Außer Atem: Das Berlinale Blog

Stichwort: Panorama 2017 - 8 Artikel

Lissette Orozcos Doku 'Adriana's Pact' (Panorama)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 15.02.2017 Die chilenische Regisseurin Lissette Orozco hat einen Dokumentarfilm über ihre Tante Adriana gedreht: eine gutaussehende lebhafte Frau, immer berufstätig gewesen, voller Unternehmens- und Lachlust, die in Australien lebt. Bei einem Besuch bei den Verwandten in Chile 2007 wird sie verhaftet. Der Vorwurf: Sie soll für Pinochets Geheimpolizei DINA gearbeitet, Gefangene "befragt" und gefoltert haben. Adriana streitet das vehement ab, und hier beginnt der Dokumentarfilm. Von Anja Seeliger

Flucht in die Poesie: Sylvain L'Espérances 'Combat au bout de la nuit' (Panorama)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 13.02.2017 Ganze fünf Stunden lang widmet sich der kanadische Filmemacher Sylvain L'Espérance in seiner Dokumentation der Krise in Griechenland. Kein europäischer Regisseur hat je ein solch ambitioniertes Projekt zustande gebracht. Das muss man gleich in mehrfacher Hinsicht bedauern. Denn diese tiefgreifende Krise hat ja nicht nur das griechische Staatswesen, seine Ökonomie, seine Politik und seine Gesellschaft an den Rand des Zusammenbruchs geführt, sondern auch die EU. Es ist fast schon beschämend, dass sich der europäische Dokumentarfilm so wenig für Griechenland interessiert wie die Medien, die sich mit dem Land nur dann befassen, wenn es wieder einmal vor der Zahlungsunfähigkeit steht oder wenn gerade keine andere Krise zur Hand ist. Von Thekla Dannenberg

Ein bisschen Gewalt - Tiger Girl von Jakob Lass (Panorama)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 10.02.2017 Kein Zweifel, die Lass-Brüder haben da ein Ding laufen mit Borderline-Frauen. In Tom Lass' "Käptn Oskar" (2013) fackelte eine Frau auf 180 erst einmal die Bude ihres Ex-Freundes nieder, bevor der Film losgehen konnte. Im ebenfalls 2013 entstandenen "Love Steaks" des Bruders Jakob rettet eine Punkfrau mit Alkoholproblem einen körperlich-klemmigen Tollpatsch vor der eigenen Unbeholfenheit. Seitdem ist vom neuen Independentkino in Deutschland die Rede, von German Mumblecore: Alltägliche Figuren, lose geskriptet, die Szenen über weite Strecken improvisiert, mit dem, was an Locations, Leuten, Material eben vorzufinden ist. Neue Lässigkeit statt ästhetischer Programme. Von Thomas Groh