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Bücherschau der Woche

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Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

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Magazinrundschau

Wie mit weißer Tinte geschrieben

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag

14.10.2014. Drei amerikanische Medien sehen schwarz in Afrika: Die Newsweek überprüft George Clooneys Engagement für den Südsudan. Der New Yorker schildert die von Frankreich gerade so gestoppte Selbstzerfleischung der Zentralafrikanischen Republik. In der New Republic bezweifelt Martha Nussbaum den Sinn westlichen Engagements. Ungarische Magazine beschreiben, wie Intellektuelle sich vom Regime glattschleifen lassen. Im New Statesman unterhält sich Grayson Perry mit Martin Amis. Télérama widmet sich der krisenhaften Beziehung von Truffaut und Godard.

Newsweek (USA), 13.10.2014

In einem monumentalen Text (gut 25 DIN A4-Seiten) überprüft Alex Perry George Clooneys Engagement für den Südsudan und kommt am Ende zu mehr als zwiespältigien, allerdings auch pauschalisierenden Ergebnissen. Clooneys Ernsthaftigkeit zieht er nicht in Zweifel, prangert aber das Engagement von Celebrities für Menschenrechte in anderen Kulturen an, dem er tendenziell Islamophobie unterstellt (ausgerechnet den Bosnien-Kämpfer Bernard-Henri Lévy erklärt er hier zu einem Protagonisten). Der wütende Text ist dennoch sehr lesenswert, weil er an manchen Stellen das Dilemma des Engagments deutlich macht. Im Südsudan ging das Morden nach der Unabhängigkeit von Khartum nämlich in bestialischster Form weiter (was in der trüben deutschen Öffentlichkeit kaum bemerkt wurde), weil sich die ethnischen Gruppen nun untereinander bekriegten. In einem kleinen modellhaften Dialog mit einem alten Diplomaten kommt das Dilemma zum Ausdruck: "Auf die Frage, was die Welt in Südsudan vermocht hatte, antwortete er: 'Ich denke, wir haben eine Menge Leben gerettet.' Aber ebenso konnte man einwenden, dass zwei Generationen der Einmischung den genau umgekehrten Effekt hatte, so der Diplomat. 'Haben wir das geschaffen?', fragte er. 'Wären wir vor zwanzig Jahren abgehauen, wäre das Land heute politisch reifer? Wahrscheinlich ja.' Einige Minuten später bemerkte ich, dass der Diplomat mit den Tränen kämpfte... 'Ich glaube nicht, dass hier noch irgendjemand Antworten hat.'"

Stichwörter: George Clooney, Südsudan

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New Yorker (USA), 20.10.2014

Ähnliche Erfahrungen beschreibt Jon Lee Anderson in seiner Reportage aus der Zentralafrikanischen Republik. Dort schlachten sich seit dem Einmarsch muslimischer Rebellen 2012 in einem unglaublich brutalen Bürgerkrieg Muslime und Christen gegenseitig ab. Frankreich hat Soldaten geschickt, die UN ebenso. Hat es geholfen? "In einer Rede vor den französischen Botschaftern am 28. August gratulierte François Hollande seinen Friedenstruppen. 'Letzten Dezember intervenierten wir in der Zentralafrikanischen Republik', sagte er. ' Wir haben das Schlimmste verhindert, und ich meine das Schlimmste.' Die meisten Leute mit denen ich gesprochen habe, waren ebenfalls der Ansicht, dass die internationalen Streitkräfte einen Genozid verhindert haben. Kasper Agger, von der NGO Enough Project, meinte: 'Ihre Anwesenheit half, dass das Töten nicht völlig außer Kontrolle geriet. Sie war möglicherweise ein Game Changer.' Aber niemand glaubt, dass die Unterdrückung der Gewalt ausreichen wird, die Zentralafrikanische Republik in einen zusammenhängenden Staat zu verwandeln. Viele wiesen darauf hin, dass die Kämpfe nur deshalb aufgehört hatten, weil das Land mit Hilfe der Friedenstruppen wirksam in christliche und muslimische Regionen geteilt worden war."

