Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Magazinrundschau

Er tänzelte mit Grazie

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.

05.03.2013. Der Rolling Stone schildert die Selbstverständlichkeit, mit der in der US-Army vergewaltigt wird. In Accents beschreibt Jean Jourdheuil die Musik in Heiner Müllers Füßen. Men's Journal begleitet einen Ex-Medienmogul und einen Evangelikalenführer zum Treffen mit einem Kannibalen in Liberia. Der Spectator versteht nicht, warum Britten Mahler Elgar vorzog. In Bloomberg besteht Evernote-Gründer Rob Walker darauf, dass sein Dienst antisozial ist. Rue 89 beobachtet den Neo-Luddismus. Die NYRB sucht Islamisten in Mali

Rolling Stone (USA), 14.02.2013

Der Rolling Stone bringt eine Reportage von Sabrina Rubin Erdely über vergewaltigte und missachtete Frauen, wie man sie aus den Tiefen einer islamistischen Hölle erwartet. Doch Erdely schildert die Zustände in der amerikanischen Armee. Hier werden Vergewaltigungen nicht nur entweder überhaupt nicht oder sehr milde bestraft, man hat auch eine hohe Perfektion darin entwickelt, dem Opfer die Schuld zuzuschieben. "Der ehemalige Sergeant Myla Haider, die drei Jahre lang in einer Abteilung zur Aufklärung von Straftaten gearbeitet hatte, entdeckte, während sie Vergewaltigungsanzeigen untersuchte, dass Kollegen 'verächtlich' auf solche Anzeigen reagierten. Die Einstellung war: Sie lügt bestimmt. In unserem Job ging es hauptsächlich darum, die Wahrheit aus ihr herauszukriegen und herauszufinden, warum sie so voller Scheiße war', sagt Haider, die schockiert war über eine Atmosphäre, in der man so offen skeptisch gegenüber Vergewaltigungen war. 'Die Leute sagten unter sich: Echte Vergewaltigungen geschehen fast nie. Ich habe nicht eine echte Vergewaltigung gehabt, das ist doch alles Blödsinn.'" (Die NYT bestätigt in einer eigenen Reportage diese Zustände)

Stichwörter: Vergewaltigungen

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Accents (Frankreich), 01.03.2013

Jean Jourdheuil war der Mittler und Übersetzer, der in Frankreich den dort bis heute hoch verehrten Heiner Müller bekannt machte. In Accents, dem "Webmag" des Ensemble Intercontemporain, bringt er einen Text über Müller und die Musik, in dem er alles von Müllers Gang ableitet: "Wenn er ging, setzte er die Fußspitze mit Sanftheit, Präzision und Vorsicht auf, als müsse er sicherstellen, dass sich der Boden noch auf der selben Ebene befand wie am Vortag. Das gab ihm einen sehr leichten, erstaunlichen Gang. Er tänzelte mit Grazie. Die obere Hälfte seines Körpers war von diesem Tänzeln ganz unberührt. Nicht die geringste Schwere. Er ging mit Leichtigkeit, in seinem Rhythmus. Beim Schreiben zählte er nicht die Silben. Instinktiv schrieb er mit den Füßen, um, nach der Formel von Nietzsche, die Wörter und Begriffe zum Tanzen zu bringen."

Archiv: Accents

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Men's Journal (USA), 28.02.2013

