Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Magazinrundschau

Jetzt genau der Moment

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.

04.12.2012. Lasst die Champagnerkorken knallen! Die Fabrikjobs kommen zurück und der neue Buchladen in Nashville läuft auch, freut sich The Atlantic! Der nette junge Mann von Facebook, der nicht Zuckerberg heißt, wird den Journalismus retten, hofft das New York Magazine. Elisabeth Murdoch wird das Imperium des Bösen zähmen, hofft der New Yorker. Selbst Drohnen lassen sich gewinnbringend und zivil nutzen, versichert der Economist. Nur wenn Zeitungen sterben, können neue geboren werden, lernt Vanity Fair aus dem großen Zeitungsstreik in den Sechzigern. Der Merkur gräbt ein Nest Autorinnen aus.

Atlantic (USA), 01.12.2012

Die Fabrikjobs kommen zurück in die USA. Charles Fishman erklärt das Phänomen am Beispiel von General Electric, wo in diesem Jahr drei Produktionsstraßen den Betrieb wieder aufnahmen, die jahrzehntelang stilllagen. Gründe dafür: Der Ölpreis ist dreimal so hoch wie 2000, was die Frachtkosten erhöht. Erdgas in den USA ist dagegen günstig, was die Produktionskosten zu Hause senkt. Die Lohnunterschiede sind nicht mehr so riesig. Produkte sind immer kurzlebiger und müssen schneller produziert werden. Fishman beschreibt das am Beispiel einer neuen Produktionsstraße für Geschirrspüler: "Ein Designerteam brachte einen Geschirrspüler in den Raum und nahm ihn auseinander. Im Originaldesign hatte er vier sichtbare Schrauben. Die Marketingleute im Team wollten eine Tür ohne sichtbare Schrauben. Sie wollten sie glatt wie ein Iphone. Den Anlagenleitern gefiel diese Idee - vier Schrauben bedeuten eine Menge Fließbandarbeit. Die Ingenieure und Designer entwickelten schließlich ein Design mit einer versteckten Schraube und einer Strebe, die die Tür zusammenhalten. 'Es ist einfacher herzustellen', sagt Calvaruso, 'es ist billiger. Und es sieht besser aus.' (...) Die Geschichte dieser vier verschwundenen Schrauben an einer Geschirrspülertür sind der Grund, warum GE-Manager Jeffrey Immelt genug Vertrauen hat, 800 Millionen Dollar auszugeben, um Produktionsstätten in Appliance Park wieder zum Leben zu erwecken." Journalisten, Courage! Wenn das stimmt, wird wieder alles möglich.

Außerdem: Auch in China sieht James Fallows Anzeichen dafür, dass ein Teil der Produktion in die USA zurückkehren könnte. Ein Grund ist die Erfindung von 3D-Druckern, die die Zeitspanne von der Idee bis zur Produktion so beschleunigen, dass an eine Auslagerung nach China gar nicht zu denken ist. Und Die Autorin Ann Patchett erzählt, wie sie, als der letzte Buchladen in Nashville zumachte, kurzerhand selbst einen eröffnete, Parnassus Books. Und es funktioniert!

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Merkur (Deutschland), 03.12.2012

Nach Ausgaben ohne eine einzige Autorin, gönnt sich der Merkur im Dezember eine Ausgabe ganz ohne Autoren, und das ganz ohne Frauenthemen oder Niveauverlust!

Hannelore Schlaffer wünscht sich als Ergänzung zur Ideengeschichte eine Körpergeschichte des Intellektuellen, denn auf äußerliche Abweichung legte der kritische Geist einmal großen Wert, wie Schlaffer Diderots Satire "Rameaus Neffe" entnimmt. "Seine Eleganz ist die Schlamperei, und diese der Ausdruck einer Wahrhaftigkeit, die beim Körper beginnt. Damit brüskiert er selbst die Nonchalance, die sich große Herren leisten dürfen, indem er einen Stil einführt, der einen überlegenen Esprit zur Anschauung bringt. Rauheit der Stoffe, Nachlässigkeit des Schnitts, Fablosigkeit, Ungepflegtheit dienen seit Rameaus Neffen den Anhängern der 'wahren Natur' als Zeichen, an denen sie sich erkennen. Sie verachten glänzende Stoffe, die Aura des aristokratischen Reichtums, und die gute Fasson, die die Figur zur Statue, dem traditionellen Vorbild männlicher Schönheit macht."

