Bücherschau der Woche

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Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Magazinrundschau

Bringt mir die Kosmologen!

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.

19.02.2013. In La vie des idées erklärt Timothy Snyder den Historikerstreit für erledigt. In The New Republic fragt Ian McEwan, warum er sich für irgendeinen Henry interessieren soll. Die Global Mail beschreibt die grauenvollen Hexenjagden in Papua-Neuguinea. In Syrien macht jeder seinen eigenen Aufstand, seufzt die LRB. Gibt's diesmal auch Frauen, fragt Wired angesichts der geplanten neuen Star-Wars-Folgen. Bloomberg warnt vor chinesischen Hackern. Im Espresso geißelt Roberto Saviano die italienischen Konservativen. In der NYT lassen junge Republikaner aus ähnlichen Gründen die Köpfe hängen.

La vie des idees (Frankreich) , 15.02.2013

Bild zum ArtikelLa Vie des idees präsentiert ein höchst interessantes Dossier über Timothy Snyder und die Rezeption seines Buchs "Bloodlands", das inzwischen in viele - auch osteuropäische - Sprachen übersetzt ist. Jacques Semlin beschreibt die zahlreichen Reaktionen bekannter Historiker auf das Buch - kaum jemand hat nicht dazu geschrieben, und kaum jemand, so scheint es, lässt ein gutes Haar daran. Offenbar ein prägendes Buch! Einer der Gründe ist wohl, dass er von keiner nationalen Perspektive zu vereinnahmen ist: "Snyder gelingt diese intellektuelle und moralische Leistung, weil er viele osteuropäische Sprachen beherrscht und somit aus den Arbeiten von neuen Historikern dieser Länder schöpfen konnte, die nicht ins Englische übersetzt sind. Snyder ist also ein Wissensvermittler, ein außergewöhnlicher 'Weitererzähler' dieser Massenhinrichtungen. Er schafft eine neue erzählerische Synthese, daher der Eindruck des 'Neuen' bei seinen Lesern - auch solchen, die glaubten, mit diesen Tragödien vertraut zu sein."

Im Interview mit Thomas Grillot und Jacques Semlin geht Snyder ausführlich auf die Kritiken ein und findet auch viele kritische Worte für deutsche Historiker, die seiner Meinung nach viel zu oft nicht in der Lage sind, die Quellen im Original zu lesen. Den Historikerstreit sieht er unter anderem durch sein Buch als erledigt an: "Es war eine nationalistische Debatte, in der Nolte nach einer Entschuldigung für Deutschland suchte; aber die Leute auf der Gegenseite waren oftmals auch sehr nationalistisch, auch wenn sie in einem anderen Ton sprachen. Habermas' Position war: Wie auch immer die historische Wirklichkeit aussieht - und er kannte sie schlecht - das Ziel der Geschichte ist es, das deutsche Volk von heute zu belehren. Das hieß, dass er als Intellektueller die Macht hatte zu sagen, welche Geschichte nützlich sei und welche nicht."

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The New Republic (USA) , 25.02.2013

Bild zum ArtikelDann und wann, genauer: immer zwischen zwei Büchern, verliert Ian McEwan den Glauben an die Literatur. Warum, fragt er sich dann, soll er sich für die Gefühle und Kämpfe irgendeines erfundenen Henry interessieren? "In diesen Momenten denke ich, ich werde sterben ohne Anna Karenina zum fünften Mal gelesen zu haben oder Madame Bovary zum vierten Mal. Ich bin 64. Wenn ich Glück habe, bleiben mir noch zwanzig gute Lesejahre. Lehrt mich etwas über die Welt! Bringt mir die Kosmologen, die über die Erfindung der Zeit schrieben, die Chronisten des Holocaust, den Philosophen, der sich den Neurowissenschaften zugewendet hat, den Mathematiker, der einem Strohkopf die Schönheit der Zahlen beschreiben kann, den Forscher über Entstehung und Fall von Imperien, die Kenner des Englischen Bürgerkriegs. Abgesehen von einigen weit auseinanderliegenden Vergnügungen, was habe ich oder weiß ich am Ende eines weiteren Romans über Henrys Reue oder Triumpf?" Schade, dass McEwan die Frage nicht weiterdenkt, sondern dann doch schnell in die Kuhwärme der Literatur zurückflüchtet.

