Colum McCann

Transatlantik

Roman
Cover: Transatlantik
Rowohlt Verlag, Reinbek 2014
ISBN 9783498045227
Gebunden, 384 Seiten, 22,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Dirk van Gunsteren. Dublin, 1845: Der amerikanische Abolitionist Frederick Douglass reist durch das von Hungersnot gepeinigte Irland, wo die Leute schlimmer leiden als unter der Sklaverei. Neufundland, 1919: Die beiden Flieger Jack Alcock und Arthur Brown unternehmen den ersten Nonstopflug über den Atlantik mit Kurs Irland. New York, 1998: US-Senator George Mitchell verlässt seine junge Frau und sein erst wenige Tage altes Baby, um in Belfast die nordirischen Friedensgespräche zu einem unsicheren Abschluss zu führen. "Transatlantik" verwebt drei ikonische historische Momente mit dem Schicksal dreier Frauen: Angefangen bei der irischen Hausmagd Lily Duggan, in der Frederick Douglass die Liebe zur Freiheit weckt, folgt der Roman ihrer Tochter Emily und ihrer Enkelin Lottie in die USA und, später, zurück auf die Insel. Ihr Leben spiegelt den Verlauf der bewegten Nationalgeschichte Irlands und Amerikas. Dabei spielt ein vergessener, über drei Generationen nicht geöffneter Brief eine entscheidende Rolle.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.06.2014

Hans-Peter Kunisch beginnt seine Lektüre mit großer Skepsis, und es dauert eine Weile, bis Colum McCann ihn davon überzeugt, dass er mit diesem Roman nicht einfach nur mit dem Wind der Geschichte segelt oder schlimmer noch von generationenübergreifenden Frauenschicksalen erzählt. Es dauert einfach ein wenig, bis der Roman zu seinen Zentrum und seiner eigentlichen Hauptfigur vorstoße, meint Kunisch, der dann aber sehr eingenommen ist. Denn auch wenn der Roman mit der Atlantik-Überquerung von 1919 beginnt, sich mit dem Besuch eines schwarzen Amerikaners in Irland 1845 fortsetzt und schließlich die Geschichte der Geschäftsfrau Lily erzählt, macht das am Ende alles Sinn. Dann nämlich hat der beglückte Rezensent einen modernen Roman über ein gelungenes Leben gelesen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.05.2014

Aus einem Guss erscheint die Erzählung von Colum McCann der Rezensentin Lena Bopp. Das ist gar nicht so selbstverständlich, denn der Autor verhandelt eine Zeitspanne von 150 Jahren, in Vor- und Rückblenden einige wichtige historische Ereignisse der irischen-amerikanischen Geschichte (Transatlantikflug, Karfreitagsabkommen) und sein angestammtes Thema der Identitätssuche und des Fremdseins im Exil und dazu episodisch diverse persönliche Schicksale. Dass Bopp damit zurecht kommt, liegt an der geschickten Regie des Autors, der gekonnt fiktionale und reale Figuren, Politisches, Historisches und Privates miteinander verzahnt. Gleichberechtigte Erzählstränge und kaleidoskopartige Eindrücke verlangen der Rezensentin zwar reichlich Aufmerksamkeit ab. Doch es lohnt sich, versichert Bopp.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.04.2014

Wie Colum McCann selbst, der aus Irland in die USA ausgewandert ist, überqueren auch die Protagonisten seines Romans "Transatlantik" den Ozean zwischen diesen beiden Ländern, berichtet Sylvia Staude. Die Konstruktion des Romans ist zwar einerseits locker und leicht, aber andererseits aufgrund zahlreicher Zeit- und Ortssprünge schwer zu erklären, erklärt die Rezensentin. So viel immerhin ist klar: Teile des Personals, nämlich die männlichen Protagonisten, sind real existiert habende Personen der Zeitgeschichte: der Abolitionist Frederick Douglass, die ersten Nonstop-Transatlantik-Flieger Jack Alcock und Arthur Brown, der US-Senator George Mitchell. Ihnen gegenüber entwirft McCann eine rein fiktionale weibliche Parallellinie, und das Ganze verflicht er kunst- und kraftvoll zu einem packenden Roman über Schlüsselmomente in der irischen Geschichte, so Staude.

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