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Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Magazinrundschau

Heiter, gesellig, positiv

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.

10.09.2013. In The New Republic antwortet Leon Wieseltier auf Steven Pinkers Empfehlung auf die Geisteswissenschaften, etwas wissenschaftlicher zu arbeiten. In Le Monde plädieren Tzvetan Todorov und Edgar Morin für aktives Nichtstun in Syrien. Im BBC Magazine erzählt David Good, wie er seine Mutter bei den Yanomami suchte. In Eurozine schildert Sergej Khazow die schwierige Lage Homosexueller in Russland. Der Rolling Stone porträtiert Ex-Anonymous-Sprecher Barrett Brown, dem gerade 105 Jahre Haft drohen. Arnon Grunberg ist für den Believer nach Thessaloniki gefahren. Die NYT porträtiert den Retter der Milliarden-Dollar-Entwicklungshilfeindustrie, den ruandischen Staatspräsidenten Paul Kagame.

New Republic (USA), 16.09.2013

Leon Wieseltier antwortet in The New Republic auf Steven Pinkers Essay, der den Geisteswissenschaften gegen ihren Bedeutungsverlust mehr Wissenschaftlichkeit empfahl. Die Welt verstehen zu können und zu wollen, sei, anders als Pinker glauben mache, kein Privileg des Szientismus, meint Wieseltier: "Platon glaubte an die Verstehbarkeit der Welt, und das taten auch Dante, Maimonides, Thomas von Aquin und al-Farabi, ebenso wie auch Poussin, Bach und Goethe, Austen, Tolstoi und Proust. Wie Pinker bestreiten sie, dass die Welt undurchsichtig ist, undurchdringlich für den Geist. Sie teilen sein Verlangen, 'ein komplexes Geschehen mithilfe tieferer Prinzipien zu erklären'. Sie stimmen alle mit ihm überein, dass wir uns beim Erklären unserer Welt nur selten gezwungen sehen sollten zu sagen: 'So ist es eben' oder 'Es ist ein Wunder' oder 'Weil ich es sage'. Aber natürlich bezieht sich Pinker nicht auf ihre Vorstellungen von Erkenntnis, die verabscheut er."

Weiteres: Gordon Hutner und Feisal G. Mohamed sehen zumindest an den staatlichen Universitäten die Geisteswissenschaften nicht nur an Bedeutung verlieren, sie sterben buchstäblich mangels Finanzierung, schreiben sie: "Die Bürokratien sind derzeit nicht in der Lage, die Leistungen der Geisteswissenschaften zu evaluieren."

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Monde (Frankreich), 05.09.2013

Während die Mordpolitik des syrischen Regimes in Deutschland kommunikativ beschwiegen wird, und man das Massaker mit Schulterzucken geschehen lässt, äußern sich in Paris die Intellektuellen immerhin noch. Ein Dossier in Le Monde mit verschiedenen Reaktionen zeigt allerdings, dass auch in Frankreich die Ratslosigkeit groß ist. André Glucksmann fordert eine militärische Intervention des Westens (wir zitierten am Samstag). Anders der Historiker und Publizist Tzvetan Todorov, der für eine Art aktives Nichtstun plädiert: "Sollte die Verantwortlichkeit für den Gaseinsatz geklärt sein, so wird eine partielle Sanktionierung auch nichts dazu beitragen, die Region vom Übel zu befreien. Andererseits wird Nichtstun möglicherweise noch mehr Schäden anrichten. Ist es die Lösung, einer der beiden Kriegsparteien zu helfen? Oder wäre es nicht besser zwei Feinde, die sich hassen, die 'Terroristen' auf der einen Seite und den 'Tyrannen' auf der anderen Seite, zu Verhandlungen zu drängen?"

Ähnlich Edgar Morin, der für einen "Kompromiss" optiert: "Ein solcher Kompromiss müsste zunächst ein Kompromiss unter den beteiligten Mächten sein. Eine solche Vereinbarung müsste zwischen Russland, dem Iran, den arabischen Ländern und den westlichen Ländern geschlossen werden, womöglich unter Ägide der UNO, und sie müsste den Kriegsparteien dann vorgeschlagen - ja aufgezwungen - werden. Es mag unerträglich erscheinen, dass Baschar al-Assad nicht sofort entfernt wird. Aber auch in Chile wurde die Demokratie nur durch einen Kompromiss erreicht, der den Henker Pinochet für zwei Jahre an der Staatsspitze beließ."

