Bern Florath (Hg.)

Die DDR im Blick der Stasi 1965

Die geheimen Berichte an die SED-Führung
Cover: Die DDR im Blick der Stasi 1965
Vandenhoeck und Ruprecht Verlag, Göttingen 2014
ISBN 9783525375044
Gebunden, 320 Seiten, 29,99 EUR

Klappentext

1965: Die Wirtschaftsreformen der SED, die im Schatten der Mauer eingeleitet worden waren, wurden von einer zaghaften Öffnung hin zu einem vielfältigen "geistigen Leben" begleitet. Das Neue Ökonomische System strebte nach mehr Dynamik und Eigenverantwortlichkeit. Die vom MfS gemeldeten Störungen und Havarien lieferten Munition für den SED-Apparat, der um seine Macht fürchtete. Jugendliche wurden zum Protest provoziert, um reformorientierten Politikern Kontrollverlust vorzuwerfen. Am Ende des Jahres stand das 11. Plenum des ZK der SED, auch als "Kahlschlag-Plenum" bekannt, auf dem der neuen Generation Musik und Hoffnung, den Künstlern Freiheit und Filme und der Wirtschaftsreform das Rückgrat genommen wurden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.08.2015

Arno Widmann liest die seit 2009 erscheinenden Geheimberichte der SED mit Gewinn. Die von der Herausgeberin Daniela Münkel besorgte Reihe jeweils mit Einleitung, Vorwort und CD-ROM zeigt ihm, wie sich das Berichtwesen der Stasi in den Jahren veränderte, und macht ihm bewusst, dass er es hier nicht mit "reinen" Daten zu tun hat, sondern mit von Mielke gesteuerter Schönfärberei. Im von Bernd Florath herausgegebenen Band für das Jahr 1965 zeigt sich für Widmann der Informationsdienst der Stasi einmal mehr als Desinformationsdienst. Alles, vom Unfall über die Konservenindustrie bis zum Rockkonzert, wollte man verstehen und unter Kontrolle haben, erfährt der Rezensent und staunt, wie das bloß gehen sollte.