

Juri Rytcheu
Die Reise der Anna Odinzewa. Roman
Unionsverlag, Zürich 2000
Aus dem Russischen von Charotte und Leonhard Kossuth. Am Morgen des 21. Februars 1947 geht Anna Odinzowa, Ethnografin aus Leningrad, im kleinen Hafen von Uelen an Land. Sie ist am Ziel ihrer Träume: Seit Jahren hat sie die tschuktschische Sprache und Kultur studiert. Jetzt will sie aus nächster Nähe das unerforschte Leben der Nomaden in der Tundra kennenlernen. Tiefer als alle Ethnografen zuvor will sie sich mit dem Volk verbinden, das ihr Forschungsgegenstand ist. Sie vermählt sich mit Tanat, dem Sohn des letzten Schamanen, und zieht mit seiner Sippe in die Tundra. Aus Angst vor der Kollektivierung flieht die Familie mit ihrer tausendköpfigen Rentierherde in die entlegensten Gebiete. Als die Katastrophe über das Lager hereinzubrechen droht, macht der alte Rinto die Frau mit den stahlblauen Augen zu seiner Nachfolgerin. Er weiht sie ein in die bedrohten Künste und Geheimnisse der Schamanen.