Stefanie Peter erzählt, wie Polen sich von einem weiteren liebgewonnen Mythos verabschiedet, dem der aristokratischen Vergangenheit. Aus der unzerstörbaren Adelsrepublik wird wieder ein Land der Bauern, wie sie unter anderem in der gazeta Wyborcza gelernt hat, in einem Interview mit den Warschauer Soziologen Jacek Wasilewski, "in dem dieser darauf hinweist, dass die polnische Gesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg vorwiegend aus Bauern bestand: 'Von denen kommen wir her', sagt Wasilewski, 'nicht von den Czartoryskis, Radziwiłłs oder den herausragenden Vertretern der Krakauer oder Warschauer Intelligenz'."

Julia Voss erinnert an die NS-Ausstellung "Entwartete Kunst" und ihre zum Teil sehr unerwarteten Folgen für die moderne Kunst in der Bundesrepublik.

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New York Review of Books (USA), 20.12.2012

Als "Triumph des Comics" feiert Gabriel Winslow-Yost Chris Wares "Building Stories", das neue Großwerk nach "Jimmy Corrigan" (was laut Winslow-Yost der beste Comic nach Art Spiegelmans "Maus" war). "Building Stories" erzähle vom Leben in einem etwas heruntergekommenen Chicagoer Wohnhaus, dessen drei Stockwerke eine Art "Triptychon der Einsamkeit" bilden. Aber wie! "Das ganze Unglück ist nicht in ein gebundenes Buch untergebracht, sondern in eine rechteckige Pappschachtel - wie für ein Brettspiel -, die vierzehn unterschiedliche Print-Produkte enthält: ein dünner Hardcover-Band, ein imitiertes Kinderbuch, lange ausfaltbare Streifen, geheftete Broschüren, einige enorm großformatige Zeitungen und sogar etwas, das einem Brettspiel sehr ähnlich."

Weiteres: Charles Glass berichtet aus dem syrischen Aleppo und zieht deprimierend Bilanz: "Das wird ein langer, destruktiver Krieg." Timothy Snyder stellt eine Reihe neuer Bücher über den Holocaust vor. Zoë Heller macht sehr deutlich, dass sie Salman Rushdie auch nach Lektüre seiner Memoiren "Joseph Anton" nicht leiden kann. Zu lesen ist außerdem ein Text des polnischen Philosophen Leszek Kolakowski zur Frage, ob Gott glücklich ist.

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La vie des idees (Frankreich), 29.11.2012

Bestürzend liest sich, was Frédérique Leichter-Flack über Anatolij Kusnezow Dokumentarroman "Babij Jar" schreibt, der in Frankreich erstmals in unzensierter Fassung erscheint (in Deutschland hatte Matthes & Seitz das Buch erstmals 2001 in vollständiger Version herausgebracht). Der Autor hatte als Zwöfljähriger mitangesehen, wie über 30.000 Juden in der Schlucht bei Kiew erschossen wurden und Anfang der Sechziger das vorliegende Buch veröffentlicht, das von den Sowjets allerdings stark zensiert wurde. Unzensiert hat es Kusnezow erst in seinem Londoner Exil, Ende der sechziger Jahre, veröffentlicht. Besonders deutlich macht die französische Edition das Ausmaß der Holocaustleugnung in der zensierten sowjetischen Fassung des Buchs kenntlich: Zunächst waren es die Deutschen, die alles taten, um den "Ort des Massakers zu verschleiern (der Autor stützt sich hier auf die Erzählung eines ukrainischen Gefangenen, der daran mitarbeiten musste, als die Deutschen 1943 kurz vor der Aufgabe der Stadt standen). Und es setzt sich fort mit den sowjetischen Bemühungen, alle Spuren des Massakers zu tilgen und jedes kollektive Gedächtnis an die Stätte zu verhindern."

