Globalisierung bedeutet zunächst nur ein stärkeres Zusammenwachsen der Volkswirtschaften. Die Klagen wenden sich dagegen, wie dieser Prozess vollzogen wird - besonders von Institutionen wie dem Internationalen Währungsfonds (IWF). Joseph Stiglitz zeigt, wie sehr die Ideologie freier Märkte und die Interessen der Finanzbranche und multinationaler Unternehmen dominieren, wie wenig die Politik es vermag, diesen Prozess zu steuern. Der ehemalige Chefökonom der Weltbank und Nobelpreisträger für Wirtschaft des Jahres 2001 analysiert, wie die staatlichen oder institutionellen Eingriffe scheitern, weil sie nicht universell anwendbar sind.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 03.06.2002
Joseph Stiglitz wird kaum in den Verdacht geraten, ein Globalisierungskritiker ohne ökonomischen Sachverstand zu sein: er ist Träger des Wirtschaftsnobelpreises und war Chefökonom der Weltbank. Dennoch widmet er sein jüngstes Buch den Schattenseiten der Globalisierung. Laut Rezensent Udo Scheer kritisiert er vor allem die globalen Organisationen des Kapitals wie die Welthandelsorganisation (WTO) und den Internationalen Währungsfond (IWF), die oftmals wenig Interesse an den realen Bedürfnissen der Länder zeigen. Stiglitz gibt zu bedenken, so Scheer, dass gerade Länder, die sich der Liberalisierung widersetzen (von Äthiopien bis Malaysia) , wirtschaftlich stabil sind. Die Asienkrise ebenso wie die desolate Lage in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion verdankt sich, meint Stiglitz, nicht zuletzt der Interessenpolitik des IWF. Er plädiert dagegen für den Weg einer "sanften" Transformation, wie sie in Polen oder China stattfindet. Nicht die Globalisierung als solche stellt er in Frage, sondern die Art ihrer "finanzkolonialistischen" Umsetzung. Stiglitz plädiert dagegen, in den Worten des mit expliziter Bewertung sehr zurückhaltenden Rezensenten, für einen "fairen regulatorischen Rahmen", für eine Zurückdrängung der US-Dominanz zugunsten einer "Global Governance".
Der Autor kann nicht schreiben, das Buch aber sollen wir trotzdem kaufen? Das muss er uns erklären, der Rezensent. Was das Schreiben betrifft, notiert Wolfgang Uchatius denn auch pflichtschuldig, verhält es sich so, dass Stiglitz schlicht meint, "Schreiben sei nichts anderes als das Ansammeln von Gedanken". Wie das aussieht, können wir uns gut vorstellen. Jetzt zur Kaufempfehlung. Uchatius begründet sie mit dem im Buch geführten Nachweis, dass es sich bei dem IWF um einen Haufen von Ideologen handelt. Wie der Autor (selbst lange Zeit Chefökonom der Weltbank) seinen Glauben an die positive Kraft des Marktes und die "wohlstandssteigernde Wirkung seiner globalen Verbreitung" gegen die desaströsen "bolschewistischen" Umsetzungsstrategien des IWF verteidigt, scheint ihn voll überzeugt zu haben.
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