Fast dreißig Jahre, nachdem Philip Larkin den Tod des Essays verkündet hatte, erscheinen mehr Essaybände als je zuvor. Aber sind es wirklich Essays? Adam Kirsch beugt sich kritisch über die neuen Bücher von Davy Rothbart, Sloane Crosley und ihr Vorbild David Sedaris und stellt fest, dass sie eher Humoristen sind, die "kurze, lustige Klatschgeschichten darüber erzählen, was ihnen alles für merkwürdige Dinge passiert" sind. Dafür erfinden sie, so Kirsch, ein fiktionales Alter Ego, das ihren Namen trägt und sich nett idiotisch benimmt. Kirsch geht das auf die Nerven. Er empfiehlt als Antidot Sheila Hetis Roman How Should a Person Be?: "Wo die neuen Essayisten die Realität fiktionalisieren, um ein Image aufzubauen, benutzt Heti angeblich reale Menschen und sogar Dokumente - Emails, mitgeschnittene Unterhaltungen - um das klassische fiktionale Projekt des Bildungsromans, die Bildung eines genuinen Selbsts, zu forcieren. Die Ernsthaftigkeit ihrer Suche wird belegt durch ihre Bereitschaft, ihrer Romanfigur 'Sheila Heti' zu erlauben, wirklich - nicht lustig - grandios, dumm und narzisstisch zu sein, wie es ein konventioneller Essayist sich niemals trauen würde."

Außerdem: David Thomson verreißt "Side Effects", den letzten Film von Steven Soderbergh, den er generell völlig überschätzt findet. In der Titelgeschichte "The Republicans. Party of White People" blickt Sam Tenenhaus zurück auf eine Zeit, als die Republikaner größere Anhänger von affirmative action für Minderheiten waren (das schließt den Bürgerkrieg ein) als die Demokraten und damit auch erfolgreicher.

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Elet es Irodalom (Ungarn) , 15.02.2013

Bild zum ArtikelIn den vergangenen zwei Jahren ist das System der "checks and balances" in Ungarn von der Regierung erheblich geschwächt worden. Bürgerrechtsinitiativen und andere Organisationen wandten sich daher verstärkt an internationale Foren wie an die EU und den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR), dem auch materielle Sanktionen gegen ein Land offen stehen - wie etwa im Fall der (politisch bedingten) Massenentlassung von ungarischen Richtern. Allerdings kann das Individualbeschwerdeverfahren des EGMR lediglich individuelle Rechte garantieren, nicht aber ein demokratisches Funktionieren des Staatssystems der Mitgliedsländer einfordern. Dennoch hält der Rechtsanwalt und Leiter des ungarischen Helsinki-Komitees, András Kristóf Kádár, die Urteile des EGMR für ein nützliches Mittel im Kampf gegen den Abbau des Rechtsstaats: "Ob es sinnvoll war, in diesen Angelegenheiten den EGMR anzurufen - wenn man doch wusste, dass die größeren gesellschaftlichen und rechtspolitischen Zusammenhänge dieser Entlassungswelle in der Entscheidung des Gerichts nicht angesprochen werden können? Meine Antwort ist: Ja. Denn darüber hinaus, dass das individuelle Recht von Opfern eines vermutlich politisch bedingten, massenhaften Grundrechteverstoßes auch unabhängig vom weiteren Kontext geltend gemacht werden muss, hat der juristische Vorstoß auch eine symbolische Bedeutung. Er macht der Öffentlichkeit bewusst, dass die Entlassungen unrechtmäßig waren, und er vermittelt den Eindruck, dass sich der Einzelne auch in solch einer asymmetrischen Situation für sein Recht einsetzen kann, was sich wiederum positiv auf das Ethos der im öffentlichen Dienst verbleibenden Mitarbeiter auswirken und den zerstörerischen Effekt der Massenentlassung ein wenig abmildern kann."

