Stocken und Scheitern: Zum Werk von Claude Lanzmann

Von Nikolaus Perneczky
08.02.2013.
Claude LanzmannDer goldene Ehrenbär der 63. Berlinale geht an den französischen Autor und Filmemacher Claude Lanzmann, dem darum auch die diesjährige "Hommage" gewidmet ist. Hinter dieser Bezeichnung verbirgt sich eine integrale Werkschau, die von Lanzmanns 1972 entstandenem Debütfilm "Pourquoi Israel" bis zur 2010 auf Arte erstausgestrahlten Fernsehproduktion "Le rapport Karski" reicht. Es fehlt lediglich der vierzigminütige Interviewfilm "Lights and Shadows" (mit dem ehemaligen israelischen General und späteren Ministerpräsidenten Ehud Barak); eine Apokryphe, die nur als DVD-Feature veröffentlicht wurde. In jedem Fall eine Gelegenheit nicht nur für Komplettisten, entfaltet sich Lanzmanns filmisches Schaffen doch so zusammenhängend aus sich heraus wie kaum ein anderes. Der Anzahl nach überschaubar, schüchtern die einzelnen Arbeiten vor allem aufgrund ihrer epischen Laufzeiten von bis zu neun Stunden ein, ohne darüber aber je monolithisch – wie ein undurchdringliches Massiv – anzumuten. Soll man Lanzmanns im Ganzen überschaubares, im Einzelnen aber ausuferndes Werk also eher als "Kontinent" fassen? Besser noch: als ein Land, und zwar ein ganz bestimmtes.