Über das Unaussprechliche

Patric Chihas Doku über "Brüder der Nacht" und Biene Pilavcis Doku über ihre Familienhölle "Alleine Tanzen". Filmstreams

Die Staatsgewalt will Keile

Erich Plamondons "Taqawan" über den großen Lachskrieg und Denise Minas Glasgow-Krimi "Götter und Tiere". Mord und Ratschlag.

MAGAZINRUNDSCHAU

Dann bin ich fertig mit dem Denken

24.11.2020. Der New Yorker lernt von Zimmermann Mark Ellison die Intelligenz des Körpers schätzen. Die London Review liest haitianische Geschichte von haitianischen Autoren. Lidove noviny stellt die tschechische Künstlerin Olga Karlíková vor, die Töne zeichnete. Elet es Irodalom nimmt teil am Forum der Liebe. In The Nation fragt Pankaj Mishra, warum afroamerikanische Intellektuelle so wenig internationale Solidarität zeigen. Africa is a country erzählt die Geschichte Äthiopiens. The Atlantic schildert das Drama hinter der Diskussion um die Abtreibung behinderter Föten. Mehr...

MEDIENTICKER

Wer hört, hat höheres Vergnügen

24.11.2020. Österreich: Erleichterung für den Buchhandel durch reduzierte Mehrwertsteuer - Frankreich: Handel & Ministerin rufen zum Amazon-Boykott auf - Hongkong: Haft für Joshua Wong - Auszeichnungen: Daniel Kehlmann erhält den Elisabeth-Langgässer-Literaturpreis & Daniela Danz den Günter Kunert Literaturpreis für Lyrik - Börsenverein unterstützt Umstellung auf Barrierefreiheit - Buchdruck par excellence: Gerhard Steidl zum Siebzigsten. Mehr...

EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU

Die Arbeiterklasse unter den Poeten

24.11.2020. Die SZ huldigt der vor sechzig Jahren gegründeten Oulipo-Bewegung, ganz ohne E. Die taz versinkt mit Sebastian Hartmanns "Zauberberg"-Inszenierung in einem fantastisch verstörenden Traumgestöber. Die FAZ fragt nach der Herkunft der Krefelder Mondrian-Gemälde. Die taz erlebt auch in der Kleinen Galerie in Eberswalde wie sich Walter Womackas Agit-Prop in Hans Tichas Agit-Pop verwandelte. Der Standard erzählt vom rasanten Aufstieg des Malers Amoako Boafo, der es von der Wiener Kunstakademie direkt ins Guggenheim schaffte. Und ZeitOnline lernt den sanften Hauch der westafrikanischen Musikerin Amaarae zu fürchten. Mehr...

9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

Kaum Spuren hinterlassend

24.11.2020. Die SZ erklärt, warum es für arme spanische Kinder ein Nachteil ist, dass das Spanische jetzt "Kastilisch" heißt. Die taz fragt, warum sich Jens Spahn schlicht weigert, Konsequenzen aus dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Sterbehilfe zu ziehen. In der NZZ geißelt Ayaan Hirsi Ali die Ideologie der kulturalistischen Linken. Perlentaucher Thierry Chervel lehnt die von der Bundesregierung geplante Subvention von Zeitungen  als " eine krasse Wettbewerbsverzerrung" ab. Medien wie die FAZ lassen sich dagegen gern nicht nur vom Staat, sondern auch von Google unter die Arme greifen, berichtet die taz. Mehr...

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Zwischen Mezzosopran und Alt

23.11.2020. Die SZ lässt sich von Petro Rychlo an den Klang von Paul Celans Poesie erinnern. Die FR liest auch fasziniert Yoko Tawadas Hommage "Paul Celan und der chinesische Engel". Der Dlf verteidigt mit Jürgen Trabant die Vielfalt der Sprachen gegen das unpoetische Wissenschaftsenglisch. Mit ihrem Appell, die Nation als Solidargemeinschaft wiederzubeleben, kann Aleida Assmann zumindest beim DlfKultur nicht landen. Und die FAZ empfiehlt Kinder- und Jugendbücher, darunter Anne Freytags Roman "Das Gegenteil von Hasen", der vom Mobbing unter Jugendlichen erzählt. Mehr...