Joe Hagan zeichnet ein ziemlich atemberaubendes Porträt des Medienmoguls Tom Freston, ehemaliger Manager von MTV, "Beavis and Butt-head", "South Park", Jon Stewarts "Daily Show" und schließlich dem Viacom-Konzern - um nur einige zu nennen. Heute ist er Vorsitzender von Bonos "One Campaign" und karrt beispielsweise den amerikanischen Evangelikalenführer Ralph Reed im SUV durch Liberia, wo er ihm Krankenhäuser, Farmen und eine Fabrik zeigt, die sich mit westlicher Hilfe erfolgreich entwickeln. Nur so zum Spaß hat er außerdem ein Treffen mit einem ehemaligen Militiaführer und Kannibalen arrangiert, der mit seiner Kinderarmee etwa 20.000 Menschen umgebracht hat und erklärt, warum er sich bis zu seinem Erweckungserlebnis nichts dabei gedacht hat, Kinder zu essen: "Ralph Reed hatte keine Ahnung, was ihn erwartete, als der dem ungeplanten Treffen zustimmte, und seine Kinnlade fiel vor Schreck nach unten, wie Freston es geplant hatte. Aber Freston sah ebenfalls ziemlich erschüttert aus. 'Das ist wirklich eine Geschichte', konnte er nur noch sagen. Fast genauso schockierend war es allerdings mitanzusehen, wie die Anwesenheit von Freston - dem großen amerikanischen Medienmogul, dessen Netzwerk mächtiger Freunde Rupert Murdoch, Jeffrey Katzenberg, Bob Iger und Tom Cruise einschließt - diese Situation automatisch in eine Art Geschäftstreffen verwandelte. Reed sagte, er kenne einige evangelikale Krichen, die den reformierten Menschenfresser möglicherweise gern treffen würden. Und der reformierte Menschenfresser, der heute Joshua Blahyi heißt, freute sich, gefällig sein zu können und überreichte Freston und Reed Kopien seiner veröffentlichen Autobiografie und einer Dokumentation (Trailer) über ihn, die 2011 auf dem Sundance Festival gezeigt worden war. 'Einige Leute meinen immer noch, ich sollte aufgehängt werden', bemerkt er."

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Stichwörter: Tom Cruise, Rupert Murdoch

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Spectator (UK), 23.02.2013

Michael Kennedy wirft einen recht anglozentrischen Blick auf die Musikgeschichte. Drei große Opernkomponisten habe es seit 1813 gegeben: Wagner, Verdi, und, äh... Benjamin Britten. (Puccini, Strauss, Berg? Nie gehört!) Kennedy schildert Britten auch als einen großen "Hasser", der nicht mal den anderen großen Briten der Musikgeschichte richtig gewürdigt habe, Edward Elgar: "Vor den meisten englischen Musikern hatte Britten Mahler entdeckt und fand die 'Lieder eines fahrenden Gesellen' besser als Elgars 'Enigma-Variationen'. Später war er großzügig genug, sich selbst die Schuld daran zu geben, dass er 'absolut unfähig' sei, Elgar länger als zwei Minuten auszuahlten." Bei allem Respekt, aber könnte es vielleicht daran liegen, dass Mahler tatsächlich besser ist als der Komponist des "Imperial March" und von "Pomp and Circumstance"?

Archiv: Spectator
Stichwörter: Benjamin Britten

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Bloomberg Businessweek (USA), 28.02.2013

Jeder, der einen Kopf hat, muss Evernote lieben, jeder, der außerdem ein schlechtes Gedächtnis hat, braucht Evernote zum Überleben. So in etwa schildert Rob Walker diesen Dienst, der sich in den letzten Jahre recht unauffällig in den Alltag von Millionen Netzbewohnern geschlichen hat: Mit Evernote (jüngst Opfer einer Hacker-Attacke) kann man alles notieren, mit Schlagworten belegen und bis ans Ende seiner Tage wiederfinden: mit dem Computer oder dem Smartphone. Und dabei ist Evernote ein zutiefst individueller Dienst, erfunden in Zeiten des Hypes sozialer Medien, schreibt Walker und zitiert den Firmenerfinder Phil Libin: "'Was du in Facebook notierst, bist nicht du selbst', sagt Libin. 'Es ist, was du den Leuten von dir zeigen willst. Was du bei LinkedIn postest, bist du erst recht nicht; das ist, was deine Kollegen sehen sollen.' Libin behauptet, dass die Sucht nach 'viralem' Wachstum zu einer drastischen Überbetonung nach außen gewandter digitaler Formen geführt hat. Als einer, der sich selbst als zu schüchtern bezeichnet, um sein Highschool-Team im Schach zu besiegen, erblickt Libin hier eine Marktlücke. 'Was du bei Evernote einstellst, bist du wirklich selbst. Anfangs sagten wir, dass Evernote nicht sozial ist, aber es ist sogar antisozial. Was scheren uns eure Freunde.'"