Außerdem fragt Annick Cojean in einem reichlich Marie-Claire-haften Artikel, warum gerade Léa Seydoux die angesagteste Schauspielerin Frankreichs ist. Könnte es daran liegen, dass sie gerade zwei Filme (nämlich "Grand central" und "La vie d'Adèle") im aktuellen Programm hat?

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Economist (UK), 07.09.2013

Der Economist bekräftigt seine Forderungen nach einem Militärschlag gegen Syrien aufs Neue: "Die Skeptiker bekämpfen den letzten Krieg. Syrien ist nicht Irak. Die Beweise, dass das Regime Abscheulichkeiten begangen hat, sind über jeden Zweifel erhaben. Selbst für den Fall, dass Assad Amerika nach einer Intervention trotzen und mehr Sarin einsetzen sollte, zeigt Obama keine Absichten, das Land zu besetzen." Mehr dazu auch an dieser Stelle.

Fünf Jahre nach der Lehman-Pleite ist sich der Economist im globalen Überblick sicher: Der derzeit aussichtsreichste Risikokandidat für eine weitere Finanzschmelze ist die Eurozone. Außerdem blickt der Economist in die Zukunt der Robotik und zeigt sich begeistert von den Ambitionen des Microsoft-Mitbegründers Paul Allen.

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Stichwörter: Irak

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Outlook India (Indien), 16.09.2013

Pranay Sharma rechnet noch für diese Woche mit einer Militärsanktion gegen Syrien. Für ihn ist Obama ein gefallener Engel: Einst weltweit gefeiert und umjubelt, schlägt ihm nun weltweit Ablehnung und Skepsis entgegen. Auch Sharma ist von der Aufrichtigkeit Obamas nicht überzeugt und reiht sich bei all jenen ein, die schon immer wussten, in welchem geopolitischen Pfeffer der Hase liegt: "Die Herangehensweise der Regierung Obama sollte im Lichte der nahöstlichen Geopolitik und unter Berücksichtigung wichtiger US-Lobbys und deren vielfältiger Verbindungen zur Region betrachtet werden. Syrien, ein starker Verbündeter Irans und über diese Verbindung mit der Hisbollah im Libanon, befindet sich mitten in einem blutigen Bürgerkrieg, in dem das Assadregime umzingelt ist von Rebellen, die das Ausland, darunter Saudiarabien und die Türkei, stützt. ... Ein Schlag gegen Syrien bedeutet für die USA eine Unterminierung der Verbindungen zum Iran und der Hisbollah."

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BBC Magazine (UK), 29.08.2013

William Kremer erzählt die Geschichte von David Good, der ins entlegene Grenzgebiet zwischen Venezuela und Brasilien reist, um nach zwanzig Jahren seine Mutter Yarima wiederzusehen. Als Frau des Anthropologen Kenneth Good, der in den sechziger Jahren über das indigene Yanomami-Volk geforscht hat, lebte Yarima einige Jahre in den USA, bevor sie für immer in den Urwald zurückkehrte. Dort wird David mit großem Amusement aufgenommen: "Die Yanomami haben kaum Vorstellungen von dem sehr unterschiedlichen Leben der Außenseiter. Den Mangel an praktischen und sprachlichen Fähigkeiten, den die Weißen an den Tag legen, erklären sich die meisten mit schierer Dummheit. 'Ich sagte ihnen Yanomami keye - ich bin Yanomami', sagt David. 'Und dann fiel ich die Flussböschung hinab oder stolperte über Weinreben, oder ich stieß gegen einen falschen Baum und bekam einen Schwall bissige Ameisen auf den Kopf. Sie fanden das unwiderstehlich komisch."

