Dienstag, 02.06.2026
9punkt - Die Debattenrundschau
02.06.2026 In der taz erklären der Historiker David Satter und der Schriftsteller Sergej Lebedew, weshalb Stalin in Russland seit Kriegsbeginn so beliebt ist wie nie zuvor. Ebenfalls in der taz fragt Jonathan Spangenberg, Vorsitzender des Zentralrats der Armenier in Deutschland, weshalb die EU vermehrt mit Aserbaidschan zusammenarbeitet. In der NZZ ruft Pascal Bruckner die französische Politik auf, Vincent Bollores Alleinherrschaft ein Ende zu setzen. Und im täglichen Francis-Fukuyama-Interview, heute in der FAZ, hat der Politikwissenschaftler mit Blick auf China plötzlich Zweifel, ob die liberale Demokratie wirklich alternativlos ist.
Efeu - Die Kulturrundschau
02.06.2026 Im Standard ist Milo Rau zerknirscht darüber, dass er Peter Thiels Auftritt bei den Wiener Festwochen absagen musste: er habe das Festival schützen müssen. Die SZ ist bei der Uraufführung von Salvatore Sciarrinos Oper "L' Agamennone" in Bern beeindruckt von Iris van Wijnenn als "furchterregend großartiger" Klytämnestra. Im taz-Gespräch erklärt Jenny Graser, Kuratorin am Leipziger Museum der Bildenden Künste, was Arbeiterbildnisse aus der DDR mit Gemälden aus dem 16. Jahrhundert zu tun haben.
Magazinrundschau
02.06.2026 Nach Putin wird es ein russisches Game of Thrones geben, weiß Istories, denn rivalisierende Clans bringen sich bereits in Stellung. Die LRB staunt derweil, wieviele verschiedene Ideologien unter Putin florieren dürfen, solange es nur gegen den Westen geht. Respekt weiß, warum der tschechische Premier Andrej Babiš ganz auf Longevity setzt. HVG und Elet es Irodalom träumen von einem Ungarn, in dem Partizipation und Medienfreiheit herrschen. Nehmt euch in acht vor hitzebeständigen Mikrobiomen, warnt der New Yorker: Sie sind überall. Newlines überwindet die Trennung von Mensch und Natur durch altarabische Dschahili-Dichtung.
Bücherschau des Tages
02.06.2026 Die SZ lauscht der Stimme von Raha Nik-Andish, dessen aus dem Iran herausgeschmuggelte "Teheran Tagebücher" ein schockierendes Zeugnis der Verbrechen der Islamischen Republik sind. Die FAZ lässt sich von Luzia Geier die Karriere von Zohran Mamdani erzählen, vermisst aber ein paar kritische Stimmen. Die FR rauscht in Petr Sestaks "Ausgebrannt" mit im wütenden Bewusstseinsstrom eines Kurierfahrers. Dlf erfährt von Frederic Schnatterer, wie Argentinien unter den Folgen von Javier Mileis Anarchokapitalismus leidet.
Mittwoch, 03.06.2026
9punkt - Die Debattenrundschau
03.06.2026 Die Zeit blickt nach Armenien, wo am Samstag gewählt wird und Putin kräftig mitmischt. In der SZ fürchtet der ukrainische Schriftsteller Sergey Maidukov, dass der von den Russen gesäte Hass die ukrainische Gesellschaft vergiftet. In der Welt kritisiert der Althistoriker Michael Sommer die Abhängigkeit von Drittmitteln an deutschen Universitäten.In der Zeit hält der italienische Philosoph Angelo Bolaffi die Rede vom "Faschismus" für einen "Popanz der Linken".
Efeu - Die Kulturrundschau
03.06.2026 Die Feuilletons debattieren weiter über die Nacktszene von Nastassja Kinski im Wenders-Film "Falsche Bewegung": Man sollte die Szene nicht einfach herausschneiden, als wäre nichts passiert, findet die SZ, die Zeit erkennt in Wenders' Reaktion das abscheuliche Verhalten von Männern in Machtpositionen. Die SZ schwärmt außerdem von der Popmusikerin Sofia Isella, die gegen männliche geistige Tiefflieger ansingt. Renoir hielt hingegen gar nichts vom Kampf der Geschlechter, erkennt die NZZ in zwei Ausstellungen in Paris. Geradezu "grenzsprengend" findet die Welt, wie Sebastian Baumgarten in Köln die Bombenangriffe der Alliierten auf Deutschland inszeniert.
