Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Magazinrundschau

Kratzen und singen

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.

02.01.2013. Im Espresso erzählt Roberto Saviano, warum die Einwohner von Scampia keine Haustürschlüssel mehr haben. Vanity Fair beobachtet John Belushi im Bienenkostüm. Outlook India untersucht die "Vergewaltigungskultur" in Indien. Le Monde lauscht der Musik der tibetischen dranyen dunglen. Der Economist feiert Comics im Netz. In Wired erklärt Internet-Unternehmer Tim O'Reilly sein Credo. In The New Republic stellt Anne Applebaum neue und alte Bücher über Polens Geschichte im 20. Jahrhundert vor.

The Economist (UK) , 19.12.2012

Bild zum ArtikelAls "Triumph der Nerds" feiert der Economist die Renaissance des satirischen Cartoons, die im Internet gerade dann einsetzte, als sich der an Printtitel geknüpfte Cartoon in die inhaltliche und ästhetische Stagnation verabschiedete. "Viele dieser Comics expandieren in kleine, auf eigenen Füßen stehende Medienimperien. ... Die typische Reichweite eines der führenden Web-Comics liegt zwischen einer und zehn Millionen Visits pro Monat, also etwa mit einer mittelgroßen Zeitung vergleichbar (die Website der Daily Mail, der meistgelesenen Zeitung im Netz, erzielt rund 48 Millionen im Monat). Aber anders als bei Zeitungswebsites, deren Haupteinnahmequelle Werbung ist, besteht das Publikum von Web-Comics nicht nur aus Lesern, sondern auch aus Kunden: Die meisten Künstler verkaufen T-Shirts, Bücher, Mousepads, Poster und anderes."

Außerdem: Der Economist plädiert für eine Verschärfung der Waffengesetze in den USA - und notfalls für eine Änderung der Verfassung. In diesem Porträt lernen wir den offenbar reichlich hitzköpfigen Medienmogul Matsutaro Shoriki, den japanischen "Citizen Kane", kennen. Die langsam nach Europa zurückkehrenden Wölfe hatten jahrelang nicht nur denkbar schlechte, sondern auch denkbar ungerechte Presse, ist hier zu lesen: "Sonderbar, dass ausgerechnet der Wolf zur bête noire der Menschheit wurde. Bären, die deutlich bessere Presse kriegen, sind viel gefährlicher. Störe einen Bären und er könnte Dich angreifen; störe einen Wolf und er wird die Flucht ergreifen."

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The Times Literary Supplement (UK) , 28.12.2012

Der englische Schauspieler und Komödiant Samuel Foote machte gern Witze über andere und über sich selbst - selbst, nachdem ihm nach einem Unfall ein Bein amputiert werden musste. Kein Spaß im 18. Jahrhundert. Ian Kelly, selbst Schauspieler, hat ihn in einer Biografie als den ersten "modernen urbanen Prominenten" beschrieben, erzählt Norma Clarke, die das ganz treffend findet: "Es gefiel ihm, als 'der junge Gentleman' eingeführt zu werden, 'dessen Onkel für den Mord an seinem Bruder gehängt wurde'. Er hatte ein Pamphlet über das Verbrechen geschrieben, das sich so gut verkaufte, dass es ihn aus dem Schuldturm befreite. Er war ein brillanter Mime und unwiderstehlicher Witzbold, geltungssüchtig, Risiken suchend, grob und begabt mit dem, was das 18. Jahrhundert 'animalische Instinkte' nannte. Foote wurde sehr schnell eine West-End-Berühmtheit. Selbst Dr. Johnson, der seine Zweifel hatte, musste in seiner Gesellschaft lachen."

Frederic Raphael liest sich durch die "adipösen" Tagebücher Richard Burtons. Michael Saler bespricht drei Bücher über Alan Turing. Und wer jetzt noch Urlaub hat und sich langweilt, könnte versuchen, Tony Lurcocks literarisches Weihnachtsquiz ohne Google zu lösen: "Who said to his teacher 'History is a raw onion sandwich, sir'?"