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Economist (UK), 01.12.2012

Sehr interessant porträtiert der Economist den Miterfinder - und-entwickler der Drohne, Abe Karem, der flugzeugtechnisch jetzt die zivile Luftfahrt revolutionieren will - mit einer Technik, die er aus seiner Hubschrauber-Drohne A160 ableitet. "Seine neuestes Luftfahrt-Start Up, Karem Aircraft, zielt darauf ab, den für den A160 entwickelten Rotor an Passagierflugzeuge mit festen Flügeln anzubringen. Aero Train soll so vertikal starten und landen können und soll mit der Boeing 737 und dem Airbus A320 konkurrieren, den Arbeitspferden der kommerziellen Luftfahrt."

Beim genaueren Blick auf den Konkurrenzkampf der vier großen Internetfirmen Apple, Amazon, Google und Facebook fühlt sich der Economist an die Intrigen aus George R. R. Martins von HBO verfilmter Fantasy-Saga "A Game of Thrones" erinnert. Und mit den immer günstigeren 3D-Druckern sieht man hier weitere Industriezweige auf Urheberrechtskrise zusteuern.

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Nieman Lab (USA), 27.11.2012

Jeder, der sich für die nun wieder akute Zeitungskrise interessiert, sollte das brandaktuelle Papier über "postindustriellen Journalismus" lesen, das C.W. Anderson, Emily Bell and Clay Shirky beim Nieman Lab als frei herunterzuladendes Ebook präsentieren. Es versteht sich zugleich als Zustandsbeschreibung und als Manifest und fragt, wie der eigentliche Kernbereich des Journalismus zu retten sei, den die Autoren mit Lord Northcliffe so definieren: "Eine Information ist etwas, das irgendjemand nicht gedruckt sehen will. Alles andere ist Werbung." Dabei nehmen sie an, dass die Zeitungsindustrie unrettbar zusammengebrochen ist und Journalismus sich ganz neu strukturieren muss. Hier ihre fünf Ausgangsthesen:

"- Journalismus ist wichtig
- Guter Journalismus war immer schon umwegfinanziert
- Das Internet bringt die Einnahmen aus Anzeigen zum Erliegen
- Restrukturierung ist darum unausweichlich
- Es gibt eine Menge Chancen, gute Arbeit in vielen neuen Spielarten zu machen."

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Elet es Irodalom (Ungarn), 30.11.2012

Der in Ungarn lebende Übersetzer und Kaffeehausbetreiber Wilhelm Droste sprach mit den beiden Schriftstellern Lajos Parti Nagy und Pál Závada über die fehlende Vergangenheitsbewältigung in Ungarn die rassistische Sprache, deren Gebrauch seit Anfang der 1990er Jahre - vermittelt auch durch Parlaments- und Fernsehkanäle - immer akzeptierter und populärer wurde. Da dies auch einen sprachlichen Angriff darstellt, könne man nur schwer etwas verteidigen, ohne dabei selbst auf dieses Niveau heruntergezogen zu werden, meint Droste. Nach Ansicht von Parti Nagy findet aber die Verbreitung dieses Sprachgebrauchs in zwei Richtungen statt: "Die von oben nach unten einsickernde Sprache entsteht, indem die sich von unten nach oben ausbreitende Sprache nicht eindeutig abgelehnt wird, sie deshalb übermütig wird und zu wuchern beginnt; die von den Gipfeln der Schaupolitik und des Populismus nach unten sickernde Sprache ist bereits eine Reaktion darauf: Sie legitimiert sie und nimmt sie in ihr Wörterbuch auf, als 'Sprache des einfachen Volkes'. ... Dennoch behaupte ich, dass es eines der größten Verbrechen der politischen Klasse in Ungarn war, dass sie sich nicht vom ersten Moment an vom rechtsextremen Teil der Politik ganz konkret distanziert und dessen Mitglieder aus den eigenen Reihen ausgeschlossen hat."