Stichwörter: Mutter, Venezuela

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New Yorker (USA), 16.09.2013

David Denby bespricht zwei neue Bücher, die der Frage nachgehen, ob und in welcher Form Hollywood mit Hitlerdeutschland kollaborierte: "The Collaboration: Hollywood's Pact with Hitler" von Ben Urwand und "Hollywood and Hitler, 1933-1939" von Thomas Doherty. Eine zentrale Figur in Urwands Buch ist der Nazi-Konsul in Los Angeles, Georg Gyssling, ein ehemaliger Diplomat, dessen "aalglatt-drohende Art der höflichen Bedrohlichkeit von Conrad Veidts Major Strasser in 'Casablanca' ähnelt. Urwand deckt auf, dass die Filmstudios Gyssling hin und wieder erlaubten Drehbücher zu lesen, frühe Schnittfassungen zu sehen und - mitunter erfolgreich - die Zerstörung fertiger Filme zu verlangen." Denby findet Urwands Vorwürfe gegen die jüdischen Studiobesitzer jedoch grotesk übertrieben. Sie standen vor allem unter dem Druck amerikanischer Zensoren. Einer der schlimmsten war der Hay-Zensor Joseph I. Breen: Er war Katholik, und "er war ein Antisemit. Zwei Jahre bevor er für die Durchsetzung des Hay-Codes arbeitete, berichtet Doherty, schrieb Breen an einen Freund, dass Menschen, 'deren Alltagsmoral nicht auf der öffentlichen Toilette eines Pesthauses geduldet würde, hier die guten Jobs haben und dabei fett werden. 95 Prozent dieser Leute sind Juden osteuropäischer Abstammung. Sie sind wohl der Abschaum des Abschaums der Erde."

Außerdem: Emily Nussbaum stellt den neuen Kabelsender Pivot für die sogenannte Millenniums-Generation vor, "breitgefächert und global mit einem Tick MTV".

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Eurozine (Österreich), 06.09.2013

Sergej Khazow schildert das schwierige, aber nicht hoffnungslose Leben Homosexueller in Russland. Unter anderem erzählt er die Geschichte des in einer Provinzstadt lebenden Michail Tumasow, der Opfer von schwulenfeindlicher Gewalt wurde und daraufhin beschloss, sich für die Rechte der Schwulen einzusetzen. Er organisierte Beratung und Seminare, die sich mit rechtlichen und sozialen Fragen befassen. Dabei muss er allerdings wegen der neuen Antipropaganda-Gesetze, die ein Ansprechen junger Leute verbieten, sehr vorsichtig sein: "Sie schreiben uns, aber unsere Hände sind oft gebunden", sagt er im Gespräch mit Khazow. "Wir versuchen ihnen auf individueller Basis zu helfen. In unsere Seminare können wir sie nicht einladen." In Sankt Petersburg gibt es auch eine Notruflinie für Schwule, in der aus ganz Russland jährlich über tausend Anrufe eingehen: Es rufen Menschen an, "die Probleme haben, ihre Sexualität zu akzeptieren, Lesben deren Ex-Ehemänner ihnen das Sorgerecht für die Kinder nehmen wollen, Transsexuelle, die neue Personalausweise brauchen."

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Guardian (UK), 07.09.2013

Jonathan Coe ergründet den Witz im englischen Roman und stößt dabei auf eine sehr seltsame Unterscheidung von VS Pritchett, die offenbar  - noch seltsamer - weiterhin gültig zu sein scheint. Pritchett teilt den englischen Humor in eine maskuline und in eine feminine Linie: "Seine 'maskuline' Tradition ist diejenige, die, wenig überraschend, direkt zu Kingsley Amis führt, unter anderem über Fielding, Scott, Austen, George Eliot, Waugh, Ivy Compton-Burnett und Anthony Powell. Diese Linie ist laut Pritchett heiter, gesellig, positiv und moralisch gefestigt. Sie glaubt an den gesunden Menschenverstand und verachtet die Empfindsamkeit. Diese Schriftsteller leisten ihren Beitrag zu Gesellschaft und moralischer Ordnung. Gegen diese Linie stellt er eine alternative 'feminine' Tradition, die irritierenderweise von einem Mann begründet wurde - von Laurence Sterne - und Autoren wie Peacock, Dickens, Firbank, Woolf, Joyce und Beckett umfasst. 'Sterne untergrub die Ordnung', schrieb Pritchett, 'ihm war klar, dass sich unser Verstand hin und her bewegt, wie es ihm gefällt. Das Ich steht nicht fest: Es löst sich jeden Augenblick auf, seine Bewegungen sind so unbestimmt wie die einer durchsichtigen Qualle, die mit dem Strom vor und zurück gleitet.'"