Stichwörter: Schach

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London Review of Books (UK), 07.03.2013

Owen Hatherley freut sich: Endlich hat der Journalist und Fernsehmacher Jonathan Meades ein Buch über sein Lieblingsthema - Orte - vorgelegt. Vor allem liebt Hatherley Meades' Fernseharbeiten: "Je herablassender die Kunstsendungen im Fernsehen mit ihrer besonders laaangsaaamen Sprechweise, damit sie auch ja jeder versteht, wurden, umso dichter, vollgepackter mit Listen, Tatsachen und Meinungen über labyrinthische, entlegene Themen wurden Meades' Sendungen. Er spricht über die Vororte von Brüssel, über das Straßensystem von Birmingham oder die Kirchen der 60er Jahre als ob es sich um die wichtigsten, intellektuell verschachtelten Angelegenheiten handelt." In diesem Youtube-Kanal kann man sich dankbarweise einen guten Überblick darüber verschaffen. Hier reist er geradezu atemlos durch ein völlig amerikanisiertes Frankreich:



Außerdem: Mike Jay begibt sich mit neuen Buchveröffentlichungen ins Schattenreich von Halluzinationen, Okkultismus und Hypnosen. Katherine Arcement gesteht ihre langjährige Sucht nach Fan Fiction im Netz. Colin Burrow liest  neue Veröffentlichungen zu John Milton. Charles Hope stattet dem Eton College einen Besuch ab, um sich eingehend mit den dortigen Wandmalereien zu befassen.

Stichwörter: Youtube

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Rue89 (Frankreich), 03.03.2013

Alizee Golfier beschäftigt sich mit einem relativ neuen Phänomen, dem Neo-Luddismus, eine Art moderner Maschinenstürmerei, die sich vor allem gegen die allgegenwärtigen neuen Technologien richtet. Der Begriff lehnt sich an eine Protestbewegung englischer Arbeiter anfang des 19. Jahrhundert an, die in ihrem Kampf gegen die Verschlechterung ihrer Lebensbedingungen im Zuge der Industrialisierung auch Maschinen und Produktionsmittel zerstörten. Eins zu eins lässt sich das natürlich nicht übertragen, schreibt Golfier, nicht nur, weil Motive, Themen und Aktionsformen des Neo-Luddismus so unterschiedlich sind. "Man kann den Neo-Luddismus nicht auf einen Widerstand gegen die Technik als solche reduzieren. Es gibt ebenso viele Protestformen wie Probleme, die im Zusammenhang mit Fortschritt und Technik stehen: ökologische Kämpfe gegen Gentechnik und Atomkraft, Verurteilung der Nanotechnologie, Ablehnung der Datenerfassung im Alltag, Widerstand gegen Sicherheitserfordernisse (Kameras an öffentlichen Orten). Schwierig, sich da zurechtzufinden. Der Historiker Francois Jarrige meint: 'Es gibt keine Struktur, wo man einen Anführer oder Aktivisten treffen könnte. Es handelt sich vielmehr um einen vagen Personenkreis, der findet, dass Technolgie eher Entfremdung als Mittel der Emanzipation ist.'"

