Bücherschau der Woche

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Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Magazinrundschau

Forensische Romanze

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.

12.02.2013. In Newsweek liest Simon Schama aus den Knochen Richards III. Die Financial Times besucht die Amazon-Sklaven im britischen Städtchen Rugeley. Im New York Magazine erzählt Oscar de la Renta, wie der Schuldeneintreiber von Tennesse Willliams über ihn herfiel. In Salon schreibt Adam Michnik an Michail Chodorkowski. The Nation feiert den Avantgardisten Wiktor Schklowski. In Slate.fr holt uns Michel Serres in die Zukunft zurück. Und in n+1 singt Valery Nugatov ein Liebeslied an die zeitgenössische Kunst.

Newsweek (USA) , 11.02.2013

Bild zum ArtikelDer berühmte Historiker Simon Schama höchstselbst beugt sich für einen ausführlichen Artikel über die Gebeine Richards III.: "Nun liegt uns Richards Geschichte auch so vor, wie seine Knochen sie uns erzählen: als forensische Romanze. Wir sehen nicht nur den tiefen Spalt in seinem Schädel, dort, wo die Hellebarde seinen Helm durchdrang, sondern auch die Male der Verletzungen und Verstümmelungen, die seiner Leiche zugefügt wurden. Es war immer schon bekannt, dass der neue König, Henry Tudor, Richards Leiche für zwei oder drei Tage in Greyfriars Abbey ausstellte, und zwar halb nackt, die untere Hälfte notdürftig mit einem schwarzen Lumpen verdeckt - die ultimative Demütigung für einen König, der in Prachtkostümen paradiert hatte. Die Leiche zeigt auch Einstiche in die rechte Gesäßhälfte, eine weitere Demütigung, und seltsamer Weise fehlen die beiden Füße."

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Financial Times (UK) , 08.02.2013

Die Kohleminen sind zu, dafür hat Amazon jetzt eine riesige Lagerhalle im englischen Städtchen Rugeley gebaut. Hunderte Menschen haben wieder Arbeit. Alles bestens, oder? Eher ernüchternd, stellt Sarah O'Connor fest. Amazon zahlt kaum Steuern und stellt nur wenige der Arbeiter fest ein.  "Für viele war es ein Kulturschock. 'Das Feedback, das wir bekommen, bezeichnet es als eine Art Sklavenlager', sagt Brian Garner, der flotte Vorsitzende des Lea Hall Sozialzentrums und Clubs für Minenarbeiter, eine beliebter Treffpunkt." Vor allem die Arbeitscomputer, die jeder mit sich tragen muss, nerven, "weil sie einem ständig anzeigen, ob man zu langsam oder zu schnell ist. Die Manager können außerdem Nachrichten simsen und Arbeiter auffordern, sich zu beeilen', erklärten einige. 'Die Leute werden ständig davor gewarnt, sich zu unterhalten. Das Management ist sehr darauf bedacht, jede Form von Zeitverschwendung zu unterbinden."

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New York Magazine (USA) , 11.02.2013

Bild zum ArtikelEine Modeausgabe. Der Modedesigner Oscar de la Renta erklärt im Interview, warum er den wegen antisemitischer Sprüche von Dior gefeuerten John Galliano beschäftigt, dass er gern mal Michelle Obama anziehen würde. Und was sich seit seinen Anfängen in der Modeindustrie verändert hat: So konnte er 1963 für 150 Dollar ein Apartment  in einem Brownstone mieten. "Ich war begeistert - auch, weil der Nachbar über mir Tennessee Williams war. Aber mein Apartment wurde zu einem Albtraum. [Williams] suchte sich die schlimmsten Typen auf der 42nd Street - als die noch wirklich gefährlich war. Eines nachts, ich schlief schon, brach ein riesiger Klotz bei mir ein und stürzte sich auf mich. Gott sei Dank konnte ich ihn loswerden. Er sagte, er sei von der Telefongesellschaft."