Anfang vergangener Woche hat ein Abgeordneter der rechtsextremen Partei Jobbik im Budapester Parlament seine nazistischen Ansichten mit besonderer Deutlichkeit zum Ausdruck gebracht und angesichts des Konflikts zwischen Israel und den Palästinensern im Gaza-Streifen eine Erfassung der in Ungarn lebenden Juden gefordert, weil sie seiner Ansicht nach ein "Sicherheitsrisiko" für das Land darstellten (mehr dazu hier). Die anderen Abgeordneten schienen die Äußerung überhört zu haben und auch die Regierung gab erst einen Tag später und nach Protesten eine Erklärung ab, in der sie die Äußerungen des Jobbik-Abgeordneten scharf verurteilte und ein entschiedenes Auftreten gegenüber Extremismus, Rassismus und Antisemitismus versprach. Doch das Dokument mutet wie eine lästige Pflichtübung an, denn die Erklärung wurde bereits mehrmals und beinahe wortgleich zu ähnlichen Anlässen verwendet. Der Publizist Gusztáv Megyesi wundert sich nicht über diese sich in einem Copy-und-Paste-Verfahren manifestierende Scheinheiligkeit: "An Feiertagen oder Protokollveranstaltungen können sich Politiker verbal sehr entschieden von extremen Erscheinungen distanzieren, wenn es sein muss, setzen sie dem Schein zuliebe sogar eine Kippa auf. Das Wesentliche ist aber, was die feierlichen Fotos nicht zeigen: wie sie der Rechtsextremen zuzwinkern."

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London Review of Books (UK), 06.12.2012

Für Adam Shatz stellt der Waffenstillstand im Nahen Osten keinen Triumph für Israel dar, im Gegenteil. Er skizziert die geschwächte Position Israels so: "Dass Netanyahu vor dem Einsatz von Bodentruppen Halt gemacht hat und bei den Gesprächen in Kairo zentralen Forderungen nachgab, ist nicht nur ein Indiz für Ägyptens erstarkende, sondern auch für Israels geschwächte Position. ... Seit Jahren klagen Israels Anführer, dass ihr Land die einzige Demokratie in der Region ist. Doch die Zeit der Revolten hat offenbart, dass der arabische Autoritarismus für Israel von enormem Wert gewesen war. Der Umsturz der alten arabischen Ordnung, als Israel sich auf die stille Komplizenschaft großer arabischer Männer verlassen konnte, die ihre Untertanen zwar mit grellen Denunziationen israelischer Missetaten abspeisten, aber nur wenig dagegen taten, ist für Israel eine schmerzvolle Erfahrung gewesen, die im Land das Gefühl weckte, verlassener denn je zu sein. Mehr noch als Netanyahus Wunsch, seine Glaubwürdigkeit auf dem Feld der Kriegsführung noch vor den Wahlen im Jahr aufzupolstern, war es dieser akute Sinn für Verwundbarkeit, der Israel in den Krieg führte."

Eyal Weizman stellt unterdessen Israels Strategie zur Minimierung ziviler Opferzahlen vor: Demnach werden mittels "anklopfender" Mini-Raketen auf Hausdächern und warnender Telefonanrufe Zivilisten vor bevorstehenden Raketenangriffen auf die betreffenden Häuser gewarnt. Owen Bennett-Jones stellt sich Fragen zum Mord an Benazir Bhutto. Außerdem schreibt Gilberto Perez über die Schurken in den Filmen von Michael Haneke und Rosemary Hill besucht die Ausstellung über Henry Stuart in der National Portrait Gallery.

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Chronicle (USA), 26.11.2012

Robert Zaretsky erinnert an Albert Camus, der nächstes Jahr hundert Jahre alt geworden wäre, und an die Rolle, die er heute noch in Algerien spielt: "Nach dem sogenannten zweiten algerischen Krieg in den 1990ern, der zwischen der Regierung und den islamischen Fundamentalisten stattfand und über 100.000 Todesopfer unter Zivilisten forderter, entdeckten verschiedene algerische Schriftsteller Camus als einen der ihren. Säkular, moderat und französischsprachig sahen diese Algerier eine Parallele zwischen ihrer eigenen, durch die muslimischen Fundamentalisten bedrängten Identität und Camus' Insistieren auf die algerische Identität der pieds-noir. Diese algerischen Autoren fühlen sich angezogen von Camus, weil er algerische Wurzeln hat, aber auch, weil seine Schriften universale Werte beschwören. Das ist vielleicht der Grund, warum sein Geist über dem arabischen Frühling schwebte."

