pierre sei dies hingegen mit seiner Story um das ehemaliges siamesche Zwillingspaar Bunny und Blair aus London und die schöne Kaukasierin Ludmilla, die gen Westen zieht und am Ende als Ost-Schnäppchen für reiche West-Männer im Internet landet, nicht gelungen. Eine phantasielose und langweilige Zeitvergeudung sei Pierres zweiter Roman, urteilt der Rezensent vernichtend.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.03.2007

Jens-Christian Rabe hat am zweiten Roman des australischen Autors DBC Pierre, der für sein Romandebüt "Vernon God Little" 2003 immerhin den Booker-Preis zuerkannt bekommen hat, nichts zu loben gefunden. Aus zwei Handlungssträngen gebaut, die sich ordentlich abwechseln und am Ende zueinander finden, dreht sich das Buch einerseits um die frisch getrennten siamesischen Zwillinge Bunny und Blair und dann noch um die schöne Russin Ludmilla, erklärt der Rezensent. Was eine ziemlich abgefahrene, skurrile Geschichte hätte werden können, nervt und ermüdet den Rezensenten durch drastische und dabei ziemlich öde Dialoge, weit hergeholte Vergleiche und verunglückte Metaphern. Besonders den Erzähltrick, jedes Kapitel mit einem "Cliffhanger" abzubrechen, findet Rabe sehr enervierend, nicht zuletzt weil so jegliche Sogwirkung im Keim erstickt wird. Respekt nötigt ihm allein die Übersetzungskunst Henning Ahrends ab, auch wenn Rabe bemerkt, dass Ahrend der Bilder- und Metaphernflut Pierres ruhig etwas mehr Widerstand hätte entgegen setzen können.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 10.03.2007

Nicht ganz glücklich ist Rezensentin Judith Luig mit DBC Pierres zweitem Roman geworden. Denn nach seinem fulminanten Erstling "Jesus von Texas" habe sich der Autor mit Großbritannien und den postsowjetischen Republiken nun neue Schauplätze gesucht, mache alles eine Nummer größer, bombastischer und ersticke das Thema mit überambitionierter Gründlichkeit. Strafverschärfend kommt für die Rezensentin die plakative Plattheit hinzu, mit der dieser Autor seinen Themen zu Leibe rückt - die für sie schon mit der Namenswahl für einen der Protagonisten "Blair" beginnt. Der Roman hat zwar Tempo, wie sie schreibt, was dem ständigen Zappen zwischen den Schauplätzen und Protagonisten England und Kaukasus, dem verkommenen Zwillingspaar Blair und Gordon und der postsowjetischen Authentizitätssexbombe Ludmilla geschuldet ist. Doch geht für die Rezensentin Pierres Rechnung künstlicher Westen vs. authentischer Osten nicht auf, und schwappt immer wieder ins Peinliche. Dabei hätte alles so schön sein können, wenn DBC Pierre seinem Talent vertraut hätte, seufzt Luig. Den Übersetzer spricht sie frei von aller Schuld und zitiert dessen Wortschöpfungen nicht unamüsiert, "Geh pimmeln!" zum Beispiel.
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