Archiv: Rue89

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New Yorker (USA), 11.03.2013

Larissa MacFarquhar widmet sich noch einmal dem amerikanischen Programmierer und Hackaktivisten Aaron Swartz, der im Januar Selbstmord beging. Ihr Porträt beleuchtet - mittels Dokumenten wie Mails, Briefen, Blogs, aber auch persönlichen Stellungnahmen von Freunden und Verwandten - sehr persönliche und bisher weniger bekannten Seiten Swartz', auch die "dunkle" des seit langem an Depression leidenden jungen Manns. "Er war kein gefühlloser Technokrat. Es war nur so, dass ihm das Leben von Leuten aus der Arbeiterklasse total fremd war. Dazu gehörte auch, dass sie viele Jobs machten, die er unerträglich gefunden hätte. So konnte er nicht mit Kellnerinnen ungehen, weil ihm der Gedanke, an Tischen zu bedienen, unfassbar demütigend vorkam. 'Ich erinnere mich, dass er mal ein Video über eine Frau ansah, die bei Burger King arbeitete und in einem Wohnwagen lebte. Er konnte nicht weiterschauen und hat geweint', erzählt Quinn Norton. 'Er hatte eine enorme, in gewisser Hinsicht pathologische Fähigkeit zum Mitleiden.'"

Weiteres: Thoams Mallon betreibt eine vergleichende Lektüre mehrerer, auch schon älterer Biografien über Calvin Coolidge, den dreißigsten Präsidenten der USA, der "im amerikanischen Gedächtnis eine Ansammlung von Anekdoten ist". Elizabeth Kolbert widmet sich der Wissenschaft der Schlaflosigkeit. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Kattekoppen" von Will Mackin.

Archiv: New Yorker
Stichwörter: Aaron Swartz, Wissenschaft

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Economist (UK), 02.03.2013

Sehr skeptisch begegnet der Economist den kontrovers diskutierten Plänen von Yahoo-Chefin Marissa Mayer, die Mitarbeiter aus der Tele-Arbeit von zuhause aus wieder zur Büroarbeit im Hauptquartiert zu verpflichten: "Die Indizien häufen sich, dass Büroarbeit auch die Produktivität hemmt. Kürzliche Studien aus Stanford und Peking berichten von Experimentergebnissen bei einem chinesischen Onlinereisebüro (...), das seine Callcenter-Agenten auf zwei Teams aufgeteilt hatte. Das eine arbeitete neun Monate zuhause, das andere im Büro. Am Ende stellten die Akademiker fest, dass die Heimarbeiter die Anrufe effizienter bearbeitet haben, weniger Pausen gemacht haben und um 13% produktiver waren als ihre Bürokollegen. Auch waren die Heimarbeiter deutlich zufriedener mit ihrem Job." (Der Business Insider sieht das ganz anders, ebenso der Telegraph, der mit Virginia Woolf argumentiert. Wired meint: abwarten. Slate, hier, und Atlantic, hier, dagegen kritisieren Mayers Entscheidung, die ein wirklich erstaunliches Echo ausgelöst hat.)

Außerdem: Sieh an, die Musikindustrie ist dank verbesserter Onlinestrategien erstmals seit 13 Jahren wieder im Wachsen begriffen: "Die Leichtigkeit, mit der man Musik kaufen oder streamen kann, mag es begünstigt haben, dass die Leute von illegalen Angeboten abwandern."

Archiv: Economist
Stichwörter: Virginia Woolf, Yahoo

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Telerama (Frankreich), 02.03.2013