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New Yorker (USA), 10.12.2012

Ken Auletta porträtiert Elisabeth Murdoch, Tochter von Rupert, die zusammen mit ihrem Ehemann Matthew Freud ihren Einfluss auf News Corp. geltend machte und nebenher ein eigenes, sehr erfolgreiches internationales Fernsehunternehmen aufgebaut hat. "Die Erbin" ist der Artikel überschrieben. Dass sich diese Prophezeihung erfüllt, ist noch längst nicht abgemacht: Elisabeth und Matthew "haben beide darum gekämpft, ihre dominierenden Väter zu beeindrucken, und sie mussten lernen, das Gewicht eines berühmten Familiennamens zu tragen. 'Man kann keinen Raum betreten, ohne dass die Leute auf einen zeigen', sagt Freud. 'Man fühlt sich entweder erhoben oder unwert.' Seinem inneren Sigmund nachgebend erklärt er, er und Murdoch teilten 'ein sehr starkes und frühes Verlangen nach einer eigenen Identität.' Sie wurden von der britischen Presse 'goldenes Paar' getauft. Doch ohne große öffentliche Beachtung wurden sie fast so etwas wie eine fünfte Kolonne innerhalb des Murdoch-Imperiums. Sie stellten die journalistische Ethik von News Corp. in Frage und festigten ihre Unabhängigkeit."

Außerdem: James Surowiecki geht Mittagessen mit Warren Buffett. James Wood widmet sich den Büchern von Per Petterson. David Denby sah im Kino "Hyde Park on Hudson" und "The Central Park Five". Online lesen dürfen wir außerdem Steven Millhausers Geschichte "A Voice in the Night".

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Vanity Fair (USA), 30.11.2012

Scott Sherman erinnert an den großen New Yorker Zeitungsstreik vor fünfzig Jahren, mit dem sich die Drucker fast vier Monate lang gegen die ersten computerisierten Satzmaschinen wehrten, und liefert nebenbei ein vielfarbiges Panorama des Zeitungsjournalismus zu jener Zeit. Der Streik kostete vier von elf New Yorker Zeitungen über kurz oder lang die Existenz, darunter die bis heute legendäre Herald Tribune. Aber er hatte auch seine guten Nebeneffekte: "Auf der Upper West Side profitierte eine Gruppe von Redakteuren und Autoren -  Robert Silvers, Jason und Barbara Epstein, Robert Lowell and Elizabeth Hardwick - von dem Streik und lancierte ein anspruchsvolles literarisches Magazin nach Londoner Vorbild - die New York Review of Books. Sie alle hatten lange Zeit unter der schlechten Qualität der Literaturteile in der Stadt gelitten und waren sich voll bewusst, dass der Streik den Buchverlegern Werbemöglichkeiten geraubt hatte. 'Eines Morgens im Januar', erinnert sich Robert Silvers, 'rief Jason mich an und sagte, dass jetzt genau der Moment sei, ohne alles Kapital eine Zeitschrift über Bücher zu starten."

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Polityka (Polen), 30.11.2012

Nach den schweren Krawallen von Rechtsradikalen am Unabhängigkeitstag Polens schlägt der Soziologe Lukasz Jurczyszyn im Interview (hier auf Deutsch) vor, Konflikte zu institutionalisieren. "Ich habe den Konflikt im erwähnten Brieg, wo es zu einer Eskalation der Gewalt gegen die Gruppe der Roma kam, seinerzeit untersucht. Die Konfliktparteien waren: auf der einen Seite junge Einwohner dieses Ortes, denen niemand je gesagt hatte, dass Fremdenfeindlichkeit eine verurteilenswerte Haltung ist, und auf der anderen Seite die Roma, die ärmsten Bürger der Stadt. Eben wegen dieser Armut erfüllten sie am schnellsten die Kriterien, die die Zuteilung einer Kommunalwohnung garantieren. Uneingeweihten kam es so vor, als wären die Roma privilegierter als die 'echten Polen', nur weil sie eine Minderheit sind. Es stellte sich heraus, dass in einer Stadt, in der es auf dem Papier über hundert gesellschaftliche Organisationen gibt, niemand systematisch mit der marginalisierten Jugend arbeitete. Mit Ausnahme des ONR [Nationalradikales Lager]."