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Salon.eu.sk (Slowakei) , 04.02.2013

Bild zum ArtikelSalon hat einen langen Brief Adam Michniks an Michail Borissowitsch und Michail Chodorkowski aus der Gazeta Wyborcza ins Englische übersetzt. Michnik schreibt hauptsächlich über Chodorkowskis Autobiografie, die ihn beeindruckt hat. Etwa, dass Chodorkowski bei den Komsomolzen war. Für den jungen Michnik konnten das nur entweder Verfechter der Diktatur oder Opportunisten sein. "Aber manchmal traf ich Menschen, die mit dem System gebrochen und sich der Opposition angeschlossen hatten, was mein manichäisches Weltbild verkomplizierte. Was mich noch mehr verstörte waren die Veränderungen nach 1989, als die polnische Gesellschaft zerrissen war. Die Sprache des scharfen Antikommunismus und Nationalismus verwandelte sich in ein politisches Projekt und in die reaktionäre Rhetorik der Intoleranz oder der persönlichen Abrechnungen. Diese Leute suchten keine Verbündeten, mit denen sie ein demokratisches Polen aufbauen konnten - sie wollten eine nationale Hexenjagd gegen Parteimitglieder entfesseln. Sie waren, so nannte ich sie, Antikommunisten mit einem bolschewistischen Gesicht."

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The Nation (USA) , 25.02.2013

Bild zum ArtikelBen Ehrenreich schreibt einen langen Essay über den russischen Autor Wiktor Schklowski (1893-1984) , dessen Werk gerade peu a peu ins Englische übersetzt wird. "Was sich abzeichnet aus diesen Arbeiten ist ein Gruppenporträt von Schklowskis Formalismus - sogar der Name trocknet einem den Mund aus - das wenig Ähnlichkeit hat mit irgendeiner anderen Schule der literarischen Kritik, die im letzten Jahrhundert oder überhaupt im Westen entstand. Er wurde nicht an einer Universität geboren, sondern aus der literarischen Avantgarde und Seite an Seite mit der Russischen Revolution. Ironischerweise, bedenkt man, dass die Formalisten auf einer Trennung von Literatur und äußeren Ereignissen bestanden, erhob er sich nicht mal ein Haar breit entfernt von den Tumulten, die Europa die meiste Zeit der zwanziger Jahre erschütterten. Als die Revolution im Februar 1917 ausbrach -'es war wie Ostern', schrieb Schklowsky, 'ein fröhliches, naives, turbulentes Karnevalsparadies' - war er bereits ein Rebell, wenn auch von einer anderen Sorte als Lenin oder Trotzki. Jahre später, als [die italienische Autorin und Übersetzerin Serena] Vitale ihn fragte, was die Revolution für ihn bedeutet hatte, antwortete Schklowski: 'Die Diktatur der Kunst. Die Freiheit der Kunst.'"

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Slate.fr (Frankreich) , 10.02.2013

Bild zum ArtikelEric Le Boucher feiert das Büchlein "Petite Poucette" des greisen Philosophen Michel Serres als lange erwartete Antwort auf den "Empört euch!"-Aufruf des anderen großen Greises Stéphane Hessel: "Dieser Held der extremen Linken hat uns mit seinem deprimierenden Traum von der guten alten Zeit nur in die gloriosen dreißig Nachkriegsjahre zurückgeworfen. Der energische Académicien Serres dagegen, künftiger Held der Internauten, bringt uns in die Gegenwart zurück." Le Boucher begrüßt den Fortschritt: "Die Erfindung der Schrift hat uns erlaubt, nicht mehr die ganze orale Tradition auswendig lernen zu müssen. Der Buchdruck gab uns Montaigne und einen Kopf, der gut funktionierte, statt einfach nur voll zu sein. Heute legt uns das Internet das Wissen der Welt zu Füßen. Und Serres bilanziert: 'War es das Ziel von Bildung, Wissen weiterzugeben? Okay, Aufgabe erfüllt!'"