Olivier Pascal-Moussellar berichtet in einer Reportage, wie in Jerusalem mittels einer mitunter fragwürdigen Archäologie, die sich in den Dienst der Politik stellt, der Friede gefährdet wird. Dem Projekt der "Biblisierung" der "Stadt Davids" fallen demnach Grabstätten Keramiken und Häuser zum Opfer - allesamt arabischen Ursprungs. Unter anderen das der Familie Shaqeer im arabischen Viertel Silwan. "'Botschaft angekommen', erklärt Jawad Siyam, Leiter des Vereins zur Verteidigung des Viertels. 'Die Regierung will uns unser Land wegnehmen. Aber Silwan ist palästinensisch. Wenn die Geschichte auf ihrer Seite ist, dann gehört mir Land in Andalusien! Am schlimmsten ist, dass diese 'Judaisierung' für den Staat Israel selbstmörderisch ist ... Ich bin ein Idiot, die wissen ganz genau, dass das unseren Widerstand verstärkt." Viele Archäologen und Historiker, zeigt Pascal-Moussellar, sehen das Projekt der "Biblisierung" Jerusalems allerdings auch kritisch und versuchten, es zu bremsen.

Archiv: Telerama

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Chronicle (USA), 25.02.2013

Marc Parry stellt den britischen Historiker Ian Morris vor, der, nachdem es mit einer Karriere als Gitarrist von Iron Maiden nicht klappte, jetzt höchst umstrittene Bücher schreibt, für die sich sogar die CIA interessiert. "Why The West Rules - For Now" heißt eines. Morris analysiert darin anhand von Daten aus 15.000 Jahren, welche Bedingungen nötig waren, damit sich der Westen zur dominierenden Kraft auf dem Globus entwickeln konnte. Oder sein Jahrtausende umspannendes Buch "War! What Is it Good For?", eine Frage, mit der sich auch Steven Pinker beschäftigte. "Aber Morris meint, Pinker habe "'nicht genug historische Feuerkraft aufgebracht'. Wenn man es aus langer Sicht betrachtet, meint er, sei man gezwungen, eine paradoxe Erklärung für die Abnahme von Gewalt zu akzeptieren: Krieg. Krieg schafft größere Gesellschaften, entweder durch Eroberung oder durch Gruppen, die sich aus Angst eben davor zusammenschließen. Die Herrscher dieser Gesellschaften unterdrücken interne Gewalt. 'wenn diese Gesellschaften größer und größer werden', so Morris, 'nimmt die Zahl der Menschen, die herumläuft und anderen den Schädel einschlägt, kontinuierlich ab. Die Welt wird ein friedlicherer Ort." Für die Zukunft gelte das allerdings nicht mehr.

Archiv: Chronicle
Stichwörter: Steven Pinker

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Merkur (Deutschland), 01.03.2013

Helmut König huldigt den großen Dissidenten der Geschichte, denen hierzulande oft genug mit Misstrauen begegnet wird. Zwar ist auch König nicht immer einverstanden mit ihrer Ablehnung der Politik, aber dass sie die Moral über eine ökonomische Kosten-Nutzen-Analyse setzen und gegen die Logik des kleineren Übels, das macht ihre Größe aus: "Sie können und wollen nicht mit jemandem zusammenleben, der sich an Verbrechen und an Unrecht beteiligt hat. Lieber nehmen sie in Kauf, dass ihnen Unrecht angetan wird, und sie ziehen es vor, mit der ganzen Gesellschaft uneins zu sein statt mit sich selbst. Das ist das Prinzip des Handelns, dem sie folgen. Diese Übereinstimmung mit sich selbst verleiht ihnen ihre Stärke und Unabhängigkeit, das Gefühl von Würde und Stolz und eine tiefe innere Befriedigung. Darin liegt der einzige Erfolg, der einzige Nutzen, der mit moralischem Handeln verbunden ist."

Weiteres: Auf Joachim Rohloffs Text zu Frank Schirrmachers nachlässigem Sprachgebrauch haben wir schon in der Feuilletonrundschau hingewiesen. Die Print-Ausgabe übernimmt Martha Nussbaums Essay über Katherine Boos Indien-Reportage "Annawadi oder der Traum von einem anderen Leben" (hier das englische Original aus dem TLS). Thomas E. Schmidt schreibt über Angela Merkels Politikstil.

