Alexander Kluge

Die Pranke der Natur (und wir Menschen)

Das Erdbeben in Japan, das die Welt bewegte, und das Zeichen von Tschernobyl. 2 CDs
Cover: Die Pranke der Natur (und wir Menschen)
Antje Kunstmann Verlag, München 2012
ISBN 9783888977626
CD, 19,95 EUR

Klappentext

Kurze Zeit, bevor das Erdbeben die Nordinsel von Japan um vier Meter versetzte, der Ausschlag war bis in die Schweizer Berge zu messen, hatte eine Forschergruppe an der Universität Sendai, die in derselben Präfektur wie das AKW Fukushima liegt, festgestellt, dass 1000 Jahre zuvor, nämlich im Jahre 869, bereits ein ähnlich schweres Beben, gefolgt von einem Tsunami stattgefunden hatte und dass - nach ihren Messungen - alle 1000 Jahre sich ein solches Unglück wiederholt. Wenige Wochen später erschütterten die Ereignisse in Japan die Welt. Wir Menschen sind auf diesen langen Atem der Natur und auch auf solche plötzliche Gewalt nicht vorbereitet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.09.2012

Mit viel Lob bespricht Christian Metz Alexander Kluges Hörspiel "Die Pranke der Natur", in dem der Büchner-Preisträger Episoden aus seinem Werk "Das fünfte Buch" mit neuen Erzählungen verbunden hat. Gebannt folgt der Rezensent Kluges Ausführungen zu der Katastrophe in Fukushima und beobachtet dabei nicht nur, wie Kluge das Ereignis in seiner Vielschichtigkeit und Komplexität ausleuchtet, sondern auch, wie es dem brillanten Epiker gelingt, die Katastrophe in seinen "narrativen Kosmos" einzufügen. Dabei lernt der Rezensent, der Kluge insbesondere für die Vermittlung von Erkenntnis lobt, dass die Welt nicht nur durch die Naturkatastrophen, sondern auch die maßlose Selbstüberschätzung des Menschen aus dem Gleichgewicht geraten ist. Die Erzählungen, die antike Mythen, philosophische Theorien und persönliche Erinnerungen mit konkreten Fragestellungen, etwa nach dem Bau von Kernkraftwerken in Erdbebengebieten, verbinden, erscheinen Metz geradezu poetisch, ohne dabei jedoch den Kontakt zur Realität zu verlieren. Nicht zuletzt lobt der Kritiker die Regiearbeit Karl Bruckmaiers, der dieses herausragende Hörspiel neben Kluge auch mit den Stimmen von Katja Bürkle, Hannelore Hoger und Edgar Reitz inszeniert hat.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 26.04.2012

Alexander Cammann freut sich, dass Alexander Kluge auch nach seinem achtzigsten Geburtstag in seiner Produktivität nicht nachgelassen hat und weiter qua Assoziationsketten zur "Existenzerhellung" beiträgt. Wie mit diesem für den Bayerischen Rundfunk produzierten Hörspiel,  in dem sich Kluge anlässlich des Erdbebens von Fukushima katastrophischen Extremsitutationen widmet. Naturkatastrophen und Reaktorunglück werden dabei rückgekoppelt mit sozialen Katastrophen oder auch mit der Zerstörung von Kluges Heimatstadt Halberstadt. Genialisch findet Cammann die Essays, Miniaturen und Interviews, die von Hannelore, Edgar Selge und Helge Schneider offenbar ebenso überzeugend gelesen werden.

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