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Twitterfeed der Verlage

Global Mail (Australien) , 15.02.2013

Bild zum ArtikelJo Chandler beschreibt die absolut grauenvollen Hexenjagden, die seit einiger Zeit in Papua-Neuguinea zunehmen und denen zumeist Frauen zum Opfer fallen: "Der Anthropologe Dr. Richard Eves von der National Universität Australien ist ein Spezialist für Papua Neuguinea, der im Juni eine Konferenz zu dem Thema in Canberra veranstalten wird. Es ist ein Glaubenssatz in der anthropologischen Literatur, sagt er, dass Verfolgungen wegen Zauberei und Hexerei in einer Gesellschaft abnehmen, je moderner sie wird. So war es in Europa und Nordamerika. Aber in Melanesien, und besonders in Papua-Neuguinea, scheint das nicht der Fall zu sein. Statt dessen weisen Berichte darauf hin, dass an einigen Orten Traditionen in etwas Bösartigeres, Sadistischeres, Voyeuristischeres ausarten: Angefacht durch ein starkes Gebräu aus Alkohol und Drogen, durch die wütende Verzweiflung der verlorenen Jugend, durch den Umbruch der sozialen Ordnung im Gefolge schneller Entwicklung und durch die aufgeladenen Unternehmen, die Bodenschätze erschließen; durch die Ankunft einer Geldwährung und die Eifersüchteleien, die damit einhergehen; durch die ländliche Verzweiflung über brache Straßen, durch Schulen und Gesundheitssysteme, die Frauen aus ihrem traditionellen Schweigen reißen, und durch Männer, oft bitter, brutal, gekränkt, die versuchen, ihren Platz in einer sich ändernden Welt zu finden." (Der Artikel ist mit entsetzlichen Fotos von misshandelten Frauen bebildert.)

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Magyar Narancs (Ungarn) , 31.01.2013

Bild zum Artikel Die ungarische Debatte über den Nutzen einer zeitgenössischen politische Dichtung im vergangenen Jahr hielt der Dichter, Dramatiker und Schriftsteller János Térey für unproduktiv und langweilig (mehr dazu hier und hier). György Vári fragte ihn, weshalb er sich mit der politischen Lyrik (oder mit diesem Begriff) schwer tut, wo sich doch in seinen Werken zahlreiche Hinweise auf tagespolitische Ereignisse finden lassen: "Ich kann keine einzige Zeile nur deshalb schreiben, weil ich diese oder jene Partei mag oder verabscheue, oder weil ich meine Kollegen oder Gesinnungsgenossen zufriedenstellen will. Wenn einem Schriftsteller sein Ministerpräsident sehr wichtig ist, so sollte er ein Buch über ihn schreiben. ... Ich halte es jedoch für durchaus denkbar, dass die Karriere des [jetzigen Ministerpräsidenten] Viktor Orbán zu einem der größten Themen der ungarischen Dramenliteratur werden wird. Was derzeit mit uns geschieht, hat womöglich eine ziemlich große Bedeutung. Bei ihm sind großes Format und wichtige Handlungen gegeben, gleichzeitig aber auch deren umstrittene Beurteilung, Konflikte, Sieg, Scheitern und erneuter Aufstieg." 

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The New Yorker (USA) , 25.02.2013

Bild zum ArtikelIn einem hochamüsanten und informativen Artikel schreibt Lauren Collins über den Streit Depardieus mit seinen Landsleuten und über das zwiespältige Verhältnis der Franzosen zu Kapitalisten: Auch oder gerade die egalitär Denkenden unter ihnen haben mehr Sympathie für den Erben als für den Unternehmer, der sich aus eigener Kraft von ganz unten nach oben gearbeitet hat. Wie Depardieu, der aus Wut über die angekündigte Steuererhöhung für Einkommen über 1 Million seine Flucht nach Belgien angekündigt hatte. "Minable", erbärmlich, nannte das Premierminister Jean-Marc Ayrault. "Laut Nouvel Observateur war minable ein 'Schlag ins Gesicht' - 'ein Wort, das ganz allein' alle Unsicherheiten Depardieus erweckte und ihn von einem Nationaldenkmal zurückverwandelte in den Pétarou (kleinen Knallfrosch), den Sohn eines 'analphabetischen Proleten' aus dem Hinterland von Chateauroux, bekannt für seine 'Fürze, seine Kopfnüsse, seine Kleinkriminalität.' Das Magazin weiter: 'Minable. Damit wurde alles ignoriert, was er aufgebaut hat, allein, mit eigener Hand, seine hundertsiebzig Filme und Meisterwerke, sein ständig wachsendes Imperium aus Imobilien, Statuen, Kunstwerken, Weingütern, Geschäften, Bistros ... Es machte vergessen, was all das stützte, seine Kultur, gespeist aus dem Hunger für Literatur, seine leidenschaftlichen Freundschaften mit Barbara, Jean Carmet, Françoise Sagan, Marguerite Duras und den Latinisten André Mandouze, der ihn St. Augustin entdecken ließ.'"

