Christine Schirrmacher

Es ist kein Zwang in der Religion (Sure 2,256): Der Abfall vom Islam im Urteil zeitgenössischer islamischer Theologen

Diskurse zu Apostasie, Religionsfreiheit und Menschenrechten
Cover: Es ist kein Zwang in der Religion (Sure 2,256): Der Abfall vom Islam im Urteil zeitgenössischer islamischer Theologen
Ergon Verlag, Würzburg 2015
ISBN 9783956500848
Gebunden, 550 Seiten, 78 EUR

Klappentext

Wie stellt sich die Lage in islamisch geprägten Ländern beim Thema Religionsfreiheit, Religionskritik und dem Abfall vom Islam, der Apostasie, dar? Per Gesetz bekennen sich die meisten dieser Länder ausdrücklich zur Religionsfreiheit - praktisch aber erleiden kritische Intellektuelle, progressive Koranwissenschaftler, Frauen- und Menschenrechtler, Konvertiten vom Islam sowie Angehörige nicht-anerkannter Minderheiten vielerorts Diskriminierung, Ächtung, Bedrohung, Inhaftierung oder sogar den Tod. Bei der Ursachenforschung für diese Diskrepanz werden die drei heute vertretenen Hauptpositionen islamischer Gelehrter zur Apostasie erläutert, die von deren global einflussreichsten Vertretern, Yusuf al-Qaradawi (geboren 1926), Abdullah Saeed (geboren 1960) und Abu l-A'la Maududi (1903-1979), verfochten werden. Die Studie beschäftigt sich anhand ihrer Veröffentlichungen zu Religionsfreiheit und Apostasie mit dem ideengeschichtlichen Transfert der "Saat ihrer Worte" (Hrant Dink) in die Gesellschaft sowie mit ihrem weltweit immensen Einfluss auf Theologie, Recht und Politik. Am Ende steht die Frage, welche Voraussetzungen erfüllt werden müssen, damit Verfechter unbeschränkter Religionsfreiheit und Menschenrechte in diesem Teil der Welt vermehrt Gehör finden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.09.2015

Christine Schirrmachers nun unter dem Titel "Es ist kein Zwang in der Religion" erschienene Studie hat Rezensent Rainer Hermann mit Interesse gelesen. Die Islamwissenschaftlerin untersuche hier die Diskurse von drei der einflussreichsten zeitgenössischen Theologen zur Apostasie, berichtet der Kritiker, der hier etwa lernt, dass die Todesstrafe dafür nicht mit dem Koran, sondern vielmehr mit der Geschichte des frühen Islams begründbar sei. Hermann erfährt darüber hinaus, dass einer der radikalsten islamischen Denker der Moderne, der Pakistaner Abul Ala Maududi, alle politischen Verräter als Apostaten betrachtete und ihre Hinrichtung forderte. Insbesondere das Kapitel über den in Australien lehrenden islamischen Theologen Abdullah Saeed erscheint dem Rezensenten wichtig: Dieser lehne die Scharia des frühen Islams ab und begründe mit Bezug auf die islamischen Quellentexten eine völlige Religionsfreiheit. Im "Kerngebiet" der islamischen Welt haben allerdings die Hardliner das Sagen: Hermann zitiert eine Pew-Umfragee von 2010, wonach in Ägypten 84 Prozent aller Muslime die Todesstrafe für Apostasie unterstützen.