Am Meer ein Gefängnis: Christian Petzolds 'Barbara' (Wettbewerb)

Von Thomas Groh
12.02.2012.
"At last, I am free - I can hardly see in front of me!", singen Chic über die präzise gesetzte Schwarzblende, mit der Christian Petzold seinen neuen Film "Barbara" enden lässt. Ein Auftakt übertönt das Schwarz, ein Knoten, auf den "Barbara" kontinuierlich hingearbeitet hat, ist mit einem Mal gelöst - der Film, der zwar unweit der Meeresküste spielt, doch eigentlich ein Gefängnis beschreibt, öffnet sich schlagartig zu der weltumarmenden Weite, die nur der Soul der 70er Jahre auf diese Weise in Klang gegossen hat. Es gehört viel Mut dazu, einen Film über latente Paranoia, angespannte Kiefermuskeln, über suchende Blicke in leeren Augen und schlussendlich auch ethische Dilemmata mit derart zärtlichem Schmelz ausklingen zu lassen. Petzold, mit "Barbara" zu einer Meisterschaft seiner Kunst gereift, die nichts mit Routine oder gar Abgeklärtheit zu tun hat, gelingt dies glatt.