Durchsuchen Sie unsere Bücherdatenbank nach Themen, Ländern, Epochen, Erscheinungsjahren oder Stichwörtern.
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Aus dem Archiv
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

FAZ enteignet Päpstin. Elke Heidenreich empört

Von Thierry Chervel
25.06.2009. Elke Heidenreich ist empört. Ein sogenannter Zuschussverlag hat ein Buch von ihr publiziert, ohne sie zu fragen. Zuschussverlage kassieren bei Autoren, die es nötig haben, richtig ab, um ihre Bücher, die sonst niemand haben will, herauszubringen. Von Elke Heidenreich hat die "Deutsche Literaturgesellschaft" aber sicher kein Geld kassiert: Der ominöse Verlag scheint das Buch mit dem Titel "Bücher könnte ich lassen, Oper nie!" als Köder für seine Bauernfängerei produziert zu haben. Das Literaturcafé hat die Geschichte schon vor einiger Zeit aufgebracht und berichtet in einem Nachtrag von gestern, dass es das Buch bei Amazon bestellen konnte. Elke Heidenreich sagt dazu, ebenfalls laut Literaturcafé:
Elke Heidenreich ist empört. Ein sogenannter Zuschussverlag hat ein Buch von ihr publiziert, ohne sie zu fragen. Zuschussverlage kassieren bei Autoren, die es nötig haben, richtig ab, um ihre Bücher, die sonst niemand haben will, herauszubringen. Von Elke Heidenreich hat die "Deutsche Literaturgesellschaft" aber sicher kein Geld kassiert: Der ominöse Verlag scheint das Buch mit dem Titel "Bücher könnte ich lassen, Oper nie!" als Köder für seine Bauernfängerei produziert zu haben. Das Literaturcafé hat die Geschichte schon vor einiger Zeit aufgebracht und berichtet in einem Nachtrag von gestern, dass es das Buch bei Amazon bestellen konnte. Elke Heidenreich sagt dazu, ebenfalls laut Literaturcafé:

"Ich bin über die Machenschaften der sogenannten Deutschen Literaturgesellschaft empört und habe damit nichts zu tun. Im Gegenteil, die Opfer solcher Zuschussverlage beklagen sich oft bei mir, dass sie sich betrogen fühlen. Meine Verlage werden juristische Schritte einleiten und prüfen, wie man gegen die Verwendung meines Photos und meiner Texte vorgehen kann."

Da wendet sich Elke Heidenreich aber offensichtlich an den falschen Adressaten, denn es scheint, dass die "Deutsche Lieteraturgesellschaft" die Texte rechtmäßig erworben hat - und zwar beim Archiv der FAZ. Es handelt sich bei den Texten im Buch im wesentlichen um ein Interview mit Heidenreich und einen Essay Heidenreichs aus dem Jahr 2006, die in der FAZ erschienen sind, aufgemöbelt wird das ganze mit ein paar rechtefreien Texten längst verstorbener Dichter.

Der Perlentaucher hat ja vor einiger Zeit bereits gezeigt, dass jeder, der es will, ob Buchverlag, Zeitschrift oder Internetmagazin im FAZ-Archiv und bei Genios Rechte auf so gut wie jeden Artikel käuflich erwerben kann, der dort je erschienen ist (mehr hier und hier und hier: "FAZ enteignet Papst"). Und zwar unabhängig davon, ob die Faz diese Rechte hat oder nicht. Der Perlentaucher "kaufte" damals zum Beispiel die Nobelpreisrede von Günter Grass und hätte sie mit freundlicher Genehmigung der FAZ abdrucken dürfen. Die entsprechenden Rechte gehören nicht mal Grass, sondern einzig der Nobel-Stiftung, die erstaunt war, von diesem Vorgang zu hören. Die FAZ hat Grass' Rede inzwischen aus ihrem elektronischen Archiv entfernt.

Bei Heidenreich scheint die Lage aber anders zu sein: Das Literaturcafé berichtet, dass das FAZ-Archiv versichert, im Besitz der Heidenreich-Rechte zu sein.