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Vanity Fair (USA) , 01.01.2013

Bild zum ArtikelDan Ackroyd und John Belushi tourten schon als Blues Brothers durch die Gegend und verkauften Platin-Alben, als noch niemand an einen Film dachte, erzählt Ned Zeman. Aber jeder aufstrebende Künstler, der sich schon mal in einem lächerlichen Kostüm auf der Bühne wiederfand, sollte wissen, dass auch für sie der Anfang kein Zuckerschlecken war. "Ackroyd hegte einen geradezu unheimlichen Glauben an Belushi, dessen Stimme okay war, aber nichts besonderes. Aber Belushi ist eben nicht einfach nur ein Sänger. Er ist ein front man. 'Das Alpha Illinois-Männchen', nannte ihn Ackroyd. 'Einer dieser Menschen wie Teddy Roosevelt oder Mick Jagger. Er war einfach einer dieser Charismatiker, die Köpfe verdrehen und den Raum beherrschen.' Nachdem die Blues Brothers eine Weile überall in der Stadt aufgetreten waren, ließ Morne Michaels sie die Saturday-Night-Live-Zuschauer vor den Shows anwärmen. Ins Fernsehen zu kommen war, schwieriger. Michaels war nicht ganz überzeugt. Man fand einen Kompromiss. Die Blues Brothers wurden am 17. Januar 1976 live aus New York gesendet. Verkleidet als Bienen."

Kein Problem, solange man dabei eine Sonnenbrille tragen kann, erklärt Regisseur Paul Shaffer:



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Outlook India (Indien) , 14.01.2013

Bild zum ArtikelDie Massenvergewaltigung einer Frau in Delhi mit mittlerweile tödlichem Ausgang beschäftigt auch Outlook India. "Wir haben uns dazu entschlossen, sie 'Jagruti' zu nennen, das 'Erwachen'. Sie ist unsere Frau des Jahres", schreiben Amba Batra Bakshi und Chandrani Banerjee. Und weiter: "Jagruti ist typisch für eine junge, urbane Frau im modernen Indien: gebildet, ambitioniert, westlich gekleidet, sie geht gerne shoppen, schaut gerne Filme und nutzt die öffentlichen Verkehrssysteme. Und doch kämpft sie, um sich ihren Platz in einer von archaischen Werten beherrschten Gesellschaft zu behaupten."

Für Meena Kandasamy ist der Vorfall eine Folge der indischen "rape culture", deren Facetten sie genauer analysiert. Dazu zählt auch eine Rhetorik der Bagatellisierung und Schuldumkehrung seitens der Institutionen: "In einer von ihren eigenen Wahnvorstellungen der Macht benebelten Stadt musste ein solches Disaster früher oder später geschehen. Die Polizei von Delhi hat Vergewaltigungen in der Region schon früher legitimiert, indem sie vor versteckten Kameras frei heraus redeten, etwa 'sie hat es so gewollt' oder 'meistens geschieht dies im Einvernehmen'. Sie beschuldigten junge Frauen dafür, dass sie sich nicht innerhalb ihrer Grenzen bewegten, dass sie kurze Röcke und keine Stolas trugen, dass sie Wodka tranken und Männer umgarnten. Ein Polizist erklärte, dass keine Vergewaltigung stattfinden könnte ohne vorherige Provokation durch das Mädchen. Gegen keinen dieser Polizisten wurden ernsthafte Maßnahmen ergriffen."

Außerdem spricht Chandrani Banerjee mit dem Freund der vergewaltigten Frau.

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Le Monde (Frankreich) , 27.12.2012

Bild zum ArtikelEinen interessanten Hintergrundbericht schickt François Bougon über den Widerstand der Tibeter gegen die chinesische Besatzung, der in letzter Zeit mit grauenhaften, per Video verbreiteten Selbstverbrennungen neue Zeichen setzt. Immer häufiger, so Bougon, geht es den jungen Tibetern aber schlicht um die Verteidigung der eigenen Sprache. "Für die weniger gebildeten Schichten der Bevölkerung Tibets sind es vor allem Lieder, die über CD oder Internet verbreitet werden, mit denen sie ihre tibetanische Identität ausdrücken. Seit den achtziger Jahren ist ein bestimmtes Genre besonders beliebt, das dranyen dunglen, was 'kratzen und singen' bedeutet. Der Sänger begleitet sich mit einer Mandoline. Wie in der Literatur sind die versteckten Anspielungen immer deutlicheren Beschwörungen einer gloriosen Vergangenheit oder der Niederlage gegen die Chinesen gewichen, die mit der offiziellen chinesischen Sichtweise brechen."