Außerdem: Tom Holland liest Simon Schamas "Story of the Jews" über jüdische Identität in Antike und Mittelalter. Mark Lawson findet gute Gründe, ein Buch nicht fertigzuschreiben.

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HVG (Ungarn), 28.08.2013

Vor 25 Jahren, also kurz vor der Wende,  brachte Judit Elek den Film "Tutajosok" (Die Flößer) heraus.  Zsuzsa Mátraházi nimmt das Jubiläum zum Anlass für ein Gespräch mit der Regisseurin. Der Film handelt von einem antisemtischen Vorfall in den Jahren 1882 und 83, als die jüdische Gemeinde von Tiszaeszlár beschuldigt wurde, ein katholisches Mädchen ermordet zu haben. Bis heute kursieren Ritualmordlegenden um diesen Fall. Die Regisseurin will mit eine Neuedition des Films auf DVD aufklären: "Den Film haben kurz vor der Wende viele gesehen, aber er wurde später nicht als Lehrmaterial verwendet. Aus diesem Grunde habe ich dafür gekämpft, dass am Jubiläum das gesamte Drehbuch, die Akten des Verfahrens und der Film als DVD erscheinen. Solange wir uns in Ungarn nicht mit der Vergangenheit und den Fakten konfrontieren, solange ist die Nation schutz- und wurzellos."

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London Review of Books (UK), 12.09.2013

Hugh Roberts liest neue Bücher über die Situation in Ägypten. Seine Einschätzung der vergangenen zwei Jahre fällt enorm ernüchternd aus: Eine Revolution hat es im Grunde nicht gegeben. "Was die Medien den 'Arabischen Frühling' nannten, war in Wirklichkeit eine Abfolge von Revolutionen. Das galt bald als ausgemachte Sache. Für Ägypten war die Idee des 'Arabischen Frühlings' unausweichlich und so musste auch dieses Land eine Revolution gehabt haben. Zum Teil entsprach dies Wunschdenken. Die wagemutigen jungen Ägypter, die die bemerkenswerten Demonstrationen am Tahrirplatz und anderswo organisiert hatten, waren sicherlich revolutionär im Geiste. Und als ihrer Forderung nach Mubaraks Abdankung entsprochen wurde, konnten sie nicht anders, als zu glauben, dass ihre Leistung eine Revolution darstellte. ... Die Ereignisse in Tunesien waren gewiss eine Revolution. Die Rolle der tunesischen Armee war eine sehr bescheidene, im wesentlichen lag sie in der Verweigerung in der Stunde der Wahrheit, die Demonstranten abzuschlachten. Die Rolle der ägyptischen Armee im Februar 2011 war unterdessen alles andere als bescheiden, sie schien bloß so. ... Die ägyptische Armee entschied sich für eine neutrale Attitüde und demonstrierte sogar Sympathie für die Demonstranten, was die wirklichen Absichten der Kommandeure verschleierte. Den Reportern, die den Unterschied zwischen Schein und Sein nicht kennen, reichte dies schon völlig aus."

Außerdem besucht Eleanore Birne die Ausstellung "The Crisis of Brilliance" in der Dulwich Picture Gallery, wo sie unter anderem Bilder von Dora Carrington und Stanley Spencer sieht:

Stichwörter: Tunesien

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New York Review of Books (USA), 26.09.2013

Amerikas Juden sind einfach nicht wirklich informiert über Israel, weil sie so gut wie nie mit Palästinensern sprechen. Darum fehlt ihnen oft sogar das grundlegendste Wissen, und das ist gefährlich, meint Peter Beinart, dessen Buch "Die amerikanischen Juden und Israel" im Frühjahr bei uns erschienen ist. "1989 fragte der Soziologe Steven M. Cohen amerikanische Juden, ob 'arabische Israelis und jüdische Israelis generell auf die selben Schulen gehen'. Nur ein Drittel der Befragten wusste, dass die Antwort nein lautet. In einer Umfrage des Arabisch-Amerikanischen-Instituts 2002 erklärten zwei Drittel der amerikanischen Juden, sie wünschten sich, dass Jerusalem Israels ungeteilte Hauptstadt bleiben solle. Aber als sie über Ras al-Amud und Silwan befragt wurden, zwei der palästinensischen Viertel, die vom Rest Jerusalems getrennt würden, um eine palästinensische Hauptstadt zu bilden, erklärten mehr als zwei Drittel der amerikanischen Juden entweder diese Viertel für unwichtig oder gaben zu, nicht zu wissen, wo sie sind."

