Anja Röhl

Die Frau meines Vaters

Erinnerungen an Ulrike
Cover: Die Frau meines Vaters
Edition Nautilus, Hamburg 2012
ISBN 9783894017712
Gebunden, 160 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

"Kind sein heißt allein sein, schuld sein, essen müssen, schlafen müssen, brav sein müssen. Kind sein heißt, sich nicht wehren zu können." So erlebt Anja Röhl ihre Jugend in den 1950er und 60er Jahren. Im Arbeiterviertel Hamburg-Barmbek herrscht die Dumpfheit der Nachkriegszeit. Die Mutter, als geschiedene Alleinerziehende geächtet, ist erst spätabends zu Hause; der Vater, übergriffig und manipulierend, aber von der linken Schickeria hofiert, kommt nur unzuverlässig. Doch als sie fünf Jahre alt ist, stellt ihr ihr Vater, der Konkret-Verleger Klaus Rainer Röhl, seine neue Freundin vor: Ulrike Meinhof. Für das Kind ist sie die einzige Erwachsene, die es wirklich versteht, die für es gegen den Vater Partei ergreift, bei der es keine Angst haben muss vor Strafe und bei der es sich zugehörig fühlt. Die Dankbarkeit für diese Erfahrung prägt auch die Beziehung zu Ulrike Meinhof nach deren Trennung von Mann und Kindern. Anja Röhl bleibt ihr verbunden, besucht sie im Gefängnis, schreibt ihr Briefe, allen Anfeindungen zum Trotz und obwohl sie Ulrikes politische Positionen nicht teilt. Ein Dokument der Zeit- und Mentalitätsgeschichte der frühen Bundesrepublik, aus der Perspektive eines Mädchens erzählt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 02.03.2013

Anscheinend interessanter als das Buch findet Wolfgang Gast die heftigen Auseinandersetzungen darum im Vorfeld: Ausführlich referiert er, wie sich Röhls Halbschwestern gegen die Veröffentlichung gewehrt haben (mit dem Erfolg, dass sämtliche sie betreffende Passagen nun geschwärzt sind) und wie Röhls Vater, dem die Autorin vorwirft, sie sexuell misshandelt zu haben, ihr wiederum vorwarf, als Fürsprecherin und Sachverwalterin von Ulrike Meinhof aufzutreten, der Ehefrau von Röhls Vater und damit wiederum ihre Stiefmutter, zu der sie in Kindertagen ein allerdings ausgesprochen positives Verhältnis entwickelt hatte. Kurz und gut: Seifenoperreife Familienstreitigkeiten allerorten, bei denen Meinhof selbst allerdings herzlich kurz kommt, meint der Rezensent: Um die gehe es "entgegen allen Ankündigungen ... nur an zweiter Stelle" - und so auch in dieser Buchbesprechung.