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London Review of Books (UK) , 21.02.2013

Bild zum Artikel"Wir im Nahen Osten hatten schon immer eine deutliche Neigung zu internen Grabenkämpfen", seufzt Ghaith Abdul-Ahad in seiner Reportage aus Syrien, wo der Aufbau einer nicht nur formal, sondern wirklich geschlossenen Armee gegen Assad eine Sache der Unmöglichkeit scheint:  "Selbst noch gemessen an vorherigen Bürgerkriegen im Nahen Osten haben die Syrer diesbezüglich ein neues Niveau erreicht." In Syrien hätte die Autoritäten "in jeder Hinsicht Macht über das Leben der Menschen ausgeübt. Man verbrachte sein ganzes Leben damit, von ihnen nicht gedemütigt (oder festgenommen, gefoltert und entführt) zu werden, während man sie gleichzeitig umschmeichelte, bestach und sie um das Notwendigste anbettelte ... Und als dieses Kontrollsystem kollabierte, explodierte etwas in den Köpfen der Leute, ein lang verdrängter Sinn für den Individualismus. Warum sollte ich mich deiner Autorität als Kommandeur beugen, wenn ich mein eigener Kommandeur sein und meinen eigenen Aufstand ausfechten kann? Viele der über die syrische Provinz verstreuten Bataillone bestehen aus gerade einmal einem Mann mit einer Verbindung zu einem Finanzier, dazu noch ein paar Cousins und Sippenangehörige."

Bookerpreisgewinnerin Hilary Mantel denkt über königliche Körper nach und zielt dabei geradezu vernichtend gegen Kate Middleton, die sie "schmerzhaft dünn" findet, mit einem "perfekten Plastiklächeln", "entworfen, um manierlich zu gebären".

Bild zum ArtikelAußerdem: Michael Wood schaut Kathryn Bigelows umstrittenen Film "Zero Dark Thirty", den er als "Geschichte einer Frau in einer Männerwelt" deutet: "Visuell kommt Bigelow immer wieder auf die Genderstruktur dieser Welt zurück: Die zierliche, rothaarige Frau inmitten einer Menge von Männern in Hemd und Krawatte - und später inmitten einer Meute vierschrötiger Navy Seals, die ihre Macho-Selbstporträts besonders dick auftragen." David Runciman liest ein neues Buch über die Profumo-Affäre in den frühen 60ern und Julian besucht eine Manet-Ausstellung in der Royal Academy (im Bild: "Madame Manet im Konservatorium", 1879).

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Wired (USA) , 12.02.2013

Bild zum ArtikelNach den Nachrichten, dass Disney "Star Wars" übernimmt und J.J. Abrams den ersten Film der neuen Reihe drehen wird, sind die Geeks von Wired ganz und gar dem Sternenfieber verfallen und widmen einen großen, kurzweilig nerdigen Themenschwerpunkt George Lucas' Space Opera. Laura Hudson bringt immerhin eine kritische Notiz unter: Wie kann es sein, dass sich in der klassischen Filmtrilogie mit Prinzessin Leia nur eine einzige Frauenfigur von Belang (sonst gibt es nur Kurzauftritte zweier weiterer Frauen, die überhaupt Text haben) findet? "Wenn einem die Abwesenheit von Frauen in 'Star Wars' (oder in Filmen überhaupt) niemals aufgefallen ist, ist man selbst der beste lebende Beweis, dass die begrenzenden Narrative in Kultur und Medien unsere Erwartungshaltung bis auf einen Punkt runterkochen können, dass einem schon die Präsenz einer einzigen Frau inmitten eines Ensembles von einem Dutzend männlicher, denkwürdiger Figuren wie perfekte Gleichberechtigung erscheint. Nach einer Studie des Zentrums für Frauenstudien in Film und Fernsehen kommen Frauen bloß auf 33 Prozent der Rollen in den Top 100 Hollywoodfilmen des Jahres 2011. Wenn es um Hauptfiguren geht, sind Frauen sogar noch um einiges deutlicher unterrepräsentiert: Hier kommen sie auf gerade einmal 11 Prozent." Hoffnungen setzt sie immerhin darauf, dass die neuen Filme Impulse aus dem "erweiterten Universum" aufgreifen, das sich in zahlreichen Büchern, Comics und Computerspielen um "Star Wars" gebildet hat und in dem es vor starken Frauenfiguren nur so wimmelt. Außerdem erfahren wir von Spencer Ackerman, warum sich die Schlacht um Hoth aus "Das Imperium schlägt zurück" nur als militärisch peinliches Debakel zu begreifen ist, wofür er an dieser Stelle reichlich Widerspruch erntet.