Heidenreich ist also wahrscheinlich selber schuld. Bevor sie ihre Anwälte auf die "Deutsche Literaturgesellschaft" ansetzt, sollte sie mal nachsehen, ob sie nicht den berühmt-berüchtigten Vertrag (hier als pdf) unterzeichnet hat, den die FAZ freien Autoren vorlegt. Dort heißt es:

"Sie räumen uns an jedem ihrer bereits veröffentlichten oder zukünftig zu veröffentlichenden Beiträge neben dem Recht auf Erstveröffentlichung das ausschließlich zeitlich, räumlich und inhaltlich unbeschränkte Recht ein, den jeweilige Beitrag auch in sonstigen Publikationen des Verlags zu veröfentlichen, ihn in jeder Form wiederzugeben und zu verbreiten sowie Dritten entgeltlich oder unentgeltlich einfache Nutzungsrechte daran einzuräumen und/oder die eingeräumten Rechte entgeltlich oder unentgeltlich auf Dritte zu übertragen, inbesondere das Printrecht..."

Wer bei der FAZ also artig nachfragt und zahlt, darf aus so gut wie jedem der dort erschienenen Texte ein Buch machen. Die Zeitung hält hierfür eine kinderleicht zu bedienende elektronische Bestellroutine bereit. Der Urheber bekommt nichts und wird nicht gefragt.

So viel also zu "Autorschaft als Werkherrschaft in digitaler Zeit". (Wie durch Zufall veranstalten die verdienstvollen Initiatoren des "Heidelberger Appells" zu genau diesem Thema am 15. Juli eine Tagung in Frankfurt. Schirmherr: Frankfurter Allgemeine Zeitung.)

Einen Trost bietet aber auch der strenge FAZ-Vertrag allen Autoren, die ihn unterzeichnet haben, und also möglicherweise auch Elke Heidenreich. Sollten sie aus ihren FAZ-Artikeln selbst ein Buch machen wollen, erklärt sich die Zeitung eventuell bereit, ihnen diese Rechte einzuräumen. Im letzten Absatz des FAZ-Vertrages heißt es: "ist es Ihnen unbenommen, Ihre Manuskripte ... anderweitig anzubieten und veröffentlichen zu lassen; die dafür notwendigen Nutzungsrechte werden wir Ihnen gerne einräumen, soweit dies die Verwertung der vorstehend eingeräumten exklusiven Nutzungsrechte nicht unbillig behindert."

Auch für FAZ-Verträge gilt also: "Lesen!"

Hilft Siemens den iranischen Zensoren?

Von Thierry Chervel
22.06.2009. Das Nokia Siemens Network reagiert in einem Blogeintrag auf den unten zitierten Artikel des Wall Street Journal

Aktualisiert um 17 Uhr.

Das Nokia Siemens Network reagiert in einem Blogeintrag auf den unten zitierten Artikel des Wall Street Journal: Das Konsortium habe das iranische Telekommunikationsnetz lediglich mit einer "Lawful Intercept capability" ausgestattet, die internationalen Standards entspreche. Die Technologie betreffe allein das Mobilfunknetz und umfasse keine Techniken zu "data monitoring, internet monitoring, deep packet inspection, international call monitoring or speech recognition".

___

Das Wall Street Journal beschuldigt in einem Artikel in seiner heutigen Ausgabe den Siemens-Konzern, das iranische Regime mit Internetzensur-Technologie beliefert zu haben. Ähnliche Vorwürfe erhebt die New Yorker Zeitung gegen Nokia. "In Reaktion auf den politischen Tumult", so die Zeitung, "scheint die iranische Regierung zur Praxis der sogenannten 'deep packet inspection' gegriffen zu haben, die es den Behörden erlaubt, Kommunikation nicht nur zu blockieren, sondern auch zu überwachen, um Information über einzelne Internetnutzer einzuholen. Auch zur Desinformation wird diese Technik eingesetzt." Die Zeitung beruft sich in ihrem Artikel auf iranische Experten, mit denen sie gesprochen hat. Diese Überwachungstechnologie soll den iranischen Behörden von einem joint venture von Siemens und Nokia geliefert worden sein. Die Technologie soll bei den jüngsten Unruhen erstmals intensiv eingesetzt worden sein. Die von dem Wall Street Journal befragten Experten zeigten sich beeindruckt von den technologischen Kapazitäten des Systems. Auch die Chinesen scheinen diese Technologie einzusetzen.

