Klappentext

Taschenmesser und Wolldecke - das sind die einzigen Habseligkeiten, die der 13-jährigen Barbara bei Kriegsende nach ihrer Vertreibung in den Westen bleiben. In ihrer Autobiografie erzählt die Publizistin und Mitbegründerin der legendären Osteuropa-Redaktion des ORF, Barbara Coudenhove-Kalergi, von der untergegangenen Welt der böhmischen Aristokratie, von ihren Anfängen als Reporterin in Wien während des Kalten Krieges, vom Wiedersehen mit ihrer Heimat Böhmen. Und wir erfahren von ihrer Ehe mit dem Reformkommunisten und Vertrauten Rudi Dutschkes, Franz Marek. Die Erinnerungen der Grande Dame des Journalismus in Österreich sind ein einzigartiges Dokument über die Irrungen und Wirrungen Mitteleuropas im 20. Jahrhundert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.08.2013

Schon Barbara Coudenhove-Kalergis Onkel, Richard Nikolaus, hatte sich in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts für den aristokratischen Internationalismus eingesetzt und die "Paneuropa-Bewegung" gegründet, weiß Rezensent Christoph Bartmann. Die Nichte ist dem Familienprojekt treu geblieben, berichtet der Rezensent. In ihrem Buch "Zuhause ist überall" hat die ehemalige Journalistin jetzt ihre Erinnerungen aufgeschrieben  an ihre Kindheit als "Böhmin deutscher Zunge", die sich weder als Deutsche noch als Österreicherin oder Tschechin fühlen konnte, und an ihre aristokratische Familie, die während der Vertreibung nach Österreich floh, wo sie noch Ländereien hatte, fasst Bartmann zusammen. Coudenhove-Kalergi war eine jener Linken, die sich auch im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts noch aktiv für ein anderes Österreich einsetzten. Ihr Unmut über Haider und Konsorten kommt im Buch nicht zu kurz, verrät der Rezensent. Auch für jene ein lesenswertes Buch, die sich nicht mehr an die Journalistin erinnern, findet der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.04.2013

Dirk Schümer ist ganz hin und weg von den Lebenserinnerungen des großartigen "rosaroten Kerzlweiberls" Barbara Coudenhove-Kalergi. Bemerkenswert erscheint ihm die Autorin in mehrfacher Hinsicht: als komplexe Persönlichkeit, rot-schwarze Aristokratin mit ausgeprägtem Hang zu linken Sozialutopien. Die Psychogramme kommunistischer Regime in Ungarn oder Polen, die die Blaublütige mit leichter Hand in ihre Memoiren einfließen lässt, erscheinen Schümer stimmig und nie arrogant, sondern verfasst mit Sympathie für "Kleine-Leute-Schicksale". Rührend findet Schümer Passagen, in denen die Innenperspektive der Pragerdeutschen und historisches Geschehen fast deckungsgleich sind, diejenigen etwa, die der "Samtenen Revolution" gewidmet sind.
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