Archiv: Merkur

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New York Review of Books (USA), 21.03.2013

Joshua Hammer schickt eine Reportage aus Mali, wobei er vor allem die Geschehnisse der vergangenen Monate zu rekonstruieren versucht. Nicht sicher ist sich Hammer, ob der Spuk nun tatsächlich vorüber ist: "Die Dschihadisten sind in die Canyons und Dünen der Sahara geflüchtet. Viele werden in den Bergen von Adrar des Ifoghas vermutet, ein nahezu undurchdringliches Gebiet nördlich der kleinen und sehr armen Stadt Kidal nahe der algerischen Grenze. Die Franzosen sagen, dass sie im März mit ihrem Rückzug beginnen wollen und ihre Operation an eine 12.000 Mann starke afrikanische Truppe mit UN-Mandat übergeben wollen. Einige ziehen jedoch die Möglichkeit eines langen Aufstands in Betracht: 'Die Geschwindigkeit, mit der die Franzosen durch die Städte gezogen sind, hat viele Leute überrascht, wir sind gespannt zu sehen, was als nächstes passiert', sagte mir die amerikanische Botschafterin Mary Beth Leonard in Bamako. 'Wenn man die Sache nicht gleich richtig erledigt, muss man sich über das asymmetrische Problem Sorgen machen. Wo wird es auftauchen? In der Pariser Metro? Oder in Bamako?"

Weiteres: Walter Kaiser feiert den Renaissance-Maler Piero della Francesca, dem die Frick Collection in New York eine große Ausstellung widmet. Besonders das Fehlen jedes emotionalen Ausdrucks, die Stille und Strenge rühren Kaiser an und er empfiehlt nachdrücklich einen Essay von Zbigniew Herbert über Piero. Helen Epstein berichtet von Bleivergiftungen, die amerikanische Kinder zum Teil als Testpersonen und unter der wissenschaftlichen Aufsicht der Johns Hopkins Universität erlitten haben. Und der britische Philosoph Colin McGinn stellt freundlich, aber entschieden fest, dass sich Ray Kurzweil mit seinem Buch "How to Create a Mind: The Secret of Human Thought Revealed" etwas übernommen hat.

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Archiv: Magazinrundschau

Düster, aber gesund

19.08.2014. In Wired erklärt Edward Snowden, wie die besten Absichten direkt in die Hölle führen. Nepszabadsag fragt: Soll Imre Kertesz den selben Orden annehmen wie Göring? In Film Comment  will Alexander Sokurow dem Kino mit Literatur aus den Kinderschuhen helfen. Soziale Mobilität gibt es nicht, verkündet der Soziologe Jules Naudet in Les inrockuptibles. The Dissolve freut sich auf den Pepys aus Hollywood. Mehr lesen

Ein weiterer Pfannkuchen

12.08.2014. The Nation porträtiert Alessandro Spina, Chronist des Untergangs des italo-arabisch-ottomanischen Universums. Die London Review wird von einem Stalker verfolgt. Al Ahram fragt: Was wollen die Palästinenser? Im New York Magazine schildert Werner Herzog seine einzige Drogenerfahrung mit Marmelade von Popol Vuh. Bloomberg Businessweek erzählt, wie Tony Blair versuchte, Gaddafis Geld zu verwalten.
Mehr lesen

Der Wille zur Jacht

04.08.2014. Telerama und der New Yorker suchen den Aufstieg über den krummen Pfad. Elet es Irodalom und das San Francisco Magazine freuen sich über die Demokratisierung der Kritik durch das Internet. Harper's Magazine beantwortet die Frage, ob James Joyce Syphilis hatte. MicroMega porträtiert den linken uruguayischen Staatspräsidenten Pepe Mujica als Franziskaner. Medium begleitet Obdachlose zu Tests für die Pharmaindustrie. Pitchfork feiert die Renaissance des Vinyl. Mehr lesen