Bücherschau des Tages
03.06.2026 Die FAZ lässt sich von Heike Geißlers "Michaela Kohlhaas" zum Widerstand gegen den Alltag inspirieren. Außerdem ist sie tief beeindruckt von Gharbi M. Mustafas Memoir "Wenn Berge weinen", das poetisch-lakonisch die Geschichte des irakischen Kurden Hamko erzählt. Die Zeit ist voll des Lobes für Lilli Tollkiens Debütroman "Mit beiden Händen den Himmel stützen", der die düsteren Seiten einer linken WG im Berlin der Achtziger beleuchtet. Dlf Kultur vertieft sich in das neue Buch von Francis Fukuyama und genießt einen literarischen Snack von Philipp Schönthaler.
Donnerstag, 04.06.2026
Efeu - Die Kulturrundschau
04.06.2026 Wim Wenders bittet Nastassja Kinski plötzlich um Entschuldigung und will den Film fürs erste aus der Öffentlichkeit ziehen: Kalkül, glaubt der Tagesspiegel. Wenders wurde von "Sittenleuchtern und Puritanern" der Schauprozess gemacht, ärgert sich artechock. Die SZ wirft Boualem Sansal, dessen neues Buch "La Légende" in Frankreich erschienen ist, "maßlose Gehässigkeit" vor. Die NZZ gruselt sich in Basel dank Pierre Huyghe vor einsamen Wesen mit pelzigen Ärmchen.
9punkt - Die Debattenrundschau
04.06.2026 Im Interview mit FAZ und SpOn erzählt der neue ungarische Regierungschef Péter Magyar, wie es in Ungarn weitergehen soll. Wenn die Ukraine die Waffen niederlegt, wird Putin direkt in den nächsten Krieg ziehen, warnt Garri Kasparow in der Welt. Die SZ blickt auf die mit Millionen geförderte Hilfsorganisation Islamic Relief, die Beziehungen zur Muslimbruderschaft und der Hamas haben soll. Im Iran bestimmt eine kleine, extrem radikale Gruppe die Verhandlungen mit den USA, berichtet die NZZ, dabei spielen auch religiöse Erlösungsfantasien eine Rolle, ergänzt die taz.
Bücherschau des Tages
04.06.2026 Die taz lernt in Asako Yuzukis neuem Roman über eine Stalkerin, was Mensch und Victoriabarsch gemeinsam haben. Die NZZ denkt mit Maria-Sibylla Lotter kritisch über den immer weiter gefassten Begriff des "Opfers" nach. Rundum glücklich wird der Dlf mit Hans-Ulrich Treichels neuem Roman über verpasste Lebenschancen. Außerdem freut sich der Dlf, dass Margaret Laurence' 1974 erschienener Roman "Glücklichere Tage" endlich auf Deutsch vorliegt.
Freitag, 05.06.2026
9punkt - Die Debattenrundschau
05.06.2026 Wer wird Frankreichs nächster Präsident? Jordan Bardella jedenfalls nicht, da ist sich der Schriftsteller Georges-Arthur Goldschmidt im Welt-Interview ganz sicher. In der Türkei liegt die Nachfolgerin der CHP schon vor Erdogan, obwohl sie noch gar nicht gegründet wurde, berichtet Bülent Mumay in der FAZ. Ein Umzug der Zentralen Landesbibliothek an den Alexanderplatz könnte diesen verlorenen Ort vielleicht noch retten, ruft die taz. Und dass Deutschland seinen Platz im UN-Sicherheitsrat wegen seiner Israel-Solidarität verloren hat, ist keine Schande, findet die Welt.
