9punkt - Die Debattenrundschau

Alle repetitiven Aufgaben kann man automatisieren

Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
02.02.2019. "Ja Rusari, ja tusari", riefen Chomeinis Anhänger, "Entweder Kopftuch oder ein Schlag auf den Kopf". Mina Ahadi erinnert in hpd.de daran, wie die iranische Revolution zum schwarzen Tag in der Geschichte der Frauen wurde. In der NZZ antwortet Steven Pinker auf die Kritiker seines Buchs "Aufklärung jetzt". Heise.de stellt eine Studie vor, die am Nutzen der Paywalls für die Medien zweifelt. In der SZ spricht  John Micklethwait von Bloomberg News über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Journalismus.
Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.02.2019 finden Sie hier

Ideen

Steven Pinker antwortet in der NZZ den Kritikern seines Buchs "Aufklärung jetzt". Auf den Einwand, dass die Epoche der Aufklärung auch eine Blütezeit der Sklaverei gewesen sei, erwidert er: "Die Sklaverei gab es auch nicht erst im 18. Jahrhundert, wie alle wissen, die den Film 'Spartacus' kennen: Zu allen Zeiten galten Sklaven als die begehrteste Beute von Eroberern. Der Aufklärung die Schuld für die Sklaverei zu geben, ist besonders lächerlich angesichts der Tatsache, dass die Sklavenbefreiung erst im 18. Jahrhundert einsetzte."
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Geschichte

Die Aktivistin und Ex-Muslimin Mina Ahadi erinnert sich im Gespräch mit Florian Chefai von hpd.de an die iranische Revolution vor vierzig Jahren: "Die Lebenssituation von Frauen hat sich kurz nach der islamistischen Machtergreifung drastisch verschlechtert. Ein Tag vor dem Weltfrauentag, am 7. März 1979, ordnete Chomeini den Kopftuchzwang an. In der Folge gab es zahlreiche Übergriffe auf Frauen, die sich dem Befehl verweigerten. Die Islamisten betrachteten Frauen nämlich als Ware, über die Männer je nach Belieben verfügen dürfen. Chomeinis Anhänger skandierten 'Ja Rusari, ja tusari', was so viel bedeutet wie 'Entweder Kopftuch oder ein Schlag auf den Kopf'."
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Stichwörter: Iran, Iranische Revolution

Überwachung

Das Bundesverfassungsgericht verlangt vom E-Mail-Dienst Posteo, der auf Datenschutz bedacht ist, künftig IP-Adressen (also individuelle Kennungen von Computern) herauszugeben, die Posteo bisher gar nicht speichert. Damit bricht das Gericht ein bisher geltendes Prinzip, erläutert Svenja Bergt in der taz: Anbieter "mussten nur das herausrücken, was sie sowieso schon erhoben hatten. Verlangt ein E-Mail-Anbieter also das Geburtsdatum bei der Anmeldung - dann muss er es auch auf den entsprechenden Beschluss hin an die Polizei herausgeben. Hat er es dagegen nie erhoben - dann gehen die Strafverfolger:innen leer aus."
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Gesellschaft

Der Kompromiss zum Paragrafen 219a wird bei näherem Nachdenken immer magerer. Durchgesetzt hat sich hier die CDU gegen eine SPD, der es vor allem um den Koalitionsfrieden (und die Fortdauer der Regierungstätigkeit) ging, schreibt Patrica Hecht in der taz: "Vor allem die AnhängerInnen der sogenannten Lebensschutzbewegung haben Punkte gemacht: Sogar eine Studie, die bei Veröffentlichung des Eckpunktepapiers im Dezember für harsche Kritik gesorgt hatte, soll in Auftrag gegeben werden. Dabei soll es um 'seelische Folgen' von Schwangerschaftsabbrüchen gehen."
Archiv: Gesellschaft
Stichwörter: Paragraf 219a

Europa

Eine Mehrheit von SPD, Linkspartei und Grünen hat für das Brandenburger Parlament das erste "Paritätsgesetz" Deutschlands beschlossen - die Hälfte aller Abgeordneten sollen Frauen sein. Nur beißt sich da die Katze in den Schwanz. Das Gesetz tue genau das, was es verhindern wolle: Bestimmte Gruppen zu bevorzugen, wendet Marc Felix Serrao in der NZZ ein: "Der Frauenanteil der Parteien liegt laut Brandenburgs Parlamentarischem Beratungsdienst zwischen 18 und 43 Prozent. Wenn Frauen in dem Bundesland künftig jeden zweiten Listenplatz besetzen müssen, werden sie also eindeutig privilegiert. (Das Gleiche würde für Männer gelten, wäre ihr Anteil in den Parteien so gering.)"
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Stichwörter: Parität, Frauenquote

Medien

(Via turi2) Das digitale Abo-Modell und die Paywall sind für Medien auch nicht unbedingt die Lösung, um den Wegfall von Print und sinkende Werbeeinahmen zu kompensieren, schreibt Sascha Mattke bei heise.de unter Bezug auf eine wissenschaftliche Studie des Reuters-Instituts (mehr hier). "Für jeden einzelnen Anbieter mag es so aussehen, als wäre ein digitales Abonnement für seine Inhalte für einen niedrigen zweistelligen Euro-Betrag pro Monat durchaus attraktiv. Aber das Internet ist voll von solchen Angeboten. Insgesamt betreiben deutsche Print-Medienhäuser laut einer Übersicht ihres Verbandes BDZV mittlerweile 217 Websites mit Bezahl-Option. Wenn man sich als Leser nicht auf einzige Quelle festlegen will, kommen schnell hohe Summen zusammen.

Wie es den Zeitungen im Print ergangen ist, erzählt taz-Geschäftsführer Andreas Bull in einem Artikel über das eigene Problem der taz mit den Print-Abos: "Mit rund 15,5 Millionen in der gesamten Republik verkauften Exemplaren wurden im 4. Quartal 2018 täglich 670.000 Tageszeitungen weniger verkauft als im Vorjahresquartal, ein Verlust von 4,1 Prozent. Das geht Quartal für Quartal und Jahr für Jahr so, in den letzten zehn Jahren büßte die Branche 33,5 Prozent ein, der Tageszeitungsmarkt schrumpfte um 7,8 Millionen tägliche Exemplare. Am ärgsten traf es dabei die Bild-Zeitung, die in diesem Zeitraum allein mehr als 1,8 Millionen an täglicher Auflage verlor, ein Minus von 55 Prozent!

Andrian Kreye unterhält sich in der SZ mit John Micklethwait von Bloomberg News über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Journalismus: "Bisher eliminiert künstliche Intelligenz vor allem die langweiligen Arbeiten der Journalisten. Das Generieren von Zahlen. Das Transkribieren von Interviewaufnahmen. Alle repetitiven Aufgaben kann man automatisieren. Und sich auf die eigentliche Arbeit konzentrieren."
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