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Sentimentales Nachspiel

Der Sieg braucht den Mut der anderen - Deutschland-Ecuador 3:0

Die Kolumne zur Fußball-WM 2006. Von Georg Klein

21.06.2006. Folge 3: Der Sieg braucht den Mut der anderen. Und das Herz ist mehr als ein bloßer Muskel.

Jeder mitfühlende Zuschauer muß ihn fürchten. Sobald er sich zeigt, wird es gefährlich für die eigene Mannschaft. Insgeheim ersehnt man ihn jedoch auch; denn wenn er gänzlich ausbleibt, fehlt dem Spiel die Seele. So war es gestern abend: Spätestens nach dem 2:0 für das deutsche Team fühlten wir, daß wir uns zwar über eine sehr gute Leistung der Unseren freuen durften, daß es aber leider keinen seelenvollen Sieg zu feiern gab.

Denn der Sieg braucht den Mut der anderen.

Etwas in der Mannschaft von Ecuador hatte sich recht bald darauf eingeschwungen, im Olympia-Stadion von Berlin eine mittelhohe Niederlage über die Runden zu bringen. Dies war gewiß nicht von vorneherein als Devise ausgegeben worden, und auch das frühe Gegentor und die imposante Kulisse, die die deutschen Fans bildeten, reichen nicht aus, um die merkwürdige Verhaltenheit des ecuadorianischen Auftretens zu erklären. Daß diese Mannschaft Herz hat, war nach den vorausgegangenen Spielen bewiesen. Aber gegen Deutschland wollte sich dieses Herz, dieses merkwürdig kollektive Organ, trotz der immer wieder wackeren Bemühungen einzelner Spieler nicht als ein gemeinsamer Mut offenbaren.

Im Mannschaftskampfsport schenkt man dem Gegner den eigenen Mut wie eine Gunst. Wenn sich die zweimal zehn Finger der Feldspieler verschränkt haben, spüren vor allem die leiblich anwesenden Zuschauer recht bald, ob es zu einer Begegnung der kollektiven Herzen kommen wird oder ob sich die Bemühungen in Taktik und Pflicht, also in Sportarbeit, erschöpfen werden. Auch Fußball kann an grauen Tagen fast nichts als Gruppenarbeit sein. Aber auch wenn unsere Hausärzte und alle Sportmediziner der Welt es behaupten mögen, unser Herz arbeitet nicht - allenfalls arbeitet es nebenbei!

Nach einem Spiel, in dem sich Herz beherzt mit Herz gemessen hat, ist es keine leere Geste, wenn zwei Dutzend verschwitzter Trikots die Brust wechseln. Am Herzdruck der anderen versichert sich eine Gemeinschaft ihres eigenen Mutes. Kommenden Samstag werden unsere Spieler die gelben Hemden der Schweden ergattern. Und mit etwas Glück hat jeder Einzelne zuvor neunzig Minuten lang spüren dürfen, daß sein Herz mehr als eine bloße Pumpe ist.

Georg Klein

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