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Wired (USA) , 01.01.2013

Bild zum ArtikelSteven Levy unterhält sich mit HTML- und Web2.0-Vordenker Tim O'Reilly, dessen Open-Source-Credo "Schaffe mehr Wert als Du abzapfst" besonders im Mittelpunkt steht: "Jeder möchte sein Unternehmertum pflegen, doch wir müssen über die Vorbedingungen des Unternehmertums nachdenken. Man sät großartigen Samen in großartigem Boden. Und der Boden ist Gemeingut. ... Am Anfang so vieler Technologiefirmen steht ein Schub an Idealismus, Demokratisierung und neuen Möglichkeiten, doch mit der Zeit verschließen sie sich und stehen Unternehmertum, Innovation und neuen Ideen weniger offen gegenüber. Mit der Zeit nehmen die dominant gewordenen Firmen mehr aus dem Ökosystem als sie ihm zurückgeben. Wir haben das bei Microsoft gesehen, die mit einer großen Vision angetreten sind: Wie kriegen wir einen PC auf jeden Schreibtisch in jedem Haus? Das war grundlegend demokratisierend. Aber als Microsoft an die Spitze gelangte, begannen sie langsam damit, den Pfad zum Erfolg für alle anderen zu versperren." Darauf angesprochen, welche Firma sich dies besonders zu Herzen nehmen sollte, antwortet O'Reilly klipp und klar: "Apple. Die befinden sich eindeutig auf dem falschen Weg."

Außerdem: Joshua Davis spricht mit dem zum Zeitpunkt des Gesprächs noch untergetauchten, mittlerweile aber in die USA ausgewiesenen Virenscannerspezialisten John McAfee, der sich in Lateinameria Anwürfen ausgesetzt sah, im großen Stil Drogen fabriziert zu haben und in die Ermordung seines Nachbarn verwickelt zu sein (mehr). Und hier erfahren wir, in welchen Bereichen uns in Zukunft Roboter die Arbeit abnehmen werden.

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L'Espresso (Italien) , 30.12.2012

Bild zum ArtikelIn Scampia, einem heruntergekommenen Viertel im Norden Neapels, sind zwei Bomben explodiert. Zwei spielende Kinder auf der Straße wurden verletzt. Zuvor gab es einen Mord in einem Kindergarten, wo Kinder gerade Weihnachtslieder lernten. Die Taten werden mit der Drogenmafia in Verbindung gebachte. Roberto Saviano schreibt in L'Espresso einen empörten Kommentar über die Zustände in Scampia: "Einigen Kindern wird gar nichts gegönnt. Kein Platz um zu lernen, kein Platz um zu spielen. Die Verbrecherbanden haben die Hand auf alles gelegt, alle sind betroffen. Sie beherrschen das Leben ganzer Familien, vor allem in den Wohnburgen, vor denen Drogen gehandelt werden. Dort sind sie nicht mal mehr im Besitz der Haustürschlüssel, denn die müssen den Drogenclans für ihren Verkauf von Haschisch und Marihuana ständig zur Verfügung stehen. Damit sie im Fall einer Razzia verschwinden können. Sie haben Zäune und Gatter gebaut, die unüberwindlicher sind als in Gefängnissen. Sie wurden wieder abgerissen. Sie haben sie neu gebaut. Sie haben eine Kriegszone errichtet, in der niemand ruhig leben und sich bewegen kann."