Efeu - Die Kulturrundschau
05.06.2026 Die Welt ärgert sich, dass mehr als siebzig Künstler bei der Biennale in Venedig ihre Teilnahme an der Preisverleihung durch das Publikum boykottieren. Die FAZ liest Boualem Sansals neues Buch auch als wütenden Versuch, die Hoheit über die eigene Geschichte zurückzugewinnen. Die nachtkritik erlebt dank der polnischen Regisseurin Magda Szpecht in Dortmund, wie es sich anfühlt, als Frau an der ukrainischen Front zu kämpfen. Der Guardian lernt in London Bescheidenheit mit M. C. Escher. Und alle trauern um Marjane Satrapi, die "Chronistin einer verlorenen Generation", wie Zeit Online erinnert.
Bücherschau des Tages
05.06.2026 Die NZZ kann nur bewundern, wie Junko Takase mit Hilfe der Instantnudel eine reichhaltige Gesellschaftskritik serviert. Die SZ lässt sich von den Geschichten, die Gaito Gasdanow als Nachttaxifahrer in Paris erlebte, nur zu gern beunruhigen. Als feines Porträt einer Beziehung zwischen Mutter und Tochter liest die taz Marie-Louise Monrad Møllers Roman "Viel wichtiger ist jetzt die Gegenwart". Schlicht genial findet der Dlf, wie Ian Kumekava die Geschichte der globalen Wirtschaft anhand zweier Schiffe erzählt.
Samstag, 06.06.2026
9punkt - Die Debattenrundschau
06.06.2026 In der FR fürchtet der belarusische Schriftsteller Alhierd Bacharevič den Dritten Weltkrieg und auch der russische Schriftsteller Viktor Jerofejew schließt in der Welt nicht aus, dass Putin einen Atomkrieg einer Niederlage vorzieht. Dabei halten ihn selbst die ultranationalistischen Militärblogger für wahnsinnig, weiß der russische Journalist Iwan Filippow im Tagesspiegel. Europäische Regierungen hätten längst mit Russland verhandeln müssen, meint Angela Merkel indes in der FAS. KI wird keine Fachkraft ersetzen, nur mehr Arbeit machen, glaubt der Soziologe Florian Butollo in der SZ.
Efeu - Die Kulturrundschau
06.06.2026 Auch seriöse Autorenfilmer wie Martin Scorsese und Steven Soderbergh arbeiten jetzt mit KI-Unternehmen zusammen: Vielleicht kann so die Vision des Regisseurs genauer umgesetzt werden, überlegt die NZZ. Die Literatur der DDR ist spätestens nach der Wende "ausradiert" worden, behauptet Carsten Gansel in seinem neuen Buch - die SZ ist skeptisch. Die Welt feiert in einer Jasper Johns Retrospektive im Guggenheim Bilbao die Möglichkeiten der Malerei. Und der Tagesspiegel hat in der Zitadelle Spandau eine beunruhigend sinnliche Begegnung mit einer Hitler-Büste.
Bücherschau des Tages
06.06.2026 Die FAZ versucht mit Gusel Jachina das Rätsel um die Film-Legende Sergej Eisenstein zu lösen. Die FAS lobt Patrick Radden Keefes Buch "Der Sohn des Oligarchen", das die dunklen Machenschaften der Londoner High-Society ausleuchtet. Die FR ist begeistert von der "Fülle des Tatsächlichen", die ihr aus Olivia Laings Roman über die Künstlerin Kathy Acker entgegenschlägt. SZ und Welt treffen bei Caro Claire Burke eine Tradwife, die eines Tages im 19. Jahrhundert aufwacht. Die taz vertieft sich in Joachim Bessings kuriose und düstere Erlebnisse in Addis Abeba.
Montag, 08.06.2026
9punkt - Die Debattenrundschau
08.06.2026 Caroline Fetscher liest für die Frankfurter Hefte das kulturpolitische Programm der AfD für die Wahlen in Sachsen-Anhalt: Man fordert mehr Russisch. Die SZ fragt, bis wann eine Frau ein Mädchen ist. Die Stadt Düsseldorf kassiert ihren Plan für einen Opern-Neubau ein: So könnte es vielen Projekten ergehen, fürchtet die FAZ. Wenn es den Iranern gelingt, ihr islamistisches Regime abzuwerfen, wird eine weltpolitische Wende eintreten, meint der Historiker Kijan Espahangizi in der NZZ.