Weitere Artikel: Sehr lesenswert ist Louis Menands Artikel über die Entwicklung des Copyrights in den USA. George Packer schickt eine Reportage über die amerikanische Dokumentarfilmerin Laura Poitras, die amerikanischen Überwachungsexperten, die in Berlin leben, weil sie sich in den USA nicht mehr sicher fühlen und ihren gerade in New York vorgeführten Film "Citizenfour" über Snowden und die NSA-Affäre. Alex Ross stellt eine Reihe neuer Bücher über Beethoven aus den letzten drei Jahren vor. Peter Schjeldahl besucht die Matisse-Ausstellung im Museum of Modern Art. Und Anthony Lane sah im Kino Alejandro González Iñárritus "Birdman" mit Michael Keaton und Damien Chazelles "Whiplash".

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New Republic (USA), 09.10.2014

Die Philosophin Martha Nussbaum unterzieht Angus Deatons Studie "The Great Escape: Health, Wealth, and the Origins of Inequality" (Auszug) einer sehr gründlichen Lektüre, obwohl sie es durchaus einer gewissen Leichthändigkeit der Argumentation beschuldigt. Auch Deaton fragt (wie Perry oben in Newsweek) nach dem Dilemma westlichen Engagements in Entwicklungsländern, beschäftigt sich aber weniger mit Militärinterventionen als mit Entwicklungshilfe. Bei aller Reserve scheint Nussbaum Deatons Thesen weitgehend zuzustimmen: "In den wahrscheinlich streitbarsten Kapiteln seines Buchs argumentiert Deaton, dass die Probleme globaler Armut von ausländischer Hilfe und privaten Hilfsorganisationen wohl nicht nur nicht gelöst, sondern eher noch verschlimmert werden. Die Menschen in den reichen Ländern wollen helfen, sie fühlen eine moralische Verpflichtung. Aber wenn sie armen Ländern Geld geben, lösen sie damit nicht das Problem. Wie der Ökonom Peter Bauer vor langem darlegte: Wenn alle Bedingungen für Entwicklung gegeben sind, außer Kapital, dann wird das Kapital früher oder später lokal gebildet oder als Kredit zur Verfügung gestellt... Deaton ergänzt einige Argumente: Erstens wird die Hilfe selten von den Nöten der Bedürftigen geleitet, sondern von den Prioritäten und Interessen der Geberländer. Zweitens wird Hilfe in der Regel Regierungen gegeben, die kein Interesse daran haben, ihren eigenen Leuten zu helfen."

"Amazon muss gestoppt werden", titelt Franklin Foer programmatisch und erzählt, wie sich irgendwann in den Sechzigerjahren die Auffassung durchsetzte, dass der Kampf gegen Monopole nicht dem Schutz kleinerer Unternehmen dient, sondern dem Schutz der Konsumenten. Als Konsequenz daraus sind heutige Monopolisten wie Walmart und Amazon ausgesprochen verbraucherfreundlich und beuten stattdessen ihre Angestellten und Zulieferer aus. Die Auswirkungen sind nicht weniger zerstörerisch, aber der öffentliche Protest hält sich in Grenzen, weil die Kunden von dem kannibalistischen Geschäftsmodell profitieren: "Wir alle sind verführt worden von den niedrigen Preisen, den automatischen monatlichen Windellieferungen, den kostenlosen Prime-Filmen, der Geschenkverpackung, dem kostenlosen Zwei-Tage-Versand, der Möglichkeit, Schuhe und Bücher und Toilettenpapier und Pintobohnen am selben Ort kaufen zu können. Aber inzwischen ist es über Verführung hinausgegangen. Jetzt erwarten wir diese Bequemlichkeit, als wäre sie ein Geburtsrecht. Sie hat sich eingebrannt in unsere Vorstellung davon, wie Konsumenten behandelt werden sollten. Diese Erwartung führt zu unserer kollektiven Verleugnung von Amazons Wesen." Und das wird uns am Ende, so Foer, wie alle Monopole eine geringere Auswahl und Qualität verglichen mit heute anbieten.

