Tiefgreifende Verunsicherung

Mit der Corona-Krise stellt sich für Europas Demokratien die Frage, ob die Bevölkerung mitzieht, wenn die Krise länger dauert und die existenzielle Probleme sich verschärfen. Von Richard Herzinger

Männer liegen ihr zu Füßen

Oyinkan Braithwaites "Meine Schwester, die Serien- mörderin" und Liz Moores "Long Bright River". Von Thekla Dannenberg

IM KINO

Schleudergriff-Manöver

01.04.2020. Kino zum Streamen: Dante Lams Radrenn-Hongkong-Actionfilm "To the Fore" bietet taktisch durchexerziertes Chaos. Der Pulsmesser ist dabei der letzte Anker vor der unkontrollierbaren Bildanarchie. Auch Joseph Loseys "The Servant" von 1963 verschiebt unsere Wahrnehmung - mit Zerrspiegeln, schrägen Piranesi-Perspektiven und britischer Moorhuhn-Grandezza. Von Friederike Horstmann, Karsten Munt. Mehr...

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Welt der fremden Sitten, Speisen und Häuser

01.04.2020. Die FAZ taucht erst mit Abdulla Qodiriys Roman "Die Liebenden von Taschkent" in das Usbekistan des 19. Jahrhunderts ein und dann mit Mojca Kumerdej "Chronos erntet" ins Österreich der Renaissancezeit, wo sie sich mit einem bumsfidelen Fürstbischof amüsiert. Die taz schwelgt mit Marlene Dietrich "Im Licht der Zeit" der goldenen Zwanziger. Dlf Kultur lernt mit Sy Montgomery ein Schwein zu lieben. Die SZ lernt mit Scott McClanahans "Sarah", was moderne Liebe ist. Die FR empfiehlt, unruhigen Fünfjährigen "Seepferdchen sind ausverkauft" vorzulesen. Mehr...

EICHENDORFF21

Neuer Glanz im Homeoffice!

06.03.2020. Zwei Wochen dauert die Zeit der Quarantäne nun schon an: Aus einem ausgemisteten Kleiderschrank wird derzeit schnell ein neu eingerichteter Raum. All jenen, denen längst die Decke auf den Kopf fällt, raten wir zu einem neuen Anstrich: Wir haben eine Liste mit Anregungen zusammengestellt: Kassia St. Clair und Patrick Baty blicken in die Welt und die Geschichte der Farben und Friederike Schilbach lugt in die Badezimmer von hundert Frauen.

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EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU

Der innere Beach Boy

01.04.2020. Die NYTimes hofft angesichts der neuen Choreografien des Alltags auf eine Rückkehr in unsere Körper. In der taz schreibt der serbische Schriftsteller Ivan Ivanji über Corona in Serbien. Außerdem beklagt die taz die diskursive Einengung. Die SZ rät zum Eskapismus mit Eric Rohmers Sommerfilmen: Wirksamer als alle Antidepressiva gegen Lagerkoller. Und Renzo Piano ruft dazu auf, wenn das alles vorbei ist, die Museen zu stürmen. Mehr...

9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

Zehn bis zwölf Seiten Todesanzeigen

01.04.2020. In Spiegel online erklärt der Medizinstatistiker Gerd Antes, warum die Zahlen zur Corona-Krise, die überall diskutiert werden, total unzuverlässig sind. In der taz spricht die Biologin Simone Sommmer über die spezifische Gefahr, die von Wildtieren ausgeht. In der SZ spricht der Psychoanalytiker Eckhard Frick über einen der schrecklichsten Aspekte der Krise, das einsame Sterben der Menschen. Die Auswirkungen der Krise auf den Buchmarkt sind drastisch, berichtet das Börsenblatt. Außerdem: Die SZ fragt, wie es mit dem Jüdischen Museum in Berlin weitergeht. Mehr...

INTERVENTION

Tiefgreifende Verunsicherung

01.04.2020. Durch die Corona-Krise stehen die Demokratien in Europa und die Grundkonzeption der EU vor ihrer schwersten Krise seit 1945. Ihre Feinde nutzen ihre Schwäche für eine neue Propagandaoffensive. Die Frage für die Demokratien wird sein, ob die Bevölkerung mitzieht, wenn die Krise länger dauert und die existenzielle Probleme sich verschärfen. Von Richard Herzinger. Mehr...

MAGAZINRUNDSCHAU

Wenn sich ein Infizierter nähert

31.03.2020. Der New Statesman zeichnet unsere Zukunft im Bio-Überwachungsstaat. Elet es Irodalom und 168 ora staunen über die Selbstentmachtung des ungarischen Parlaments. Die London Review blickt in das Loch, in dem Mexiko-Stadt bald verschwinden könnte. Vanity Fair starrt auf die blutgetränkte Wüste, die Brasilien zu werden droht. Robin Detje stiert im Merkur in den Abgrund einer Abteilungssitzung der SPD. A2 ergibt sich der Virokratie, vorausgesetzt sie ist befristet. Mehr...

