Schluss mit Gehorsam!

Aleksandre Koberidzes "Was sehen wir, wenn wir zum Himmel schauen?" und Claude Faraldos "Themroc". Im Kino

Bing Crosby aus der Hölle

Die LRB über Nagorny-Karabach. Peter Nadas über Andersartigkeit, Georg Seeßlen übers Hongkong-Kino. Mags

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Das Ideal der Allgemeinheit

21.06.2021. Als wunderbare Gymnastik für Gehirn und Ohren empfiehlt die FAZ die Hörbuchversionvon Rabelais' Roman "Gargantua und Pantagruel". Mit der "Matratzengruft" erkennt sie in Heinrich Heine den "größten Dichter der Ambivalenz". Die SZ empfiehlt den Essay "Die türkische Malaise" des Wirtschaftswissenschaftler Cengiz Aktar. Und der DlfKultur lernt von Philipp Sarasin, dass "1977" die Moderne zu Ende ging. Mehr...

EICHENDORFF21

Lust auf Meer!

10.06.2020. Pünktlich zum Sommer erobert sich die Normalität ihr Terrain zurück - sogar die ersten Reisebeschränkungen fallen. Wie wäre es mit Palermo? Wie eine Zwiebel schält Roberto Alajmo die Stadt und legt ihre Verlockungen frei, verspricht uns die FAZ. Oder vielleicht doch die Cote d'Azur? Am Beispiel des legendären Hotel Provencal macht uns Lutz Hachmeister Lust auf Meer! Grundsätzliche Fragen zum Reisen stellt Robert Moor in seinem neuen Buch "Wo wir gehen". Dies und mehr in unserer kleinen Auswahl neuster Reiseliteratur.
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MEDIENTICKER

Schriftsteller mit weißer Weste

21.06.2021. Tsitsi Dangarembga erhält den Friedenspreis desDeutschen Buchhandels: Jury-Mitglied Bascha Mika über die Preisträgerin - Philosophische Flaschenpost: Simone de Beauvoir über das Frauwerden - Belarus: Die Revolution hat ein weibliches Gesicht Olga Shparaga - Ökonomik im Stresstest: Die Wirtschaftswissenschaft vernachlässigt ihre Ideengeschichte - Kartellamt leitet Verfahren gegen Apple ein + Was die Moral in der Literatur verloren hat. Mehr...

EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU

Dem Risiko literarisch gewachsen

21.06.2021. In Klagenfurt ist der Bachmannwettbewerb zu Ende gegangen, gewonnen hat die Autorin Nava Ebrahimi. Die KritikerInnen in FAZ bis taz interessieren sich allerdings vor allem für die KritikerInnen in der Jury. Der Tagesspiegel resümiert die Sommer-Berlinale, mit der sich das Verhältnis von Innen und Außen verschob. Die SZ lernt von Sandra Hüller, dass Körbe und Beutel viel nützlicher sind als Werkzeug und Waffen. Die Welt ärgert sich, dass die erfolgreich  diversifizierte Oper segregiert werden soll. Und die FAZ feiert die sanften Utopien von Duplex Architekten.  Mehr...

9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

Auf der richtigen Seite der Geschichte

21.06.2021. Vor achtzig Jahren überfielen die Deutschen die Sowjetunion. Die taz bringt aus diesem Anlass ein großes Dossier, unter anderem mit einem Text von Karl Schlögel. In der FAZ schreibt Viktor Jerofejew. Der ägyptische Autor Wagdi al-Komi erklärt in der NZZ, warum ein Artikel über Bäume das Potenzial hat, ihn ins Gefängnis zu bringen. Die SZ findet die Ausstellung im neuen Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung gelungen. Und Andrew Sullivan erklärt in seinem Blog, warum es falsch wäre, "Critical Race Theory" an Schulen zu verbieten. Mehr...