Außerdem: Yasmine El Rashidi fasst in einem gut informierten Artikel die Ereignisse in Ägypten in den letzten Monaten zusammen, und sie fragt sich, wann die "richtige Revolution", die Islamisten und Generäle gleichzeitig wegfegt, kommen wird. Inzwischen übernehmen Quallen die Meere und wir sind selbst daran schuld, lernt Tim Flannery aus Lisa-ann Gershwins Buch "Stung! On Jellyfish Blooms and the Future of the Ocean".

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Rolling Stone (USA), 12.09.2013

Alexander Zaitchik porträtiert den 32-jährigen Barrett Brown, dem 105 Jahre Gefängnis drohen, weil er einen Link auf ein vom FBI mitgeleaktes Dossier gesetzt hat. Er kommt aus einer dieser schrägen Familien, die es nur in Amerika zu geben scheint, und die die interessantesten, verstörendsten Außenseiter zu produzieren scheinen. Brown, der seit seiner Teenagerzeit ein gravierendes Drogenproblem hat, ist kein Hacker, war aber einer der Sprecher von Anonymous. Er hat außerdem als Journalist für Vanity Fair, Daily Kos, McSweeney's, die Huffington Post und den Guardian geschrieben. 2011 setzte er einen Link auf die Dokumente des Stratford-Hacks, in deren Tiefen einigen tausend Kontodaten verborgen waren, die Brown weder bemerkt noch interessiert hatten. Dies wurde ihm zum Verhängnis: "Was an Browns Fall am meisten besorgt macht, ist die Verbindungslosigkeit zwischen seinem Verhalten und der angeklagten Straftat', sagt sein Verteidiger Ghappour. "Er hat einen öffentlich erreichbaren Link kopiert und gesetzt der öffentlich zugängliche Daten enthielt, die er in seiner Eigenschaft als Journalist durchsucht hat. ... Browns Fall ist ein Paradebeispiel für die Pressefreiheit in diesem neuen Jahrhundert, wo Hacks und Leaks uns einige Einblicke geben in die Technologien und Methoden eines zunehmend privatwirtschaftlich organisierten Sicherheits- und Überwachungsstaates. Brown hat versucht, diese Einblicke zu erweitern. Er tat das, indem er eine Gruppenuntersuchung in die Welt privater Sicherheitsverträge anführte, eine 56-Milliarden-Dollar-Industrie, die 70 Prozent des amerikanischen Geheimdienstbudgets umfasst."

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Believer (USA), 01.09.2013

Der niederländische Autor Arnon Grunberg ist nach Thessaloniki gefahren, die zweitgrößte Stadt Griechenlands, um mehr über die Auswirkungen der Finanzkrise zu erfahren. Griechenland erlebt in erster Linie eine soziale Krise, die finanzielle Krise ist längst nicht so bedeutend, erklärt ihm Bürgermeister Yiannis Boutaris und verweist als Beispiel auf das Müllproblem der Stadt: "'Ich habe den Bürgern von Thessaloniki gesagt: Was immer wir wegen des Mülls tun, wenn ihr nicht mithelft, wird er nicht verschwinden. Wenn ihr nicht helft, bleibt die Stadt dreckig. Wenn ihr euren Müll überall hinschmeißt, kann ich nicht viel tun.'" In dem Punkt würden ihm der Grüne Kostas, der die Bewegung "Total nackter Fahrradtrip" begründet hat, die Aktivistin Debbie, die eine Klinik für illegale Einwanderer mitbegründet hat, die Lehrerin Dora und der Guerillagärtner George, mit denen Grunberg ebenfalls gesprochen hat, wahrscheinlich zustimmen.