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The Economist (UK) , 09.02.2013

Bild zum ArtikelDer Economist beobachtet einen neuen Trend in Nordkorea: Kapitalistische Unternehmer besetzen erste wirtschaftliche Nischen im quasi-stalinistisch geführten Land. "Eine vitale Abwechslung für die Menschen, denen dort bislang groteske Lügen verfüttert wurden. Korrupte Grenzpatrouillen and Sicherheitsbeamte lassen sich von engagierten Menschen - ob nun aus religiösen oder politischen Gründen - bestechen, um Information rein und raus zu lassen. Handys, Computer und Radios, die die Händler verkaufen, lassen das Staatsmonopol auf Wahrheit erodieren." Dem argwöhnischen China rät der Economist unterdessen, den neuen Kapitalisten beherzt unter die Arme zu greifen. Im beistehenden Nordkorea-Briefing erfahren wir außerdem: "Diese illegalen Märkte (...) haben eine Klasse neuer Reicher entstehen lassen, die gelegentlich mit ihrem Reichtum protzen - und die Behörden schmieren, wenn diesen das zu verdächtig vorkommt. ... Diese Unternehmer könnten schlussendlich eine Bedrohung für das Regime darstellen, auch wenn sie durchaus ein Interesse daran haben, den Status Quo zu erhalten, solange er ihrem Profit dienlich ist. Die Zeit wird zeigen, ob ein ernsthafter Versuch unternommen wird, deren Reichtum zu beschlagnahmen. Alternativ dazu könnte der zusehends sichtbare Abstand zwischen Reich und Arm Ressentiments in der Bevölkerung begünstigen."

Außerdem liest man beim Economist neue Bücher über Scientology und Essays von James Wood.

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El Pais Semanal (Spanien) , 10.02.2013

"Fenster auf und lüften, aber richtig!", fordert die spanische Schriftstellerin Almudena Grandes: "Was zurzeit in Spanien geschieht, ist gravierender, als es aussieht. Es geht nicht mehr nur um einen oder zwei oder auch drei Korruptionsskandale. Wir befinden uns am Ende einer Epoche, ein Staat zerfällt, für mich die logische Folge der Tatsache, dass man die 'Transición', also buchstäblich einen 'Übergang', in einen Dauerzustand hat verwandeln wollen - mit all den dazugehörigen undemokratischen Arrangements: Über alles - die Monarchie, die Verfassung, die Autonomien, das Zweiparteiensystem - entschieden regelmäßig drei, vier Herren, während sie nach gemeinsamem Mittagessen ihre Zigarre rauchten, und die Hauptsache dabei war, dass die Bürger niemals erfahren würden, was man im Einzelnen ausgehandelt hatte. Machen wir uns nichts vor: Diese Undurchsichtigkeit ist ein grundlegendes Element unserer Demokratie. Da hat es wenig Sinn, von Institutionen, die im Halbdunkel entstanden sind, Transparenz zu verlangen. Vonnöten ist eine vollständige Re-generation, im Wortsinn."

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The New Republic (USA) , 11.02.2013

Bild zum ArtikelDer oft wenig respektvolle Kunstkitiker Jed Perl hat auch am Werk des wunderbaren Ai Weiwei manches auszusetzen, ist aber so höflich, es in Fragen zu kleiden: "So fest und bewunderungswürdig Ai gegen das chinesische Regime einsteht, in seiner Kunst neigt er zu stark zu Scherzen und Ironie, die in der Wiederholung banal werden. Sollen die 1001 Chinesen, die er zur Documenta brachte, ein Readymade sein? Und würde er auf den Einwand, dass fast sein gesamtes Schaffen dem Schaffen amerikanischer Künstler ähnelt - ob es seine Boxen sind, die an Judd erinnern, seine Möbel, die auch von Richard Artschwager sein könnten, oder seine Stahlstangen, die an  Robert Morris und Carl Andre denken lassen - antworten, dass er es genau so meine und aus der amerikanischen "Original"-Idee ein Readymade mache? Und wenn er Antiquitäten kaputtmacht oder anderweitig verändert - ist das dann seine Version eines 'Readymade aided', wie es Duchamp einst nannte?"

