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Post aus Istanbul

Eine ganz neue Identität

Von Constanze Letsch
18.03.2011. In Istanbul wird wieder Bakla Horani gefeiert, der siebzig Jahre lang verbotene griechische Karneval. Und alle feiern mit: Griechen, Türken und Kurden.
Passanten, die am Abend des 7. März 2011 am Altersheim Feriköy im Istanbuler Stadtteil Kurtulus vorbeigingen, bot sich ein ungewohntes Bild: Im Vorgarten des Emekli Evi standen fantasievoll gewandete Leute und maskierte Studenten dicht gedrängt beieinander. Damen in extravaganten Filzhüten nippten Sahlep aus Porzellantassen und Polizisten traten fröstelnd von einem Bein aufs andere. (Bilder von Sezayi Erken) Ab und an unterbrach ein Rasseln, Trommeln oder Pfeifen das Raunen der Konversationen.

Nikos Sigalas ist einer derer, die trotz des frostigen Wetters im Vorgarten des Altersheims von Feriköy ausharren. Ursprünglich aus Griechenland, lebt er seit einigen Jahren in Istanbul. Warum alle kostümiert sind? Nikos lacht. "Hier wird Bakla Horani gefeiert - Karneval!" Er fährt fort: "Viele Bräuche sind mit der massiven Abwanderung der Istanbuler Griechen, der Rum, verlorengegangen. Doch das ändert sich jetzt. Jetzt versuchen immer mehr Leute, alte Traditionen wiederaufleben zu lassen." Es ist das erste Mal seit genau 70 Jahren, dass in Kurtulus wieder ein Karneval stattfindet - nein, der Karneval: Bakla Horani ist ein Kind des ursprünglich hauptsächlich griechischen Stadtviertels. Seine Geschichte reicht bis weit in die Zeit des Osmanischen Reiches zurück. Auch damals wurde er bis zum Rosenmontag gefeiert, dem Tag vor Beginn der 40-tägigen Fastenzeit, dem sarikosti. Bakla Horani hat seine Wurzeln im Persischen und bedeutet grob übersetzt so viel wie: "Bohnen essen". Bakla, dicke hellgrüne Bohnen, die zu einem Pate verarbeitet einen Hauptbestandteil des traditionellen Karnevalsessens darstellen, geben dem Fest, das in Griechenland als Apokriya gefeiert wird, seinen Namen.

Der Stadtteil Kurtulus, türkisch für "Befreiung", wurde erst mit der Republikgründung 1923 so genannt, ältere griechische Anwohner benutzen jedoch immer noch den alten Namen Tatavla - Pferdestall - den das Viertel wegen der damals dort angesiedelten königlichen Reitställe erhielt. Kurtulus ist das Viertel, in dem heute viele Migranten aus dem Irak und Iran, aus afrikanischen Ländern, der Mongolei oder Armenien wohnen und dem deshalb auch heute noch der Ruf anhaftet, eines der multikulturellsten Viertel der Stadt zu sein. Ursprünglich war es das wohl "griechischste" der Istanbuler Stadtviertel: Schon um 1530, zur Regierungszeit Süleyman I., genannt der "Prächtige", siedelten die dort während der Eroberungszüge der osmanischen Mittelmeerflotte gemachten griechischstämmigen Kriegsgefangenen, um in der nahe gelegenen imperialen Werft von Kasimpasa zu arbeiten. Ein 1793 erlassenes Edikt verbot sogar die Ansiedlung von nicht-griechisch-orthodoxen Bürgern in Tatavla - und bis noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebten hier fast ausschließlich Griechen. Nach dem Vertrag von Lausanne 1923 und dem daraus resultierenden Bevölkerungsaustausch zwischen Griechenland und der Türkei mussten um die 1.190.000 Griechen ihre bisherige Heimat in Richtung Griechenland verlassen. 110.000 Griechen blieben - vorerst - in der Türkei zurück, da Istanbul vom Bevölkerungsaustausch ausgenommen war. Doch auch diese Zahl sank nach den Pogromen gegen nicht-muslimische Bürger 1955 und nach dem Ausbruch der Zypernkrise auf unter 1.500.

Erneut ins Leben gerufen wurde die Tradition des Bakla Horani von einem jungen Mann aus Athen, der vor fünf Jahren für eine akademische Konferenz nach Istanbul kam und blieb. Vor zwei Jahren, sagt Haris Rigas, hätten er und einige seiner Freunde sich gesagt, dass die Zeit reif wäre, Bakla Horani nach Istanbul zurückzuholen: "Das sind wir dieser Stadt, die wir so sehr lieben, schließlich schuldig." Zurzeit arbeitet Rigas an seiner Dissertation in Politikwissenschaft an der Istanbuler Bogazici-Universität, wo er auch Latein und Altgriechisch unterrichtet. Nebenbei spielt er in der Rembetiko-Band Tatavla Keyfi.

