Auf dem Rücken des Nachbarn

Von Adam Krzemiński
04.04.2013. Spätestens nach dem Zeit-Gespräch mit Nico Hofmann, dem Produzenten von "Unsere Mütter, unsere Väter", müssen beim ZDF Alarmglocken geläutet haben, dass es mit der Darstellung der polnischen Partisanen als endemische Antisemiten beim Nachbarn Ärger geben könnte. Zur Schadensbegrenzung schob der Sender nach der dritten Folge hastig einen Dokumentarfilm über eine polnische Familie nach, die Juden versteckt hatte und dafür von Deutschen ermordet wurde. Die Reaktion in Polen war jedoch nicht mehr aufzuhalten.Außenminister Radosław Sikorski twitterte, empörte Polen sollten sich nicht an ihn, sondern direkt ans ZDF wenden. Der Chef des polnischen Fernsehens, Juliusz Braun, schrieb an seinen Amtskollegen in Mainz einen vorwurfsvollen Brief. Der neue polnische Botschafter in Berlin Jerzy Margański, breitete auf der Homepage der Botschaft aus, was alles in dem verzerrten Bild der Armia Krajowa (immerhin die größte Untergrundarmee im deutschbesetzten Europa, die der Exilregierung in London unterstand) unterschlagen wurde. Und die liberale Gazeta Wyborcza, die daheim im Dauerclinch mit den national-konservativen Pappenheimern im Lande liegt, titelte treffsicher: "Wer bringt den Deutschen bei, dass die AK keine SS war"?