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Nation (USA), 04.12.2012

Es gab 1945 keine "Stunde Null", lernt Tara Zahra, Historikerin an der University of Chicago, aus R.M. Douglas' auch schon auf Deutsch erschienenem Buch über die Vertreibung der Deutschen: "Das Wissen um das Massaker an den europäischen Juden hat in Europa (oder in den Vereinigten Staaten) ganz sicher nicht den Antisemitismus in Verruf gebracht. Nach dem Krieg trieben Pogrome und Plünderungen die große Mehrheit der überlebenden Juden aus Polen, Rumänien, Ungarn und der Tschechoslowakei ausgerechnet nach Deutschland und unter den Schutz der Alliierten. Aber sogar alliierte Behörden betrachteten jüdische Überlebende als unerwünschte Emigranten. Oft boten sie baltischen oder ukrainischen ehemaligen SS-Angehörigen - jetzt als Opfer des Kommunismus rehabilitiert - eher Asyl an als den Juden. Darüber hinaus diskreditierte die Erfahrung der Nazibesatzung nicht den Nationalismus an sich oder die Politik ethnischer Säuberung."

Außerdem: Andre Schiffrin sieht die Buchwelt immer mehr schrumpfen: die Fusion von Random House mit Penguin werde den Niedergang nur beschleunigen.

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Stichwörter: Chicago

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New York Magazine (USA), 02.12.2012

Als Literaturstudent teilte Chris Hughes (Bild) ein Zimmer mit Mark Zuckerberg, war einziger Mitbegründer von Facebook ohne technischen Hintergrund, zog sich 2008 mit einem Prozent Anteil (heute ungefähr 850 Millionen Dollar wert) aus dem aktiven Facebook-Geschäft zurück, um Obamas Online-Wahlkampf mitzugestalten, heiratete 2012 seinen Freund Sean Eldridge und kaufte das vor dem Aus stehende Magazin The New Republic. Außerdem wurde er vor ein paar Tagen 29 Jahre alt. Carl Swanson porträtiert ihn als jungen Mann, der sowohl verlegerisch als auch unternehmerisch nach Wegen sucht, The New Republic profitabel zu machen. Sein größter Pluspunkt dabei scheint zu sein, dass die Welt ihm freundlich gegenüber steht und seinen Erfolg will: "Seine Hochzeit im letzten Sommer war eine Art politische Feier. Auf dem Tanzboden gab Senator Schumer seinen besten Saturday Night Fever finger-point - direkt vor den Augen von Zuckerberg, Sean Parker, Cory Booker, Gayle King, und Mo Rocca. Als ich Hughes fragte, ob er das Ereignis nicht etwas, nun ja, übertrieben fand, guckte er, als sei ihm das nie in den Sinn gekommen. Das sind die Leute, mit denen wir rumhängen, sagt er. 'Wir haben Nancy Pelosi seitdem zwei Mal gesehen, einmal in ihrem Haus in Napa. In dieser Beziehung war es wie die meisten Hochzeiten: ein Zusammentreffen vieler Welten.'"

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Kompass des Bösen

26.08.2014. Im Spectator gibt der Historiker Tom Holland einen Einblick in die religiösen Vielfalt Mesopotamiens, die die Isis gerade zerstört. Vanity Fair erzählt die Geschichte der Madame Claude. Dawn stellt ein Buch über den muslimischen Zionismus in Pakistan vor. Kathrin Passig denkt in Funkkorrespondenz über die Nützlichkeit irrationaler Argumente nach. Die Public Domain Review erzählt, wie das Lachgas den Schriftstellern und Wissenschaftlern die Sprache verschlug. Das TLS liest eine neue Brecht-Biografie. Mehr lesen

Düster, aber gesund

19.08.2014. In Wired erklärt Edward Snowden, wie die besten Absichten direkt in die Hölle führen. Nepszabadsag fragt: Soll Imre Kertesz den selben Orden annehmen wie Göring? In Film Comment  will Alexander Sokurow dem Kino mit Literatur aus den Kinderschuhen helfen. Soziale Mobilität gibt es nicht, verkündet der Soziologe Jules Naudet in Les inrockuptibles. The Dissolve freut sich auf den Pepys aus Hollywood. Mehr lesen

