Redaktionsblog - Im Ententeich

Hamburger Abendblatt - bezahlen trotz freien Zugangs?

Von Peer Skrzypek
16.12.2009.
Seit vorgestern sind einige regionale Inhalte des Onlineauftritts des Hamburger Abendblattes nur noch für zahlendes Publikum einsehbar. Über dieses Thema hat bereits Stefan Niggemeier in seinem Blog berichtet .

Wer sich den Internetauftritt des Hamburger Abenblatts näher ansieht, stellt aber schnell fest, dass die Bezahlschranke nur zum Schein errichtet wurde. In Wirklichkeit waren am 16. Dezember sämtliche Artikel frei zugänglich.

Als Beispiel nehmen wir den Artikel " Stadt investiert so viel Geld wie noch nie " beim Abendblatt.

Wer den Artikel einfach so annklickt, bekommt folgende Seite zu sehen:



Aber das Hamburger Abendblatt fährt eine Doppelstrategie: Der Leser soll zahlen, bei Google aber möchte man trotzdem vorkommen. Für Google sind die Bezahlinhalte weiter einsehbar, schließlich sollen die Artikel weiterhin gut gefunden werden. Von google kommend ist zumindest der erste Artikel ohne Barriere anklickbar. Siehe auch Carta : "Die Hintertür ist, wie der Verlag bestätigt, ein Feature: Die Leser, die 'vorne' bei abendblatt.de reinkommen, sollen ein Abo lösen . Zugleich soll der Traffic über Google nicht abgeschnitten werden. Es handele sich um den bewussten Einsatz eines 'Der erste Klick ist entgeltfrei?-Modells (mehr dazu in Google offiziellem Blog für Webmaster).'

Wie aber unterscheidet das Abendblatt , ob ein Benutzer von Google kommt oder nicht? Dies geschieht mit Hilfe von Daten, die der Browser beim Besuch einer Seite an diese übermittelt. Im "Referrer" wird angegeben, welche Seite auf den geklickten Artikel verlinkt hat. Im "User Agent" übermittelt der Browser Daten über sich . Ein Firefox 3.5 hat hier standardmäßig den Wert "Mozilla/5.0 (Windows; U; Windows NT 5.1; de; rv:1.9.1.5) Gecko/20091102 Firefox/3.5.5 (.NET CLR 3.5.30729)". Google identifiziert sich mit dem User Agent "Googlebot/2.1".

Spielt man dem Abendblatt nun vor, dass der eigene Browser eigentlich der Googlebot ist, dann hat man Zugriff auf alle Seiten des Abendblattes, egal ob man von Google kommt oder direkt aus dem Abendblatt geklickt hat.

Es gibt Firefox Addons, die diese Aufgabe erledigen, zum Beispiel der kostenfreie "User-Agent-Switcher".
Dieser ermöglicht es, die Metadaten des eigenen Browsers zu bearbeiten. Webmaster gebrauchen dieses Instrument um zu sehen, wie ihre Seite für eine Suchmaschine aussieht.

Peer Skrzypek ist Programmierer beim Perlentaucher