Die Macht der Salbung

Ausverkauf des brasilia- nischen Regenwaldes, die kulturelle Macht der Bobos, Alexander Kluge und Wes Studi. Magazinrundschau

EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU

Die Geometrie ist nirgendwo dogmatisch

04.08.2021. Die FAZ erliegt dem Zen Tadao Andos auch in der Zentrale eines Karlsruher Bauunternehmers. In der nachtkritik wirft Barbara Frey, neue Intendantin der Ruhrtriennale, einen feministischen Blick auf das Industriezeitalter. Die SZ schwärmt von Dominik Grafs Kästnerverfilmung "Fabian oder der Gang vor die Hunde". Zu viel Romantik, beschwert sich dagegen die FAZ. Aber die SZ hat es heute mit den großen Gefühlen: Sie applaudiert unverfroren Theodor Currentzis, der in Salzburg Mozart mit einer Raserei am Rande des Möglichen aufführt. Mehr...

9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

Ein paar einzelne Schaumkronen

04.08.2021. "Es war Auftragsmord", schreibt die taz zum Tod des Aktivisten belarussischen Witali Schischow in Kiew. In der SZ gibt der Soziologe Henning Melber den Herero und Nama recht, die die deutsche Entschuldigung für den Völkermord kritisieren: Die Nachfahren hätten in die Verhandlungen mit einbezogen werden müssen. Ebenfalls in der SZ wünscht sich der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen einen Abschied von der "Fetischisierung des Neuen". In Frankreich braut sich was zusammen, fürchtet Ulrike Guérot in der Berliner Zeitung. Mehr...

IM KINO

Quer zu den Bildern

04.08.2021. Dominik Graf langt für seine Kästner-Verfilmung "Fabian oder der Gang vor die Hunde" mit beiden Händen ins filmhistorische Archiv und nutzt das riesige Reservoir der Möglichkeiten für einen Avantgardefilm, der wenig mit avantgardistischem Pathos, aber viel mit der Sinnenfreude des Kinos zu tun hat. Jasmila Žbanić erzählt in "Quo vadis, Aida" von einer bosnischen Übersetzerin im jugoslawischen Bürgerkrieg und nutzt dafür ein vom Genrekino erlerntes Instrumentarium. Von Thomas Groh, Jochen Werner. Mehr...

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Durch Ruhestand erledigt

03.08.2021. Die FAZ taucht ein in eine literarische Collage zur Geschichte von St. Petersburg. Von Markus Materna lernt sie, wie sich die NS-Juristen nach Kriegsende gegenseitig exkulpierten und ohne Hindernisse in der BRD weiter Karriere machten. Die NZZ schwankt zwischen Faszination und Entsetzen bei der Lektüre von David G. Marwells Mengele-Biografie. Die SZ blättert sich tief beeindruckt durch die Fotos, die Gilles Peress 1972 am Bloody Sunday in Derry, während des Massakers der britischen Armee an irischen Zivilisten, aufgenommen hat. Geradezu prophetisch für die Corona-Epidemie findet die taz Ling Mas Zombieroman "New York Ghost". Mehr...

EICHENDORFF21

Fünf nach Zwölf

30.07.2021. Die Folgen der Klimakatastrophe sind offenkundig, aber Politik und Gesellschaft ignorieren die Warnungen, klagte kürzlich der Wissenschaftsjournalist Toralf Staud im SZ-Interview. Einen Wegweiser durch Alarmismus auf der einen und Ignoranz auf der anderen Seite bietet unsere Leseliste mit Büchern zum Klimawandel: Bernhard Kegel blickt differenziert und sachlich in die Zukunft des Klimawandels und der Klimaforscher Mojib Latif überlegt in seiner Streitschrift "Heißzeit", wie wir die Klimakatastrophe noch verhindern können.
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MAGAZINRUNDSCHAU

Die Macht der Salbung

03.08.2021. Bloomberg beobachtet den Ausverkauf des brasilianischen Regenwaldes unter Jair Bolsonaro. De Nederlandse Boekengids stellt sich "Commons" als eine Praxis vor, die bewusst betrieben wird. Der New Yorker beschreibt, wie die Republikaner versuchen das Wahlsystem der USA zu untergraben. Im Film Dienst empfiehlt Alexander Kluge eine Senkung der Ich-Schranke. Die New York Times trifft sich mit Gaddafis Sohn Saif. Mehr...

MEDIENTICKER

Frauenpower als Statement

03.08.2021. Wie Social Media & Smartphones echte Beziehungen unterbinden - Zur Debatte um den "Buhlschaftsbusen" + Leopold Federmair über Handkes Rache - Mehr als ein Buch: Frank Sinatra has a cold + Mit Smoking & Fliege neben Lady Gaga & Amy Winehouse - The Good Life: Tony Bennett wird 95 Jahre alt. Mehr...