Stichwörter: Griechenland

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Magyar Narancs (Ungarn), 01.09.2013

"Die Toten schreiben zur Zeit viel und gut" - schrieb einst Sándor Márai über die Neuveröffentlichungen aus den Nachlässen von Kosztolányi und Krúdy. Diese Aussage trifft nun auch auf sein eigenes Werk zu, meint Imre Kőrizs in der Wochenzeitung Magyar Narancs über eine Erstveröffentlichung des dritten, bisher vermissten Teils von Márais "Bekenntnissen eines Bürgers" (deutsche Ausgabe), der vor kurzem unter dem Titel "Hallgatni akartam" (Ich wollte schweigen, Helikon Kiadó, Budapest, 2013) erschien. "Der Nachlass von Márai kam 1997 nach Ungarn, doch das Paket wurde vom Zoll aufgehalten. (…) Geld hatte niemand, auch das Literaturmuseum in Budapest nicht. Die Neubewertung des Nachlasses brachte Bewegung in die Situation, und der Nachlass konnte dann ins Land eingeführt werden - als Altpapier. (...) Aus den Kisten wurden seit dem wahre Schätze veröffentlicht, so auch der dritte Teil der 'Bekenntnisse eines Bürgers'. 1949 schrieb Márai darüber: 'Ich lasse die Veröffentlichung im Ausland nicht zu, ich will nicht dass diese traurige Beichte, diese Anklage des Ungarntums von Fremden gelesen wird.' In 'Ich wollte schweigen' zieht Márai die Bilanz des Neo-Barock-Faschismus unter Miklós Horthy, und es scheint fast so, als würde er in die Debatte um die heutige Reinwaschung der Ära posthum eingreifen."

Außerdem empfiehlt Bálint Urbán einen Essayband des jungen Schriftstellers András Borbély.

Stichwörter: Faschismus, Geld

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New York Times (USA), 07.09.2013

Im New York Times Magazine porträtiert Jeffrey Gettleman den ruandischen Staatspräsidenten Paul Kagame, den er zu einem 3-stündigen Gespräch traf. Kagame ist als Politiker umstritten: Er ist autoritär, Opposition und freie Medien sind unter seiner Herrschaft praktisch abgeschafft, und er unterstützt mörderische Rebellengruppen im Kongo. Gleichzeitig kämpft er sehr erfolgreich gegen Korruption, die hohe Sterblichkeitsrate, gegen den Dreck und die Gewalt in den Straßen. Westliche Politiker und Entwicklungshelfer lieben ihn: "Kagame hat das Bild der gesamten Milliarden-Dollar-Entwicklungshilfeindustrie aufpoliert. 'Man steckt sein Geld rein und bekommt Resultate', erklärt ein Diplomat, der versichert, nicht offen sprechen zu können, wenn sein Name genannt wird. Ja, Kagame sei 'vollkommen skrupellos', sagt der Diplomat, aber es gebe ein wechselseitiges Interesse, ihn zu unterstützen, denn Kagame beweise, dass Hilfe für Afrika keine reine Verschwendung sei und dass arme und heruntergewirtschaftete Staaten mit der richtigen Führung auf Kurs gebracht werden kann. 'Wir brauchten eine Erfolgsstory, und er war es.'"

Stichwörter: Geld, Kongo

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Archiv: Magazinrundschau

Aurale Zwischenposition

23.09.2014. Vanity Fair erklärt, warum gerade die schnelle Hilfe die Verbreitung des Ebola-Virus begünstigt hat. La vie des idees schildert die ungleiche Behandlung von Muslimen und Juden in Frankreich. Medium begleitet freiwillige Rettungshelfer durch Aleppo. Der Guardian versinkt in der Korruption Timbuktus. IndieWire analysiert den komplexen Signifikanten in Steven Soderberghs Mini-Serie "The Knick". Die Financial Times fragt sich, ob Firmen-PR der neue Journalismus ist. Die New York Times weiß, wann Politiker zu Promis wurden. Mehr lesen

Dieser Ahhhhhhh-Moment

16.09.2014. In El Pais Semanal erklärt Javier Cercas, warum Katalonien nicht Schottland ist. Im Guardian lehnt Howard Jacobson den totalen Sieg im Diskurs ab. Mehr erhabene Kunst fordert in Nepszabadsag der neue Direktor der Budapester Kunsthalle. Der New Statesman porträtiert den Bürger als Kriegsberichterstatter. The Atlantic besucht einen afghanischen Jungen, der ein Mädchen ist. Die Hudson Review trauert mit Berlioz um Hamlet. Der New Yorker sucht Wonder Women. Mehr lesen