Efeu - Die Kulturrundschau
08.06.2026 Wie funktioniert eigentlich Theater, fragen sich die Kritiker nach dem neuen Schimmelpfennig in Stuttgart. Ein Teheraner Revolutionsgericht hat die Haftstrafe gegen Jafar Panahi bestätigt, meldet die SZ. Nastassja Kinski hat in der Debatte mit Wim Wenders eher einen Pyrrhussieg errungen, kommentiert die Welt. Die NZZ ist hyped auf das Zürcher Konzert von Kaytranada. Antoni Gaudís Tod ist nun hundert Jahre her, die FAZ erinnert an seine Architektur zwischen Kunst und katalanischer Unabhängigkeit. Ebenfalls die FAZ bestaunt in Venedig die Kunst von Tadeusz Kantor, einem existenzialistischen Surrealisten.
Bücherschau des Tages
08.06.2026 Die NZZ bewundert, wie Peggy Mädler in ihrem DDR-Roman die Pulsfrequenzen ihrer das Glück suchenden Figuren erspürt. Die FR schwärmt von Daniela Chanas Gedichtband "Affäre mit einem Erzähler". Die SZ liest bei Antonio Scurati gebannt vom dunklen Ende Mussolinis. Für Dlf Kultur ist Oliver Bottinis Roman "Die Summe aller Dinge" über die Cum-Ex-Affäre der wichtigste Krimi des Jahres. Und Dlf feiert William Dalrymples Buch über den Aufstieg der East India Company als "Meisterwerk".
Dienstag, 09.06.2026
9punkt - Die Debattenrundschau
09.06.2026 Nicht nur die Ukraine, auch ihre europäischen Partner zeigen größeres Selbstbewusstsein gegenüber Putin, freuen sich die Zeitungen. Die deutschen Yad-Vashem-Dépendancen sind, anders als Meron Mendel unterstellt, keine Agenturen der israelischen Regierung, insistiert Deborah Hartmann im Spiegel. In der Politik haben sich längst viele Männer als schwul bekannt, warum nicht im Fußball, fragt die taz. Und was ist Niedersachsen, fragt die FAZ.
Magazinrundschau
09.06.2026 Der Guardian lernt die digitale Schattenökonomie Kubas kennen. Dekoder berichtet von militär-patriotischen russischen Trainingslagern für russische und entführte ukrainische Jugendliche. Die LRB taucht mit C. Thi Nguyen in die Welt des Spiels und der Bewertungssysteme ein. In Tvar ruft der tschechische Schriftsteller Jiří Kratochvil zu einer neuen engagierten Literatur auf. Artforum porträtiert die Künstlerin Gladys Nilsson und ihre Gruppe Hairy Who. In Elet es Irodalom ermuntert der Pianist Andras Schiff klassische Musiker zu mehr Aufklärung. Harper's frischt seine Esperanto-Kenntnisse auf.
Efeu - Die Kulturrundschau
09.06.2026 Die SZ gratuliert Konstantin Richter zum Sachbuchpreis, Zeit online lobt die Nominiertenliste insgesamt als eine Feier der Qualität, die FAZ findet, man könnte auch mal ideenhistorische Bücher auszeichnen. Die FR lauscht beeindruckt den brutalen Spitzentönen in Rossinis Oper "Tancredi". Die FAZ stellt den aus seiner Heimat geflohenen, russischen Komponisten Dmitri Kourliandski vor, der sich gegen den Krieg engagiert.
Bücherschau des Tages
09.06.2026 Interessiert studiert die FAZ, wie Serhii Plokhy einen Bogen spannt
zwischen dem Abwurf der ersten Atombombe und der Gegenwart des
Ukrainekriegs. Im Comic von Flix und Reinhard Kleist reitet
sie mit Lucky Luke und den Grimm-Brüdern durch den Wilden Westen. Die FR
rätselt mit Susanne Kaiser in "Witch Hunt", wer hinter einer Reihe von
Cyber-Attacken steckt und ruft feministische Hackerinnen zu Hilfe. Dlf
Kultur fährt mit Julia Wong, einem indo-chinesischen Mädchen mit vielen Namen und
Alexander von Humboldt zur See.