Carson McCullers

Die Autobiografie

Illumination and Night Glare
Cover: Die Autobiografie
Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2002
ISBN 9783895616099
Gebunden, 320 Seiten, 24,50 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Brigitte Walitzek. Herausgegeben und mit einer Einleitung versehen von Carlos L. Dews. Mit zahlreichen Fotografien. Carson McCullers schaut in ihren Erinnerungen, die sie nicht mehr vollenden konnte, zurück auf ihre sorglose Kindheit in Georgia, ihre ersten Schreibversuche, ihre turbulente Ehe, ihre Freundschaften mit Tennessee Williams, Karen Blixen, Elizabeth Bowen und Marilyn Monroe - und nicht zuletzt auf ihre Krankheiten, die ihr Leben beeinträchtigten und vorzeitig beendeten. Auf ihren Wunsch enthält die Autobiografie auch die bislang unveröffentlichten Briefe, die sie während des Zweiten Weltkriegs mit ihrem Ehemann Reeves McCullers wechselte.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.04.2003

Die Rezensentin Angela Schader ist sichtlich gespalten, was dieses aus autobiografischen Aufzeichnungen und einer Sammlung von Briefen zusammengestellte Buch angeht. In der Tat seien McCullers' Aufzeichnungen kurz vor ihrem Tod und unter großen Anstrengungen entstanden, zu einem Zeitpunkt also, als sie schwer krank war, unfähig selbst zu schreiben und daher auf fremde Hilfe angewiesen - worunter das geschriebene Wort sichtlich leide. Und so ist es vor allem der glücklicherweise beigefügte 34-seitige Romanentwurf zu "Das Herz ist ein einsamer Jäger", der es der Rezensentin in seiner "nüchternen Klarsicht" angetan hat. Er ist, so Schader, wohl der "stärkste, jedenfalls der gedanklich dichteste Text im Buch". Angesichts einiger "aufgetakelter" und daher "misstrauisch" stimmender Episoden, die so sehr an Groschenromane erinnern, dass McCullers unmöglich selbst die Feder geführt haben kann, und der "Sprung- und Lückenhaftigkeit" des Textes bleibt das aufschlussreichste Zeugnis über die Autorin letztlich Virginia Spencer Carrs umfassende Biografie, so die Rezensentin. Dieses Buch "zu schätzen wissen", so Schader, werden vor allem diejenigen, die McCullers schon kennen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.11.2002

Verena Auffermann findet, dass man Carson McCullers keinen Gefallen mit der Veröffentlichung dieser Autobiografie getan habe, die sie kurz vor ihrem Tod vom Krankenbett aus diktiert hat: "Der Stil ist ungelenk, ganz offenbar hat sie den Text nicht überarbeiten können". So liest sich das Ganze "wie das Bulletin eines gepeinigten Menschen". Deshalb empfiehlt sie dem interessierten Leser, sich lieber mit den Erzählungen der Autorin zu beschäftigen - die verraten ihrer Meinung nach nämlich mehr über McCullers bewegtes Leben als diese Autobiographie. In diesem Zusammenhang verweist Auffermann auf die 'Ballade vom traurigen Cafe': "dieses schaurige kleine Meisterwerk überragt alle Legenden und Tragödien in Carson McCullers Leben". Spannend an der Autobiografie findet sie lediglich den Kriegsbriefwechsel zwischen McCullern und ihrem Mann, weil sie eine "aufschlussreiche Studie über Gedächtnis und Verdrängung" abgeben und das beigefügte Expose zu 'Das Herz ist ein einsamer Jäger', das nach Meinung der Rezensentin ein "erstaunlicher Beweis für ihre analytische Arbeitsweise" ist.
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