Außerdem: Michael Kinsley beschreibt sein Leben als Journalist in amüsanten (und unfreundlichen) Briefen.

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The Atlantic (USA) , 01.02.2013

Bild zum ArtikelJoshua Lang entwickelt ein Szenario, das auch schon durch Horrorstories des 19. Jahrhunderts geisterte. Was ist eigentlich, wenn man in der Narkose gar nicht bewusstlos ist, sondern danach nur vergessen hat, was man durchgemacht hat? "Diese Erfahrung nennt sich 'intraoperatives Erwachen' oder 'Betäubungsbewusstsein', und sie kommt häufiger vor als Sie vielleicht glauben. Trotz abweichender Studien sind sich die meisten Experten einig, dass unter tausend Patienten in Vollnarkose ein bis zwei zu Bewusstsein kommen. Patienten, die erwachen, hören die Plaudereien der Chirurgen, die Schleif- und Schmatzgeräusche der Organe, das Blubbern des Bluts in den Kanülen; sie spüren die tastenden Finger der Ärzte, das Rucken und Ziehen an den Eingeweiden; sie riechen verätztes Fleisch und versengtes Haar. Aber da einer der ersten Schritte einer Operation das Zukleben der Augen ist, können sie nicht sehen. Und da sie meistens auch gelähmt werden, um Muskelzuckungen zu unterbinden, können sie den Ärzten nicht mitteilen, dass sie wach sind."

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Elet es Irodalom (Ungarn) , 08.02.2013

Bild zum ArtikelIm Jahr 2011 hat die ungarische Regierung - ausgerechnet in dieser Frage brav der EU folgend - das "Nichtraucherschutzgesetz" auch auf gastronomische Einrichtungen wie Kaffeehäuser ausgeweitet. Hätte man nicht noch einmal schwarzes Schaf spielen können, fragt verzweifelt der Historiker und passionierter Zigarrenraucher Gyula Zeke und ruft alle Demokraten auf, sich gegen diesen "Gesundheitsfaschismus" zu wehren: "Welchen Sinn hatten die beiden Weltkriege, die Überwältigung massenmörderischer Diktaturen und die Niederlage des Ostblocks im Kalten Krieg, wenn die jetzigen Mächtigen der aufatmenden Welt mir auf demokratischem Wege mitteilen wollen, was mich glücklich machen soll, und wenn ich kein Verständnis dafür zeige, mich durch Gesetze zur Einsicht zwingen wollen? Die Wende von 1989 bedeutete für mich, dass ich mich endlich damit und nur damit beschäftigen kann, wovon ich etwas verstehe. Dass ich keine Angst haben und mich nicht als Mensch zweiter Klasse fühlen muss, dass ich mich nicht für irgendeine bessere Sache politisch einsetzen muss, sondern dass es genügt, meinen Namen unter meine Texte zu schreiben und die Stadt nach meiner eigenen kulturellen Routine zu nutzen. Es sind dreiundzwanzig Jahre vergangen, und wieder laufe ich voller Unruhe in einem ganz und gar jämmerlichen Land umher und kann mich nicht einmal mit einer Zigarre zu meinem Bier oder Kaffee an meinen Platz setzen, um die Sache zu überdenken."

Nach landläufiger Meinung ist für die gesellschaftliche Krise in Ungarn die wachsende Spaltung der Gesellschaft verantwortlich. Oder umgekehrt. Der Politologe Ervin Csizmadia hält jedoch die Spaltung selbst nicht für das eigentliche Problem, sondern, dass diese Spaltung als unüberwindbare Gegebenheit, als ein Fluch betrachtet wird. Deshalb ist eine neue Debatte erforderlich, fordert Csizmadia: "In den meisten Ländern der Welt gibt es eine Spaltung, die mit der politischen Polarisierung in Ungarn vergleichbar oder sogar größer ist, dennoch können viele Länder dieses Problem viel besser lösen und sind auch wettbewerbsfähiger als Ungarn. Der Grund dafür liegt meiner Meinung nach darin, dass man diese internen, zumeist den dortigen Traditionen zugrunde liegenden Gegensätze nicht verwischen oder künstlich lösen will, sondern sich mutig mit ihnen auseinandersetzt und standhaft nach integrierenden Mechanismen sucht, die über diese Spaltung hinaus weisen. Eines der wichtigsten Mittel für das Weiterkommen Ungarns wäre daher eine neue Debatte darüber, weshalb diese integrierenden Mechanismen in unserem Land fehlen und wie sie begründet werden könnten."

