Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

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Vorgeblättert

Walter Abish: Alphabetisches Afrika, Teil 1

10.04.2002. Einmal im Monat wird "Vorgeblättert". Im Juni lesen Sie einen Auszug aus Walter Abishs Sprach-Kunstwerk ''Alphabetisches Afrika''. Der Perlentaucher bringt außerdem Infos zu Autor und Buch.

Zum zweiten Mal präsentiert der Perlentaucher unter der Rubrik Vorgeblättert einen Auszug aus einer interessanten Neuerscheinung. Nachdem es zum Auftakt der Rubrik einen Auszug von Michael Maars Buch Warum Nabokov Harry Potter gemocht hätte zu lesen gab, blättern wir in diesem Monat, mit freundlicher Unterstützung des Verlegers Urs Engeler, vor. In dessen Verlag erscheint im August Walter Abishs "Alphabetisches Afrika" in einer Übersetzung von Jürg Laederach: ein Sprach-Kunstwerk aus dem Jahr 1974, in dem Abish den Schwarzen Kontinent in 52 Kapiteln nach einer eigens auferlegten alphabetischen Regel durchmisst. Außerdem finden Sie hier Informationen zum Autor, hier zum Buch.


Auszug aus Walter Abishs "Alphabetisches Afrika"

E

Erledigen, ach bereits erledigt. Auf die aleatorische Art begegnet Alva einem äthiopischen Elektriker, der Aloestauden durchträgt, Alva aber entscheidet, die Arbeit des Elektrikers erfordere eine enorme, ebenso energetische Durchsetzungskraft an beiden Ellenbogen. Der äthiopische Elektriker brüllt, Eher abstreifen!, als Alva, den ausgestreckten äthiopischen Degen ausweichend, entflieht, bestimmte ästhetische architekturale Details auslassend. Englische Bitten ausstoßend, donnert der Elektriker an eine eingerastete Aufzugtür, erscheint beinah defätistisch, der Elektriker betrachtet alle angulären Aufbauten, alle Einlässe, alle Aufgänge, auch deduziert er daraus elegant den darauffolgenden Anfang, dazu das erneuerte Ende. Als er bei einer Erdgeschoss-Cafeteria Alvas Ellenbogen begegnet, entdeckt er Alva bisschen davon entfernt, doch abermals ändert Alva den Dress, auch das Aussehen, entkommt, als dorisches Eckfries aufgetakelt. Endlich endet die Autojagd beim Airport. Alva beim Entkommen, delikate Escargots begleitet durch Creme Chantilly einstopfend, ah douceur, aber beim Abheben beginnen alle acht Antriebe auszufallen, bringen böse Beweise bei. Aaah, Brüderchen du, blutiger belastender Bruder. Als ein erneuter Augusttag endet, dengelt ein erregter Elektriker Dessertteller an einen Eincheck- Counter, bescheuertes Ekel, erweckt aller Aufmerksamkeit, demonstriert effeminierte englische Degeneration dadurch, dass er billigem Benehmen anheimfällt. Als die blockierenden Antriebe den Ausfall erweitern, darf die emporgeflogene Alva die bisherige Düsen-Erfahrung als eine Art allgemeiner Beruhigung einsetzen, ersetzt alle Antriebe, brüllt dazu enthusiastisch: Eritrea existiert, Eritrea existiert.

Erledigt.

