Die Phase des Aufräumens

12.10.2014. Als der Preisträger, der Präsident des EU-Parlaments und die engere Honoratiorenschaft durch den Saal zur Bühne schritten, erhob sich das zuvor munter plaudernde Publikum wie ein Mann und verfiel in ehrfürchtiges Schweigen. Wem galt die Reverenz? Ein König oder Bundespräsident war nicht unter den Anwesenden. Nirgends wird man gründlicher ins steife Demokratiepathos der frühen Bundesrepublik zurückkatapultiert als bei der Friedenspreisverleihung!Auch Jaron Lanier schien zunächst beeindruckt, wie er da stand unter der enorm hohen Decke des nüchtern feierlichen Kirchensaals. Er selbst erschien zugleich monumental und informell, ein Meter Dreadlocks, zwei Meter Bauchumfang und ein Amulett vor der Brust. Seine Rede las er vor, anfangs noch ein wenig nervös, dann immer sicherer und in hoher Geschwindigkeit, denn er hatte eine Menge Text in der präzise bemessenen Zeit unterzubringen. Man konnte die Rede mitlesen – ab und zu ließ er einen Absatz aus, um in der Zeit zu bleiben.