Klappentext

Werkausgabe: 20 Bände und Registerband. Band II / 6 bearbeitet von Eva Kaufmann.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.05.2006

Sabine Brandt sieht in den zwischen 1967 und 1980 entstandenen Erzählungen die in ihren Romanen so SED-treue Anna Seghers als eine Zweifelnde. Die Rezensentin meint, dass die meisten Haltungen, die die Erzählerin in den Geschichten an den Tag legt, kaum im Sinne der Partei sein dürften, sei es, wenn sie in "Der Treffpunkt" einen kommunistischen Widerstandskämpfer an seiner Angst vor den Nazis scheitern lässt und dafür Verständnis zeigt, oder wenn sie in "Die Reisebegegnung" neben E. T. A. Hoffmann und Nicolai Gogol ausgerechnet den von der DDR geächteten Franz Kafka aufeinander treffen lässt. Die neun Erzählungen sind von auffallender Trockenheit und Schlichtheit, stellt die Rezensentin fest, und im Gegensatz zur Herausgeberin, die das in ihrem Nachwort auch bemerkt, hat Brandt auch die Gründe für diese erzählerische Zurückhaltung parat. Seghers Geschichten, die teils in so fernen Ländern wie Haiti, teils in weit zurückliegenden Zeiten spielen, sind Auswege aus der bedrückenden Realität der DDR, und suchen immer dann Schutz in betonter Lakonie, wenn die Wirklichkeit sie trotzdem einholt, so die Rezensentin.
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