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The New Republic (USA) , 31.12.2011

Bild zum ArtikelAnne Applebaum empfiehlt allen, die nicht ganz verstehen, warum Polen über den Zweiten Weltkrieg oft so anders zu denken scheint als Westeuropäer und Amerikaner, zwei gerade neu auf Englisch erschienene Bücher: Witold Pileckis "The Auschwitz Volunteer", ein Bericht aus Auschwitz, den Pilecki schrieb, nachdem er sich 1940 in das Lager hatte schmuggeln lassen, um Augenzeuge zu sein (nach dem Krieg wurde er von den polnischen Kommunisten hingerichtet), und ein Band der britischen Historikerin Halik Kochanski: "The Eagle Unbowed: Poland and the Poles in the Second World War". Letzteres ist für Applebaum "schon der Natur seines Gegenstandes nach ein außerordentlich ehrgeiziges Buch. Kochanski versucht, erstmals auf Englisch die verschiedenen Stränge der polnischen Kriegserfahrung zusammenzuführen. Diese schließen unter anderem ein: die Geschichten der deutschen Besetzung Westpolens, die sowjetische Besetzung Ostpolens, der Holocaust, die polnischen Piloten, die in der Luftschlacht um England kämpften, die polnische Infanterie, die mit den Alliierten bei Monte Cassino kämpften, die polnischen Soldaten, die mit der Roten Armee kämpften und die Polnische Heimatarmee - der militärische Arm der Widerstandsbewegung - die im Warschauer Aufstand 1944 entsetzliche Verluste erlitt." Allein wie Kochanski das erzählt, die Struktur des Buchs, ringt Applebaum gehörigen Respekt ab. (Richard J. Evans, der das Buch im Guardian besprochen hat, und der Economist (hier) bemängelten allerdings beide, dass Kochanski keine deutschen und russischen Quellen benutzt hat und kaum polnische.)

In der Titelgeschichte erzählt Ada Calhoun, wie schwierig es heute in den USA ist, eine ärztlich überwachte Abtreibung vorzunehmen, weshalb immer mehr Frauen es allein tun. Immer weniger Krankenhäuser führen Abtreibungen durch - in manchen Bundesstaaten gibt es grad noch eins. In den ersten neun Wochen könnten schwangere Frauen zwar Abtreibungspillen nehmen, aber auch deren Gebrauch wird immer stärker eingeschränkt. "Mehrere Bundesstaaten wollen den Zugang zu Abtreibungspillen im Netz und anderswo immer erschweren. 2011 verabschiedete Wisconsin eine Maßnahme, wonach Ärzte potenziell strafrechtlich belangt werden können, wenn sie bestimmte Vorschriften nicht einhalten, etwa den Patienten drei mal vorher sehen zu müssen. Die Kliniken von Planned Parenthood haben in diesem Staat im April alle Abtreibungen mit Medikamenten eingestellt und gegen das Gesetz geklagt. Unterdessen nehmen Frauen Abtreibungspillen ohne medizinische Betreuung, was gefährlich und voller Risiken ist."

Außerdem: Pankaj Mishra fürchtet, dass Indien sich immer mehr dem autoritären Staatswesen Chinas annähert. Paul Starr liest mit einigem Gewinn Nate Silvers Buch über Methoden für das Vorhersagen: "The Signal and the Noise" (Leseprobe)

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Longreads (USA) , 02.01.2013

Zum Weiterstöbern: Auf Longreads stellen Reporter ihre Lieblingsreportagen 2012 vor.

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Archiv: Magazinrundschau

Alles sündig Freudvolle

11.04.2014. In der London Review of Books erklärt Seymour Hersh, warum die türkische Regierung für den Giftgaseinsatz in Syrien verantwortlich sein könnte. Nautilus beleuchtet die Geschichte und Zukunft des künstlichen Lichts. In Eurozine erklärt Karl Ove Knausgård, wie er schreibt und welche Bedeutung sein Lektor hat. Le Monde untersucht die Dynamik des Völkermords. Der New Yorker liest vegetarische Kochbücher. Mehr lesen

Allegorien der Liebe

04.04.2014. Die NYT entdeckt die französische Küche neu. Die LRB besucht Veronese. Eurozine dokumentiert die Gender-Diskussion in Polen. Der Merkur erzählt die Geschichte des weißen südafrikanischen Antiapartheidkämpfers Edward Vincent Swart. La vie des idées beobachtet die Rückkehr des biologischen Rassekonzepts. Vanity Fair bringt eine Reportage über die größte Privatarmee der Welt, die G4S. Mehr lesen