Haris Rigas erläutert: "Bakla Horani ist das mediterrane Pendant zum Fasching in Westeuropa, zum Mardi Gras in New Orleans. Es ist ein Frühlingsfest mit Wurzeln in heidnischen Bräuchen, so wie das kurdische Newruz oder das Hidrellez-Fest der Roma." Und er fährt fort: "Während des Bakla Horani Karnevals trug man natürlich Masken und Kostüme, und besonders beliebt war der Rollentausch: Männer verkleideten sich zum Beispiel oft als Frauen. Überhaupt war ein wesentlicher Teil des Bakla Horani, für die Dauer des Festes eine ganz neue Identität anzunehmen." Haris trägt zur Feier des Tages einen weinroten Filzhut, den Fez, der von Republikgründer Mustafa Kemal Atatürk als "dekadent" geschmäht und dessen Tragen allen Staatsbürgern der Türkei 1925 unter Strafe verboten wurde. "Die Leute zogen unter Gesang durch die Straßen und kehrten schließlich in einer der zahlreichen Tavernen ein, die es früher überall in Kurtulus gab."

Dieses Jahr wurden Haris Rigas und seine Freunde bei der Organisation des Karnevals von der Stiftung der Kirche Hagia Dimitri unterstützt. Der Präsident der Stiftung, Dimitri Zotos, sagte im Interview: "Es war uns wichtig, das Fest dieses Jahr hier in Kurtulus und als Gemeinde zu organisieren." Während im gesamten Viertel und vor allem in den unzähligen Meyhane und Gazino gefeiert wurde, war der Platz vor der griechisch-orthodoxen Hagia Dimitri Kirche traditionell das Zentrum des Bakla Horani.

Der Umzug endet diesmal jedoch nicht in einem Meyhane, sondern im altehrwürdigen Sportverein von Kurtulus, seit 1923 Sitz des Iraklis Gymnastikclubs, der 1896 als erster überhaupt in der damals noch osmanischen Hauptstadt gegründet worden war. An langen Tischen sitzen hier auch ältere Gemeindemitglieder, kalte und warme Meze werden gereicht, der Präsident der Stiftung der Hagia Dimitri begrüßt die Gäste auf Türkisch und Griechisch.

Unter den Feiernden ist auch Aleksandros Koronyo. "Ein sehr schönes Fest", sagt er. "Ich bin so glücklich, wieder Bakla Horani zu feiern!" Seit seiner Geburt 1926 lebt er in Kurtulus, aber er bevorzugt den ursprünglichen Namen des Viertels, Tatavla. "Damals fand Bakla Horani nicht an einem bestimmten Ort statt, sondern die gesamte Gemeinde war ein Teil der Feier. Jede Familie bereitete sich darauf vor, schmückte das Haus, kümmerte sich um Kostüme. Es wurde gekocht und gebacken - ich erinnere mich an Bleche voller Baklava! Danach ging man von Haus zu Haus, besuchte Verwandte, Freunde und Nachbarn um zu sehen, ob sie einen im Kostüm erkannten. War dies nicht der Fall, gab es ein großes Hallo und gemeinsam wurde dann bis spät in die Nacht in diesem Haus gefeiert, gegessen und musiziert. Am nächsten Tag besuchte man eine andere Familie - und so ging es tagelang." Aleksandros Koronyo betont, dass das Fest zwar in Tatavla organisiert, aber dass es keineswegs nur von den dort lebenden Griechen gefeiert wurde: "Menschen kamen aus ganz Istanbul nach Tatavla! Oft war es so voll, dass man auf der Straße kaum vorwärts kam."

1941 wurde der Karneval durch den Gouverneur von Istanbul verboten - aus Sicherheitsgründen, hieß es in der offiziellen Begründung: schließlich könne sich hinter jeder Maske auch ein Dieb, Mörder oder Spion verbergen. Im Archiv der auf Griechisch erscheinenden Istanbuler Tageszeitung Apoyevmatini findet sich ein Eintrag vom 17. Februar 1942: "Dieses Jahr endete der Karneval in einer melancholischen Atmosphäre. Als der gestrige Abend hereinbrach, war der große Platz vor der Hagia Dimitrios-Kirche fast leer. Die Straßenbahnen fuhren nur vereinzelte Passagiere zum Kurtulus-Platz. Niemand trug eine Maske, und die Cafes begrüßten nur sehr wenige Kunden. [?] Kurz: gestern fand kein Karneval statt - von jetzt an wird er nur noch in unseren Erinnerungen weiterleben."