Ein weiterer Pfannkuchen

12.08.2014. The Nation porträtiert Alessandro Spina, Chronist des Untergangs des italo-arabisch-ottomanischen Universums. Die London Review wird von einem Stalker verfolgt. Al Ahram fragt: Was wollen die Palästinenser? Im New York Magazine schildert Werner Herzog seine einzige Drogenerfahrung mit Marmelade von Popol Vuh. Bloomberg Businessweek erzählt, wie Tony Blair versuchte, Gaddafis Geld zu verwalten.
Mehr lesen

Der Wille zur Jacht

04.08.2014. Telerama und der New Yorker suchen den Aufstieg über den krummen Pfad. Elet es Irodalom und das San Francisco Magazine freuen sich über die Demokratisierung der Kritik durch das Internet. Harper's Magazine beantwortet die Frage, ob James Joyce Syphilis hatte. MicroMega porträtiert den linken uruguayischen Staatspräsidenten Pepe Mujica als Franziskaner. Medium begleitet Obdachlose zu Tests für die Pharmaindustrie. Pitchfork feiert die Renaissance des Vinyl. Mehr lesen

Der Leser, den ich liebe

29.07.2014. The New Republic jagt einen Sturm namens William T. Vollmann. In der New York Review of Books lernt Jonathan Freedland von Ari Shavit, was linker Zionismus ist. Die London Review of Books porträtiert einen doppelt impotenten Alain Robbe-Grillet. Hairpin porträtiert eine Giftmörderin des 17. Jahrhunderts, die Marquise de Brinvilliers. Pacific Standard fragt: Was ist Ihre DNA wert? Der New Yorker sucht das weibliche Hirn bei Radikalfeministinnen und Trans-Frauen. Mehr lesen

Tutanchamun und der Teacher

22.07.2014. Wenn der Westen sich mit Palästina beschäftigt, beschäftigt er sich meist mit sich selbst, lernt The Nation. Der  spanische Schriftsteller Jorge Carrión besucht für El Pais Semanal die Welthauptstadt der Sekten. Der Guardian sammelt Stimmen schottische Autoren zum Referendum. The Humanist bewundert die neuen Formen Teju Coles. Die Huffington Post analysiert die wahre Identität der Techno-und Elektro-Szene in Paris. Wired verschickt seine Post demnächst nur noch mit Dark Mail. Mehr lesen

So viel Schönheit

15.07.2014. Der Globe and Mail stellt Larry, den Hummer vor. Der Pacific Standard porträtiert die "Organ-Detektivin" Nancy Scheper-Hughes. Fördert Truvada, die "morning-after"-Pille gegen HIV, heißen Sex unter Homosexuellen, fragt das New York Magazine. Die LRB hat wenig Hoffnung für den Irak, etwas mehr für in Brooklyn lebende Literaten. Der argentinische Autor Martín Caparrós besichtigt für El Pais Semanal den größten Tresorraum der Welt für die Superreichen. Selbst Thomas Piketty betrachtet die Ungleichheit durch die Brille des Westens, murrt Le monde diplomatique. Und die NYT betrachtet den Ebookmarkt according to Amazon. Mehr lesen

Spieler ohne Trainer

08.07.2014. Film Comment analysiert den Poliziotteschi, den italienischen Polizeithriller der 60er und 70er Jahre. In Repubblica wartet Roberto Saviano auf den Moment, an dem die Ndrangheta wieder zur Messe geht. Im Guardian feiert Zadie Smith die  eiskalte Präzision J. G. Ballards. Im New Yorker erinnert Héctor Tobar daran, wie vor vier Jahren  über 33 chilenischen Bergleuten die Erde einstürzte.  In Eurozine meint Thomas Piketty: Mehr Wettbewerb ist auch nicht die Lösung. Und die NYT ist froh, kein SEEBÖWE zu sein. Mehr lesen

Noch etwas Allzuwörtliches

01.07.2014. Osteuropa begutachtet die neue russische Kampfpropaganda. In Open Democracy erklärt Nadja Tolokonnikowa rechten und linken Anhängern Putins: Menschenrechte sollten nicht nur im Westen gelten. Der Merkur bittet, zwischen digitaler Literatur und Netzliteratur zu unterscheiden. Eurozine untersucht Film als Metapher. Die NYRB erklärt, warum die Stärkung von Konsumentenrechten eine Stärkung Amazons zur Folge hat. Atlantic denkt über Afghanistan nach Karzai nach. Und Tablet porträtiert BHL als homme d'honneur. Mehr lesen