Abseits der Galaxie "far, far away": Neal Pollack hat die Zukunft des Fernsehens entdeckt - und zwar in den Videos von Machinima-Netzwerk, das ursprünglich ästhetisch modifizierbare Computerspiele und deren Gameplay-Aufnahmefunktion dafür nutzte, um kollaborativ kleine und größere Spielfilme zu drehen (hier ein Beispiel für einen deutschsprachigen, mit "World of Warcraft" gedrehten Fantasyfilm), und mittlerweile auch mit echten Darstellern dreht. Daniel Engber gruselt sich im Plastinarium des Dr. von Hagen und Jeff Howe spricht mit Clayton Christensen über Dilemma und Zukunftspotenzial des Kapitalismus (das dieser bereits in den New York Times angesprochen hat).

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L'Espresso (Italien) , 14.02.2013

Bild zum ArtikelRoberto Saviano denkt in seiner immer wieder lesenswerten Kolumne in L'Espresso über die Tabus des italienischen Wahlkampfs nach. "Nach Frankreich hat auch das britische Parlament Ja zur Schwulenehe gesagt. Auch wichtige Exponenten der Tories haben dem Gesetzesvorschlag zugestimmt. Da stellt sich natürlich die Frage, wann denn die italienischen Konservativen so liberal sein werden. Hier ist in den Wahldebatten weder von Schwulenehe, noch von Kindesoptionen durch gleichgeschlechtliche Paare, noch von Adoptionen durch Singles die Rede gewesen. Auch über Sterbehilfe, die Zustände in den Gefängnissen und Legalisierung von Drogen wurde nicht gesprochen. Als sei die Eroberung 'neuer' Rechte weniger fundamental als die ökonomischen Themen. Aber das ist falsch."

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Bloomberg Businessweek (USA) , 14.02.2013

Bild zum ArtikelSpätestens seit den Ende Januar bekannt gewordenen Angriffen auf die New York Times, die Washington Post und Twitter sind chinesische Hacker ein Thema. Dune Lawrence und Michael Riley lassen sich von dem Malware-Spezialisten Joe Stewart über das Ausmaß der Attacken aufklären: "Ermittler vermuten, dass viele, wenn nicht sogar die meisten der Hacker dem Militär angehören oder ihre Befehle von den zahlreichen chinesischen Geheim- und Überwachungsdiensten beziehen. Grundsätzlich, sagen sie, seien die Angriffe zu organisiert und aufwendig um das Werk von Selbständigen zu sein. Von WikiLeaks veröffentlichte Diplomaten-Depeschen verknüpfen die Hacker-Attacke auf Google mit Funktionären des Politbüros, und der US-Regierung liegen schon lange Hinweise für eine Verbindung der Hacker mit der Volksbefreiungsarmee vor. Diese Beweise sind jedoch nicht öffentlich, und die chinesischen Behörden bestreiten seit Jahren jegliche Beteiligung."

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El Pais Semanal (Spanien) , 17.02.2013

Auch Javier Cercas hat den Eindruck, dass sich in Spanien jetzt ganz schnell grundlegend etwas ändern muss: "Ich bin jetzt 50 Jahre alt und gehöre zu einer Generation, die die Franco-Diktatur noch erlebt hat und genau weiß, wonach die roch, denn das vergisst man nicht: Nach Kacke. Deshalb hat unsereins auch Lust, wenn mal wieder irgendein Schlaumeier behauptet, es gebe keinen Unterschied zwischen Diktatur und Demokratie, den Betreffenden mit einem Tritt in den Hintern nach Pjöngjang zu befördern. Soll heißen: Wer wie wir unter einer Diktatur geboren wurde, wird leicht zu einem fundamentalistischen Demokratie-Dschihadisten. Unser größtes Laster dabei ist unsere Neigung, das Funktionieren der Demokratie schon für Demokratie zu halten. Weshalb viele auch mit krampfhaftem Zweckoptimismus behaupten, dass die Medien regelmäßig Skandale aufdecken, beweise doch, dass wir in einer Demokratie leben. Aber inzwischen wirkt das irgendwie lächerlich: Ja, wir wissen, dass es Korruption gibt - aber keineswegs, wie weit diese tatsächlich reicht, wie viele Politiker wirklich darin verwickelt sind, und so weiter. Letztlich ist es jedenfalls mittlerweile so weit, dass es hierzulande durchaus wieder nach Kacke riecht."