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HVG (Ungarn), 01.10.2014

Seit 2010 wurde der staatliche Zuschuss für die unabhängige Theatergruppe Krétakör systematisch gekürzt. Seit diesem Jahr gibt es nun gar nichts mehr. Mit dem Regisseur und Gründer von Krétakör, Árpád Schilling, sprach Zsuzsa Mátraházi über Projekte der Gruppe (eine neue Inszenierung mit dem Titel "Loser" und eine Faust-Inszenierung Schillings im Frühjahr), sowie über die Intellektuellen in Ungarn. "'Loser' wollen wir durch Crowdfunding finanzieren. (…) Als Hilferuf gedacht, geht es dabei um die Intellektuellen, die vom Staat abhängen und sich immer wieder einreden, weiter ruhig zu bleiben. Das Problem sei noch nicht so groß. Wenn es wirklich schlimm werde, dann werde man sich auch zu Wort melden. So steigen wir ab. Ich war schockiert, als Imre Kertész die Auszeichnung Viktor Orbáns annahm. Sollten wir das tun? (…) Wir beschränken uns heute nicht mehr auf das Künstlerische. Wir werfen gesellschaftliche Fragen auf und ziehen so das Publikum an. Zu einem Theaterereignis kommen mehr Menschen als zu einer Konferenz oder einem Forum. Daneben gibt es ein gemeinsames Schülerprogramm mit dem Goethe-Institut (Freie Schule), bei dem wir gesellschaftliche Probleme mit Schülern aus Budapest, Miskolc und Berlin aufarbeiten."

Stichwörter: Arpad Schilling, Ungarn

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Guardian (UK), 13.10.2014

William Boyd feiert die malerische Kraft und Intensität von Egon Schiele, dem die Courtauld Gallery die Ausstellung "The Radikal Nude" widmet. Er versteht Schieles Werk als Attacke auf das bürgerliche Wien, das zwar bereits Freud und Wittgenstein, Mahler und Schönberg hinter sich hatte: "Immer und immer wieder kehrte er zu den posierenden nackten Figuren zurück, männlichen und weiblichen - die ultimative Bewährungsprobe für den Rang eines Künstlers und seine malerische Fähigkeiten, wie der Kritiker Robert Hughes meinte. Und doch gibt es eine nicht zu leugnende fast pornografische Intensität in vielen seiner Zeichnungen, und diese dienten ihm zur sexuelle Anregung, wie er auch viele Porträtstudien seiner selbst anfertigt, während er masturbierte. Er war überhaupt einer der am meisten fotografierten Künstler, der Posen schuf, die selbst heute noch erstaunlich zeitgenössisch wirken." (Bild: Egon Schiele, Kniender Selbstakt, 1910. Leopold Museum, Wien)

Weitere Artikel: Rupert Thomson verteidigt Nobelpreisträger Patrick Modiano gegen den Vorwrf der Nostalgie. David Shariatmadari liest Karen Armstrongs "Fields of Blood" über Religion und Gewalt. Besprochen werden unter anderem auch David Cronenbergs Roman "Consumed" (Verzehrt) und Colm Toíbíns Roman "Nora Webster".

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n+1 (USA), 30.09.2014

Anlässlich der Grammy-Verleihung und der traditionellen Vorabend-Party des legendären Musikproduzenten Clive Davis reist David Samuels ins Herz der amerikanischen Musikindustrie nach Los Angeles. In einer lesenswerten, anekdotenreichen Reportage beschreibt er eine Branche im Umbruch, die noch die Genies des zwanzigsten Jahrhunderts feiert, während ihr Geschäftsmodell - das Verkaufen von Musik - unüberhörbar ans Ende gekommen ist: "Dass Songwriter zur Zeit das meiste Geld mit Radio-Airplay verdienen, wirkt sich deutlich auf die Art von Songs aus, die zu schreiben für sie interessant ist. Ein Nummer-Eins-Hit in Amerika spielt wohl zwischen 1,5 und 2 Millionen Dollar durch Airplay ein, während ein Song auf einem Platin-Album - also von einem Album, das sich über eine Million mal verkauft hat, was mittlerweile sehr selten geworden ist - nur rund 90.000 Dollar einbringt."