ESSAY

Historikerstreit 2.0 - eine Chronologie

20.06.2021. Von der Mbembe-Debatte über das Papier der "Initiative GG 5.3 Weltoffenheit" bis zur "Jerusalem Declaration" und A. Dirk Moses' Spott über den "Katechismus der Deutschen": Die Saison 20/21 wird nicht nur als die der Coronakrise in die Geschichte eingehen, sondern auch als Moment eines (zumindest eifrig betriebenen) Paradigmenwechsels in der Debatte über den Holocaust. Im ersten Historikerstreit hatte Ernst Nolte den Holocaust als "asiatische Tat" relativiert. Die Protagonisten des zweiten Historikerstreits stellen die Bedeutung des Holocaust von links, aus der Warte des Postkolonialismus, in Frage. Ein Überblick über die wichtigsten Texte der Debatte. Von Thierry Chervel. Mehr...

IM KINO

Schluss mit Gehorsam!

16.06.2021. Aleksandre Koberidzes Film "Was sehen wir, wenn wir zum Himmel schauen?", erzählt ein sehr modernes Märchen aus Georgien und taucht die Welt in goldenes Licht. Claude Faraldos "Themroc" aus dem Jahr 1973 ist der Sommerfilm schlechthin: Wenn Michel Piccoli sich das Hemd aufreißt, seine Hauswand einreißt und grunzend schöne Frauen über die Schulter wirft, wackeln alle Fassaden. Von Olga Baruk, Katrin Doerksen. Mehr...

MAGAZINRUNDSCHAU

Er war Bing Crosby aus der Hölle

15.06.2021. Die London Review erzählt die Geschichte des Konflikts um Nagorny-Karabach und fragt: Wann beginnt ein Bürgerkrieg? In Magyar Narancs erzählt Peter Nadas, warum Andersartigkeit die Essenz seiner Freundschaft mit Peter Esterhazy war. In Persuasion erzählt der Venezolaner Carlos Hernández von seiner Flucht nach Kolumbien. MicroMega würde Matteo Salvini gern "Bella Ciao" singen hören. In epd film blickt Georg Seeßlen zurück auf die große Zeit des Hongkong-Kinos. Bloomberg Businessweek recherchiert Trumps nicht abnehmenden Einfluss auf die Republikaner. Mehr...

VORWORTE

"Es ist nicht wichtig, ob ich zornig bin"

07.06.2021. Die Mutter ein Reptil von eigenen Gnaden, der Vater ein karibischer "hollow man" - Jamaica Kincaid geht bei der literarischen Inszenierung ihrer Familiengeschichte eigene Wege. Aber sie kann auch das Politische: Das beweist das schmale, ihrer Heimat Antigua gewidmete Buch "Nur eine kleine Insel". Wir stellen die Schriftstellerin vor und bringen eine Leseprobe aus dem Buch, das am 17. Juni erscheint. (Jamaica Kincaid, Gotheborg 2019, Foto von Sofie Sigrinn, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons) Von Angela Schader. Mehr...

INTERVENTION

Der Kampf des Narrativs gegen die Geschichte

07.06.2021. Jedes Ereignis ist singulär, nur beim Holocaust wird die Singularität in Frage gestellt. Bei jedem Ereignis dienen Vergleiche dazu, die Singularität herauszuarbeiten, aber auch Verbindungen zu anderen Ereignissen offenzulegen. Am Ende bleiben einige Besonderheiten, sonst wäre das Ereignis keins. Warum ich nicht an A. Dirk Moses' alternativen Katechismus glaube. Von Thierry Chervel. Mehr...

BÜCHERBRIEF

Von schmatzender Sprachlust

07.06.2021. Mathias Enard fährt mit einem Pariser Ethnologen aufs Land und malt ein wunderbares Wimmelbild voller Witz, Rumena Buzarovska leuchtet in einem "grotesken Kammerspiel" Paarbeziehungen in Nordmazedonien aus, Leila Slimani blickt lebendig und "fast unheimlich elegant" in die Geschichte Marokkos und Thomas de Padova erzählt bunt und spannend, wie sich die Mathematik in der Renaissance neu erfand. Dies alles und mehr in unseren besten Büchern des Monats Juni. Mehr...