Da der Karneval jedoch nie offiziell durch ein Gesetz abgeschafft wurde, sondern den Veranstaltern lediglich von Seiten der Stadtverwaltung die Erlaubnis entzogen worden war, bedurfte es nur eines neuen Antrags - und dem wurde stattgegeben. Das Bürgermeisteramt von Sisli bot sogar an, die Organisation zu übernehmen. Dimitri Zotos betont, dass die positive Reaktion der Stadtverwaltung für die Veranstalter von großer Bedeutung war: "Immerhin war es das erste Mal seit 70 Jahren, dass in Kurtulus wieder Bakla Horani stattfand." Die Stadtverwaltung stellte den Karnevalisten auch Polizeieinheiten zur Verfügung - einzig um den Verkehr zu regeln, wie Haris Rigas unterstreicht: "In den drei Jahren, in denen wir Bakla Horani auf der Straße gefeiert haben, hat es nicht ein einziges Mal Probleme gegeben. Die Leute lächeln und freuen sich, wenn wir vorbeikommen, die Reaktionen sind durchweg positiv."

Das war nicht immer so: In der Nacht vom 6. Auf den 7. September 1955 gipfelte die minderheitenfeindliche Politik der türkischen Regierung in Pogromen gegen nicht-muslimische Bürger, vor allem aber Griechen in Istanbul, die mindestens 11 Tote, zahlreiche Verletzte und Vergewaltigungsopfer forderten und im Zuge derer hunderte Häuser, Kirchen und Läden geplündert und zerstört wurden. Den älteren unter den in Istanbul lebenden Griechen sind die Angriffe und die auch in den darauf folgenden Jahren erlebten offenen Anfeindungen auf der Straße noch gegenwärtig.

Doch am 7. März 2011 fanden sich auch zahlreiche türkische Muslime unter den Feiernden ein, türkische und kurdische Anwohner winkten dem Karnevalszug aus den Fenstern ihrer Wohnungen zu. Aytekin Aydin, der seit 33 Jahren ein Restaurant an der Hauptverkehrsschlagader Kurtulus Caddesi, gegenüber der Hagia Dimitri betreibt, sagt: "Wir haben so viele griechische Kunden hier! Sie alle respektieren unsere religiösen Bräuche, also zollen wir ihnen natürlich den gleichen Respekt. Jetzt bricht für sie die Fastenzeit an, darauf werden wir natürlich achten." Und er fügt lachend hinzu: "Der Umzug hat mir gefallen! Noch besser wäre es gewesen, wenn ich hätte mitmachen können - vielleicht im nächsten Jahr?"

Haris Rigas ist froh über die neue Offenheit auf beiden Seiten: "Die alteingesessenen Griechen hier sind weniger paranoid, sie erschrecken nicht mehr vor ihren eigenen Schatten. Die politische Lage in der Türkei hat sich merklich gebessert - für alle, nicht nur für die griechische Minderheit."

2010 war tatsächlich ein Jahr kleiner Meilensteine: Nach einem langen Rechtsstreit, der bis zum Europäischen Menschengerichtshof getragen wurde, erhielt das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel Ende November (mehr auf Deutsch hier) schließlich das Waisenhaus auf der Prinzeninsel Büyükada zurück und wurde als Besitzer im Grundbuch eingetragen. Dies könnte nun zum Präzedenzfall für weitere laufende Rückforderungsverfahren werden. Desweiteren sendete die Regierung der islamisch-konservativen AKP das Signal für eine mögliche Wiedereröffnung des orthodoxen Priesterseminars auf der Insel Heybeliada, das 1971 geschlossen wurde und die Ausbildung griechisch-orthodoxer Kleriker innerhalb der Türkei unmöglich machte. Bei einem Besuch in Athen im Mai 2010 sagte Premierminister Recep Tayyip Erdogan, dass er kein Problem mit dem Wort "ökumenisch" im Titel des Patriarchen der griechisch-orthodoxen Gemeinde habe - keine Kleinigkeit, da bis jetzt keine türkische Regierung die Gültigkeit dieses Titels anerkannt hat.

"Die griechische Gemeinde in Istanbul hat auch angefangen, sich mit anderen Gruppen zu vernetzen. Heute Abend sitzen hier auch viele muslimische Türken, Leute aus Italien, Frankreich, England und dem Iran und Griechen aus Griechenland", freut sich Haris Rigas. Bakla Horani ist der einzige Karneval, der in einem überwiegend muslimischen Land gefeiert wird, betont er - und das Interesse am Fest wächst. In der New York Times erschien dieses Jahr sogar bereits ein Reisetipp zum griechischen Karneval in Kurtulus. "Letztes Jahr kamen an die 200, diesmal sind es mindestens 300 Leute - jedes Jahr verschätzen wir uns in der Teilnehmerzahl", sagt Haris Rigas. "Jedes Jahr geht uns das Essen aus, jedes Jahr ist es voller."
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