Der Leser, den ich liebe

29.07.2014. The New Republic jagt einen Sturm namens William T. Vollmann. In der New York Review of Books lernt Jonathan Freedland von Ari Shavit, was linker Zionismus ist. Die London Review of Books porträtiert einen doppelt impotenten Alain Robbe-Grillet. Hairpin porträtiert eine Giftmörderin des 17. Jahrhunderts, die Marquise de Brinvilliers. Pacific Standard fragt: Was ist Ihre DNA wert? Der New Yorker sucht das weibliche Hirn bei Radikalfeministinnen und Trans-Frauen. Mehr lesen

Tutanchamun und der Teacher

22.07.2014. Wenn der Westen sich mit Palästina beschäftigt, beschäftigt er sich meist mit sich selbst, lernt The Nation. Der  spanische Schriftsteller Jorge Carrión besucht für El Pais Semanal die Welthauptstadt der Sekten. Der Guardian sammelt Stimmen schottische Autoren zum Referendum. The Humanist bewundert die neuen Formen Teju Coles. Die Huffington Post analysiert die wahre Identität der Techno-und Elektro-Szene in Paris. Wired verschickt seine Post demnächst nur noch mit Dark Mail. Mehr lesen

So viel Schönheit

15.07.2014. Der Globe and Mail stellt Larry, den Hummer vor. Der Pacific Standard porträtiert die "Organ-Detektivin" Nancy Scheper-Hughes. Fördert Truvada, die "morning-after"-Pille gegen HIV, heißen Sex unter Homosexuellen, fragt das New York Magazine. Die LRB hat wenig Hoffnung für den Irak, etwas mehr für in Brooklyn lebende Literaten. Der argentinische Autor Martín Caparrós besichtigt für El Pais Semanal den größten Tresorraum der Welt für die Superreichen. Selbst Thomas Piketty betrachtet die Ungleichheit durch die Brille des Westens, murrt Le monde diplomatique. Und die NYT betrachtet den Ebookmarkt according to Amazon. Mehr lesen

Spieler ohne Trainer

08.07.2014. Film Comment analysiert den Poliziotteschi, den italienischen Polizeithriller der 60er und 70er Jahre. In Repubblica wartet Roberto Saviano auf den Moment, an dem die Ndrangheta wieder zur Messe geht. Im Guardian feiert Zadie Smith die  eiskalte Präzision J. G. Ballards. Im New Yorker erinnert Héctor Tobar daran, wie vor vier Jahren  über 33 chilenischen Bergleuten die Erde einstürzte.  In Eurozine meint Thomas Piketty: Mehr Wettbewerb ist auch nicht die Lösung. Und die NYT ist froh, kein SEEBÖWE zu sein. Mehr lesen

Noch etwas Allzuwörtliches

01.07.2014. Osteuropa begutachtet die neue russische Kampfpropaganda. In Open Democracy erklärt Nadja Tolokonnikowa rechten und linken Anhängern Putins: Menschenrechte sollten nicht nur im Westen gelten. Der Merkur bittet, zwischen digitaler Literatur und Netzliteratur zu unterscheiden. Eurozine untersucht Film als Metapher. Die NYRB erklärt, warum die Stärkung von Konsumentenrechten eine Stärkung Amazons zur Folge hat. Atlantic denkt über Afghanistan nach Karzai nach. Und Tablet porträtiert BHL als homme d'honneur. Mehr lesen

Kritikimmuner Springteufel

24.06.2014. Der Hollywood Reporter porträtiert den schwedischen Regisseur Malik Bendjelloul, der vor wenigen Wochen Selbstmord beging. Der New Yorker zertrümmert die Diskontinuitätstheorie. Im Guardian erklärt Will Self den Verwandtschaftsgrad von neolithisch und neoliberal. In Valleywag erklärt Lawrence Lessig, warum Silicon Valley im Moment ein guter Bündnispartner ist. Der Rolling Stone bestaunt den Nipster. Wired sagt Servus zur Netzneutralität. Und die NYT fragt: Thirtysomethings, wollt ihr ewig bei euren Eltern leben? Mehr lesen