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The New Inquiry (USA) , 13.02.2013

Bild zum ArtikelEs ist schon seltsam, meint Adrien Chen, der einige gute Freunde im Internet kennengelernt hat, wie anrüchig diese Art von Freundschaften heute erscheint. Wer will schon Fremde kennenlernen? Die kennt man doch gar nicht! Das können nur Perverse oder "Ersatzfreunde" sein. Facebook wollte dieses Problem lösen, indem es seinen Nutzern Austausch nur im vertrauten Kreise erlaubt. Aber das ist gerade nicht der Sinn des Internets, meint Chen. "Der Computerwissenschaftler J.C.R. Licklider sagte 1968 zusammen mit Robert W. Taylor in einem Papier das Internet voraus: 'Der Computer als Kommunikationsmittel'. Er stellte sich für die Zukunft vor, dass Kommunikation in einem Netzwerk von lose verknüpften 'interaktiven online-Communities' stattfinden würde. Aber er sagte auch voraus, dass 'das Leben des Online-Individuums glücklicher sein würde, weil es diejenigen, mit denen es kommuniziert, viel stärker wegen gemeinsamer Interessen und Ziele aussuchen würde und nicht durch Zufall oder Nähe.' Die Möglichkeit, sich online mit denen zu verbinden, die man besonders anregend findet, würde zu echteren Banden führen als in Beziehungen in der realen Welt, die durch Nachbarschaft und soziale Klasse vorherbestimmt sind."

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The New York Times (USA) , 18.02.2013

Bild zum ArtikelIn einer lebendigen Reportage für's NYT Magazine erzählt Robert Draper, wie deprimiert die Stimmung nach der verlorenen Wahl bei jungen Republikanern ist. Nicht nur, weil keiner der Alten kapiert, wie vorsintflutlich ihr Wahlkampf war, der die digitalen Medien ignorierte: "Viele digitale Spezialisten der GOP erzählten mir, dass es schwierig sei, überhaupt technisches Talent zu rekrutieren wegen der Werte, die die Partei vertritt. 'Ich kenne eine Menge Leute, die mit Technologie ihren Lebensunterhalt verdienen', sagt Turk. 'Und praktisch alle haben sie eine libertäre Ader - Information soll frei sein, mach dein eigenes Ding und lass mich meins machen, diese Art von Denken. Genau so, wie das Internet eben auch ist. Und fast jeder, mit dem ich gesprochen habe, sagt: 'Yeah, ich würde vielleicht die Republikaner wählen, aber ich komme einfach nicht über dieses Nein zur Schwulenehe, ihre Einstellung zu Abtreibung und all diese sozialen Streitpunkte.' Fast durch die Bank weg sehen sie eine Zukunft voraus, in der man mehr Wahlmöglichkeiten haben wird, nicht weniger. Diskussionen darüber, ob man die Person heiraten können soll, die man heiraten möchte, schlagen dieser Zukunft ins Gesicht."

Außerdem: Emily Earkin schreibt über den umstrittenen amerikanischen Anthropologen Napoleon Chagnon. In der Book Review gehts u.a. um das neue Buch von Chagnon, "Noble Savage", Bücher über die amerikanischen Präsidenten Lincoln, Coolidge und Nixon, eine Jane-Austen-Biografie von Paula Byrne und Kurzgeschichten von Ludmilla Petruschewskaja.

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Archiv: Magazinrundschau

Ein Puzzle im Dunkeln

19.04.2014. The Nation beschreibt, wie Künstler sich immer eifriger in Historiker verwandeln. Michel Houellebecq entpuppt sich in Le Point als Größenwahnsinniger. In Osteuropa erzählt Jörg Baberowski, wie der Zar Russland im Ersten Weltkrieg in einen unkontrollierbaren Gewaltraum verwandelte. Die NYRB blickt ins trostlos korrupte Uganda. In Telerama hofft Maïssa Bey in Algerien noch auf einen Wandel. Die NYT hört den Motherless Child Blues. Mehr lesen

