Außer Atem: Das Berlinale Blog

Stichwort: Retro - 9 Artikel

Lust am freien Spiel: Andrew Bujalskis 'Computer Chess' (Forum)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 13.02.2013 Andrew Bujalski interessiert sich für das Obsolete: Seine Filme sind für gewöhnlich in 16mm gedreht, in seinem "Beeswax" von 2009 (unsere Kritik) steht ein Secondhandladen im Mittelpunkt. Warum er seinen neuen Film "Computer Chess" nun auf einer alten Sony-Videokamera aus den frühen 80ern gedreht hat, erklärt er verschmitzt im Q&A nach der Vorführung: "Die Leute fragte mich immer, warum drehst Du noch immer auf 16mm, warum nicht auf Video? Nun, da dachte ich mir, euch geb ich Video!" Von Thomas Groh

Porträtiert die Skaterszene in Ostberlin: Marten Persiels 'This Ain't California' (Perspektive Deutsches Kino)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 13.02.2012 Es sieht so aus, als sei 2012 die Berlinale, die die DDR, zumindest filmisch gesehen, in ein neues Licht rückt. Zuerst präsentierte Christian Petzold seinen neuen Film "Barbara" im Wettbewerb - "Ich wollte, dass die DDR Farbe hat", so Petzold in der taz - und jetzt läuft in der Perspektive Deutsches Kino "This Ain't California" über die Skaterszene im Ostberlin der 80er Jahre. Von Elena Meilicke

Beim Barte des Führers: Nazi-Ufos in Timo Vuorensolas 'Iron Sky' (Panorama Special)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 12.02.2012 Kommen zwei Nazis nach 72 Jahren nach New York und finden ein Pornoheft. Sagt der eine: "Die entwickeln sich ja wie unsere Weiber. Aber da unten haben sie keine Haare, wie die Mädchen seh'n die aus." Sagt der andere: "Und wenn sie da Haare haben, seh'n die aus wie der Bart unseres geliebten Führers!" Oder aber: Greifen Nazis vom Mond völlig krass die Erde an. Die Leute in der UNO so voll am Abstreiten, keiner ist's gewesen. Meldet sich Nordkorea: "Wir sind's, wir sind's gewesen!" Alle anderen voll so am Ablachen: "Als ob!!" Von Thomas Groh

Filmt von der Eisscholle: Wladimir Schnejderows 'Zwei Ozeane' (Retrospektive)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 12.02.2012 Die Retrospektive machte in den letzten Jahren abwechselnd einen allzu routinierten und einen allzu beliebigen Eindruck. Präsentiert wurden entweder altbekannte Meisterregisseure (Bunuel, Bergman) oder eher willkürlich zusammengestellte Programme ("City-Girls im Stummfilm", "Traumfrauen der Fünfziger"). Dieses Jahr zeichnet sich die Retro ganz im Gegenteil gleichzeitig durch Wagemut und den Willen zur Konkretion aus: Gezeigt werden sowjetische (und ein paar deutsche) Filme aus den späten zwanziger und frühen dreißiger Jahren, die allesamt von einem einzelnen Studiokomplex produziert wurden: Der "Meschrabpom-Film" und ihrem deutschen Ableger, der Prometheus. Eine Sonderstellung im sowjetischen Kino nahm Meschrabpom nicht nur aufgrund seines Bezugs zu Deutschland ein: Die Verbindung der Studioverantwortlichen zur Staatsmacht waren - zumindest zunächst - verhältnismäßig locker, produziert wurden neben Kultur- und Dokumentarfilmen vor allem Spielfilme mit einer Nähe zum schon damals von Hollywood dominierten Genrekino - eine "rote Traumfabrik" (so der Titel der Retro) eben. Von Lukas Foerster

Filmische Kartierung des Nachkriegsjapans: Kawashima Yuzo (Forum)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 09.02.2012 Es ist fast schon Tradition geworden: seit ein paar Jahren präsentiert das Forum regelmäßig eine kleine Mini-Retro zu einem japanischen Regisseur. 2007 konnte man auf diese Weise Okamoto Kihachis formvollendete Gangster- und Schwertfilme wiederentdecken, im Jahr darauf die "pinku eiga" eines Wakamatsu Koji. 2012 ist die kleine Retrospektive einem fast Vergessenen gewidmet, der im Westen ohnehin nie wirklich bekannt war: Kawashima Yuzo. Kawashima wurde 1918 geboren und begann 1938 als Assistent in den Shochiku-Studios zu arbeiten; ab 1944 drehte er eigene Filme, und zwar genau 51, bevor er 1963 starb. Einen Platz in der japanischen Filmgeschichte hat Kawashima immerhin noch als Mentor von Imamura Shohei, zweifacher Palme-d'Or-Preisträger, der Kawashima als seinen wichtigsten Lehrer bezeichnet. Von Elena Meilicke

Kernkraft als Retro-Utopie in Volker Sattels 'Unter Kontrolle'

Außer Atem: Das Berlinale Blog 13.02.2011 In Science-Fiction-Filmen, die etwas auf sich halten (und also nicht nur Fantasy ins Techno-Hokuspokus-Gewand verkleiden), reist der Mensch in eine Umgebung, die nicht für ihn geschaffen ist. Damit dies gelingt, hüllt er sich in einen Kokon, er schafft eine künstliche Zone inmitten einer lebensfeindlichen Umgebung, die dem Zweck dient, sein bedrohtes Leben zu erhalten. Der schönste und konsequenteste Science-Fiction-Film in dieser Hinsicht ist Kubricks "2001", der fortwährend von Ummantelungen und Kokons erzählt - und von einer lebenserhaltenden Zone, die lebensbedrohlich wird. Von Thomas Groh

Videos: Trockener Sommer, Schanelec

Außer Atem: Das Berlinale Blog 13.02.2010 Zum eigenen 60. Geburtstag hält die Berlinale allenthalben Rückschau. Eine (sacht sinnbefreite) DVD-Edition versammelt vornehmlich Filme aus dem Wettbewerb, die es ohnedies schon auf DVD gab, die tendenziell ähnlich konservativ kuratierte Retro ist davon nicht weit entfernt. Ein in Vergessenheit geratener Wettbewerbsgewinner findet auch hier keine Erwähnung: Der türkische Film "Trockener Sommer" von Metin Erksan aus dem Festivaljahrgang 1964. Unser Kritiker Ekkehard Knörer zeigt sich im Cargo-Blog begeistert. Von Thomas Groh