FOTOLOT

Mit automatischen Waffen

02.06.2021. Mit einer speziellen Software, deren Farbkombinatorik Richard Mosse programmierte, erstellte er Landkarten ähnliche Gebilde, mit schreiendem Rot, grellem Pink, giftigem Grün, dass man das Gefühl hat, in einen aufgeschlitzten Bauch zu starren, dessen kranke, entzündete Organe im Absterben begriffen sind und kurz davor noch einmal vital aufleuchten. Außerdem: neue Arbeiten von Antoine d'Agata. Von Peter Truschner. Mehr...

INTERVENTION

Der Aufstieg des religiösen Extremismus

27.05.2021. Der Nahostkonflikt wird unter dem Einfluss des Irans und der Hamas immer mehr unter religiösen Vorzeichen gesehen. Aber Religion unterminiert in allen Weltreligionen immer aggressiver die Ideen der Aufklärung und der Demokratie. Auch die demokratischen Länder selbst sind von dieser Erosion der Rationalität betroffen. Von Richard Herzinger. Mehr...

VORWORTE

Warum schwarz-weiß, wenn's farbig geht

21.05.2021. Sie gilt als die "bekannteste Unbekannte" der Harlem Renaissance: die afroamerikanische Schriftstellerin Dorothy West, die lieber auf Nuancen setzte als auf harten Kontrast. Dass auch dieser Ansatz einiges an Sprengstoff birgt, beweist ihr Roman "Die Hochzeit", der nun neu aufgelegt wird. Wir bringen eine Einführung in das Buch, das am 2. Juni erscheint, und eine Leseprobe. (Foto: Dorothy West. Fair use, Wikipedia) Von Angela Schader. Mehr...

ESSAY

Der Katechontische Imperativ

19.05.2021. "Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch". Hölderlin kannte weder das nihilistische Wachstum der Wirtschaft um seiner selbst willen noch den irren Glauben, in einer Welt endlicher Ressourcen unendlich verbrauchen und expandieren zu können. Sich heute auf die Assoziationsmacht von Wachstum zu berufen, entbehrt daher nicht eines sinistren Beiklangs. Versuch über Latenzzeit. Von Daniele Dell'Agli. Mehr...

VORGEBLÄTTERT

Götz Aly: Das Prachtboot

05.05.2021. In den 1880er Jahren unterwarf die deutsche Kaiserliche Kriegsmarine einen Teil von Neuguinea und umliegender Inseln. Mit dabei war ein Urgroßonkel des Autors, der Militärgeistliche Gottlob Johannes Aly. Aus dessen Erinnerungen und zahlreichen anderen Dokumenten wird deutlich, dass die meisten Artefakte aus diesem Teil der Welt geraubt oder ergaunert wurden. Das gilt auch für das Paradeobjekt der Berliner ethnologischen Sammlung und des Humboldt Forums, das große Südseeboot von der Insel Luf. Eine Leseprobe aus Götz Alys Buch "Das Prachtboot". Mehr...

INTERVENTION

Sogar des Kommunismus fähig

15.04.2021. In einem Punkt herrscht zwischen den meisten rechts- und linksradikalen Parteien in Europa nahtlose Übereinstimmung: in ihrer unterwürfigen Nähe zu Putins Russland. Diese Affinität hat eine lange Tradition in Deutschland. Erinnerung an den Politiker und Publizisten Ernst Niekisch. Von Richard Herzinger. Mehr...

EICHENDORFF21

Über den Nahost-Konflikt

31.03.2021. Alle Jahre wieder brandet der Nahost-Konflikt hoch, erbittert und ungelöst wie eh und je. Beinahe hätte er die Zeitenwende überlagert, die Israel mit der Abwahl von Benjamin Netanjahu bevorstehen könnte. Wir haben Bücher zusammengestellt, die Einblick geben in ein kulturell vibrierendes Land, das ultra-modern und religiös-gestrig zugleich ist und mit seiner Kombination aus High-Tech und Orthodoxie einmalig ist.
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