Das Gehirn in Technicolor

17.06.2014. La vie des idees fragt: Hat Musik eine Farbe? Ohne Gott keine universalen Werte, bescheinigt John Gray im New Statesman Kenan Malik. Tin House besucht den Special-Effects-Künstler Tom Savini. Die LRB feiert Polke, die NYRB feiert El Greco, der Howler feiert den Torwart. Der Guardian setzt den großen Säuferinnen der Literaturgeschichte ein Denkmal. Immerhin kann man es mit Drogen auch mit 90 Jahren noch zum Millionär bringen, erzählt die New York Times. Mehr lesen

Hack es durch

11.06.2014. William T. Vollmann feiert den irakischen Autor Hassan Blasim in Bookforum als Meister des außerordentlichen Grauens. In der Paris Review denkt Karl Ove Knausgaard beim Anblick eines Genicks an Mord. Den Guardian gruselt die Umsetzung sarrazinscher Eugenik in China. Eurozine beklagt den Verfall der brasilianischen Architektur. La vie des idees spielt um einen Job bei L'Oreal. Mehr lesen

Niemals peinlich

06.06.2014. Die NYRB überlegt, wer alles Schuld ist am wachsenden Terrorismus in Afghanistan. Im New Statesman erinnert John Gray an Maos Freunde in der akademischen Welt. Der New Yorker porträtiert den englischen Schriftsteller Edward St. Aubyn. Rue89 widmet sich den neuen Porn Studies. In der LARB beschuldigt Muhammad Idrees Ahmad Seymour Hersh, im Falle Syriens profaschistischer Propaganda aufgesessen zu sein. In Eurozine erklärt Peter Sloterdijk, warum es in Deutschland keine digitale Kompetenz gibt. Mehr lesen

Atonale Geschichtsschreibung

30.05.2014. Der New Yorker begibt sich unter die israelischen Expats in Berlin. Rue 89 denkt über Open Source in der Medizin nach. Bloomberg Businessweek hört "Stairway to Heaven" von Randy California. Der spanischsprachige Buchmarkt gehört den Deutschen, meldet die Revista Anfibia. Elet es Irodalom sucht nach der Zwölftontechnik der Geschichtsschreibung. Die New York Times sorgt sich um unseren von Hackern bedrohten Vagusnerv. Im Guardian erklärt der Juraprof Eben Moglen: Der Kampf gegen Massenüberwachung ist so legitim wie der Kampf gegen die Sklaverei. Mehr lesen

So wurde Rebellion zur neuen Mitte

23.05.2014. Salon erledigt den Nonkonformismus mit Normcore. Berlusconi ist für Matteo Renzi, was Thatcher für Blair war: ein Vorbild, notiert die London Review of Books. Die Zeit versucht in der Ostukraine eine prorussische Demo zu begleiten. The New Republic erklärt, wie Putin das russische Internet kaputt macht. Die Jerusalem Post spendiert dem Prinzen Fahd bin Sultan bin Abdul Aziz Al Saud eine Portion Viagra. Im Spiegel schreibt Cordt Schnibben über seinen Vater, den Werwolf. Das New York Magazine überlegt, warum die Chefredakteurin der New York Times Jill Abramson gefeuert wurde. Mehr lesen

Ungebändigte Improvisation

16.05.2014. The New Republic schickt eine Reportage vom Bürgerkrieg in der Zentralafrikanischen Republik. Warum haben deutsche Jungjournalisten keine Ahnung vom Netz, fragt Lousy Pennies. GQ übt Lachen für Hollywoodchefs. Im TLS bewundert Julian Barnes die Negativa Simenons. Mosaic erklärt, warum Tiere beim Winterschlaf keinen Herzinfarkt erleiden. La vie des idees reist nach Mekka. Mehr lesen

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