Alles sündig Freudvolle

11.04.2014. In der London Review of Books erklärt Seymour Hersh, warum die türkische Regierung für den Giftgaseinsatz in Syrien verantwortlich sein könnte. Nautilus beleuchtet die Geschichte und Zukunft des künstlichen Lichts. In Eurozine erklärt Karl Ove Knausgård, wie er schreibt und welche Bedeutung sein Lektor hat. Le Monde untersucht die Dynamik des Völkermords. Der New Yorker liest vegetarische Kochbücher. Mehr lesen

Allegorien der Liebe

04.04.2014. Die NYT entdeckt die französische Küche neu. Die LRB besucht Veronese. Eurozine dokumentiert die Gender-Diskussion in Polen. Der Merkur erzählt die Geschichte des weißen südafrikanischen Antiapartheidkämpfers Edward Vincent Swart. La vie des idées beobachtet die Rückkehr des biologischen Rassekonzepts. Vanity Fair bringt eine Reportage über die größte Privatarmee der Welt, die G4S. Mehr lesen

Poesie und Transzendenz

28.03.2014. Die Huffington Post begutachtet den Wahlerfolg des Front National in Frankreich. Im Guardian erklärt Chimamanda Ngozi Adichie den Unterschied zwischen westlichem und afrikanischem Sexismus. In Eurozine denkt Kenan Malik über sakrale Kunst nach. Die NYRB begibt sich auf Containerschifffahrt. Das TLS walkt eine Toga. Und der New Yorker fragt, was eigentlich bei der Belagerung von Waco 1993 schief ging. Mehr lesen

Als Denker befreit

21.03.2014. Walter Benjamin lebt - jedenfalls in Frankreich und den USA, melden Le Monde und der Chronicle. Der New Yorker präpariert die zersetzende Wirkung des Dekonstruktivismus am Beispiel Paul de Mans heraus. Im SZ Magazin singt der Videokünstler Matthew Barney ein Loblied auf den Widerstand. Elet es Irodalom hat ein Problem mit dem von der jüdischen Gemeinde Ungarns geplanten Haus des Zusammenlebens. Krieg ist kein Würzmittel für Mittelstandsgeschichten, knurrt The New Republic Lorrie Moore an. Mehr lesen

Das Land der sauberen Hände

14.03.2014. Mario Vargas Llosa erklärt in El País die Wut der Protestler in Venezuela. Der New Yorker rollt nach 40 Jahren den Mord an Kitty Genovese wieder auf. New Yorks Hipster werden von Darwin eingeholt, meldet Slate.fr: Anpassung ist die neue Abhebung. Marcel Ophüls erzählt in Les Inrocks, weshalb Spielfilme befriedigender sind als Dokumentationen. Und Men's Journal berichtet von Chinas boomendem Elfenbeinmarkt. Mehr lesen

Zurück in die Petrischale

07.03.2014. Elet es Irodalom muss hören, wie im ungarischen Radio die Demonstranten in Kiew als "Heckenschützen" und "Terroristen" beschrieben werden. Im Merkur empfiehlt András Bruck den ungarischen Liberalen etwas weniger Kultiviertheit. In der New York Review of Books stellt Timothy Snyder klar, dass Janukowitschs Oligarchen das reaktionäre Regime bildeten, vor dem die russische Propaganda so gern warnt. Slate begutachtet Vampire als Rockstars. In artechock geißelt Rüdiger Suchsland am Beispiel der Beltracchi-Doku das auf den Hund gekommene Selbst­ver­s­tändnis deutscher Kritiker. Mehr lesen

Anonymer, göttlicher Unbekannter

28.02.2014. In The Intercept erklärt Glenn Greenwald, wie die NSA gezielt den Ruf von Kritikern zerstört. La vie des idees betrachtet einen Fotoband über den stalinistischen Terror. The New Republic fühlt sich unwohler vor den Bildern der Futuristen. In Eurozine empfiehlt David Runciman eine Koordinierung der nationalen Wahlen in Europa. In der Boston Review erzählt der Journalist Uki Goñi, wie er mit einem Nonnenmörder die Nacht durchtanzte. Mehr lesen

Die Leute wollen Brot, Würde und Freiheit

21.02.2014. Keine Region hat unter Hitler und Stalin so schwer gelitten wie die Ukraine, erläutert Timothy Snyder in Télérama. Mac McClelland berichtet im Magazin der NYTimes aus einem türkischen Lager für syrische Flüchtlinge. In Guernica erklärt Masha Gessen, warum sie aus Russland ausgewandert ist. Nepszabadsag informiert über die Kontroverse über das ungarische Holocaust-Gedenkjahr. Und Chapati Mystery präsentiert pakistanischen Rap. Mehr lesen