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Telerama (Frankreich), 12.10.2014

Weshalb muss man als Muslim den Terrorismus öffentlich verdammen? Über diese Frage unterhält sich Gilles Heuré mit dem Essayisten Akram Belkaïd, der in den entsprechenden Appellen nach der Enthauptung des französischen Bergführers Hervé Gourdels durch algerische Islamisten die Fortdauer eines französischen Unbehagens sieht. "In diesen Appellen kommt ein fundamentaler Widerspruch zum Ausdruck: einerseits warnt man die Muslime vor jeglicher Form des Kommunitarismus; andererseits fordert man sie auf diese schändliche Tat als Muslim offiziell zu verurteilen. Auf diese Weise bestätigt man, dass Muslime im republikanischen Modell noch immer eine Sonderstellung innehaben. Es ist gleichgültig, welcher Mensch diese entsetzlichen Verbrechen missbilligt. Man muss niemanden auffordern, sich zu distanzieren oder seinen Abscheu zum Ausdruck zu bringen: das ist doch logisch."

Außerdem ist ein Gespräch mit Arnaud Guigue zu lesen, Autor des Buchs "Truffaut & Godard, la querelle des images". Der fragt sich in seinem Vowort, wie es überhaupt möglich sein konnte, dass diese beiden Regisseure je Freunde waren.

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New Statesman (UK), 13.10.2014

Die aktuelle Ausgabe des New Statesman hat der Künstler Grayson Perry (aka die töpfernde Transe) gestaltet. Mit Martin Amis unterhält sich Perry über das Drama des weißen Mannes, das Glück und die Kunst:
"GP: Von einem Künstler haben die Leute oft dieses Klischee im Kopf, dass man die Existenz unter mörderischen Qualen erleidet. Ich dagegen hatte von Anfang an den Ehrgeiz, das Glück in meine Arbeit zu bringen, ein möglichst komplexes Bild von Glück zu schaffen.
MA: Eine wirklich scharfsinnige Bemerkung über das Glück in der Kunst kommt von Maupassant. Er hat gesagt: Das Problem mit dem Glück ist, dass es wie mit weißer Tinte geschrieben scheint, man kann es auf Papier nicht erkennen. Wie wenig Schriftsteller haben es überhaupt geschafft, das Glück auf ihren Seiten zum Schwingen zu bringen. Tolstoi vielleicht - die kurzen Moment von Glück in 'Anna Karenina', nicht in Annas Geschichte, sondern in der Geschichte von Lewin; und dann ist da diese schöne Novelle, 'Happy Ever After', in der gibt es eine hinreißende Beschreibung von Glück. Aber natürlich ist das echt schwer. In der Kunst geht es um Anspannung.
GP: Ich frage mich manchmal, ob das mit der Ernsthaftigkeit ein Problem des Brandings ist - dass irgendwie die verkrüppelte Gefühlswelt eines suizidalen Mannes in der Kultur dominant wurde. Das ist dann ernst."

Weiteres: In einem zweiten Text verfolgt Perry den Aufstieg des weißen, heterosexuellen Mittelklasse-Manns. AA Gil huldigt dem Anzug als der erfolgreichsten Produkt der britischen Inseln.

Stichwörter: Martin Amis, Grayson Perry

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Hitfix (USA), 06.10.2014

In zwei kommenden Filmen - Danny Gilroys "Nightcrawler" mit Jake Gyllenhall in der Hauptrolle und Paul Thomas Andersons "Inherent Vice" (mehr), basierend auf Thomas Pynchons gleichnamigem Roman - bildet Los Angeles mehr als bloß die Kulisse. Beide Filme - ersterer digital, der zweite ausdrücklich auf klassischem Filmmaterial gedreht - hat der Kameramann Robert Elswitt geschossen. Für Hitfix hat sich Kristopher Tapley ausführlich mit ihm unterhalten, unter anderem darüber, wie man die Stadt trotz engem Drehplan prägnant in Szene setzt. Insbesondere das nächtliche Glimmen der Stadt ist hier eine Frage der Technik: "Darin liegt der wunderbare Vorteil, wenn man mit der Alexa oder anderem digitalen Equipment dreht. Man hat einfach mehr Belichtung. Man sieht das Leuchten der Stadt im Himmel und hat einfach ein bisschen mehr Spielraum. ... Doch die Stadt ist so diffus und sonderbar. Vielleicht auch, weil ich dort aufgewachsen bin, habe ich kein griffiges Bild dieser Stadt. Deshalb ist es so schwierig, Los Angeles zum Bestandteil eines Films zu machen, ganz anders als New York - diese Stadt ist immer ein Charakter. ... Es gibt hier einfach so viele verschiedene Orte, so unterschiedliche Stadtbilder. Und vom Strand und Downtown mal abgesehen, nutzt diese niemand auf besondere Weise. Weshalb die Zusammenarbeit mit Paul sehr schön war, weil er mir das Valley zeigte - und dessen Banalität bildet gewissermaßen dessen Charme. Seine sozusagen stromlinienförmige, rasterförmige und, nun ja, quasi langweilige Charakterlosigkeit war etwas, was Paul sehr zu schätzen wusste. Er erkannte die Schönheit darin."