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n+1 (USA) , 12.02.2013

n+1 übersetzt ein höchst emphatisches Gedicht von Valery Nugatov über seine Liebe zur Kunst:

"I want to fuck you
in front of
works of contemporary art
in front of installations
assemblages
readymades
performances
video art
..."

Außerdem: Charles Petersen denkt über Schwindler nach und über Stanley Cavells Essay "Must We Mean What We Say?"

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The New York Times (USA) , 09.02.2013

Bild zum ArtikelDank seines Öls ist die postsowjetische Öl-Diktatur Aserbaidschan steinreich geworden, aber berüchtigt geblieben. Der Regional-Magnat Ibrahim Ibrahimow will Investoren mit einem riesigen Luxus-Resort im Kaspischen Meer anlocken. Nach einem Besuch in Baku bleibt Peter Savodnik im Magazine skeptisch: "Ibrahimow, der seine blauen Krokodillederschuhe von Stefano Ricci zur Schau stellt, die gut zu seiner blauen Jean von Stefano Ricci, seinem blauen Zilli-Jackett und seinem blauen Zilli-Hemd passen, wippt unrhythmisch mit seinen Füßen. Jedes Mal, wenn ich eine Frage stelle oder er zur Antwort anhebt, kommt ein Anruf oder eine Nachricht auf sein Handy. Gelegentlich sagt Ibrahimow wahllos etwas dahin, das man nicht für etwas Tiefsinniges halten sollte: 'Ich lebe sehr einfach.' oder: 'Meine Lieblingsorte sind Frankreich und die Türkei."

Außerdem: Jeff Himmelmann porträtiert den bekennend bisexuellen R'n'B-Megastar Frank Ocean. Besprochen werden in der Book Review unter anderem David Shields' neue Literatur-Essays "How Literature Saved My Life" und Elizabeth L. Clines Plädoyer für den Slow Style "Overdressed" und gegen die Hochgeschwindigkeitsmode der billigen Materialien und ausgebeuteten ArbeiterInnen in China.

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Archiv: Magazinrundschau

Ein Puzzle im Dunkeln

19.04.2014. The Nation beschreibt, wie Künstler sich immer eifriger in Historiker verwandeln. Michel Houellebecq entpuppt sich in Le Point als Größenwahnsinniger. In Osteuropa erzählt Jörg Baberowski, wie der Zar Russland im Ersten Weltkrieg in einen unkontrollierbaren Gewaltraum verwandelte. Die NYRB blickt ins trostlos korrupte Uganda. In Telerama hofft Maïssa Bey in Algerien noch auf einen Wandel. Die NYT hört den Motherless Child Blues. Mehr lesen

Alles sündig Freudvolle

11.04.2014. In der London Review of Books erklärt Seymour Hersh, warum die türkische Regierung für den Giftgaseinsatz in Syrien verantwortlich sein könnte. Nautilus beleuchtet die Geschichte und Zukunft des künstlichen Lichts. In Eurozine erklärt Karl Ove Knausgård, wie er schreibt und welche Bedeutung sein Lektor hat. Le Monde untersucht die Dynamik des Völkermords. Der New Yorker liest vegetarische Kochbücher. Mehr lesen

Allegorien der Liebe

04.04.2014. Die NYT entdeckt die französische Küche neu. Die LRB besucht Veronese. Eurozine dokumentiert die Gender-Diskussion in Polen. Der Merkur erzählt die Geschichte des weißen südafrikanischen Antiapartheidkämpfers Edward Vincent Swart. La vie des idées beobachtet die Rückkehr des biologischen Rassekonzepts. Vanity Fair bringt eine Reportage über die größte Privatarmee der Welt, die G4S. Mehr lesen