Acht Antriebe energetisieren das äthiopische Berlin beträchtlich, bitteschön, auch der Erbkaiser demonstriert bei der Examination eines allegorischen Abschnittes Alvas Eingeweihtheit bezüglich bestimmter atmosphärischer Begegnungen, danach engagiert er die Dienste des Elektrikers. Eilig erdacht, bald ausgeführt. Alvas Abflug begann, danach amüsiert der Elektriker Edna beim Dropsy's. Die englische Edna, eine Delikatesse, beneidet Alva emsig, bisschen erregte Annäherung an alle anders angekleideten Boten. Eiligst ausführen!, berät der Elektriker den äthiopischen Erbkaiser. Danach appelliert der Erbkaiser aus Anstand an Edna, auch an Alva, alle durch "Dearest Damsel" angesprochen. Er ärgert Edna alias Alva, auch befolgt er des Elektrikers Exempel, amüsiert dieselben ebenfalls beim Dropsy's, beäugt Ednas etwas ellipsoide Demarkationen. Aaach, erkannt, basta, alle acht akustisch destruktiven Düsenantriebe energetisieren das Empire. Aber das Empire bricht ein. Erleuchtet dringt der Erbkaiser bei Edna ein, denkt, Edna amte durchaus auch als Alva, als Edna, bisschen devot, bisschen erlogen, bestätigt, das emeritierte England dürfe bei acht aufeinanderfolgenden enormen, dazu entschieden ansteckenden Climaxes einen Erguss erden. Dabei bestätigt Edna den Edna allein angehörenden Anteil an Edna. Der enttäuscht aufgeklärte Erbkaiser birgt die absinkende Erektion. Edna? Ach Dearest Damsel. Die brave Damsel befingert dreist des Erbkaisers Befestigung, aber der Erbkaiser, eindringlich beschämt, entert ebensowenig, blinzelt etwas berechnend, er blinzelt, blinzelt, aber durchs Blinzeln bestätigt der Erbkaiser auf aleatorische Art einen durchtriebenen Code, den der Bombardierungs-Berater entwarf. Als der Erbkaiser Ednas abermalige Einmessung beabsichtigt, bombardiert der bedauerliche Einsatz einer Bomber-Einheit das äthiopische Berlin, eliminiert alles am Boden. Das Dünen-Centrum altert als Antiquität, datiert durch die Anfangsbuchstaben A.D. Danach ehelicht der begierige Elektriker die abgelegte Edna, beküsst Edna, beliegt Edna, bekämpft Edna, approximiert Ednas Befähigungen, entweder acht Buben, achtzehn Buben, achtzig Buben, erledigt, erledigt. 

Eritrea ausradieren, Eritrea ausradieren.

Bald beschlossen, eilig ausgeführt ?

Alex, ebenso Allen bestreiten Antibes, bestreiten alles.


Teil 2

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Archiv: Vorgeblättert

Luiz Ruffato: Feindliche Welt

17.04.2014. Der brasilianische Schriftsteller Luiz Ruffato schrieb einen fünfbändigen Romanzyklus mit dem Titel "Vorläufige Hölle". Schauplatz des zweiten Bandes mit dem Titel "Feindliche Welt" ist Zé Pintos Gasse, ein Armenviertel der Textilindustriestadt Cataguases im Landesinneren Brasiliens. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen

Leila Guerriero: Strange Fruit

14.04.2014. Die argentinische Journalistin Leila Guerriero erzählt in "Strange fruit" von einer Gruppe junger Studenten, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Toten in den Massengräbern der Diktatur zu identifizieren - und mit ihren Methoden mittlerweile im Kongo wie im Kosovo gefragt ist. Lesen Sie hier den Auszug aus dem Reportagenband. Mehr lesen

Chimamanda Ngozi Adichie: Americanah

07.04.2014. Die nigerianische Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie erzählt in "Americanah" die Liebesgeschicht von Ifemelu, die nach Amerika geht, und von Obinze, den es nach London verschlägt. In Lagos treffen sie sich nach Jahren wieder, jedoch hat Obinze nun Frau und Kind. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Roman "Americanah". Mehr lesen

Geert Buelens: Europas Dichter und der Erste Weltkrieg

31.03.2014. Sommer 1914: Millionen Männer zogen singend an die Front, und die Dichter standen dabei in vorderster Linie. Englische war poets und deutsche Expressionisten, französische Dadaisten und russische Futuristen, flämische, ungarische und baltische Autoren kämpften mit  Waffe und Worten. Lesen Sie hier einen Auszug aus Geert Buelens' Untersuchung "Europas Dichter und der Erste Weltkrieg". Mehr lesen

Javier Cercas: Outlaws

24.03.2014. Javier Cercas erzählt aus verschiedenen Perspektiven die Geschichte von Ignacio, Zarco und der verführerischen Tere, einer Bande verlorener Jugendlicher, die zu Gangstern werden. Ignacio steigt aus, um sein Leben zu retten, und trifft Jahre später vor Gericht auf Zarco, als sein Strafverteidiger. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Roman "Outlaws". Mehr lesen

Zsófia Bán: Als nur die Tiere lebten

10.03.2014. Die ungarische Autorin Zsófia Bán erzählt in 15 Geschichten von Emigration, Entwurzelung und den emotionalen Schocks, die ein Leben in ein Davor und Danach teilen. Lesen Sie hier zwei Geschichten aus dem Band "Als nur die Tiere lebten". Mehr lesen