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La regle du jeu (Frankreich), 06.10.2014

Bernard-Henri Levy nennt in seiner Kolumne die drei Argumente des heutigen  Antisemitismus. Demnach lehne er sich an folgende drei Grundaussagen an: "1. Die Juden sind verabscheuungswürdig, weil sie solidarisch mit einem Staat sind, der seinerseits verabscheuungswürdig ist: Das ist die antizionistische Aussage. 2. Die Juden sind umso verabscheuungswürdiger, als der Kitt dieses Staates die Religion eines Leidens ist, von dem nicht ausgeschlossen ist, dass es eingebildet oder doch auf jeden Fall übertrieben ist: Das ist die den Holocaust leugnende Aussage. 3. Indem die Juden so vorgehen und handeln, vergreifen sich quasi am Weltkapital des verfügbaren Mitgefühls, und fügen dieser zweifachen Infamie noch die hinzu, die Menschheit taub gegenüber anderen Leiden anderer Völker zu machen, angefangen natürlich mit dem palästinensischen Volk: Und dies ist das Thema der Opferkonkurrenz."

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Playboy (USA), 16.09.2014

Seine beiden Oscar-Nominierungen bekam David Fincher für "The Curious Case of Benjamin Button" und "The Social Network", aber noch stärker wird er mit seinen düsteren Filme um Serienkiller und zerrüttete Existenzen assoziiert, mit "Se7en", "Fight Club" und "Zodiac". Auf dieses Image fühlt er sich auch innerhalb der Filmindustrie reduziert, wie er Stephen Rebello in einem großen und sehr lesenswerten Interview erzählt: "Wenn es in Hollywood ein Drehbuch gibt, in dem ein Serienmörder - oder irgendein Mörder - vorkommt, dann muss mir das zugeschickt werden, da habe ich gar keine Wahl. [lacht] Aber die Verantwortung, die ich vor mir selbst habe, ist stets: soll ich die Massenware herstellen, die die Leute von mir wollen, oder soll ich das Zeug machen, das mich interessiert? Ich habe große Schwierigkeiten mit Material. Die meisten Komödien kann ich nicht leiden, weil ich es nicht mag, wenn Charaktere versuchen, mich für sie einzunehmen. Ich werde nicht gerne umschmeichelt. Ich mag keine Unterwürfigkeit. Ich habe auch Vorbehalte gegen Filme, in denen sich zwei Leute ineinander verlieben, nur weil sie die Stars sind und ihre Namen über dem Titel stehen."

Stichwörter: David Fincher

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Himal (Nepal), 17.09.2014

Die indische Journalistin Taran N Khan lernt in Afghanistan erstaunt, dass ausgerechnet Kabul seit Jahrzehnten ganz und gar verliebt ist in die Filme aus dem fernen, indischen Mumbai, vulgo Bollywood. Dabei handelt es sich um eine Liebe, erfahren wir, die Geschichten aus den großen Klassikern ganz selbstverständlich in die eigene Folklore eingemeindet. Selbst die Jahre unter den Taliban konnte dem nichts anhaben, wie Khan von einigen Frauen erfährt: Da sie weder zur Schule noch zur Arbeit gehen durften, verschanzten sie sich in einem kleinen Raum mit ausgeschwärzten Fenstern, wo sie die streng verbotenen Filme aus Bollywood sahen: "Bestrafung oder eine Haftstrafe für so etwas triviales und trashiges wie Bollywood-Entertainer zu riskieren, schien mir haarsträubend und auch ein bisschen wie ein Verrat am hohen Standard, den man von Geschichten aus Krieg und Repression erwarten würde. Doch wer bin ich, über den Wert von Objekten und Möglichkeiten zum Zeitvertreib zu richten, insbesondere in einem Leben, in dem einem jegliches Vergnügen, das sich bot, geraubt wurde? Für die in den Zimmern eingesperrten Mädchen in Kabul und ihre Schicksalsgenossinnen luden sich die flackernden Bilder auf dem kleinen Fernseher mit enormer Bedeutung auf. Sie wurden etwas, für das es wert war zu leben und sich zu verstecken. So etwas wie ein Zufluchtsort, ein Ort an dem sie dem am nächsten sein konnten, was sie einst waren."