Poesie und Transzendenz

28.03.2014. Die Huffington Post begutachtet den Wahlerfolg des Front National in Frankreich. Im Guardian erklärt Chimamanda Ngozi Adichie den Unterschied zwischen westlichem und afrikanischem Sexismus. In Eurozine denkt Kenan Malik über sakrale Kunst nach. Die NYRB begibt sich auf Containerschifffahrt. Das TLS walkt eine Toga. Und der New Yorker fragt, was eigentlich bei der Belagerung von Waco 1993 schief ging. Mehr lesen

Als Denker befreit

21.03.2014. Walter Benjamin lebt - jedenfalls in Frankreich und den USA, melden Le Monde und der Chronicle. Der New Yorker präpariert die zersetzende Wirkung des Dekonstruktivismus am Beispiel Paul de Mans heraus. Im SZ Magazin singt der Videokünstler Matthew Barney ein Loblied auf den Widerstand. Elet es Irodalom hat ein Problem mit dem von der jüdischen Gemeinde Ungarns geplanten Haus des Zusammenlebens. Krieg ist kein Würzmittel für Mittelstandsgeschichten, knurrt The New Republic Lorrie Moore an. Mehr lesen

Das Land der sauberen Hände

14.03.2014. Mario Vargas Llosa erklärt in El País die Wut der Protestler in Venezuela. Der New Yorker rollt nach 40 Jahren den Mord an Kitty Genovese wieder auf. New Yorks Hipster werden von Darwin eingeholt, meldet Slate.fr: Anpassung ist die neue Abhebung. Marcel Ophüls erzählt in Les Inrocks, weshalb Spielfilme befriedigender sind als Dokumentationen. Und Men's Journal berichtet von Chinas boomendem Elfenbeinmarkt. Mehr lesen

Zurück in die Petrischale

07.03.2014. Elet es Irodalom muss hören, wie im ungarischen Radio die Demonstranten in Kiew als "Heckenschützen" und "Terroristen" beschrieben werden. Im Merkur empfiehlt András Bruck den ungarischen Liberalen etwas weniger Kultiviertheit. In der New York Review of Books stellt Timothy Snyder klar, dass Janukowitschs Oligarchen das reaktionäre Regime bildeten, vor dem die russische Propaganda so gern warnt. Slate begutachtet Vampire als Rockstars. In artechock geißelt Rüdiger Suchsland am Beispiel der Beltracchi-Doku das auf den Hund gekommene Selbst­ver­s­tändnis deutscher Kritiker. Mehr lesen

Anonymer, göttlicher Unbekannter

28.02.2014. In The Intercept erklärt Glenn Greenwald, wie die NSA gezielt den Ruf von Kritikern zerstört. La vie des idees betrachtet einen Fotoband über den stalinistischen Terror. The New Republic fühlt sich unwohler vor den Bildern der Futuristen. In Eurozine empfiehlt David Runciman eine Koordinierung der nationalen Wahlen in Europa. In der Boston Review erzählt der Journalist Uki Goñi, wie er mit einem Nonnenmörder die Nacht durchtanzte. Mehr lesen

Die Leute wollen Brot, Würde und Freiheit

21.02.2014. Keine Region hat unter Hitler und Stalin so schwer gelitten wie die Ukraine, erläutert Timothy Snyder in Télérama. Mac McClelland berichtet im Magazin der NYTimes aus einem türkischen Lager für syrische Flüchtlinge. In Guernica erklärt Masha Gessen, warum sie aus Russland ausgewandert ist. Nepszabadsag informiert über die Kontroverse über das ungarische Holocaust-Gedenkjahr. Und Chapati Mystery präsentiert pakistanischen Rap. Mehr lesen

Braten und Schnaps

14.02.2014. Bei edge.org schlägt Kevin Kelly Transparenz für alle vor, auch für die NSA. Die NYT schildert die letzten Tage Philip Seymour Hoffmans. Bei Eurozine beschreibt Volodymyr Yermolenko das Paradox im Herzen der ukrainischen Rebellion. Der New Statesman besucht eine Ausstellung über die Arbeiter-Spartakiade. Mediapart sucht 50 Millionen Euro von Gaddafi und findet sie bei Sarkozy. In Aeon philosophiert Aaron Ben-Zeev über die romantische Liebe. Mehr lesen