Neue Bilder und Links zu den Demos im Iran

Von Thierry Chervel
17.06.2009. Es ist immer noch völlig irre, welche Informationen einerseits über den Twitter-Hashtag #IranElection, aber auch über das ausgezeichnete und minütlich aktualisierte Blog des Guardian über die Proteste im Iran kommen. Im Guardian scheint man jetzt in 24-Stunden-Schichten zu arbeiten: Gegen 3 Uhr Nachmittags wurde gemeldet, dass nun ein Kollege aus Washington übernimmt.
Es ist immer noch völlig irre, welche Informationen einerseits über den Twitter-Hashtag #IranElection, aber auch über das ausgezeichnete und minütlich aktualisierte Blog des Guardian über die Proteste im Iran kommen. Im Guardian scheint man jetzt in 24-Stunden-Schichten zu arbeiten: Gegen 3 Uhr Nachmittags wurde gemeldet, dass nun ein Kollege aus Washington übernimmt.

Der Guardian verlinkt auf dieses Fotos eines iranischen Twitterers, das die heutgie Demonstation in Teheran zeigt:




Über #IranElection sind wir auf dieses Bild und einen Blogeintrag bei DailyKos gestoßen. Die Grafik weist nach, dass das iranische Regierung ein Foto von einer Pro-Achmadinedschad-Demo mit Photoshop aufgehübscht hat. Bestimmte Bildelemente wiederholen sich:



Größer und mit erläuterndem Kommentar findet sich das Bild bei Dailykos.

Über den Guardian fanden wir auch einen, leider wohl realistischen, Kommentar des Journalisten Robert Dreyfuss, der in einem Blog für die linke Wochenzeitschrift The Nation berichtet. Er ist am Montag aus dem Iran zurückgekommen, hat mit vielen Demonstranten gesprochen und macht keine allzu großen Hoffnungen: "The people who wanted change aren't going to get it. The regime is too powerful, and it controls all the levers of power: the army, the police, the Revolutionary Guard and paramilitary groups, thuggish militias, the judiciary and courts, the media, and more. Those who hope that the reformists, including Mousavi, former President Khatami, and cleric Mehdi Karroubi, will support a revolt that makes use of the mass movement against Ahmadinejad will find their hopes dashed."

Viele Informationen finden sich auch im Blog von Jörg Lau auf zeit.de.

Demos im Iran - aktuelle Links

Von Thierry Chervel
16.06.2009. "Live-Tweeting The Revolution" - ohne Twitter geht gar nichts mehr, auch keine Revolution. Gawker meldet: "Twitter kündigte gestern an, dass es einen angekündigten Termin für Instandsetzungsarbeiten verschoben habe, damit die Demonstranten im Iran den Service nutzen können, um sich zu organisieren und mit der Welt zu kommunizieren." Die New York Times erklärt in einem ausführlichen Artikel, welche Rolle Twitter, Facebook etc. für die Demonstranten spielen.
"Live-Tweeting The Revolution" - ohne Twitter geht gar nichts mehr, auch keine Revolution. Gawker meldet: "Twitter kündigte gestern an, dass es einen angekündigten Termin für Instandsetzungsarbeiten verschoben habe, damit die Demonstranten im Iran den Service nutzen können, um sich zu organisieren und mit der Welt zu kommunizieren." Die New York Times erklärt in einem ausführlichen Artikel, welche Rolle Twitter, Facebook etc. für die Demonstranten spielen.

Hier der Twitter-Realtime-Link zum Thema #Iranelection.

Diese Forderungen sind auf Twitterlinks, etwa hier, immer wieder zu lesen:

"What do we want?