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New York Times (USA), 12.10.2014

Food Issue im New York Times Magazine. Vor allem geht es darum, was die lieben Kleinen essen. Das stößt auf großes Interesse, wie die vielen  Kommentare zeigen. Etwa zu Mark Bittmans Artikel, in dem der Kochbuchautor fordert, Kinder wirklich alles essen zu lassen, gar nicht so leicht heutzutage: "In den achtziger und neunzigern war es einfacher, Kinder mit richtigem Essen zu ernähren. Heute ist zu vieles  außer Kontrolle. Unternehmen geben Milliarden aus, um Junk Food zu bewerben; Snacks und Kalorienreiche süße Getränke sind allgegenwärtig. Mein Rat: Eltern solllten ihre Einkaufszettel und Speisekammern von diesem Junk frei halten und Regeln aufstellen, was ihre Kinder essen sollen. Bringen sie den Kindern bei, Möhren, Sellerie, Früchte, Hummus und Guacamole als Snack zu essen, Bohnen und Getreide. Bieten sie diese Dinge ständig an. ... Eltern benötigen Entschlossenheit, Disziplin, Stärke und einen Plan." Klar, denn Kinder, die Süßes wollen können zu erbarmungslosen Terroristen werden.

Stichwörter: Ernährung

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Elet es Irodalom (Ungarn), 06.10.2014

Der Philosoph Gáspár Miklós Tamás denkt über die Prägung des Denkens durch das immer beängstigendere Orban-Regime nach: "Das weltanschauliche Waffenarsenal des Regimes ist zwar spärlich, dennoch deformiert es  durch seine Stärke immer mehr Diskurse und drückt ihnen seinen Stempel auf. (...) Die oppositionelle Öffentlichkeit analysiert mit manischer Akribie die Erklärungen der Anführer des Systems (....), weil in diesen die arcana imperii, die Geheimnisse der Macht, vermutet werden. (...) Das Verstehen wird aber dadurch instrumentell: (...) dem System wird die Bestimmung von Terminologie und Theorien überlassen, und der kritische Diskurs geschwächt."

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Archiv: Magazinrundschau

Sex ist Komödie

07.10.2014. Der New Yorker begleitet die Müllmänner von Kairo. Nepszabadsag fragt, warum die EU einen Mann zum Bildungskommissar ernennen will, der in Ungarn die Medien kastriert hat. In Perfil erzählt Martin Kohan, warum die Vergangenheit nichts Unverrückbares ist. In Slate.fr erklärt Luc Dardenne, warum seine Filme mehr Intuition als Moral haben. Das New York Magazine lässt Drohnen fliegen. Der Mars ist die Grenze, ruft Elon Musk in Aeon. Mehr lesen

Silber unter das Blau

30.09.2014. Vice erzählt, wie die internationale Frauenbrigade Al-Khansa-Brigade des IS die Frauen im syrischen Raqqa inspiziert. Der New Yorker schildert, wie geschickt die Kurden für einen eigenen Staat kämpfen. Außerdem bewundert er die Schattierungen von Blau des Malers Chris Ofili auf Trinidad. Fortune stellt die ENIAC-Frauen vor, die das Programmieren erfanden. Bloomberg erzählt, warum die USA längst ein Mittel gegen Ebola haben könnten. Linkiesta staunt, wie gut die chinesische mit der italienischen Mafia kann. Die BBC porträtiert den erfolgreichen griechischen Bankräuber und Volkshelden Vassilis Paleokostas. Mehr lesen