Braten und Schnaps

14.02.2014. Bei edge.org schlägt Kevin Kelly Transparenz für alle vor, auch für die NSA. Die NYT schildert die letzten Tage Philip Seymour Hoffmans. Bei Eurozine beschreibt Volodymyr Yermolenko das Paradox im Herzen der ukrainischen Rebellion. Der New Statesman besucht eine Ausstellung über die Arbeiter-Spartakiade. Mediapart sucht 50 Millionen Euro von Gaddafi und findet sie bei Sarkozy. In Aeon philosophiert Aaron Ben-Zeev über die romantische Liebe. Mehr lesen

Ein zweiter Martini

07.02.2014. Berlinalebedingt kommt die Magschau ein bisschen später als sonst - pardon! In der LRB schildert die Historikerin Barbara Taylor die Zeitlosigkeit der Verzweiflung in psychiatrischen Krankenhäusern. In Nepszabadsag erklärt der Philosoph Gáspár Miklós Tamás, warum er die metaphorische Geografie von "Westen" und "Osten" ablehnt. in Eurozine begibt sich Stephan Ruß-Mohl auf die Suche nach der europäischen Öffentlichkeit, findet sie aber nicht. Die New Republic zerreißt Benjamin Britten, aber nicht ganz. Und Atlantic zieht am Männerbart. Mehr lesen

So etwas wie ein Wunderkind

31.01.2014. Washingtonian sucht den Mörder von Daniel Pearl. n+1 hört boeremusiek. Im Merkur macht Horst Meier kurzen Prozess mit dem Verfassungsschutz. In Vice erzählt Moe Tucker, wie sie das Trommeln lernte. Der Guardian schildert den Krieg Putins gegen die Moderne. Das New York Magazine trifft Chen Guangbiao, möglicherweise eines Tages Besitzer der New York Times. In Eurozine beharrt Jason Wilson darauf: Es gibt nicht für jedes Problem eine Lösung. Mehr lesen

Englishness ist eine Praxis

27.01.2014. In Elet es Irodalom protestieren 26 Historiker gegen ein geplantes Mahnmal, das an die deutsche Besatzung 1944 erinnern soll. Die LRB beobachtet anerkennend, wie sich die französischen Provinzstädte von Paris emanzipieren. Eurogamer erzählt, wie die Briten mit Monopoly den Zweiten Weltkrieg gewannen. Spiked überlegt, wann Pop das Zeitliche segnete. In der Paris Review erlebt David Cronenberg mit siebzig eine Verwandlung, wie sie Gregor Samsa auch nicht schlimmer widerfuhr. The New Republic lässt kein gutes Haar an Edward Snowden, Glenn Greenwald und Julian Assange. Mehr lesen

Die Scheuklappen der Historiker

14.01.2014. Bloomberg Businessweek erforscht die Welt der Bitcoins. Nationalismus ist Provinzialisierung, ruft Félix de Azúa in El Pais Semanal den katalanischen Politikern zu. Medium verliert sich in den eleganten Zeitlupenvideos Adam Magyars. Buchpreisbindung ist elitär, behauptet in Le Point der Schriftsteller Gaspard Koenig. Gentlemen's Quarterly sucht einen offenen Drogentunnel. In Guernica löst Ari Shavit den Nahostkonflikt in Minischritten. Und Vice erlebt eine Wiederauferstehung als Diamant. Mehr lesen

Der Geist kann tun und sein

07.01.2014. Medium liefert einen kleinen Einblick in die Folgen der Kameraüberwachung in Britannien. In französischen Magazinen kommentieren Pascale Bruckner und Bernard-Henri Levy das geplante Auftrittsverbot für den antisemitischen Komiker Dieudonné. Im Merkur denkt Ernst-Wilhelm Händler über Simmel und die Finanzmärkte nach. Das Boston Magazine untersucht die unrühmliche Rolle des MIT beim Tod von Aaron Swartz. In Commentary schreibt David Gelernter der Kognitionswissenschaft "Das Hirn ist kein Computer" ins Stammbuch. Cabinet feiert den Erfinder des Pfannkuchen-Make-ups, Max Factor. Mehr lesen

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