Anna Schreurs

Antikenbild und Kunstanschauungen des neapolitanischen Malers, Architekten und Antiquars Pirro Ligorio (1513-1583)

Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2000
ISBN 9783883753584
Gebunden, 496 Seiten, 96,63 EUR

Klappentext

Mit 203 s/w-Abbildungen. Unter den mehr als vierzig Manuskriptbänden zur Altertumskunde, die Pirro Ligorio, befindet sich auch ein Traktat, in dem kunsttheoretische Aspekte behandelt werden. Von den zentralen Aussagen des Ligorio-Traktates ausgehend, hat Anna Schreurs in einer Fülle von Manuskriptpassagen recherchiert: Beschreibungen antiker Kunstwerke, Kommentaren zur antiquarischen Methode, zu eigenen Werken, zu kunstschaffenden und gelehrten Zeitgenossen. Es gelingt der Autorin, Pirro Ligorios Vorstellung von der antiken Welt zu rekonstruieren, die er als starres System von Ordnung und Regelhaftigkeit interpretierte. Deutlich wird, wie der Antiquar in der Antike die Rettung seiner eigenen, als "verloren" charakterisierten Zeit sah: Nur durch strenge Nachahmung der antiken Kunst und ihrer Regeln, so glaubte Ligorio, könne die Kunst des 16. Jahrhunderts erneuert werden. Neben einer umfangreichen Bibliographie und zahlreichen Vergleichsabbildungen bietet dieser Band im Anhang einen Querschnitt durch die bisher unveröffentlichten Schriften Pirro Ligorios.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.10.2000

Erstmals erfolgt mit dieser großen Ausgabe, so stellt die Rezensentin Katharina Dobai in einer sehr ausführlichen Kritik rühmend fest, eine gerechte Einschätzung des Cinquecento-Architekten und -Antiquars Pirro Ligorio. Vor allem räume die Studie mit dem seit dem 19. Jahrhundert vorherrschenden Verdammungsurteil von Ligorio als "Antikenfälscher" auf. Bei allen Verdiensten wird das Unterfangen jedoch, wie die Rezensentin kritisch anmerkt, seinem eigenen Anspruch, "ein umfassendes Bild" Ligorios zu zeichnen, nicht ganz gerecht. Im folgenden werden dann die wesentlichen Ergebnisse der Studie zusammengefasst. Das reicht von der Würdigung des Anhangs mit einer Vielzahl von Quellentexten über Biografisches bis zum zentralen Thema: Ligorios Verhältnis zur Antike. Ohne Einschränkung hat Ligorio darin das "Goldene Zeitalter" gesehen - die vermeintlichen Fälschungen waren in der Regel Rettungsversuche. Auch in seiner eigenen Kunstauffassung war Ligorio an die Antike gebunden - und zog, dadurch stark beeinflusst, Raffael jedem anderen Künstler seiner Zeit vor. Dem Fazit der Verfasserin, dass Ligorio in erster Linie "Traditionalist" ist, kann die Rezensentin nur zustimmen.
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