Aurale Zwischenposition

23.09.2014. Vanity Fair erklärt, warum gerade die schnelle Hilfe die Verbreitung des Ebola-Virus begünstigt hat. La vie des idees schildert die ungleiche Behandlung von Muslimen und Juden in Frankreich. Medium begleitet freiwillige Rettungshelfer durch Aleppo. Der Guardian versinkt in der Korruption Timbuktus. IndieWire analysiert den komplexen Signifikanten in Steven Soderberghs Mini-Serie "The Knick". Die Financial Times fragt sich, ob Firmen-PR der neue Journalismus ist. Die New York Times weiß, wann Politiker zu Promis wurden. Mehr lesen

Dieser Ahhhhhhh-Moment

16.09.2014. In El Pais Semanal erklärt Javier Cercas, warum Katalonien nicht Schottland ist. Im Guardian lehnt Howard Jacobson den totalen Sieg im Diskurs ab. Mehr erhabene Kunst fordert in Nepszabadsag der neue Direktor der Budapester Kunsthalle. Der New Statesman porträtiert den Bürger als Kriegsberichterstatter. The Atlantic besucht einen afghanischen Jungen, der ein Mädchen ist. Die Hudson Review trauert mit Berlioz um Hamlet. Der New Yorker sucht Wonder Women. Mehr lesen

Maoistische Synthese der Oppositionen

11.09.2014. Diese Woche war die Magazinrundschau so riesig, dass wir sie geteilt haben. Heute also der zweite Teil mit einem sehr lesenswerten Artikel von Assaf Sharon in der NYRB über die verfehlte Politik Netanjahus. Bookforum stellt eine Geschichte Gazas vor. Im Guardian gerät AL Kennedy über einen goldenen Ferrari ins Grübeln. In Eurozine beschreibt der Soziologe Boris Dubin die Machtlosigkeit der russischen Gesellschaft. Und das New York Magazine stellt die CEO Martine Rothblatt vor, die ihre Ehefrau als Computer hat nachbauen lassen. Mehr lesen

Zentrum und Peripherie

09.09.2014. Die London Review besucht die Ostukraine und stellt fest: alles Übel begann auf der Krim. Im Mittelweg 36 streitet Reinhard Merkel das ab: die Krim hat die Seperation doch gewählt. Die Blätter machen die Lösegeldzahlungen der EU verantwortlich für den Gewaltmarkt im Nahen Osten. Das Schreibheft erinnert an den Lyriker Uwe Greßmann. Pitchfork und Telerama trauern den analogen Zeiten nach. Und der New Yorker fragt, warum ein Arbeiter bei McDonalds so wenig verdient, dass er auf staatliche Essensmarken angewiesen ist. Mehr lesen

Allein die Schrift!

02.09.2014. Bloomberg Businessweek macht sich jung und guckt AwesomenessTV. Der Merkur staunt über die Textlastigkeit der Suhrkamp-Kultur. Das Chicago Magazine erinnert daran, wer zuerst Handys wollte: die Polizei. The Verge schildert den Titanenkampf zwischen Uber und Lyft. In HVG denkt Péter Esterházy über Kleinkariertheit nach. Die Poetry Foundation bewundert den "Emperor of Ice-Cream". Mehr lesen

Kompass des Bösen

26.08.2014. Im Spectator gibt der Historiker Tom Holland einen Einblick in die religiösen Vielfalt Mesopotamiens, die die Isis gerade zerstört. Vanity Fair erzählt die Geschichte der Madame Claude. Dawn stellt ein Buch über den muslimischen Zionismus in Pakistan vor. Kathrin Passig denkt in Funkkorrespondenz über die Nützlichkeit irrationaler Argumente nach. Die Public Domain Review erzählt, wie das Lachgas den Schriftstellern und Wissenschaftlern die Sprache verschlug. Das TLS liest eine neue Brecht-Biografie. Mehr lesen

