Wunschtraum eines Apokalyptikers

Von Thierry Chervel
27.07.2009. Timothy Garton Ash tut in seinem neuesten Buch etwas, das Intellektuelle seines Kalibers selten tun: Er zieht einen Begriff zurück. Leichthin hatte er in einem Artikel für die New York Review of Books die niederländische, jetzt in den USA lebende Frauenrechtlerin Ayaan Hirsi Ali eine "Fundamentalistin der Aufklärung" genannt. Er hatte eine Symmetrie zwischen dem Islamismus und einer bestimmten Fraktion der westlichen Öffentlichkeit konstruiert und damit eine riesige Debatte ausgelöst, die von Perlentaucher und signandsight.com angeregt wurde und an der sich Intellektuelle wie Pascal Bruckner oder Necla Kelek beteiligten. Die Debatte fand ein großes Echo in der internationalen Presse. Von dieser Konstruktion hat sich Garton Ash nun also in einer Fußnote zu dem besagten Artikel in seiner neuen Essaysammlung "Facts are Subversive" verabschiedet (Ort und Teilnehmer der Debatte nennt Garton Ash in seinem Buch nicht).Und kaum hat TGA das getan, steht John Gray auf, der dunkle Prinz der jüngeren britischen Philosophie, und macht ihm das zum Vorwurf: "Garton Ash mag zögern, den Begriff des Fundamentalismus der Aufklärung zu verwenden, weil dieser Begriff nahe legt, dass wir in einen unbeherrschbaren Konflikt abdriften. Aber genau diese Gefahr eines Clash der Fundamentalismen ist real", schreibt Gray in einer Besprechung des Buchs für den New Statesman.