EICHENDORFF21

Für die Meinungsfreiheit

21.10.2020. Am 16. Oktober 2020 hat ein islamistischer Attentäter den Lehrer Samuel Paty enthauptet, weil er mit seinen Schülern über Meinungsfreiheit diskutiert hatte. Der Mord fand in den Tagen des Prozesses um das Charlie-Hebdo-Massaker und um den Anschlag auf einen jüdischen Supermarkt statt. Er zeigt, dass der islamistische Extremismus in Europa nach wie vor aktiv ist. Nach dem Charlie-Anschlag sind einige Bücher von Überlebenden erschienen, die ihr Trauma aufarbeiten und einige Reflexionen über den Terror in Frankreich und Europa. Eine Auswahl.
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INTERVENTION

Medien am Tropf?

23.11.2020. 220 Millionen Euro will die Bundesregierung den Zeitungen geben. Eine einseitige Subventionierung, um die Zeitungen im Wahlkampf bei Laune zu halten, wäre ein Skandal, gegen den sich Online-Publisher wehren sollten. Was wir eigentlich brauchen, ist eine Selbstverständigung über die demokratische Öffentlichkeit in digitalen Zeiten. Von Thierry Chervel. Mehr...

IM KINO

Über das Unaussprechliche

18.11.2020. In Patric Chihas filmischer Doku "Brüder der Nacht" entwerfen Roma-Jungs, die in Deutschland als Stricher Geld für ihre Familien in Bulgarien verdienen, ein wackeliges Selbstbild. Biene Pilavci sucht mit ihrer Doku "Alleine Tanzen" nach Erklärungen für die Familienhölle, in der sie und ihre Geschwister aufwuchsen. Von Olga Baruk, Jochen Werner. Mehr...

MORD UND RATSCHLAG

Die Staatsgewalt will Keile

16.11.2020. Erich Plamondon erzählt in "Taqawan" mit allen Mitteln der Poesie vom großen Lachskrieg, als die kanadische Regierung den Indianern verbieten wollte, in ihrem Reservat mit Netzen zu fischen. Denise Mina legt in "Götter und Tiere" die Arterien des Verbrechens frei, die Glasgow durchziehen. Von Thekla Dannenberg. Mehr...

INTERVENTION

Teufel, die sich als Engel verkleiden

13.11.2020. Die SZ hat Monika Maron vorgeworfen, viele ihrer Aussagen hätten "die Grenze zum völkischen Denken mühelos überschritten". Erstaunlich, wie eindeutig sich die KritikerInnen von SZ, FAZ und taz plötzlich gegen "rechts" positionieren. Neulich hat die SZ noch Peter Handke verteidigt, der sich ostentativ mit völkischen Kriegsverbrechern solidarisierte. Von Anja Seeliger. Mehr...

ESSAY

Eva hinter Gittern, im Sträflingsanzug, mit Victory-Zeichen

13.11.2020. Die Frauen, die im Sommer 2020 unverhofft die politische Bühne und später die Straßen und Plätze von Belarus betraten, sind in mehrfacher Hinsicht symbolhaft. Ihr Aufstand ist eine Auflehnung gegen Lukaschenkos Patriarchat, in dem Frauen dazu bestimmt sind, Kinder zu gebären und in der Küche am Herd zu sein. Ihr Aufstand steht aber auch für das Erwachen der Nation - einer vermeintlich "schwachen Frau", die ihre eigene Courage neu entdeckt. Ein Vorabdruck aus dem Buch "Belarus! Das weibliche Gesicht der Revolution". Von Marina Scharlaj. Mehr...

INTERVENTION

Ein neuer Multilateralismus

13.11.2020. Donald Trump hat auch in Europa antiliberalen Kräften massiven Auftrieb gegeben. Ohne eine funktionierende Demokratie in den USA haben auch die europäischen Demokratien kaum eine Überlebenschance. Joe Bidens Idee eines "Gipfels der Demokratien" ist zu begrüßen. Von Richard Herzinger. Mehr...