1. Remove Khamenei from supreme leader
2. Remove Ahmadinejad because he took it forcefully and unlawfully
3. Put Ayatollah Monazeri as supreme leader until a review of the constitution is set up
4. Recognize Mousavi as official president
5. Let Mousavi rule as the constitution is reformed
6. Free all political prisoners, immediately
7. Call off all secret militia and offices"

Während die Zeitungen noch von zehntausend Demonstranten sprachen, tummelten sich auf den Blogs schon die Handyvideos, die hunderttausende Demonstranten zeigen. Andrew Sullivan, der konservative Schwulenehenbefürworter und Atlantic-Monthly-Alphablogger, verfolgt die iranischen Ereignisse besonders intensiv und präsentiert unter anderem dieses Video, das einen Eindruck von der Stimmung in Teheran vermittelt:



Das linke Blog Instapundit ist genauso begeistert und erscheint in grün. Dort wird auch auf einen "Guide To Following The Iranian Election Protests Online" verwiesen. Ari Berman verlinkt in The Notion, einem Blog der Zeitschrift The Nation, auf zahlreiche Twitterquellen, mit deren Hilfe man die Ereignisse verfolgen kann. 3quarksdaily ist auch ganz vorne mit dabei. Und in Deutschland bringt Jörg Lau Informationen. Wichtig ist das oppositionelle Onlinemagazin roozonline.com.

Die englische Wikipedia (auf die wir sonst nie verlinken, hier der Grund) hat schon einen großen Artikel zu den aktuellen Ereignissen, mit vielen Quellen.

Iranian.Com, ein Blog, das seit Jahren für einen demokratischen Iran kämpft, präsentiert einen Fotoessay von Sara Zahabiyoum. Irgendwie scheint das Kopftuch bei vielen Demonstrantinnen verrutscht zu sein:




Noch mehr Riotphotos auf Flickr und hier auf Tehranlive.org. Hingewiesen sei auch nochmal auf die großartige Bilderstrecke im Boston Globe. Und die BBC bringt eine Breaking News: Die Stimmen sollen neu ausgezählt werden!

FAZ enteignet Päpstin. Elke Heidenreich empört

25.06.2009. Elke Heidenreich ist empört. Ein sogenannter Zuschussverlag hat ein Buch von ihr publiziert, ohne sie zu fragen. Zuschussverlage kassieren bei Autoren, die es nötig haben, richtig ab, um ihre Bücher, die sonst niemand haben will, herauszubringen. Von Elke Heidenreich hat die "Deutsche Literaturgesellschaft" aber sicher kein Geld kassiert: Der ominöse Verlag scheint das Buch mit dem Titel "Bücher könnte ich lassen, Oper nie!" als Köder für seine Bauernfängerei produziert zu haben. Das Literaturcafé hat die Geschichte schon vor einiger Zeit aufgebracht und berichtet in einem Nachtrag von gestern, dass es das Buch bei Amazon bestellen konnte. Elke Heidenreich sagt dazu, ebenfalls laut Literaturcafé: Von Thierry Chervel

Hilft Siemens den iranischen Zensoren?

22.06.2009. Das Nokia Siemens Network reagiert in einem Blogeintrag auf den unten zitierten Artikel des Wall Street Journal Von Thierry Chervel

Neue Bilder und Links zu den Demos im Iran

17.06.2009. Es ist immer noch völlig irre, welche Informationen einerseits über den Twitter-Hashtag #IranElection, aber auch über das ausgezeichnete und minütlich aktualisierte Blog des Guardian über die Proteste im Iran kommen. Im Guardian scheint man jetzt in 24-Stunden-Schichten zu arbeiten: Gegen 3 Uhr Nachmittags wurde gemeldet, dass nun ein Kollege aus Washington übernimmt. Von Thierry Chervel

Demos im Iran - aktuelle Links

16.06.2009. "Live-Tweeting The Revolution" - ohne Twitter geht gar nichts mehr, auch keine Revolution. Gawker meldet: "Twitter kündigte gestern an, dass es einen angekündigten Termin für Instandsetzungsarbeiten verschoben habe, damit die Demonstranten im Iran den Service nutzen können, um sich zu organisieren und mit der Welt zu kommunizieren." Die New York Times erklärt in einem ausführlichen Artikel, welche Rolle Twitter, Facebook etc. für die Demonstranten spielen. Von Thierry Chervel