Maoistische Synthese der Oppositionen

11.09.2014. Diese Woche war die Magazinrundschau so riesig, dass wir sie geteilt haben. Heute also der zweite Teil mit einem sehr lesenswerten Artikel von Assaf Sharon in der NYRB über die verfehlte Politik Netanjahus. Bookforum stellt eine Geschichte Gazas vor. Im Guardian gerät AL Kennedy über einen goldenen Ferrari ins Grübeln. In Eurozine beschreibt der Soziologe Boris Dubin die Machtlosigkeit der russischen Gesellschaft. Und das New York Magazine stellt die CEO Martine Rothblatt vor, die ihre Ehefrau als Computer hat nachbauen lassen. Mehr lesen

Zentrum und Peripherie

09.09.2014. Die London Review besucht die Ostukraine und stellt fest: alles Übel begann auf der Krim. Im Mittelweg 36 streitet Reinhard Merkel das ab: die Krim hat die Seperation doch gewählt. Die Blätter machen die Lösegeldzahlungen der EU verantwortlich für den Gewaltmarkt im Nahen Osten. Das Schreibheft erinnert an den Lyriker Uwe Greßmann. Pitchfork und Telerama trauern den analogen Zeiten nach. Und der New Yorker fragt, warum ein Arbeiter bei McDonalds so wenig verdient, dass er auf staatliche Essensmarken angewiesen ist. Mehr lesen

Allein die Schrift!

02.09.2014. Bloomberg Businessweek macht sich jung und guckt AwesomenessTV. Der Merkur staunt über die Textlastigkeit der Suhrkamp-Kultur. Das Chicago Magazine erinnert daran, wer zuerst Handys wollte: die Polizei. The Verge schildert den Titanenkampf zwischen Uber und Lyft. In HVG denkt Péter Esterházy über Kleinkariertheit nach. Die Poetry Foundation bewundert den "Emperor of Ice-Cream". Mehr lesen

Kompass des Bösen

26.08.2014. Im Spectator gibt der Historiker Tom Holland einen Einblick in die religiösen Vielfalt Mesopotamiens, die die Isis gerade zerstört. Vanity Fair erzählt die Geschichte der Madame Claude. Dawn stellt ein Buch über den muslimischen Zionismus in Pakistan vor. Kathrin Passig denkt in Funkkorrespondenz über die Nützlichkeit irrationaler Argumente nach. Die Public Domain Review erzählt, wie das Lachgas den Schriftstellern und Wissenschaftlern die Sprache verschlug. Das TLS liest eine neue Brecht-Biografie. Mehr lesen

Düster, aber gesund

19.08.2014. In Wired erklärt Edward Snowden, wie die besten Absichten direkt in die Hölle führen. Nepszabadsag fragt: Soll Imre Kertesz den selben Orden annehmen wie Göring? In Film Comment  will Alexander Sokurow dem Kino mit Literatur aus den Kinderschuhen helfen. Soziale Mobilität gibt es nicht, verkündet der Soziologe Jules Naudet in Les inrockuptibles. The Dissolve freut sich auf den Pepys aus Hollywood. Mehr lesen

Ein weiterer Pfannkuchen

12.08.2014. The Nation porträtiert Alessandro Spina, Chronist des Untergangs des italo-arabisch-ottomanischen Universums. Die London Review wird von einem Stalker verfolgt. Al Ahram fragt: Was wollen die Palästinenser? Im New York Magazine schildert Werner Herzog seine einzige Drogenerfahrung mit Marmelade von Popol Vuh. Bloomberg Businessweek erzählt, wie Tony Blair versuchte, Gaddafis Geld zu verwalten.
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Der Wille zur Jacht

04.08.2014. Telerama und der New Yorker suchen den Aufstieg über den krummen Pfad. Elet es Irodalom und das San Francisco Magazine freuen sich über die Demokratisierung der Kritik durch das Internet. Harper's Magazine beantwortet die Frage, ob James Joyce Syphilis hatte. MicroMega porträtiert den linken uruguayischen Staatspräsidenten Pepe Mujica als Franziskaner. Medium begleitet Obdachlose zu Tests für die Pharmaindustrie. Pitchfork feiert die Renaissance des Vinyl. Mehr lesen