MORD UND RATSCHLAG

Männer liegen ihr zu Füßen

30.03.2020. In Oyinkan Braithwaites "Meine Schwester, die Serienmörderin" laboriert eine Krankenschwester in Lagos an den Wunden, die familiäre Dysfunktionalität schlägt. Liz Moore erzählt in ihrem Roman "Long Bright River" von den Verheerungen der Opioid-Krise in Philadelphia und einer jungen Polizistin, die sich um ihre drogenabhängige Schwester sorgt. Von Thekla Dannenberg. Mehr...

FOTOLOT

Karrieren im High End-Segment

21.03.2020. In Zeiten des Shutdowns und Zuhausebleibens ergibt sich als Nebeneffekt für den einen oder die andere vielleicht die Gelegenheit, sich eingehender mit Büchern, Filmen und Videos zum Thema Fotografie zu beschäftigen, als das im Alltag normalerweise möglich ist. Ein Streifzug. Von Peter Truschner. Mehr...

INTERVENTION

Tendenz zum Heraushalten

17.03.2020. Unter den Flüchtlingen, die gegenwärtig an die EU-Außengrenze drängen, befinden sich neben Syrern und Irakern in großer Zahl auch Afghanen. Sie sind die Opfer einer auch von deutschen Linken bevorzugten Politik des Rückzugs. Von Richard Herzinger. Mehr...

VORGEBLÄTTERT

Gabriella Zalapì: Antonia

16.03.2020. Antonia ist eine schlechte Mutter und eine noch schlechtere Ehefrau. Mit dem Nachlass ihrer verstorbenen Großmutter vor Augen,  versucht die junge Frau Mitte der sechziger Jahre, für sich einen Platz in der Welt  zu finden - und in ihrer britisch-italienischen, jüdisch-österreichischen Familie. In einem fiktiven Tagebuch erzählt die Künstlerin Gabriella Zalapì auch die Geschichte ihrer eigenen weltläufigen Familie. Mehr...

TAGTIGALL

Nur die Zutaten Trauer und Wut

11.03.2020. Die Republik Südafrika hat viele Sprachen. Junge Dichter.innen ergreifen das Wort: Koleka Putuma mit "Kollektive Amnesie" oder
Busisiwe Malangu mit ihrem Band "Surviving loss", der noch auf eine Übersetzung ins Deutsche wartet. Von Marie Luise Knott. Mehr...

ESSAY

Wie eine Nussschale

10.03.2020. Vor zwanzig Jahren haben wir den Perlentaucher gegründet. Seitdem hat sich die Öffentlichkeit radikal verändert, und sie ist leider nicht nur besser geworden. Das Internet ist von gewaltigen Machtinteressen umstellt - und da es heute die Form der Öffentlichkeit ist, bedrohen diese Machtinteressen die Demokratie selbst.  Es wäre Zeit, das Internet als ein "Common" zu begreifen. Von Thierry Chervel. Mehr...

INTERVENTION

Grenze zur Hellseherei

09.03.2020. Die Unschuldsvermutung sowie die Freiheit der Rede und des gedruckten Worts sind viel zu kostbare, über die Jahrhunderte mühsam und mit vielen Opfern errungene Güter und Werte, um sie jenen zu überlassen, die  - egal, von welcher Seite des politischen Spektrums kommend - glauben, sie wüssten, was (für alle) richtig und was falsch ist. Anmerkungen zum Aufruf der Rowohlt-AutorInnen, Woody Allens Memoiren nicht zu drucken. Von Peter Truschner. Mehr...

FOTOLOT

Das Intime und das Allgemeine

02.03.2020. Als ihre Mutter überraschend stirbt, fliegt Dimitra Dede von London ins 36 Grad heiße Athen, wo sie die eiskalte Stirn ihrer aufgebahrten Mutter küsst, von der sie sich zu Lebzeiten nicht mehr verabschieden konnte. Der heftige Unterschied zwischen der hitzeflirrenden Luft und der Temperatur des toten Körpers entspricht dem Ausmaß von Dedes Schmerz, den sie in ihrem Fotobuch "Mayflies" thematisiert. Von Peter Truschner. Mehr...

VOM NACHTTISCH GERÄUMT

Kommt Zeit, kommt Packeis

11.02.2020. Hokusai malt Bilder der fließenden Welt. Edward Burtynsky fotografiert die Macht der menschlichen Eingriffe: Machiavelli analysiert den Status quo. Suleika hat einen Auftritt. Und dann: zurück zu Adolf Endler. Von Arno Widmann. Mehr...

IN EIGENER SACHE

Der Perlentaucher unter den Buchläden

14.10.2019. Der Perlentaucher setzt ein Zeichen gegen die Verzagtheit: Wir eröffnen einen Buchladen! Eichendorff21. Natürlich im Internet, also eichendorff21.de. Und natürlich ist das ein Laden, in dem es nur Bücher gibt, keine Kaffeemaschinen, kein Marmorpapier und keinen Balsamico-Essig. Von Thierry Chervel. Mehr...