FOTOLOT

So ticken nun mal sehr viele

27.07.2021. Sommerliche Reise von Arles nach Marseille, wo Sarah Piegay Espenon und Lewis Chaplin in Marseille den Verlag Loose Joints gründeten. In der Buchhandlung "Ensemble" kann man ihre Bücher besichtigen - zum Beispiel von Mark McKnight oder Gabby Laurent. Besonders aber von Jack Davison, dem vielleicht besten aktuellen Magazin-Fotografen. Von Peter Truschner. Mehr...

VORWORTE

Für euresgleichen reicht ein Hühnerstall

23.07.2021. Chinesen als Feindbild - das ist Amerika kein neues Phänomen. Allerdings wurde die im 19. Jahrhundert einsetzende Geschichte der Immigranten aus Fernost über lange Zeit weitgehend ausgeblendet. Die Schriftstellerin C Pam Zhang wagt es nun, sie auf so eigenwillige wie literarisch überzeugende Weise ins mythische Herzland der USA vorzutragen. Wir geben Einblick in ihren Debütroman "Wie viel von diesen Hügeln ist Gold" und bringen eine Leseprobe aus dem Buch, das am 28. Juli erscheint. Von Angela Schader. Mehr...

INTERVENTION

Blumen an Stalins Grab

22.07.2021. "Patria y vida" (Vaterland und Leben) ruft die neue Protestbewegung in Kuba und trifft das "Patria o Muerte" der versteinerten kubanischen Revolution ins Herz. Die allseits beliebte Kuba-Folklore kaschiert nun schon seit Jahrzehnten den menschenverachtenden Charakter dieses Regimes. Eine große Chance hat die Protestbewegung wohl leider nicht. Von Richard Herzinger. Mehr...

ESSAY

Queer - oder die Einebnung von Unterschiedlichem

14.07.2021. Die Entschwulung der Sprache zugunsten des Wörtchens "queer" bedeutet, alles in allem, nicht nur die Entkörperlichung der Bilder, die mit "schwul" aufgerufen werden; in "queer" ist alles getilgt, was an Begehren eben im Sexuellen unhintergehbar, mit Freud gesprochen, triebschicksalhaft ist. Die Vokabel "queer" macht aus dem Schicksal eine Lifestyle-Option - und zugleich eine neue Normierung: In "schwul" war lediglich ein antinormativer und antihomophober Impetus geborgen, nicht jedoch ein moralischer Anspruch, dass ein homosexueller Mann in allen Aspekten anders zu sein habe. Von Jan Feddersen. Mehr...

ESSAY

Historikerstreit 2.0 - eine Chronologie

20.06.2021. Von der Mbembe-Debatte über das Papier der "Initiative GG 5.3 Weltoffenheit" bis zur "Jerusalem Declaration" und A. Dirk Moses' Spott über den "Katechismus der Deutschen": Die Saison 20/21 wird nicht nur als die der Coronakrise in die Geschichte eingehen, sondern auch als Moment eines (zumindest eifrig betriebenen) Paradigmenwechsels in der Debatte über den Holocaust. Im ersten Historikerstreit hatte Ernst Nolte den Holocaust als "asiatische Tat" relativiert. Die Protagonisten des zweiten Historikerstreits stellen die Bedeutung des Holocaust von links, aus der Warte des Postkolonialismus, in Frage. Ein Überblick über die wichtigsten Texte der Debatte. Von Thierry Chervel. Mehr...

INTERVENTION

Der Kampf des Narrativs gegen die Geschichte

07.06.2021. Jedes Ereignis ist singulär, nur beim Holocaust wird die Singularität in Frage gestellt. Bei jedem Ereignis dienen Vergleiche dazu, die Singularität herauszuarbeiten, aber auch Verbindungen zu anderen Ereignissen offenzulegen. Am Ende bleiben einige Besonderheiten, sonst wäre das Ereignis keins. Warum ich nicht an A. Dirk Moses' alternativen Katechismus glaube. Von Thierry Chervel. Mehr...

INTERVENTION

Sogar des Kommunismus fähig

15.04.2021. In einem Punkt herrscht zwischen den meisten rechts- und linksradikalen Parteien in Europa nahtlose Übereinstimmung: in ihrer unterwürfigen Nähe zu Putins Russland. Diese Affinität hat eine lange Tradition in Deutschland. Erinnerung an den Politiker und Publizisten Ernst Niekisch. Von Richard Herzinger. Mehr...

EICHENDORFF21

Wahlen 2021

08.07.2020. Bücher von PolitikerInnen. Bücher über sie. Zwei Angela-Merkel-Bilanzen. Und einige wichtige Themen: Bildungspolitik, die Bundeswehr, Klimapolitik, Wirtschaft. Wer sind die Grünen? Zerfallen die Volksparteien? Hilft Identitätspolitik? Was blüht der Bundesrepublik nach den Wahlen im September? Eine Auswahl aktueller Bücher zum Wahljahr 2021 finden Sie bei Eichendorff21.de
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