Kritikimmuner Springteufel

24.06.2014. Der Hollywood Reporter porträtiert den schwedischen Regisseur Malik Bendjelloul, der vor wenigen Wochen Selbstmord beging. Der New Yorker zertrümmert die Diskontinuitätstheorie. Im Guardian erklärt Will Self den Verwandtschaftsgrad von neolithisch und neoliberal. In Valleywag erklärt Lawrence Lessig, warum Silicon Valley im Moment ein guter Bündnispartner ist. Der Rolling Stone bestaunt den Nipster. Wired sagt Servus zur Netzneutralität. Und die NYT fragt: Thirtysomethings, wollt ihr ewig bei euren Eltern leben? Mehr lesen

Das Gehirn in Technicolor

17.06.2014. La vie des idees fragt: Hat Musik eine Farbe? Ohne Gott keine universalen Werte, bescheinigt John Gray im New Statesman Kenan Malik. Tin House besucht den Special-Effects-Künstler Tom Savini. Die LRB feiert Polke, die NYRB feiert El Greco, der Howler feiert den Torwart. Der Guardian setzt den großen Säuferinnen der Literaturgeschichte ein Denkmal. Immerhin kann man es mit Drogen auch mit 90 Jahren noch zum Millionär bringen, erzählt die New York Times. Mehr lesen

Hack es durch

11.06.2014. William T. Vollmann feiert den irakischen Autor Hassan Blasim in Bookforum als Meister des außerordentlichen Grauens. In der Paris Review denkt Karl Ove Knausgaard beim Anblick eines Genicks an Mord. Den Guardian gruselt die Umsetzung sarrazinscher Eugenik in China. Eurozine beklagt den Verfall der brasilianischen Architektur. La vie des idees spielt um einen Job bei L'Oreal. Mehr lesen

Niemals peinlich

06.06.2014. Die NYRB überlegt, wer alles Schuld ist am wachsenden Terrorismus in Afghanistan. Im New Statesman erinnert John Gray an Maos Freunde in der akademischen Welt. Der New Yorker porträtiert den englischen Schriftsteller Edward St. Aubyn. Rue89 widmet sich den neuen Porn Studies. In der LARB beschuldigt Muhammad Idrees Ahmad Seymour Hersh, im Falle Syriens profaschistischer Propaganda aufgesessen zu sein. In Eurozine erklärt Peter Sloterdijk, warum es in Deutschland keine digitale Kompetenz gibt. Mehr lesen

Atonale Geschichtsschreibung

30.05.2014. Der New Yorker begibt sich unter die israelischen Expats in Berlin. Rue 89 denkt über Open Source in der Medizin nach. Bloomberg Businessweek hört "Stairway to Heaven" von Randy California. Der spanischsprachige Buchmarkt gehört den Deutschen, meldet die Revista Anfibia. Elet es Irodalom sucht nach der Zwölftontechnik der Geschichtsschreibung. Die New York Times sorgt sich um unseren von Hackern bedrohten Vagusnerv. Im Guardian erklärt der Juraprof Eben Moglen: Der Kampf gegen Massenüberwachung ist so legitim wie der Kampf gegen die Sklaverei. Mehr lesen

So wurde Rebellion zur neuen Mitte

23.05.2014. Salon erledigt den Nonkonformismus mit Normcore. Berlusconi ist für Matteo Renzi, was Thatcher für Blair war: ein Vorbild, notiert die London Review of Books. Die Zeit versucht in der Ostukraine eine prorussische Demo zu begleiten. The New Republic erklärt, wie Putin das russische Internet kaputt macht. Die Jerusalem Post spendiert dem Prinzen Fahd bin Sultan bin Abdul Aziz Al Saud eine Portion Viagra. Im Spiegel schreibt Cordt Schnibben über seinen Vater, den Werwolf. Das New York Magazine überlegt, warum die Chefredakteurin der New York Times Jill Abramson gefeuert wurde. Mehr lesen

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