Yahya Hassan: Gedichte

07.03.2014. Yahya Hassan hat mit seinen stakkatohaften, den Islam und die dänischen Institutionen kritisierenden Gedichten die dänische Öffentlichkeit gründlich aufgewühlt. Auch in Deutschland wurde schon viel über ihn berichtet. Nun erscheinen seine Gedichte auf Deutsch - hier eine kleine Auswahl. Mehr lesen

Leonardo Padura: Ketzer

06.03.2014. London 2007, Havanna 1939, Amsterdam 1648. Was gibt es gemeinsames zwischen diesen Stationen? Leonardo Padura erzählt vom Schicksal jüdischer Flüchtlinge aus Deutschland, einem verschwundenen und wieder aufgetauchten Bild Rembrandts und dem Havanna heute. Sein Held Mario Conde bringt Licht ins Dunkel der Geheimnisse. Lesen Sie hier einen Auszug aus Leonardo Paduras Roman "Ketzer". Mehr lesen

Robert Kindler: Stalins Nomaden

03.03.2014. Völkermord und Staatsterror kennzeichnen das 20. Jahrhundert. Unter Stalin durfte es keine Nomaden geben, sie waren nicht kontrollierbar. Sowjetisierung durch Hunger - so nennt Robert Kindler das Projekt der Bolschewiki, die multiethnische Bevölkerung in Kasachstan durch Sesshaftmachung, Kollektivierung und die Inszenierung von Chaos und Elend zu unterwerfen. Lesen Sie hier einen Auszug aus der Studie "Stalins Nomaden". Mehr lesen

Sabine Kray: Diamanten Eddie

17.02.2014. Einen Roman über das Leben ihres Großvaters hat Sabine Kray vorgelegt. "Diamanten Eddie" machte im Nachkriegsdeutschland Karriere als Dieb und Hehler und lebte auf großem Fuß. Seine schrecklichen Erlebnisse in den Straf- und Arbeitslagern der Nazis als polnischer Zwangsarbeiter verfolgten ihn jedoch bis zu seinem Tod. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen

Emmanuel Carrère: Alles ist wahr

13.02.2014. "Das Leben ist wie ein Roman" könnte man von Emmanuel Carrères Buch "Alles ist wahr" sagen. Es handelt von Leben und Tod, Krankheit, Armut, Gerechtigkeit und Liebe. Er erzählt von Opfern des Tsunami 2004 und von einer krebskranken Richterin und ihrem Kollegen, die sich beide leidenschaftlich Fällen von Verschuldung widmen. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen

Vaddey Ratner: Im Schatten des Banyanbaums

10.02.2014. Mit dem Schreiben über ihre Kindheit in Kambodscha versucht Vaddey Ratner die grausame Herrschaft der Roten Khmer zu bewältigen: die Massendeportationen, den Hunger, die Zwangsarbeit und die Vernichtung der Bourgoisie. Lesen Sie hier einen Auszug aus ihrem ersten Roman "Im Schatten des Banyanbaums". Mehr lesen

Vera Lourié: Briefe an Dich

03.02.2014. Das ganze 20. Jahrhundert hat die russische Dichterin Vera Lourié erlebt und überlebt. Erst in späten Jahren erzählt sie in Briefen an eine Freundin aus ihrem Leben, in russischen Dichterkreisen im Berlin der 20er Jahre, von der NS-Zeit, vom Einmarsch der Roten Armee und der neuen Gefahr für die Flüchtlinge der Oktoberrevolution. Lesen Sie hier drei der "Briefe an Dich". Mehr lesen

Angelika Klüssendorf: April

30.01.2014. Aus dem "Mädchen" in dem gleichnamigen Roman von Angelika Klüssendorf wird in ihrem neuen Roman "April" eine junge Frau mit Kind, die sich durch den real existierenden Sozialismus in Leipzig und dann durch das West-Berlin der frühen 80er Jahre schlägt. Lesen Sie hier einen Auszug.
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Valeria Luiselli: Falsche Papiere

09.01.2014. Die mexikanische Autorin Valeria Luiselli nutzt in ihrem Essayband "Falsche Papiere" Alltagserfahrungen, um über Zeit nachzudenken, terraines vagues oder ein Sortiersystem für Bücher. Und immer wieder über Sprache. Lesen Sie hier einen Auszug, in dem sie über das Erlernen einer Sprache nachdenkt und die Stottergedichte des rumänischen Dichters Gherasim Luca. Mehr lesen

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