Poesie und Transzendenz

28.03.2014. Die Huffington Post begutachtet den Wahlerfolg des Front National in Frankreich. Im Guardian erklärt Chimamanda Ngozi Adichie den Unterschied zwischen westlichem und afrikanischem Sexismus. In Eurozine denkt Kenan Malik über sakrale Kunst nach. Die NYRB begibt sich auf Containerschifffahrt. Das TLS walkt eine Toga. Und der New Yorker fragt, was eigentlich bei der Belagerung von Waco 1993 schief ging. Mehr lesen

Als Denker befreit

21.03.2014. Walter Benjamin lebt - jedenfalls in Frankreich und den USA, melden Le Monde und der Chronicle. Der New Yorker präpariert die zersetzende Wirkung des Dekonstruktivismus am Beispiel Paul de Mans heraus. Im SZ Magazin singt der Videokünstler Matthew Barney ein Loblied auf den Widerstand. Elet es Irodalom hat ein Problem mit dem von der jüdischen Gemeinde Ungarns geplanten Haus des Zusammenlebens. Krieg ist kein Würzmittel für Mittelstandsgeschichten, knurrt The New Republic Lorrie Moore an. Mehr lesen

Das Land der sauberen Hände

14.03.2014. Mario Vargas Llosa erklärt in El País die Wut der Protestler in Venezuela. Der New Yorker rollt nach 40 Jahren den Mord an Kitty Genovese wieder auf. New Yorks Hipster werden von Darwin eingeholt, meldet Slate.fr: Anpassung ist die neue Abhebung. Marcel Ophüls erzählt in Les Inrocks, weshalb Spielfilme befriedigender sind als Dokumentationen. Und Men's Journal berichtet von Chinas boomendem Elfenbeinmarkt. Mehr lesen

Zurück in die Petrischale

07.03.2014. Elet es Irodalom muss hören, wie im ungarischen Radio die Demonstranten in Kiew als "Heckenschützen" und "Terroristen" beschrieben werden. Im Merkur empfiehlt András Bruck den ungarischen Liberalen etwas weniger Kultiviertheit. In der New York Review of Books stellt Timothy Snyder klar, dass Janukowitschs Oligarchen das reaktionäre Regime bildeten, vor dem die russische Propaganda so gern warnt. Slate begutachtet Vampire als Rockstars. In artechock geißelt Rüdiger Suchsland am Beispiel der Beltracchi-Doku das auf den Hund gekommene Selbst­ver­s­tändnis deutscher Kritiker. Mehr lesen

Anonymer, göttlicher Unbekannter

28.02.2014. In The Intercept erklärt Glenn Greenwald, wie die NSA gezielt den Ruf von Kritikern zerstört. La vie des idees betrachtet einen Fotoband über den stalinistischen Terror. The New Republic fühlt sich unwohler vor den Bildern der Futuristen. In Eurozine empfiehlt David Runciman eine Koordinierung der nationalen Wahlen in Europa. In der Boston Review erzählt der Journalist Uki Goñi, wie er mit einem Nonnenmörder die Nacht durchtanzte. Mehr lesen

Die Leute wollen Brot, Würde und Freiheit

21.02.2014. Keine Region hat unter Hitler und Stalin so schwer gelitten wie die Ukraine, erläutert Timothy Snyder in Télérama. Mac McClelland berichtet im Magazin der NYTimes aus einem türkischen Lager für syrische Flüchtlinge. In Guernica erklärt Masha Gessen, warum sie aus Russland ausgewandert ist. Nepszabadsag informiert über die Kontroverse über das ungarische Holocaust-Gedenkjahr. Und Chapati Mystery präsentiert pakistanischen Rap. Mehr lesen

