Antonia Baum

Vollkommen leblos, bestenfalls tot

Roman
Cover: Vollkommen leblos, bestenfalls tot
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2011
ISBN 9783455402964
Gebunden, 239 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Eine junge Frau bricht auf, aus der Provinz in die Stadt, die Hoffnung auf Veränderung ist groß. Aber schnell stellt sie fest, dass sie nicht frei ist: nicht frei vom Unglück ihrer Eltern, nicht frei von der Angst, die sie in Ketten legt, nicht einmal frei in der Liebe, die sich als Farce entpuppt. Wer nur die Geborgenheit eines Gefängnisses kennt, dem erscheint jede Bewegung als Gefahr.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 17.11.2011

Einen ordentlichen Wutanfall hätte Ijoma Mangold sich gern gefallen lassen (sagt er jedenfalls). Aber Antonia Baums Debüt will er nicht als solchen durchgehen lassen. Wenn die Autorin respektive ihre Erzählerin auf die ganze blasierte Kulturschickeria, auf Heuchelei und Hedonismus schimpft, ihre Eltern, ihren Freund und die ganze "Welt voll Scheiße", dann erscheint ihm ihr Furor höchstens kokett, als ein "Monument bürgerlichen Selbstmitleids", . Allerdings muss Mangold festhalten, dass Baum die Bernhard-Stillage beherrscht, sie kann also was. Gut gefallen hat ihm auch, wie sie vom Relaunch eines Lifestyle-Magazins als einem "Hochamt der Angeberei" erzählt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.11.2011

Man spürt Cornelia Fiedlers Wohlwollen angesichts des Debütromans von Antonia Baum und sie beschwört die Leser ihrer Kritik geradezu, diesen wutstrotzenden Roman nicht leichtfertig oder als Thomas-Bernhard-Parodie abzutun. Die Ich-Erzählerin, die hier in ausschweifenden Tiraden über die Schrecken der Schule, den Horror der Familie und gegen eine verlogene Gesellschaft ergeht, überzeugt die Rezensenten nämlich durch die präzisen Analysen der "Mechanismen", die hinter den Konventionen stehen. Auf sprachlicher Ebene macht Baum dies durch "kleine Verschiebungen" deutlich, so Fiedler fasziniert. Manches sprachliche Bild ist ihr zu überzogen, und durch die zwanghaften Gedankengänge der Erzählerin ergibt sich manche Wiederholung, die Fiedler unnötig findet. Insgesamt aber findet sie die Gesellschaftsanalyse, die hier in vollendeter Wutprosa dargelegt wird, beeindruckend genau und "hellsichtig".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.10.2011

Vorschlag an die Verlage von Oliver Jungen: Ab jetzt keine Romane von unter Vierzigjährigen mehr annehmen, bitte. Himmel, was muss Jungen dieses Debüt von Antonia Baum genervt haben! Wie kann es sein, fragt er, dass die Klagenfurter das Buch beinahe einmütig in Stücke zerrissen haben, und ein großer Publikumsverlag es dennoch so eilig hat, dasselbe erscheinen zu lassen. Nun, das würde schon angehen, allerdings ist Jungen noch lange nicht fertig. Dass es nämlich beim Rezensenten landet und ihm die Haare zu Berge stehen lässt mit all seinen ausgedachten, nicht erlebten, wie Jungen betont, Befindlichkeiten, vom Thomas-Bernhard-Abklatsch ganz zu schweigen, das kann er nicht verwinden. Schlecht findet er das, substanzlos, pubertär, prätenziös, voller Stilblüten, blass, um noch ein paar von Jungens groben Eindrücken zu nennen.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 12.10.2011

Interessantes Debüt, meint Jan Wehn etwas schlaff. Das Atemberaubende des Textes, das ihn, wie er schreibt, quasi hineinreißt in diese Hasstirade gegen das vom Zeitgeist diktierte Werden und Sollen, transportiert seine Besprechung jedenfalls nicht. Was so provokant ist an Antonia Baums Roman, vermag der Rezensent auch nicht zu vermitteln. Dass der Roman nicht enervierend oder langatmig ist, wie Wehn uns versichert, ist ja an sich keine schlechte Sache. Als Lektüreempfehlung taugt es allerdings nicht.
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