Ein zweiter Martini

07.02.2014. Berlinalebedingt kommt die Magschau ein bisschen später als sonst - pardon! In der LRB schildert die Historikerin Barbara Taylor die Zeitlosigkeit der Verzweiflung in psychiatrischen Krankenhäusern. In Nepszabadsag erklärt der Philosoph Gáspár Miklós Tamás, warum er die metaphorische Geografie von "Westen" und "Osten" ablehnt. in Eurozine begibt sich Stephan Ruß-Mohl auf die Suche nach der europäischen Öffentlichkeit, findet sie aber nicht. Die New Republic zerreißt Benjamin Britten, aber nicht ganz. Und Atlantic zieht am Männerbart. Mehr lesen

So etwas wie ein Wunderkind

31.01.2014. Washingtonian sucht den Mörder von Daniel Pearl. n+1 hört boeremusiek. Im Merkur macht Horst Meier kurzen Prozess mit dem Verfassungsschutz. In Vice erzählt Moe Tucker, wie sie das Trommeln lernte. Der Guardian schildert den Krieg Putins gegen die Moderne. Das New York Magazine trifft Chen Guangbiao, möglicherweise eines Tages Besitzer der New York Times. In Eurozine beharrt Jason Wilson darauf: Es gibt nicht für jedes Problem eine Lösung. Mehr lesen

Englishness ist eine Praxis

27.01.2014. In Elet es Irodalom protestieren 26 Historiker gegen ein geplantes Mahnmal, das an die deutsche Besatzung 1944 erinnern soll. Die LRB beobachtet anerkennend, wie sich die französischen Provinzstädte von Paris emanzipieren. Eurogamer erzählt, wie die Briten mit Monopoly den Zweiten Weltkrieg gewannen. Spiked überlegt, wann Pop das Zeitliche segnete. In der Paris Review erlebt David Cronenberg mit siebzig eine Verwandlung, wie sie Gregor Samsa auch nicht schlimmer widerfuhr. The New Republic lässt kein gutes Haar an Edward Snowden, Glenn Greenwald und Julian Assange. Mehr lesen

Die Scheuklappen der Historiker

14.01.2014. Bloomberg Businessweek erforscht die Welt der Bitcoins. Nationalismus ist Provinzialisierung, ruft Félix de Azúa in El Pais Semanal den katalanischen Politikern zu. Medium verliert sich in den eleganten Zeitlupenvideos Adam Magyars. Buchpreisbindung ist elitär, behauptet in Le Point der Schriftsteller Gaspard Koenig. Gentlemen's Quarterly sucht einen offenen Drogentunnel. In Guernica löst Ari Shavit den Nahostkonflikt in Minischritten. Und Vice erlebt eine Wiederauferstehung als Diamant. Mehr lesen

Der Geist kann tun und sein

07.01.2014. Medium liefert einen kleinen Einblick in die Folgen der Kameraüberwachung in Britannien. In französischen Magazinen kommentieren Pascale Bruckner und Bernard-Henri Levy das geplante Auftrittsverbot für den antisemitischen Komiker Dieudonné. Im Merkur denkt Ernst-Wilhelm Händler über Simmel und die Finanzmärkte nach. Das Boston Magazine untersucht die unrühmliche Rolle des MIT beim Tod von Aaron Swartz. In Commentary schreibt David Gelernter der Kognitionswissenschaft "Das Hirn ist kein Computer" ins Stammbuch. Cabinet feiert den Erfinder des Pfannkuchen-Make-ups, Max Factor. Mehr lesen

Es gibt nur Innen

16.12.2013. Der ukrainische Schriftsteller Mykola Rjabtschuk erklärt, warum derzeit nur die kriminelle Kaste von Europa profitiert. The New Republic liest ein Buch über die Dänen als rettende "Ausnahme". Al Ahram empfiehlt eine Re-Lektüre des Reformers Muhammad Abduh. Brooklyn Rail deutet die Zeichen in Katastrophenfilmen. Im Guardian fegt SF-Autor Brian Aldiss ein paar Spinnweben zur Seite. Das Wallstreet Journal erzählt die Geschichte der Lobotomie in den USA. Die New York Times zeigt Google eine lange Nase und navigiert mit OpenStreetMap. Mehr lesen

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