Der Leser, den ich liebe

29.07.2014. The New Republic jagt einen Sturm namens William T. Vollmann. In der New York Review of Books lernt Jonathan Freedland von Ari Shavit, was linker Zionismus ist. Die London Review of Books porträtiert einen doppelt impotenten Alain Robbe-Grillet. Hairpin porträtiert eine Giftmörderin des 17. Jahrhunderts, die Marquise de Brinvilliers. Pacific Standard fragt: Was ist Ihre DNA wert? Der New Yorker sucht das weibliche Hirn bei Radikalfeministinnen und Trans-Frauen. Mehr lesen

Tutanchamun und der Teacher

22.07.2014. Wenn der Westen sich mit Palästina beschäftigt, beschäftigt er sich meist mit sich selbst, lernt The Nation. Der  spanische Schriftsteller Jorge Carrión besucht für El Pais Semanal die Welthauptstadt der Sekten. Der Guardian sammelt Stimmen schottische Autoren zum Referendum. The Humanist bewundert die neuen Formen Teju Coles. Die Huffington Post analysiert die wahre Identität der Techno-und Elektro-Szene in Paris. Wired verschickt seine Post demnächst nur noch mit Dark Mail. Mehr lesen

So viel Schönheit

15.07.2014. Der Globe and Mail stellt Larry, den Hummer vor. Der Pacific Standard porträtiert die "Organ-Detektivin" Nancy Scheper-Hughes. Fördert Truvada, die "morning-after"-Pille gegen HIV, heißen Sex unter Homosexuellen, fragt das New York Magazine. Die LRB hat wenig Hoffnung für den Irak, etwas mehr für in Brooklyn lebende Literaten. Der argentinische Autor Martín Caparrós besichtigt für El Pais Semanal den größten Tresorraum der Welt für die Superreichen. Selbst Thomas Piketty betrachtet die Ungleichheit durch die Brille des Westens, murrt Le monde diplomatique. Und die NYT betrachtet den Ebookmarkt according to Amazon. Mehr lesen

Spieler ohne Trainer

08.07.2014. Film Comment analysiert den Poliziotteschi, den italienischen Polizeithriller der 60er und 70er Jahre. In Repubblica wartet Roberto Saviano auf den Moment, an dem die Ndrangheta wieder zur Messe geht. Im Guardian feiert Zadie Smith die  eiskalte Präzision J. G. Ballards. Im New Yorker erinnert Héctor Tobar daran, wie vor vier Jahren  über 33 chilenischen Bergleuten die Erde einstürzte.  In Eurozine meint Thomas Piketty: Mehr Wettbewerb ist auch nicht die Lösung. Und die NYT ist froh, kein SEEBÖWE zu sein. Mehr lesen

Noch etwas Allzuwörtliches

01.07.2014. Osteuropa begutachtet die neue russische Kampfpropaganda. In Open Democracy erklärt Nadja Tolokonnikowa rechten und linken Anhängern Putins: Menschenrechte sollten nicht nur im Westen gelten. Der Merkur bittet, zwischen digitaler Literatur und Netzliteratur zu unterscheiden. Eurozine untersucht Film als Metapher. Die NYRB erklärt, warum die Stärkung von Konsumentenrechten eine Stärkung Amazons zur Folge hat. Atlantic denkt über Afghanistan nach Karzai nach. Und Tablet porträtiert BHL als homme d'honneur. Mehr lesen

Kritikimmuner Springteufel

24.06.2014. Der Hollywood Reporter porträtiert den schwedischen Regisseur Malik Bendjelloul, der vor wenigen Wochen Selbstmord beging. Der New Yorker zertrümmert die Diskontinuitätstheorie. Im Guardian erklärt Will Self den Verwandtschaftsgrad von neolithisch und neoliberal. In Valleywag erklärt Lawrence Lessig, warum Silicon Valley im Moment ein guter Bündnispartner ist. Der Rolling Stone bestaunt den Nipster. Wired sagt Servus zur Netzneutralität. Und die NYT fragt: Thirtysomethings, wollt ihr ewig bei euren Eltern leben? Mehr lesen

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