Braten und Schnaps

14.02.2014. Bei edge.org schlägt Kevin Kelly Transparenz für alle vor, auch für die NSA. Die NYT schildert die letzten Tage Philip Seymour Hoffmans. Bei Eurozine beschreibt Volodymyr Yermolenko das Paradox im Herzen der ukrainischen Rebellion. Der New Statesman besucht eine Ausstellung über die Arbeiter-Spartakiade. Mediapart sucht 50 Millionen Euro von Gaddafi und findet sie bei Sarkozy. In Aeon philosophiert Aaron Ben-Zeev über die romantische Liebe. Mehr lesen

Ein zweiter Martini

07.02.2014. Berlinalebedingt kommt die Magschau ein bisschen später als sonst - pardon! In der LRB schildert die Historikerin Barbara Taylor die Zeitlosigkeit der Verzweiflung in psychiatrischen Krankenhäusern. In Nepszabadsag erklärt der Philosoph Gáspár Miklós Tamás, warum er die metaphorische Geografie von "Westen" und "Osten" ablehnt. in Eurozine begibt sich Stephan Ruß-Mohl auf die Suche nach der europäischen Öffentlichkeit, findet sie aber nicht. Die New Republic zerreißt Benjamin Britten, aber nicht ganz. Und Atlantic zieht am Männerbart. Mehr lesen

So etwas wie ein Wunderkind

31.01.2014. Washingtonian sucht den Mörder von Daniel Pearl. n+1 hört boeremusiek. Im Merkur macht Horst Meier kurzen Prozess mit dem Verfassungsschutz. In Vice erzählt Moe Tucker, wie sie das Trommeln lernte. Der Guardian schildert den Krieg Putins gegen die Moderne. Das New York Magazine trifft Chen Guangbiao, möglicherweise eines Tages Besitzer der New York Times. In Eurozine beharrt Jason Wilson darauf: Es gibt nicht für jedes Problem eine Lösung. Mehr lesen

Englishness ist eine Praxis

27.01.2014. In Elet es Irodalom protestieren 26 Historiker gegen ein geplantes Mahnmal, das an die deutsche Besatzung 1944 erinnern soll. Die LRB beobachtet anerkennend, wie sich die französischen Provinzstädte von Paris emanzipieren. Eurogamer erzählt, wie die Briten mit Monopoly den Zweiten Weltkrieg gewannen. Spiked überlegt, wann Pop das Zeitliche segnete. In der Paris Review erlebt David Cronenberg mit siebzig eine Verwandlung, wie sie Gregor Samsa auch nicht schlimmer widerfuhr. The New Republic lässt kein gutes Haar an Edward Snowden, Glenn Greenwald und Julian Assange. Mehr lesen

Die Scheuklappen der Historiker

14.01.2014. Bloomberg Businessweek erforscht die Welt der Bitcoins. Nationalismus ist Provinzialisierung, ruft Félix de Azúa in El Pais Semanal den katalanischen Politikern zu. Medium verliert sich in den eleganten Zeitlupenvideos Adam Magyars. Buchpreisbindung ist elitär, behauptet in Le Point der Schriftsteller Gaspard Koenig. Gentlemen's Quarterly sucht einen offenen Drogentunnel. In Guernica löst Ari Shavit den Nahostkonflikt in Minischritten. Und Vice erlebt eine Wiederauferstehung als Diamant. Mehr lesen

Der Geist kann tun und sein

07.01.2014. Medium liefert einen kleinen Einblick in die Folgen der Kameraüberwachung in Britannien. In französischen Magazinen kommentieren Pascale Bruckner und Bernard-Henri Levy das geplante Auftrittsverbot für den antisemitischen Komiker Dieudonné. Im Merkur denkt Ernst-Wilhelm Händler über Simmel und die Finanzmärkte nach. Das Boston Magazine untersucht die unrühmliche Rolle des MIT beim Tod von Aaron Swartz. In Commentary schreibt David Gelernter der Kognitionswissenschaft "Das Hirn ist kein Computer" ins Stammbuch. Cabinet feiert den Erfinder des Pfannkuchen-Make-ups, Max Factor. Mehr lesen

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