Düster, aber gesund

19.08.2014. In Wired erklärt Edward Snowden, wie die besten Absichten direkt in die Hölle führen. Nepszabadsag fragt: Soll Imre Kertesz den selben Orden annehmen wie Göring? In Film Comment  will Alexander Sokurow dem Kino mit Literatur aus den Kinderschuhen helfen. Soziale Mobilität gibt es nicht, verkündet der Soziologe Jules Naudet in Les inrockuptibles. The Dissolve freut sich auf den Pepys aus Hollywood. Mehr lesen

Ein weiterer Pfannkuchen

12.08.2014. The Nation porträtiert Alessandro Spina, Chronist des Untergangs des italo-arabisch-ottomanischen Universums. Die London Review wird von einem Stalker verfolgt. Al Ahram fragt: Was wollen die Palästinenser? Im New York Magazine schildert Werner Herzog seine einzige Drogenerfahrung mit Marmelade von Popol Vuh. Bloomberg Businessweek erzählt, wie Tony Blair versuchte, Gaddafis Geld zu verwalten.
Mehr lesen

Der Wille zur Jacht

04.08.2014. Telerama und der New Yorker suchen den Aufstieg über den krummen Pfad. Elet es Irodalom und das San Francisco Magazine freuen sich über die Demokratisierung der Kritik durch das Internet. Harper's Magazine beantwortet die Frage, ob James Joyce Syphilis hatte. MicroMega porträtiert den linken uruguayischen Staatspräsidenten Pepe Mujica als Franziskaner. Medium begleitet Obdachlose zu Tests für die Pharmaindustrie. Pitchfork feiert die Renaissance des Vinyl. Mehr lesen

Der Leser, den ich liebe

29.07.2014. The New Republic jagt einen Sturm namens William T. Vollmann. In der New York Review of Books lernt Jonathan Freedland von Ari Shavit, was linker Zionismus ist. Die London Review of Books porträtiert einen doppelt impotenten Alain Robbe-Grillet. Hairpin porträtiert eine Giftmörderin des 17. Jahrhunderts, die Marquise de Brinvilliers. Pacific Standard fragt: Was ist Ihre DNA wert? Der New Yorker sucht das weibliche Hirn bei Radikalfeministinnen und Trans-Frauen. Mehr lesen

Tutanchamun und der Teacher

22.07.2014. Wenn der Westen sich mit Palästina beschäftigt, beschäftigt er sich meist mit sich selbst, lernt The Nation. Der  spanische Schriftsteller Jorge Carrión besucht für El Pais Semanal die Welthauptstadt der Sekten. Der Guardian sammelt Stimmen schottische Autoren zum Referendum. The Humanist bewundert die neuen Formen Teju Coles. Die Huffington Post analysiert die wahre Identität der Techno-und Elektro-Szene in Paris. Wired verschickt seine Post demnächst nur noch mit Dark Mail. Mehr lesen

So viel Schönheit

15.07.2014. Der Globe and Mail stellt Larry, den Hummer vor. Der Pacific Standard porträtiert die "Organ-Detektivin" Nancy Scheper-Hughes. Fördert Truvada, die "morning-after"-Pille gegen HIV, heißen Sex unter Homosexuellen, fragt das New York Magazine. Die LRB hat wenig Hoffnung für den Irak, etwas mehr für in Brooklyn lebende Literaten. Der argentinische Autor Martín Caparrós besichtigt für El Pais Semanal den größten Tresorraum der Welt für die Superreichen. Selbst Thomas Piketty betrachtet die Ungleichheit durch die Brille des Westens, murrt Le monde diplomatique. Und die NYT betrachtet den Ebookmarkt according to Amazon. Mehr lesen

Spieler ohne Trainer

08.07.2014. Film Comment analysiert den Poliziotteschi, den italienischen Polizeithriller der 60er und 70er Jahre. In Repubblica wartet Roberto Saviano auf den Moment, an dem die Ndrangheta wieder zur Messe geht. Im Guardian feiert Zadie Smith die  eiskalte Präzision J. G. Ballards. Im New Yorker erinnert Héctor Tobar daran, wie vor vier Jahren  über 33 chilenischen Bergleuten die Erde einstürzte.  In Eurozine meint Thomas Piketty: Mehr Wettbewerb ist auch nicht die Lösung. Und die NYT ist froh, kein SEEBÖWE zu sein. Mehr lesen

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