TAGTIGALL

mit höhlen und zickzacknähten

11.11.2020. "Mad Ireland hurt you into poetry", schrieb Auden über Yeats: "Narr Irland quälte dich zur Dichtung", übersetzte Ernst Jandl. Gedichte ereignen sich inmitten der Gefangenschaft unserer Tage und doch in einem Raum fernab von Politik und Gesellschaft. Wer braucht Lyrik, obwohl sie nichts bewirkt? Zwei Beobachtungen Von Marie Luise Knott. Mehr...

INTERVENTION

Potenziale realisieren

11.11.2020. Joe Biden und Kamala Harris haben sich in ihren ersten, weltweit beachteten Reden große Mühe gegeben, mit einer Stimme zu sprechen, und doch hat Biden eine "republikanische", Harris eine "demokratische" Rede gehalten. Dem einen ging's um "opportunities", der anderen um "possibilities". Keine Finesse, sondern Symptom eines gespaltenen Landes. Von Daniele Dell'Agli. Mehr...

BÜCHER DER SAISON

Herbstbücher 2020

09.11.2020. In Torben Kuhlmanns Bilderbuch "Einstein" gibt es eine coole Entdeckermaus, die sich auf eine fantastische Reise durch Raum und Zeit begibt. An der sollten Sie sich ein Vorbild nehmen und dem Perlentaucher auf eine Reise durch diesen bunten und bizarren Bücherherbst folgen. Da gibt's Romane über das Schwulsein in Syrien, Essays über die Konstruktion von Sprache, politische Bücher über die Liebe zu Deutschland. Am Ende steht Ihre ganz persönliche Relativitätstheorie: Kein Hirn ist so groß und kein Regal so klein, dass es nicht noch ein Buch verkraftet. Mehr...

FOTOLOT

Seit dem Wirken der Puritaner

09.11.2020. Die These, dass Annie Leibovitz, Gregory Crewdson oder Andreas Gursky einen "neoliberalen Ralismus" bedienen und eine marktförmige Fotografie repräsentieren, ist eigentlich nicht neu, wird aber in Jörg Colbergs Buch "Photography's Neoliberal Realism" als neu präsentiert. Unangenehm ist, wie aus der an sich fälligen Kritik an diesen Fotografen die Versatzstücke der heutigen akademisch-korrekten Diskurse nur so herauspurzeln. Von Peter Truschner. Mehr...

ESSENZEN

Geruchlich ziemlich anders

29.10.2020. 1934 verpasste Caron seinem ersten speziell den Herren gewidmeten Duft den Zusatz "pour homme", und das Trugbild "Herrenduft" war geboren. Inzwischen sind die Gendergrenzen auch bei den Düften wesentlich unschärfer geworden. Paul Divjak widmet den Herrenparfums ein ganzes Buch - und begibt sich auf die Suche nach dem Animalischen. Mehr...

LITERATURBEILAGEN

Literaturbeilagen

21.10.2020. Wir haben die Buchmessenbeilagen der Zeitungen aus dem Herbst 2020 ausgewertet. Unsere Notizen zu den besprochenen Romanen, Sach- und politischen Büchern finden Sie hier. Mehr...

ESSAY

Terra X antwortet nicht

01.10.2020. Es gibt hervorragende Tier-, Natur- und Georeportagen in den öffentlich-rechtlichen Sendern. Aber warum muss jede Landschaft mit aufgedonnerten Streichertapeten zugekleistert, jede Spannungslücke mit psychagogischen Klangmodulen gefüllt und jedes Beute schlagende Tier von gezupften Bässen in einen Mörder verwandelt werden? Das entwertet nicht nur die Reportagen, sondern derealisiert auch unser Bild vom nichtmenschlichen Leben auf der Erde. Und es verschenkt die einzigartige Chance des virtuellen Tourismus. Von Daniele Dell'Agli. Mehr...