Klappentext

"Als ich kürzlich durch Zufall kurz hintereinander die renommierten Sammlungen der Tate Modern, des Centre Pompidou und des Museum of Modern Art besuchte, kam ich mir unwillkürlich vor wie bei einem Zoobesuch. So wie man dort die Elefanten traditionell neben dem Nashorn findet, worauf man sich zu den Giraffen begibt, die Zebras besichtigt und herb enttäuscht wäre, würde man danach nicht auch noch an den Schimpansen vorbeigeführt, war auch hier dreimal ein nahezu identischer Parcours durch die Kunst des 20. Jahrhunderts abgesteckt." Wie konnte aus der großen ästhetischen Revolution eine derart vorhersehbare und gleichförmige Veranstaltung werden? Die Frage stellt sich vor allem deshalb, weil die Ordnungsraster, mit denen Kunstgeschichte und Kunstkritik des frühen 20. Jahrhunderts der überbordenden Fülle neuer künstlerischer Formen Herr werden wollten, allesamt längst obsolet geworden sind.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 30.09.2010

Hanno Rauterberg reibt sich vor Freude die Hände bei all der kunsthistorischen Kampfeslust, die Christian Demand hier an den Tag legt. Dabei hat er sich als Gegner den Großen der Großen ausgesucht, Ernst Gombrich selbst, der in seinem "Geschichte der Kunst" davon ausgeht, dass alle Kunst miteinander verbunden ist. Demand nun streitet gegen die kunsthistorische Praxis, die alle Kunst feinsäuberlich in streng chronologischer Abfolge anordnet und nebeneinander ins Museum hängt als sei der Kunst der naturwissenschaftliche Fortschritt eingebaut. Demand verlangt nach neuen Kriterien, die Geschichte der Kunst zu deuten, Kunst zu beurteilen und jenseits der festgelegten Epochen miteinander zu verbinden. Rezensent Rauterberg genießt das Buch zumindest als Übung im antiautoritären Denken.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.08.2010

Mit seiner Untersuchung "Wie kommt die Ordnung in die Kunst?" leiste der Philosoph und Kunsthistoriker Christian Demand in jedem Fall einen wichtigen Beitrag zur Standortbestimmung der modernen Kunstgeschichte, meint Rezensent Peter Geimer. Durchaus berechtigt findet der Kritiker das Hinterfragen der vorherrschenden "normativen Wesensbestimmungen" der Kunst. Denn wer legt fest, was "Kunst" und was bloß "Mode" ist? Demand komme zu dem Schluss, dass die gängige Ordnung nicht auf einer "kunstimmanenten Logik" gegründet, sondern vielmehr Ergebnis "ethischer Geschmacks- und Werturteile" sei. Bei so viel Polemik hätte sich der Rezensent allerdings etwas mehr "intellektuelle Sprengkraft" gewünscht. Und auch wenn eine umfassendere "historische Analyse" für Demands Versuch einer Neuordnung der kunsthistorischen Erzählmuster nötig gewesen wäre, findet Geimer diesen Kritikanstoß sehr "lesenswert".
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